„Wer Bauland sät, wird Verkehr ernten“

„Wie werden wir 2020 leben und unterwegs sein?“ Eine in Zeiten der Wirtschaftskrise und des Klimawandels höchst brisante Frage. In einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde besprachen am 3. Februar ExpertInnen und PolitikerInnen die Zukunftsperspektiven der Raum- und Mobilitätsentwicklung in der Steiermark. Dazu standen Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder und Landesrat Manfred Wegscheider dem Fachpublikum Rede und Antwort.

Bei einer Veranstaltung des Landes Steiermark (Fachabteilung 13 B Bau- und Raumordnung, Abteilung 16 Landes- und Gemeindeentwicklung und Abteilung 18 Verkehr) und der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten im bis zum letzten Platz gefüllten Konferenzsaal des Flughafens Graz wurden Herausforderungen und Perspektiven, aber auch das Mobilitätsverhalten der Steirerinnen und Steirer vor dem Hintergrund der Raumentwicklung unseres Bundeslandes zur Sprache gebracht.

„Mobilität ist Kern unserer Kultur der Individualität“ bringt die Trendforscherin Sophie Karmasin die Bedeutung des Themas auf den Punkt. Obwohl in ökologischer Hinsicht wünschenswert, ist der Verzicht auf motorisierte Mobilität ein Indikator für Negativ-Trends. Dass ein guter Teil der von Karmasin Befragten damit rechnet, in Zukunft weniger mobil zu sein, ist auch ein Ausdruck der aktuell das Denken bestimmenden Wirtschaftskrise. Verkehrsplaner Werner Rosinak: „Der Blick auf morgen ist immer vom Heute bestimmt.“ Mit dieser Aussage stellt er die Treffsicherheit subjektiver Einschätzungen künftiger Entwicklungen zur Diskussion. Die Erwartungshaltung beeinflusst auch die Ergebnisse wissenschaftlich korrekt erarbeiteter Prognosen.

Mehr Marketing für den Öffentlichen Nahverkehr?

Interessant sind auch die Ergebnisse einer Befragung zur Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel. Es gibt ein großes Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Trendwende hin zu ökologisch sanfteren Formen der Fortbewegung. Die Bereitschaft, das eigene Mobilitätsverhalten in Frage zu stellen, ist jedoch gering. Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder (VP) sieht daher in zielgruppenspezifischen Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen für den Umstieg auf umweltgerechtere Formen der Mobilität (z.B. im Rahmen der S-Bahn-Offensive) eine der zentralen Aufgaben der Politik.

Möglichkeiten der Raumordnung und Regionalentwicklung

„Wer Bauland sät, wird Verkehr ernten“, so Raumplaner Günther Tischler. Die Nachteile der Zersiedelung sind in der Steiermark offensichtlich. In Ballungsräumen und entlang der Entwicklungsachsen kann der Öffentliche Verkehr seine Qualitäten entfalten. Bei weiteren Pendlerentfernungen, etwa aus der Obersteiermark in die Ballungsräume Graz - aber auch nach Wien - ist die Bahn konkurrenzfähig. „Wenn der Öffentliche Verkehr etwas bietet, wird er auch genutzt“ betont Reinhold Deußner, Vorstandsmitglied des Österreichischen Instituts für Raumplanung (ÖIR).

Für die Bündelung einer Reihe von entwicklungspolitischen Aktivitäten auf kommunaler und regionaler Ebene wurde unter anderem vor diesem Hintergrund durch LH Franz Voves und LH-Stellv. Hermann Schützenhöfer die Initiative regionext gestartet (www.regionext.steiermark.at).

Landesrat Manfred Wegscheider (SP) verweist auf die ambitionierte Aufarbeitung raumplanerischer Altlasten: Das aktuelle Raumordnungsgesetz stammt aus dem Jahr 1974 und hat 22 Novellen erfahren. Seit 2007 wird am neuen Gesetz mit zahlreichen Verbesserungen gearbeitet. Das neue Raumordnungsgesetz soll noch 2009 verabschiedet werden.

Weitere Veranstaltungen zum Thema Raumentwicklung

Der Themenabend „Mobilität 2020“ des Landes Steiermark und der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten war der Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Thema „Raumentwicklung Steiermark 2020“ und wird mit zwei weiteren Veranstaltungen zu den Themen „Energie“ (am 2. April 2009 im Forum Kloster Gleisdorf) und „Tourismus“ (am 14. Mai 2009 im Schloss Gabelhofen) fortgesetzt.

Datum:

Thu 12/02/2009

Kommentare

zu viele Köche verderben den Brei

... dieses Sprichwort trifft mit Sicherheit auf diese Veranstaltung zu.
Es ist schon etwas viel verlangt 3 ReferentInnen und eine Podiumsdiskussion ohne Pause dem Publikum zuzumuten.
Die aufschlussreiche Studie von Frau Karmasin wäre genug gewesen, dann wäre auch für eine Diskussion mehr Zeit geblieben. Eine Kernaussage der Sutdie war: von Mobilitätseinschränkungen am stärksten betroffen werden die Frauen sein, die auch jetzt schon zur wenig mobilen Gruppe gehören.
2. wesentliche Aussage: Das Vertrauen in politische Lösungen der Verkehrs- und Mobilitätsprobleme ist gering.
Dieses Vertrauen ist mit Sicherheit nach dieser Veranstaltung auch nicht gewachsen. Aussagen von LR. Wegscheider- "der Wunsch nach dem Eigenheim ist legitim- oder "die Zersiedlung hat auch eine bestimmte Lebensqualität und Heimatgefühl gebracht" ließen aufhorchen
Der Satz von DI G. Tischler- wer Bauland sät, wird Verkehr ernten- ist nur zu wahr.
Ein erfrischendes Zitat konnte man mitnehmen: Karl Valentin: "die Zukunft war früher auch besser".

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