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Ein Parcours der anderen Art

#1503

Der Toplitzbach, der den sagenumwobenen Toplitzsee mit dem Grundlsee verbindet, wurde nach allen Regeln des Naturschutzes renaturiert. Den Bachlauf begleitet ein Parcours mit künstlerischen Interventionen von Richard Kriesche.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Toplitzbach für die Holzförderung aus dem Gebiet des Toplitzsees genutzt. Im vorigen Jahrhundert wurde er zur Erhöhung der Transportleistung begradigt. Mit dem Ende dieser Transportfunktion vor 80 Jahren verlandete er zunehmend. Dadurch waren die Gebäude in seinem Mündungsbereich in den Grundlsee durch Hochwässer bedroht. In den Jahren 2003 und 2004 setzte man die Pläne zur Renaturierung des Toplitzbaches um. Die seinerzeit vorgenommene Begradigung wurde zwar auch mit moderner Technik, vor allem aber durch die Ausnützung der natürlichen Kräfte des Wassers rückgängig gemacht. Nach den baulichen Initialmaßnahmen hat der Toplitzbach in relativ kurzer Zeit selbst gewässertypische Ausformungen gestaltet.

Den Bachlauf begleitet ein 1,8 Kilometer langer Wanderweg mit künstlerischen Interventionen von Richard Kriesche. Der s. g. "Toplitzparcours" führt vom Gasthof "Rostiger Anker" am Grundlsee zum Toplitzsee. Kriesche bietet dem Besucher keine Möglichkeit, sich an Schildern zu orientieren, sondern lässt diesen ein Spannungsfeld zwischen Naturhaftem und Künstlichem durchwandern: Als Weggeländer fungiert beispielsweise eine Miniatur des Bachlaufes. Damit wird dieser, im wahrsten Sinne des Wortes, für den Besucher begreifbar. Der Natur als Vorlage entnommen, kehrt ein Baumstamm als Objekt aus Aluminium gleichsam frei auf dem Wasser schwebend, in die Natur zurück. „Die Sitzgarnitur aus Sölker Marmor soll für den Wanderer völlig unvermittelt auftreten. Sie ist zugleich Raststätte zur Entspannung und aufreizender Gegensatz zur Natur. Musik zum Thema „Wasser“ lässt diesen Gegensatz verschwimmen“, erklärt Prof. Kriesche eine seiner Ideen.

Mit dem relativ geringen Budget von 160.000 Euro gelang es sechs verschiedenen Abteilungen aus vier verschiedenen Verwaltungsebenen - Lebensministerium, österreichische Bundesforste AG, die Kulturabteilung, die Fachabteilung für Schutzwasserwirtschaft und Bodenwasserhaushalt des Landes Steiermark, die Baubezirksleitung Liezen und die Gemeinde Grundlsee - in Zusammenarbeit mit dem Künstler Richard Kriesche - eine Symbiose zwischen Natur und Kunst zu schaffen.

Für jene, die nun neugierig geworden sind und beabsichtigen, den Toplitzparcours zu besuchen, empfiehlt sich zur Einstimmung die zum Projekt erschienene Doppel-CD „Toplitzparcours“ mit gesprochenen Texten (Wolfram Berger) und Musik aus verschiedenen Richtungen. Die CD wurde von Richard Kriesche konzipiert und ist um € 14,90 im Informationsbüro Grundlsee (T 03622/8666, info.grundlsee@ausseerland.at) erhältlich. Ergänzend dazu besteht die Möglichkeit, den Parcours unter http://www.toplitzpacours.at virtuell zu begehen.

Bildnachweis: http://www.toplitzsee.at/tsparcours.htm

Verfasser/in: Redaktion GAT, Empfehlung
Datum: 05|08|05

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Kommentare ...

