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Wohnhäuser Köpenicker Straße, Berlin: Rendering des Siegerprojekts
©: ARGE LOVE architecture & urbanism und ArchitekturConsult

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WB-Entscheidung
Wohnhäuser Köpenicker Straße, Berlin

Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH und die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hatten im Juni 2015 einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb für eine Wohnbebauung an der Köpenicker Straße 104 – 114 in Berlin-Mitte ausgelobt.
Gegenstand des Wettbewerbs war der Neubau eines Punkthochhauses sowie weiterer Wohnhäuser auf einem ca. 42 Meter breiten Grün- und Erschließungsstreifen entlang der Köpenicker Straße. Hinter diesem Streifen liegt ein 10-geschoßiger Wohnbau der 1960er Jahre.
Ziel des Verfahrens war ein städtebaulich und architektonisch anspruchsvoller Entwurf für Wohnhäuser und dazugehörige Freiflächen, die sich in das Quartier integrieren und der innerstädtischen Lage gerecht werden. Der Auslober erwartete von den Wettbewerbsteilnehmern Ideen zu innovativen, zeitgenössischen Mietwohnungen, die eine Mischung unterschiedlicher Nutzergruppen ermöglichen. Die Umsetzung soll unter dem Aspekt des energieoptimierten Bauens im Sinne richtungsweisender energie- und kosteneffizienter Gebäudekonzepte erfolgen. Die Baumaßnahme soll bis zum III. Quartal 2018 realisiert werden.

20 Projekte wurden eingereicht. Am 14. September 2015 kam das Preisgericht unter dem Vorsitz der Berliner Architektin Regine Leibinger zum Entschluss, zwei erste Preise, einen 3. und 4. Preis und zwei Anerkennungen zu vergeben.

Wettbewerbsergebnis

  • 1. Preis: ARGE LOVE architecture & urbanism und Architektur Consult, Graz, mit YEWO Landscapes, Wien
  • 1. Preis: Grüntuch Ernst Planungsgesellschaft mbH, Berlin, mit WES Landschaftsarchitektur,  Berlin
  • 3. Preis: sauerbruch hutton gesellschaft von architekten mbH, Berlin, mit Keller Damm Roser, München, und schlaich bergermann und partner, Berlin
  • 4. Preis: Schneider + Schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt am Main
  • Anerkennung: Beckmann N’Thépé Architectes, Paris, mit Atelier Le Balto, Berlin
  • Anerkennung: Blauraum Architekten GmbH, Berlin, mit Holzwarth Landschaftsarchitektur, Berlin

Weitere Teilnehmer – 2. Wertungsrundgang

  • BE Berlin GmbH, Berlin
  • Hierl Architekten, München
  • AllesWirdGut Architektur & HERTL ARCHITEKTEN, Wien
  • bogevischs buero architekten&stadtplaner GmbH, München
  • gmp International GmbH, Berlin
  • Gewers & Pudewill GmbH, Berlin
  • Max Dudler, Berlin
  • ARGE Muck Petzet & Brandlhuber + Emde / Schneider Architektengesellschaft mbH München / Berlin

Das Preisgericht hatte einstimmig empfohlen, die beiden 1. Preise zu überarbeiten. Im Stechen um den ersten Platz konnte sich schließlich die Arbeitsgemeinschaft LOVE architecture and urbanism + Architektur Consult aus Graz mit ihrem Entwurf durchsetzen.

Die Jury zum Siegerprojekt
„Die Arbeit liefert einen sehr interessanten Beitrag für den grundsätzlichen Umgang mit Nachverdichtung im komplexen Wohnungsbau. Der dreigeschossige, flache Baukörper ist gut positioniert und zollt der hohen Wohnscheibe den erforderlichen Respekt. Die langgestreckte Bauform setzt neue typologische Ansätze für innerstädtisches Wohnen mit einem breiten Angebot verschiedener Wohnformen um. Insbesondere die differenzierte Ausformulierung der Freiräume lässt eine hohe Attraktivität für die Wohnqualität an diesem Standort erwarten.
Ein Zwischengeschoss (im Punkthochhaus) vermittelt auf gelungene Art und Weise zum Flachbaukörper, der klar strukturierte Grundriss ermöglicht einen flexiblen Umgang mit den gewünschten Wohnungstypen. Die modulare Fassadengestaltung aus Glasfaserbeton und Holzelementen im Kontrast zur einheitlich geprägten Umgebung wird besonders gewürdigt.
Insgesamt überzeugt die Arbeit durch eine maßvolle, städtebauliche Einbindung und durch das Angebot an vielfältigen, innovativen Wohnformen."

