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Plattform Architektur im Gespräch mit dem Grazer Planungsstadtrat Rüsch

#1827

Nachdem die Gespräche um einen Fachbeirat für Architektur und Stadtentwicklung in Graz seit dem Frühsommer 2005 nahezu verebbt sind - ein für Graz ausgearbeitetes Modell hätte bereits 2005 in ein Probejahr gehen sollen (GAT berichtete) - lud die Plattform Architektur, die Vereinigung der Grazer Architekturinstitutionen, Planungsstadtrat Gerhard Rüsch am 16.12.2005 zu einem klärenden Gespräch ins Haus der Architektur in Graz ein.

Lesen Sie nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte dieses Gesprächs:

Nach der offiziellen Begrüßung bringt die Plattform Architektur das von der Stadtbaudirektion Graz verfasste Konzept für einen Fachbeirat, das auf Basis einer umfassenden Studie der in Österreich etablierten Gestaltungsbeiräte verfasst wurde, zur Sprache und ersucht Stadtrat Rüsch um eine Klarstellung, weshalb dieses für sie durchaus praktikable Konzept bisher nicht umgesetzt wurde und welche Alternativen es seiner Meinung nach dazu gibt.
Rüsch betrachtet die Gestaltungsbeiräte in Linz und Salzburg, die im Rahmen der Enquete für Baukultur im Juni 2005 in Graz von Vertretern der beiden Städte präsentiert wurden, kritisch, da sie gesetzlich nicht verankert sind, also nicht wirklich verpflichtend zur Begutachtung von Projekten eingesetzt werden müssen.
Er stellt als Alternative zu den etablierten Modellen ein Vier-Punkte-Konzept zur Qualitätssicherung der Grazer Stadgestalt vor, das noch zu diskutieren ist und eine langfristig brauchbare Lösung bringen soll:
1. Stärkung des Wettbewerbwesens
Rüsch beabsichtigt Wettbewerbe für Investoren, die in der Diskussion um einen Fachbeirat wiederholt Rechts- und Planungssicherheit forderten, attraktiver zu machen, da sie erfahrungsgemäß zum bestmöglichen Ergebnis und zur Verkürzung des Planungsablaufs führen.
2. Einführung eines Projekttisches zur behördlichen und gestalterischen Vorbegutachtung von Bauvorhaben
Sowohl Bauträger als auch Architekten sind bei Planungsabläufen immer wieder von Zeitverzögerungen betroffen. Rüsch führt dies darauf zurück, dass es weder im Stadtplanungsamt noch in der Stadtbaudirektion Graz Sprechtage für Planungsfragen gibt. Er schlägt vor, einen Projekttisch mit allen Vertretern der Stadt (Behörden, ASVK Altstadtsachverständigenkommission, Verkehrsamt, Denkmalamt, Stadtplanungsamt) – ein offener Tisch, der auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen werden kann - zu installieren.
3. Flächendeckender Bebauungsplan für Graz
Bisher wurden im Stadtgebiet von Graz Bebauungspläne(*) nur auf Anfrage erstellt. Rüsch beabsichtigt, diese zur Qualitätssicherung flächendeckend für das gesamte Stadtgebiet von Graz anlegen zu lassen. Davon würden seiner Meinung nach Bauträger und Architekten gleichermaßen profitieren.
4. Interdisziplinär besetztes Stadtforum
Rüsch vermisst eine Diskussion über die langfristige gestalterische Entwicklung von Graz (z. B. Hochhaus-Diskussion, Bebauungsdichte…). Ein interdisziplinär besetztes Stadtforum könnte diese Diskussion führen und Konzepte entwickeln.

Die anwesenden Vertreter der Plattform Architektur weisen im Zusammenhang mit dem von Rüsch angedachten Projekttisch darauf hin, dass sich dieser nicht nur aus Beamten, sondern auch aus ArchitektInnen, die zur möglichst objektiven Begutachtung von Projekten unbedingt von außen kommen sollten, zusammensetzen muss, um u. a. auch Gestaltungsfragen in befriedigender Weise behandeln zu können. Außerdem befinden sie den von Rüsch angesprochenen flächendeckenden Bebauungsplan für Graz als qualitätssicherndes Instrument für ungeeignet, da er lediglich der Raumordnung dient und nicht der Gestaltung, diese sogar erheblich einschränken kann.

Geht es nach Stadtrat Rüsch, soll das präsentierte Vier-Punkte-Konzept im Februar 2006 im Rahmen eines Workshops mit Vertretern der Architektenkammer, der Plattform Architektur und der Stadt Graz (Stadtbaudirektion und Stadtplanungsamt), diskutiert und ausformuliert und noch im ersten Halbjahr 2006 im Grazer Gemeinderat beschlossen werden. Die Kernaufgabe dabei wird sein, eine akzeptable Lösung zu finden, die den Architekturwettbewerb als d a s qualitätssichernde Instrument für Bauherren und Investoren attraktiv macht oder ab einem gewissen Bauvolumen sogar vorschreibt.

(*) Regelung der städtebaulichen Ordnung eines Gebietes unter Bedachtnahme auf einen sparsamen Bodenverbrauch und eine geordnete Stadt- und Siedlungsentwicklung. Im Bebauungsplan werden alle künftigen Nutzungen und die Art der Bebauung eines bestimmten Gebietes verbindlich festgeschrieben.

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8010 Graz - www.gat.st

Verfasser/in: Redaktion GAT, Bericht
Datum: 10|01|06

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Kommentare ...

