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1984: Platz für Menschen

Die Erfahrungen in den frühen 80er Jahren hatten gezeigt, daß es nicht ausreicht, einzelne Strassenzüge als Fußgängerzone auszugestalten und darüber hinaus verschiedenartigste verkehrstechnische Regelungen einzuführen, um die historischen Stadtzentren aus der Umklammerung durch den Autoverkehr befreien zu können. 1986 wurde daher von mir ein Konzept vorgestellt, das vorsieht, sämtliche öffentliche Flächen zunächst innerhalb der mittelalterlichen Ringmauern der Altstadt und dann Schritt für Schritt in weiteren Teilen des historischen Zentrums einer dem jeweiligen Bereich angemessenen fußgängerfreundlichen Gestaltung zuzuführen. Dieses Konzept erhielt den Namen "Platz für Menschen".
Erich Edegger, Platz für Menschen, in: stadtarchitektur architekturstadt, Architektur und Stadtentwicklung 1986 - 1997, Magistrat Graz, Amt für Stadtentwicklung und Stadterhaltung,1997 (?), S 25.
In der Grazer Altstadt hat sich das Gefüge von Plätzen, Strassen und Gassen in seiner ganzen Vielfalt bis auf den heutigen Tag erhalten. Monumentalgebäude, Baudenkmäler - Zeugen der bürgerlichen und religiösen Baukultur - prägen diese Räume in unverwechselbarer Weise. Das differenzierte Netz der Raumfolgen, die Konzentration geschäftlicher und kultureller Nutzungen auf engstem Raum sind wesentliche Voraussetzungen, daß sich der Stadtbürger mit diesem Ort identifizieren kann.

1986 wurde das Franziskanerviertel Fussgängerzone, 1987 folgten die Prokopigasse, der Mehlplatz, die Stempfergasse und der enge Teil des Bischofsplatzes. 1988 der Glockenspielplatz, 1989 die Stubenberggasse und die Hofgasse, 1990 die Albrechtgasse und die Schmiedgasse. 1991 wurde der Tummelplatz, der Färberplatz und der Südtiroler Platz fußgängerfreundlich gestaltet. 1992 konnte der Fußgängersteg über die Mur als Teil der geplanten "Kulturachse" fertiggestellt werden. (Im Anschluß daran erhielten Mariahilferplatz und -straße ihr heutiges Gesicht und als jüngstes Großprojekt wurde 1996 der vollständig neu gestaltete Jakominiplatz feierlich seiner Bestimmung übergeben.)* Als weitere Schritte stehen die Ausgestaltung des Schloßberg-, Lend- und Grießplatzes, des Bahnhofvorplatzes, des Bereiches um die Hauptbrücke, sowie die Neuordnung des Hauptplatzes an. In einer Studie von Klaus Gartler werden dreißig weitere, meist in den städtischen Nebenzentren liegende Plätze auf Möglichkeiten zur Umgestaltung untersucht. Generell darf sich die Gestaltung öffentlicher Strassen und Plätze nicht auf die Aufteilung von Funktionsflächen für den Verkehr beschränken, sondern sie muß wieder als kulturelle Aufgabe verstanden werden, die ein wesentliches Bild unserer Gesellschaft zeichnet.

Erich Edegger
Platz für Menschen
in: stadtarchitektur architekturstadt, Architektur und Stadtentwicklung 1986 - 1997
Magistrat Graz, Amt für Stadtentwicklung und Stadterhaltung, 1997, S 25

Ergänzung der Redaktion, da die Realisierung erst nach dem Tod Edeggers erfolgte.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mon 02/08/2004

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