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BHP '16, Ausstellung im HDA
©: HDA Graz

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Bericht
Zur Baukultur in der Steiermark

Der seit 1967 verliehene Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreich kann nach fünf Jahrzehnten auf eine gehaltvolle Kontinuität an Projekten zurückblicken, die das Architekturschaffen in Österreich in der vom jeweiligen Zeitgeist und sozial-politischen Einflüssen geprägten Entwicklung zeigen. Entgegen anderer Architekturauszeichnungen wird mit dem international renommierten BHP nicht der einzelne Architekt/in oder ein Bauwerk prämiert, sondern das gemeinschaftliche Streben von BauherrInnen und ArchitektInnen nach baukultureller Qualität in unserer gebauten Umwelt hervorgehoben. Diese Bewertungskriterien eines Architekturpreises haben gerade in der letzten Zeit zu vermehrter internationaler positiver Wahrnehmung des BHP geführt, wie Markus Bogenberger zur Ausstellungseröffnung mit einem Zitat aus dem Artikel der NZZ bekräftigt:
„[...]Bei manchen dieser Auszeichnungen stellt sich allerdings die Frage, ob die Auslober nicht in erster Linie sich selbst ehren wollen oder sogar geschäftliche Absichten.
Kaum der Fall ist dies beim schon seit 1967 von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs ausgeschriebenen Bauherrenpreis, der jene verantwortungsbewussten Auftraggeber ermuntern soll, ohne die letztlich Architektur nicht entstehen kann. Zusammen mit weiteren Preisen ist er für den kometenhaften Aufstieg der österreichischen Architektur in den letzten Jahrzehnten mitverantwortlich." (Roman Hollenstein / 04.03.2017, 05:30 Uhr / NZZ-online_ s. Link)

Es mag unterschiedliche Meinungen über die einzelnen prämierten und nominierten Projekte geben, doch unumstritten scheint der Versuch, das Zusammenwirken und Bestreben von BauherrInnen und ArchitektInnen zu würdigen. Martin Brischnik – Präsidenten  der ZV Steiermark – verdeutlichte diese Haltung anhand der speziellen Parameter, die den Ausschlag für die Auswahl der Projekte führten.
So sticht zum Beispiel das Projekt Schul- und Kulturzentrum Feldkirchen an der Donau mit der Gemeinde als Bauherr und von dem Architekturbüro fasch&fuchs.architekten (Wien) nicht nur der innovative schulpädagogische Ansatz des Schulneubaus hervor, sondern zeichnet sich auch durch seine neuartige holistische Herangehensweise in der Planung und Umsetzung für einen hochwertigen kostenneutralen Neubau aus. Erreicht wurde dies unter anderem durch den Verzicht auf die Schaffung kostspieliger Ersatzräume (Containerschule) während der Bauzeit. Stattdessen wurden Leerstände in der gesamten Gemeinde der temporären Schulnutzung zugeführt und der gesamte Ort zur Schule erklärt. Die gesparten Kosten konnten der Qualität des Schulbaues zugeführt werden. Das Erlebnis, den ganzen Ort als Schule zu erleben, prägte die BewohnerInnen und förderte die Kommunikation und Diskussion zum Thema des Schulbaues nachhaltig und positiv.

