Volker Giencke: Ein Teil von mir ist Sprache
Volker Giencke: Ein Teil von mir ist Sprache
©: Günter Richard Wett

_Rubrik: 

Empfehlung
Volker Giencke: Ein Teil von mir ist Sprache

"Die Expansion des Bewusstseins, das Abenteuer im Denken und ein leidenschaftliches Gefühl können nicht allein mit besserer Architektur erreicht werden. Aber Architektur kann zumindest gegen die Langeweile und die Monotonie des Alltagslebens ankämpfen." (Volker Giencke)

Über Gewohntes hinauszugehen, anders zu denken und leidenschaftlich zu agieren sind Forderungen, die Volker Giencke sowohl an seine eigene Arbeit als Architekt als auch an seine Studierende stellt. Für ihn ist Architektur die gelungene Balance von Ästhetik, Funktion und Konstruktion, visuellem Empfinden und wissenschaftlichem Denken, und – einem humanistischen Ansatz folgend – immer auf den Menschen bezogen. Der in Kärnten geborene Architekt studierte an der TU Graz, war Mitarbeiter von Günther Domenig und führt dort seit 1982 ein eigenes Büro. Die meisten seiner realisierten Projekte gingen aus Wettbewerben hervor, wobei es manchmal einige Jahre dauerte, bis seine innovativen und konstruktiv anspruchsvollen Bauten realisiert wurden.

Seit mehr als zwanzig Jahren lehrt Volker Giencke als Professor am Institut für experimentelle Architektur ./studio3 der Universität Innsbruck und hat damit mehrere Generationen von Studierenden für Architektur sensibilisiert und geprägt. Dabei ging es ihm immer darum, das Innovative und Visionäre in der Architektur offensiv zu fördern und Architektur abseits der reinen Geschmacksfrage zu behandeln. Im Vordergrund des an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, Kultur und experimenteller Architektur angesiedelten Instituts steht das Bemühen, bei den Studierenden ein Feingefühl für soziale Bedürfnisse und gesellschaftlichen Fortschritt zu entwickeln. Kunst ist dabei nicht ästhetischer Ansatz oder Aufputz, sondern wirkt real am kreativen Schaffensprozess von Architektur mit.

Ein wesentliches Ziel, das Giencke in seiner Tätigkeit an der Universität verfolgte, war es, Voraussetzungen für die Verwirklichung Konkreter Utopien zu schaffen – einen Begriff, den er 1994 in die Architektur einbrachte. Wesentlich war ihm dabei auch immer die exemplarische Umsetzung von Architekturinstallationen, z. B. die Verwirklichung von sogenannten folies (kleine Verrücktheiten), die Menschen auf ein Ambiente aufmerksam machen, das sie tagtäglich benützen und dessen Besonderheit sie bisher nicht erkannten.

In diesem Sinne ist auch die von Volker Giencke anlässlich der Beendigung seiner Lehrtätigkeit an der Universität Innsbruck konzipierte Ausstellung im aut eine folie. Er transformiert die vorhandene Raumstruktur des Adambräus, um die Bewegung im und die Wahrnehmung von Raum zu thematisieren. Die Ausstellung wird zu einem eigenen architektonischen Projekt, das Gienckes Haltung physisch erlebbar macht. Für die BesucherInnen werden sich sowohl räumliche Empfindungen als auch visionäre Betrachtungsperspektiven auf die Architektur in Form von Texten offenbaren und damit die von Giencke in seiner Lehre und seinen Projekten geforderte Konkrete Utopie spürbar werden. Parallel zur Ausstellung findet ein umfangreiches, von Volker Giencke und dem ./studio3 kuratiertes Begleitprogramm statt.

Volker Giencke
geb. 1947 in Wolfsberg/Kärnten; Architektur- und Philosophiestudium in Graz und in Wien; Mitarbeit bei Merete Mattern in München bzw. Berlin sowie bei Günther Domenig in Graz bzw. Wien; seit 1981 eigenes Architekturbüro in Graz; 1990 – 92 in Sevilla; seit 2004 Partnerbüros in Berlin und Riga; seit 1992 Professor für Entwerfen und Hochbau – später Institut für Experimentelle Architektur ./studio 3 – an der Universität Innsbruck; u. a. Davenport-Professor an der YALE-School of Architecture New Haven (USA); External Examiner an der UCL Bartlett School of Architecture London sowie Lehraufträge am Rizvi College Bombay, Mumbai, an der École Polytechnique Nantes und an der Universidad de Buenos Aires; Workshops und Vorträge an zahlreichen internationalen Universitäten; u. a. Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur, der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, des Forum Stadtpark Graz und des Verbandes der bildenden Künstler Österreichs; Ehrenmitglied des BDA Bund Deutscher Architekten. (Text: aut)

Rahmenprogramm
siehe auch Terminempfehlungen unten

Die Ausstellung wird von einem dichten, vom Institut für Experimentelle Architektur ./studio3 initiierten und organisierten Veranstaltungsprogramm im aut bzw. auf der Architekturfakultät der Universität Innsbruck begleitet.
U. a. findet am 29. April ein Vortrag von Günther Feuerstein statt und am 12. Mai ein nimm 3 zur Zukunft der Architekturausbildung mit Wolfgang Tschapeller, Odile Decq und Volker Giencke, zum Abschluss der Ausstellung im Juni ein Vortragsabend mit Sir Peter Cook, Colin Fournier, Thom Mayne sowie eine Finissage mit Roger Connah, Eeva-Liisa Pelkonen und Kjetil Thorsen. (Text: aut)

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich
aut.architektur und tirol
Giencke & Company

Datum:

Fr. 10/04/2015

Terminempfehlungen

Artikelempfehlungen der Redaktion

Infobox

Radikale Transformation des aut. "Ein Giencke im Welzenbacher":

Ausstellung:
Ein Teil von mir ist Sprache
| A Part of Speech

aut. architektur und tirol,
lois-welzenbacher-platz 1,
6020 innsbruck

20. März – 27. Juni 2015


Kontakt:

Fotostrecke:

Kommentar antworten