Projektbeschreibung
ARGE LOVE architecture & urbanism und Architektur Consult, Graz

Intention des Projekts
Diversität zu schaffen ist eines der Kernziele des Projektes. Der Entwurf schafft eine Fülle von unterschiedlichen Wohnungstypen, Wohnformen, Atmosphären, Nachbarschaften und sozialen Interaktionsmöglichkeiten.

Städtebauliche Grundgedanken

Ein turmartiger Baukörper im Osten des Wettbewerbsgeländes komplettiert die städtebauliche Großform im Geviert Köpenicker-, Heinrich-Heine-, Annen- und Michaelkirchstraße aus den 60-er Jahren. Ein 3-geschossiger, feingliedrig strukturierter Flachbaukörper verlinkt dieses neue Hochhaus mit dem bestehenden Punkthochhaus PH 12 an der Ecke Köpenicker- und Heinrich-Heine-Straße. Eine deutlich sichtbare Fuge im OG3 des neuen Punkthochhauses lässt dieses einerseits deutlich leichter und proportionierter wirken und verbindet andererseits Hochhaus und Flachbau visuell miteinander und schafft so eine Gebäudeeinheit. Durch das Zurückspringen der Sockelzone von Turm und Flachbau entsteht eine lebendige, geschützte, homogen anmutende, straßenbegleitende, öffentliche Zone, welche zum Flanieren und Verweilen einlädt. Die Bereiche zwischen den Neubauten werden landschaftsgärtnerisch gestaltet und mit Grüninseln durchzogen. Es entsteht eine lärmabgewandte, intime, semiprivate Zone, in welcher sich auch die Hauseingänge des neuen Flachbaukörpers finden.

Die Baukörper
Die um den zentralen Erschließungskern flexibel einteilbaren Wohneinheiten im Punkthochhaus sind zumeist „über Eck“ konzipiert. Dies ermöglicht verschiedene Aussichten und erhöhten Wohnkomfort (zwei Himmelsrichtungen, Möglichkeit der Querlüftung, etc.). Die Wohnungen des 3.OG (Fugengeschoss) erhalten rund umlaufende Balkone.
Der Flachbaukörper setzt sich im Wesentlichen aus insgesamt sechs seriell zusammengeschalteten Modulen zusammen. Jedes Modul umschreibt einen Innenhof, welcher von einer meist zweigeschossigen Bebauung gefasst wird. Dieser gärtnerisch gestaltete, innere Hof ist privat, abgeschottet von äußeren Lärmemissionen und intim. Die zentralen Höfe bildet das kommunikative und soziale Herz der Wohngemeinschaften. Er ist Platz zum Spielen, Ort der Begegnung, des Austausches und der Interaktion. Die Bewohner des Hauses sind eingeladen, ihren angrenzenden Hof zu gestalten. So wird jeder Hof im Laufe der Zeit sein eigenes Gesicht bekommen, zu seiner eigenen Adresse werden.  
Fast jede Wohnung des Flachbaukörpers ist „durchgesteckt“ konzipiert. Das heißt, praktisch alle Wohnungen verfügen über mindestens eine absolute Ruheseite (in Richtung Hof) und eine Sonnenseite (Richtung Süden). Die Bewohner der südlich gelegenen Wohnungen genießen absolute Ruhelage, die der nördlichen Wohnungen erfreuen sich an der urbanen Aussicht Berlins entlang der Köpenicker Straße.   
Das zurückspringende Sockelgeschoss der Gebäude beinhaltet die Hauseingänge, die KITA, Gewerbeflächen und Müllräume sowie Fahrradstellplätze.
Die gesamte Fassadenästhetik basiert auf dem Einsatz von drei Kernfassadenmodulen mit Adaptionsvarianten, welche je nach Bedarf und Nutzung der dahinter liegenden Räume auf der Fassade „verstreut“ werden. So entsteht ein außergewöhnlich lebendiges Pattern, basierend auf einem strengen und rationalen Grundraster.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Sa. 09/01/2016

Infobox

Wohnhäuser Köpenicker Straße, Berlin
Wettbewerbsergebnis

Beim internationalen, nicht offenen Wettbewerb an der Köpenicker Straße 104 – 114 in Berlin-Mitte beteiligten sich 20 Architekturbüros. Nachdem die Phase 1 im November 2015 zwei Sieger hervorbrachte, konnte sich schließlich die Grazer ARGE LOVE architecture and urbanism + Architektur Consult im Stechen um den 1. Platz durchsetzen.

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