Sehr um Ihre Interessen bemüht...

Heute beginnen die Abbrucharbeiten in der Metahofgasse 10-16 bzw. in der Rebengasse 13 in Graz. Und wieder einmal verschwindet ein Stück Stadtgeschichte sang- und klanglos. Die Abbruchfirma wird sich darum bemühen, die Lärm- und Staubbelästigung für die Anrainer so gering wie möglich zu halten.

Vielleicht wird die sonst auf Aufbau spezialisierte Firma mit dem Spezialabbruchzweig des Unternehmens auch gleich wieder darangehen, Abgebrochenes neu aufzubauen. Was daran bemerkenswert sein soll, und warum GAT erst heute darüber berichtet, wo ohnehin schon alles zu spät ist?
Genanntes Ereignis steht stellvertretend dafür, wie die Stadt mit ihrer Geschichte umgeht: Während auf der einen Seite (der Mur) wertvolle Bausubstanz mit medialer Begleitung untergeht, verschwinden die alten Bauten der Murvorstadt beständig und unbeachtet, ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Bedeutung und ihres Alters. Bekanntlich war und ist die rechte Seite der Mur die schlechte Seite von Graz, dort wo sich früher Gesetzlose und Gesindel herumtrieben, sich später von außen Hinzugekommene zwecks Arbeit in den neu gegründeten Industriebetrieben niederließen und heute nicht viel anders Hinzugekommene von weiter weg. Aber wie wir mittlerweile aus aktuellen theoretischen Stadtdiskursen - Schlagwort Gentrifizierung - wissen, ist hier auch das eigentliche Leben zuhause.

Zurück zum Objekt Metahofgasse 12, bzw. Rebengasse 9: Es bedarf großer Aufmerksamkeit, in diesem Fall eines Bewohners und Kenners dieser Gegend, um zu bemerken, dass größere Veränderungen wie etwa der Abbruch unmittelbar bevorstehen, die in manchen Fällen wie im genannten dann aber lediglich dazu ausreichen, um der Nachwelt eine kleine Bestandsaufnahme in Form einer Fotostrecke zu hinterlassen, um sie vor dem völligen Verschwinden noch einmal kurz sichtbar zu machen. Untrügliche Anzeichen eines bevorstehenden Abbruches sind herausgerissene Fenster, die das Gebäude ungeschützt lassen, die Öffnungen geben noch einmal das Innenleben und die alten Stuckdecken preis, die auf ein angemessenes Alter hinweisen.
Das Nachschlagen in der "Österreichischen Kunsttopographie" bestätigt die Vermutung: "Nr. 12 (Rebengasse Nr. 9). Zweigeschossiges, zwei- und dreiachsiges Schopfwalmgiebelhaus des 17./18. Jhs. mit spätmittelalterlichem Kern über hakenförmigem Grundriß. Umbaute Mitte des 19. Jhs. Am südseitigen Dachgesims Steinkonsole mit einfachem behelmtem Stuckkopf, um 1800. - Im Erdgeschoß Tonnengewölbe mit Stichkappen auf Wandpfeilern, Ende des 15. Jhs." ("Österreichische Kunsttopographie Band XLVI. Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz. Die Profanbauten des IV. und V. Bezirkes, Lend und Gries", Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1984, S. 364.)

Die Bedeutung dieses Hauses lag nicht zuletzt darin, dass es neben jenem vis à vis in der Metahofgasse gelegenen, das letzte Handwerkshaus des 17./ 18. Jhs. in dieser Gasse war, das nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Sehenswert sind aber auch die Kleinodien der benachbarten Busgarage, die nach 45 Jahren ausgedient hat.

Bis Redaktionsschluss war es wochenendbedingt nicht möglich, näheres über zukünftige Pläne an dieser Stelle in Erfahrung zu bringen.

Verfasser/in:
Ute Angeringer-Mmadu, Kommentar

Datum:

Mon 06/04/2009

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Denkmalschutz

Ich ernenne hiermit in Anlehnung an die Homepage des BDA dieses Gebäude zum "DENKmal des Monats" April 2009.

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