|
Unter dem Motto "Totes Leben gibt es nicht" zeigt die TU Graz in einer Präsentation von Herbert Eichholzers Leben und Werk eindrucksvoll, was eine interaktive Ausstellung ist.
Herbert Eichholzer, der Grazer Architekt und Widerstandskämpfer ist seit 61 Jahren tot, umgebracht von den Schergen des Nazi Regimes, doch sowohl sein politisch-soziales wie sein architektonisches Vermächtnis ist modern im Sinne von zeitgemäß geblieben. Des Architekten Berufsethos, „eine bessere Welt zu verlassen, als man sie vorgefunden hat“ (Schütte-Lihotzky), war damals und ist heute nicht ohne gesellschaftliche und politische Umwälzungen zu schaffen und hat nichts an Aktualität verloren.
Folgerichtig ermöglichen die Gestalter der Ausstellung „Totes Leben gibt es nicht“, allesamt Mitarbeiter am Institut von Urs Hirschberg, jedem Besucher auf spielerische Weise einen persönlichen Bezug zu Herbert Eichholzer.
Mittels Barcode auf der eigenen Einladungskarte, die wie 4000 weitere versandte Einladungen ein Unikat ist, begibt man sich in eine Installation, indem man sich vor einen grünen Hintergrund stellt. In Echtzeit - zu beobachten auch für alle anderen Anwesenden - wird man in ein leinwandgroßes Bild aus dem Nachlass Herbert Eichholzers hinein collagiert, und zwar in eines, das in direktem Zusammenhang mit den Daten auf der persönlichen Einladungskarte steht. Diese Technik nennt man AR oder Augmented Reality. Sie erweitert die Realität durch das Überlagern von realen - historischen - und virtuellen Bildern in Echtzeit. Das daraus entstehende Bild enthält dadurch eine neue Unmittelbarkeit und einen persönlichen Bezug, der zum Nachdenken oder auch zur Identifikation beitragen kann. Die auf diese Weise produzierten neuen Bilder werden einerseits unmittelbar im Raum präsentiert und können als Farbausdruck mit nach Hause genommen werden.
Das Haus Lind in der Grazer Rosenberggasse etwa, vom jetzigen Besitzer/Spekulanten sträflich vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben, kann so zur Momentaufnahme der eigenen Sehnsucht werden: der, das Haus erwerben und restaurieren zu können, um sich mit Besitzerstolz und Freunden auf der gerahmten Dachterrasse ablichten zu lassen.
Zusätzlich zur spielerischen Komponente kann diese Installation als Metapher gelesen werden. Sich einzulassen auf Herbert Eichholzer und sein Werk, mitten hinein zu treten, seine Aktualität zu überprüfen und seine eigene Position dazu zu finden. Und Teil des virtuellen Eichholzer-Archivs zu werden, das in der Mediendatenbank der Architekturfakultät der TU Graz künftig im Internet abgerufen werden kann.
| Verfasser/in: |
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
|
| Datum: |
12|07|04 |
Lesen Sie auch ...
Weiterführende Links ...
|
|
Herbert Eichholzer (1903-1943)
Autoren, Herausgeber und Festredner
v.l: Günter Koberg, Antje Senarclens de Grancy, Eichholzers Neffe Manfred Eichholzer, Heimo Halbrainer, Friedrich Achleitner und Urs Hirschberg
Friedrich Achleitner über Eichholzer
Dekan Urs Hirschberg, Vizerektor Theurl und Öffentlichkeitsarbeiter Koberg
Die Autoren Antje Senarclens de Grancy und Heimo Halbrainer mit Friedrich Achleitner.
Copyright für Bilder 2-5: Archiv TUGraz - Foto Moderitz
|