24 | 03 | 09 Helmut Schürer
Hallo nach dem Grundlsee! Ich hätte was anderes: Die Homepage http://www.parcourstest.eu beschreibt Parcoursanlagen in Österreich und bei den Nachbarn. Nun gibt es für euren Parcours sehr wenig Information. Gerne wüsste ich mehr darüber. Betreibt ihr einen privaten Parcours? Wo ihr zu finden seid? Seid Ihr ein Verein? Ich habe versucht anzurufen, die mir bekannte Telefonnummer +43/3861/252 existiert nicht. Bitte bringt etwas Licht in mein Dunkel Helmut Schürer Tel: +43/650/7248737
Verfasser/in: Helmut Schürer (Österreich) (parcour@parcourstest.eu)

09 | 08 | 05 dDie Frage ist:
Intellektueller Abbrenner oder sich intellektuell gerierender Abräumer ...?
Verfasser/in: igilei (igilei@yahoo.de)

05 | 08 | 05 intellektueller abbrenner
anfang juli hatte ich selbst die gelegenheit, den hofrätlichen parcours zu absolvieren. schön, dass der bach naturnahe dereguliert wurde - aber damit hat sichs eigentlich schon. die stationen: ein portal, marmor, sichtbare installationen von diversen auslässen, ein baumarktmäßiger bewegungsmelder der jedoch nicht bewegung meldet. mäßig befestigte wege, sicher mit rollstühlen nicht befahrbar, machen die "speziell für menschen mit behinderung" gedachte installation eines edelstahl-regenrinnen-handlaufs fragwürdig. die "unterschiedlichen sedimentationen" erweisen sich als volkstümlich "schotter" genanntes material. gleich darauf heißt es für rollstuhlfahrerInnen aber ohnedies "links ab auf den fahrweg", womit wesentliche erfahrungen unerfahren bleiben. etwa die marmornen sitzmöbel mit klanginstallation, leider so gefertigt, dass am tag nach dem regen die sitzflächen so unter wasser stehen, dass sich alle meine schülerInnen stehend auf ihnen gruppieren. den obligaten bewegungsmelder kennen wir nun schon, diesmal meldet er zwar, was die möbel jedoch nur zu unverständlichen klängen und textrezitationen veranlasst. im bach - und das ist wohl die gelungenste arbeit - ein alu-abguss eines angeschwemmten baumes. wollen wir hoffen, dass er den ersten spätwinterlichen eisstoß übersteht (ansonsten ist sein wandern sicher teil einer beabsichtigten metamorphose von hier nach flussabwärts.) weiter gehts: ein wiederum edelstählernes geländer lädt zum erfühlen unterschiedlicher untergründe. wäre das geländer aus holz, wärs nicht von richard kriesche, sondern von sebastian kneipp errichtet worden. dann, nahe dem historischen date-ort (erzherzog versus fräulein plochl) markiert ein silberfisch offenbar die fischereigrenze zum toplitzsee, bevor als schlusspunkt ein rustikal-verbrämter plasma-bildschirm das panoramabild vom eben erreichten toplitzsee zeigen soll. doch - teufel auch! : "wegen blitzschlags heute kein bild". wenige tage später, erfahre ich aus der presse die wahren gründe für richard kriesches engagement in bad aussee: sinngemäß sagte er: "ich wurde in höchster not gerufen, sozusagen als intellektuelle feuerwehr". nun ja, wollen wir hoffen, dass es nicht brennt, intellektuell.
Verfasser/in: hermann candussi (candussi@inode.at)



Toplitzparcours (Gesamtkonzeption: Richard Kriesche) > "Wasserportal" > ein visuelles Zeichen aus Wasser und Licht eröffnet den Parcours.

Toplitzparcours (Gesamtkonzeption: Richard Kriesche) > "Wasserlauf" > die Sedimentierung in einem nachgestalteten Wasserlauf lässt den Toplitzbach fühlbar werden (diese Installation ist vor allem für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gedacht)

Toplitzparcours (Gesamtkonzeption: Richard Kriesche) > "Wasserpoesie" > ein Ort des Verweilens auf einer Anhöhe am Ufer des Toplitzbaches. Musiken und Texte entführen in den ästhetischen Raum des Wassers

Toplitzparcours (Gesamtkonzeption: Richard Kriesche) > "Wasserholz" > ein in Aluminium im Maßstab 1:1 gegossener Baumstamm symbolisiert, über dem Wasser schwebend, den verborgenen Lebensraum des Toplitzbaches

Toplitzparcours (Gesamtkonzeption: Richard Kriesche) > "Wasserstand" > Weg ins Wasser. Das Eintreten des Menschen in den Raum des Toplitzbaches über unterschiedliche Bodenstrukturen.

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