Wie sieht aber nun der „Status Quo der Baukultur in der Steiermark“ aus? Diese Frage stellte Martin Brischnik an die drei Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Architekt Hansjörg Luser, Architekt Wolfgang Feyferlik und Architekt Werner Nußmüller. Der letzte Preisträger aus der Steiermark war das Projekt VS Bad Blumau von Feyferlik / Fritzer im Jahr 2012. Sagt dies etwas über die derzeitige steirische Baukultur aus oder sind nur keine Projekte im Sinne des BauherrInnenpreises eingereicht worden, die es bis zur Prämierung geschafft haben? Eine eindeutige Antwort gibt es womöglich nicht, aber es bedarf einer fachlich geführten Auseinandersetzung mit der derzeitigen Situation in der Steiermark, wie die kritischen Anmerkungen und Analysen der Teilnehmer der Podiumsdiskussion zeigten. So stellte Nussmüller heraus, dass in der Steiermark nicht „schlecht“ aber im Gesamten nicht hochwertig gebaut würd. Hier würde viel „Mittelmaß“ entstehen. Abgesehen von ein, zwei Vorzeigeprojekten der Stadt sei es erschreckend, was beispielsweise entlang Grazer Ausfallstraßen wie der Mariatrosterstraße oder St. Peter Hauptstraße, entstehen würde. Dort mute es nach einer reproduzierbaren und genormten Standardlösung ohne Berücksichtigung spezifischer und urbaner Situationen oder innovativen Ansätze an. Der angrenzende öffentliche Raum verkomme zu einer Verkehrsachse, bestätigten die anderen beiden Architekten aus eigener Erfahrung.
Was führt zu solch einer Entwicklung? Feyferlik führte dies vor allem auf eine schlechte oder fehlende Wettbewerbskultur und architektonische Qualitätssicherung zurück. Wie ihm auch das Preisträgerprojekt 2012 gezeigt hatte, konnte dieses Projekt vor allem aufgrund des Wettbewerbs entstehen. Die anfänglichen Zweifel auf Seiten der Gemeinde hätten verdeutlicht, dass weiterhin das Vorurteil bestünde, Wettbewerbe seien zeitintensiv, kostspielig und nicht zielführend. Doch wie der Schulbau und Beispiele aus anderen Ländern zeigen würden, sei genau das Gegenteil der Fall. Seiner Meinung nach sind Architekturwettbewerbe das wichtigste Bestbieter-Verfahren zur Sicherung von Architektur und Baukultur. Ein Problem auf regionaler Ebene läge vor allem an der derzeitigen Form des Grazer Modells, welches die Bedingungen für Architekturwettbewerbe in Graz festschreibt. Die Sicherung der Qualität bis zur Ausführung sei nicht gewährleistet, die Ergebnisse häufig enttäuschend. Nur ein Umdenken und Überarbeiten würde hier eine Verbesserung schaffen.
Luser stimmte mit ihm überein, dass Wettbewerbe wichtige Beiträge wären, deren Umsetzung als Ziel bei der Ausschreibung gesetzt werden müsste – nicht achtlos die gehaltvollen Arbeiten vieler Architekturbüros nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht zu einer Realisierung kommen lassen. Wichtig sei, Mehrwert mit der Architektur zu schaffen, beginnend schon in der (Aus)Bildung von jüngeren Generationen. Die oft fehlende öffentliche Beachtung und Wertschätzung lasse sich auch an fehlender Medienpräsenz – vor allem der Architekten – festmachen, so Nussmüller. Hier müsse angesetzt werden, um Verständnis und Vermittlung von Baukultur zu schaffen.

Auch wenn in der Diskussion zeitweise ernüchternde Ansichten vertreten wurden, so schloss sie mit drei konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung: Mehrwert der Baukultur durch erhöhte Vermittlungsarbeit zu schaffen, gemeinsames Lobbying sowie kritische Medienpräsenz von Seiten der ArchitektInnen zu betreiben und eine neue Bedingungen im Wettbewerbswesen mit Unterstützung der Kammer in die Wege zu leiten.
Gemeinderat DI Georg Topf als Vertreter des Grazer Bürgermeisters folgte mit großem Interesse der Diskussion und nahm den konstruktiven Vorschlag auf. Im Anschluss folgten intensive Gespräche und Nachbesprechungen.
Die der Ausstellungseröffnung folgende Diskussion war ein erfrischendes Ereignis, das zu einer Gesprächskultur anregt, die auf konstruktive und respektvolle Art Missstände oder Fehlentwicklungen zur Sprache bringt und nach Lösungsansätzen sucht.

Verfasser / in:

Claudia Volberg

Datum:

Do. 23/03/2017

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BauherrInnenpreis 2016
(Retro)perspektive der Ausstellungseröffnung und Diskussion im HDA Graz,
08. März 2017

Die der Ausstellungseröffnung folgende Diskussion war ein Ereignis, das zu einer Gesprächskultur anregt, die auf konstruktive und respektvolle Art Missstände oder Fehlentwicklungen zur Sprache bringt und nach Lösungsansätzen sucht.

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