24 | 01 | 06 Kommentar-HDA Graz
..... Wie dem GAT Bericht zu entnehmen ist, sind die Bemühungen der Stadtbaudirektion zusammen mit der Plattform Archtektur einen Gestaltungsbeirat für Graz zu entwickeln und auch gleich in einer Probephase praxisnahe zu testen im letzten Jahr zum Stillstand gekommen. Nun kam auf Einladung der Plattform Architektur besagtes internes Treffen mit dem Ziel den verfahrenen Karren wieder ins Rollen zu bringen zustande. Natürlich sind die aufgezählten Maßnahmen und Ideen von STR Rüsch nur als Skizzen zu verstehen und in dieser Form nicht der Weisheit letzter Schluss. Ob ein Qualitätssicherndes Instrument für die Grazer Stadtenwicklung unter Zustimmung der Plattform Architektur und deren Gründerinstitutionen etabliert werden wird soll sich nun nach einem sehr konstrukiven Auftakt in den nächsten Monaten, zu gegebener Zeit natürlich wie bisher unter Einbeziehung der Öffentlichkeit zeigen. Das HDA-Graz und wie ich denke die gesamte Plattform Architektur stehen hier einzig und alleine am Start, um die Rolle der Fürsprecher für die Erhaltung lokaler, qualitätvoller Baukultur und die gezielte Weiterentwicklung der Stadt Graz langfristig zu sichern und werden sich in keinster Weise offenkundigen isolierten wirtschaftlichen Interessen von Investoren beugen, aber ganz ohne Investiton und Cash ist es auch mit der Architektur nicht so einfach, that´s life!
Verfasser/in: Edgar Hammerl (Für den Vorstand HDA-Graz) (eha@onemail.at)

23 | 01 | 06 .................
Man muß nicht immer gleich scheu vor der öffentlichkeit vermuten wenn ein gespräch mit einem politiker geführt wird, das nicht öffentlich angekündigt wird. wenn es ein stilles kämmerlein gewesen wäre, dann wäre wohl auch kein beitrag von diesem gespräch auf diesem portal zu lesen. Vielleicht ist das eine erklärung warum sich niemand von den angesprochenen direkt angesprochen gefühlt hat. Vielleicht hat die kommentare aber auch niemand von den angesprochenen gelesen, was nicht fürs portal sprechen würde. Es stimmt, die plattform hat keinen sprecher, weil sie die lose zusammenkunft derjenigen ist, die in graz den einzelnen architekturinstitutionen in den jeweiligen legislativen vorstehen. Also ganz klar personell besetzt. Zu diesen zusammenkünften sind aber darüber hinaus immer wieder, aber sicher nicht immer, alle interessierten aufgefordert dazuzukommen. Zu dem besagten gespräch nicht, das unter dem aspekt geführt wurde, „man will von stadtrat rüsch selbst hören warum er den vorbereiteten und im probelauf schon einmal budgetierten gestaltungsbeirat nicht haben will oder ihn zumindest nicht umsetzt“. Stadtrat rüsch wäre für ein öffentlich geführtes gespräch nicht zur verfügung gestanden. Solls geben und muß so auch akzeptiert werden. „die plattform“ wollte eigentlich nur wissen was stand der dinge ist. Mit diesem wissen wird das thema nun in den einzelnen institutionen, so hoffe ich diskutiert. Auf www.gat.st kann man sich informieren, natürlich auch in den institutionen. Fast jeder aus der architekten- und architekturstudentInnenschaft ist mitglied in einem der institutionen. Auf www.gat.st kann man sich via kommentar, via diskussionbeitrag zum thema gestaltungsbeirat einbringen. Wer das protokoll zu dem gespräch genau lesen will kann es in den jeweiligen instititionen anfordern. wer den artikel auf www.gat st genau liest kann auch erkennen dass es letztendlich um einen gestaltungsbeirat geht, es geht aber auch um ergänzendes. So gesehen könnte es auch die chance sein ein umfassenderes paket zu schnüren. Hier liegts an uns die klare forderung nach städtebaulichen rahmenbedigungen und qualitätssichernden maßnahmen aufrecht zu erhalten und einzufordern. Es wäre also sehr hilfreich wenn man sich zu dem thema konstruktiv äußern würde, möglichkeiten gibt’s genug.
Verfasser/in: feyferlik (feyfelrik@inode.at)

22 | 01 | 06 gestaltungsbeirat ade
Seit mehr als einer woche findet niemand aus der plattform architektur es der mühe wert, die vorliegende frage nach der "öffentlichkeit" solcher veranstaltungen zu beantworten. Warum wohl? Will beim feigen klein beigegeben niemand namentlich dabei gewesen sein? Vermutlich hat diese plattform nicht einmal einen sprecher, so wie aus ihrer mitte auch niemand den mumm (oder die intellektuelle kapazität) zu haben scheint, um stadtrat rüschs "qualtätssichernde alternativen" als das zu entlarven, was sie sind: allgemein gehaltene, weder zeitlich noch inhaltlich präzisierte massnahmen, die keine qualitätsverbesserung bewirken werden. Zahnlos sollen sie offensichtlich auch sein , damit ja nur nicht die guten investoren verscheucht werden. Stadtplanung - zum wohle einiger weniger.
Verfasser/in: sebastian fuchs (sebfuchs@hotmail.com)

14 | 01 | 06 veranstaltungsankündigung
warum findet eine derartig interessante veranstaltung im "stillen kämmerchen" statt, im "ausschluß der öffentlichkeit"?
Verfasser/in: petra (petra@sbox.tugraz.at)



Foto 1-3: Ute Angeringer

Fotoausstellung "Innenhöfe in Jakomini" (2005) in der Traminer Weinstube, Graz > Foto: Edeltraud Ulbl-Taschner

Foto: Max Wegscheidler

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