Université de Provence in Aix-en-Provence 28
Ansicht von Osten nach Westen
Architektur: Dietmar Feichtinger Architectes, ©: Sergio Grazia Photographe

_Rubrik: 

Bericht
Université de Provence in Aix-en-Provence

Die Université de Provence in Aix-en-Provence wurde um die geistes-wissenschaftliche Fakultät, das Multimedia Zentrum und die Verwaltung erweitert.

Der Neubaukomplex ergänzt den öffentlichen Raum des Centre Schuman, führt ihn raumbildend weiter und stellt eine neue Fassade entlang der Rue Schuman her, die die Universität zur Stadt hin repräsentiert.
Der rechteckig angelegte Gebäudekomplex des Erweiterungsbaus wird mit zwei Achsen durchwegt: eine führt in Richtung Centre Schuman, die andere in Richtung des Universitätsrestaurants, des Studentenwohnheims und der zukünftigen Mediathek. Diese Wegachsen teilen das Neubauvolumen, sodass drei Gebäude und ein Forum als Treffpunkt und Ort des Austausches entstehen.

Das Forum, ein halböffentlicher Freiraum, schafft Zentralität, einen Ort der Begegnung für Studierende, Forschende, Lehrende und das Verwaltungs-personal. Die Oberflächen des Platzes sind so befestigt, dass sie die Durchlässigkeit für Oberflächenwässer bewerkstelligen und auch für Personen mit eingeschränkter Mobilität gut nutzbar sind. Um einen schattigen und kühlen Ort zu schaffen, wurden Bäume gepflanzt. Außerhalb des Forums erzeugen Grünräume eine Art Filter um die Gebäude herum.
Was das Parken anbelangt, wird das Areal von allen diesbezüglichen Zwängen befreit, indem ein zweigeschossiges offenes Parkdeck Parkplätze für 82 PKWs bereitstellt.
 
Die Gebäude

Bauteil 1: Das Multimedia Zentrum öffnet sich zum Administration- und Forschungsgebäude (Bauteil 2, L-förmiges Gebäude) welches sich in Ost-West und Nord-Süd Richtung orientiert und integriert die Räumlichkeiten für Übungen und die Vorlesungssäle. Die Verwaltungszone mit Sekretariat und die Büros der Lehrenden befinden sich ebenfalls in diesem Teil des Gebäudekomplexes.
Bauteil 2: Der Gebäudeteil für Forschung wird vom Verwaltungstrakt über die Eingangshalle getrennt, in welcher die Erschließung über eine Treppe und einen Lift erfolgt. Im Erdgeschoss befinden sich gut zugänglich die Räumlichkeiten für das Versuchszentrum. Der Bereich für Publikationsarbeiten benötigt einen direkten Zugang zur Straße, um eine gute Anlieferung und die Aussendungen von Forschungsschriften zu gewährleisten. Die oberen Geschosse des Forschungszentrums dienen der Nutzung für Forscher, Doktoranden und Lehrende.
Bauteil 3: Das Empfangsgebäude beherbergt das Foyer, 2 Sprachlabors, 11 Klassenräume, den Multimediaraum, Büroräume, die Posteingangsstelle und den Portier.
 
Die Fassaden der Gebäude sind in Richtung Forum und nach außen hin unterschiedlich konzipiert. Der raue Charakter der aus weißem Fiberbeton mit vertikalen Rillen bestehenden Fassade nach außen steht im Kontrast zur der das innen liegende Forum charakterisierenden, schuppenartigen, reflektierenden Fassade mit einer Oberfläche aus bedrucktem Glas.
Vor den gedämmten Bereichen sind die Lamellen fix befestigt und geschlossen. Hingegen sind die Lamellen vor Verglasungen beweglich, um entsprechend des natürlichen Lichteintrags und als Sonnenschutz entsprechend der Raumnutzung reagieren zu können. Die transparenten Fassadenteile sind zweifach verglast und öffenbar. Dadurch wird generell eine natürliche Belüftung und eine Nachtlüftung während der heißen Jahreszeit gewährleistet.
Die dem Stadtraum zugewandte Außenfassade besteht aus 3-fach verglasten Öffnungsflügeln. Aufgrund des starken Mistrals in der Region wurde der außenliegende Sonnenschutz in die Fenster integriert und hinterlüftet. Die opaken Brüstungen unterstreichen die Vertikalität der Glasbänder die mit den weißen Fiberbetonelementen kontrastieren.

Die Innenraumwirkung wird aus den aus Sichtbeton ausgebildeten Decken und tragenden Elementen sowie den natürlich belassen Oberflächen der Einbauelemente geprägt. Die haustechnischen Installationen sind  sichtbar in den Erschließungszonen konzentriert. Großflächige Verglasungen öffnen die Erschließungszonen hin zu den angrenzenden Räumen und versorgen sie mit Tageslicht. Die Bodenbeläge sind in den Gemeinschaftsbereichen Industrieparkett, in den Büros schwarzes und den Erschließungszonen graues Linoleum.
Die minimalistische Farbgebung der Oberflächenmaterialen unterstreicht das klare Raumkonzept.
 

Projektdaten

Adresse: 29 Avenue Schuman, 13100 Aix-en-Provence
Bauherr: Aix-Marseille Université
Architektur: Dietmar Feichtinger Architectes
Grundstücksfläche: 50.336 m2
Nutzfläche
Bauteil 1 + Bauteil 2:  6.119 m2
Bauteil 3: 1.918 m2
Wettbewerb: 01 2008
Planungsbeginn: Parkdeck: 05 2008, 
Bauteil 1 + Bauteil 2: 05 2008, Bauteil 3: 07 2011 
Baubeginn: Parkdeck: 03 2010, 
Bauteil 1 +  Bauteil 2: 01 2011
Baubeginn: Bauteil 3: 10 2013  

Fertigstellung: Parkdeck: 09 2010,
Bauteil 1 + Bauteil 2: 04 2013,
Bauteil 3:  12 2014

Funktionen:
Bauteil 1 - Multimediagebäude:
2 Auditorien , 6 Multimedia-Hörsääle , 3 Hörsääle, Büroräume, Besprechungsraum
Bauteil 2 - Administration- und Forschungsgebäude:
Bibliothek, Psychologie- und Sprachlabors, Tonstudio,  5 Besprechungsräume, Büroflächen, Universitätspresse, Archive
Bauteil 3 - Empfangsgebäude:
Foyer, 2 Sprachlabors, 11 Klassenräume, Multimediaraum, Büroflächen, Besprechungsraum, Posteingangsstelle, Portier
Parkdeck: 82 Parkplätze auf 2 Ebenen
 
Technische Details:
_ 4-geschossige Betonkonstruktion mit Leichtbautrennwänden.
_ Parkdeck: Stahlkonstruktion.
_ Wäremepumpe, Kontrollierte Be- und Entlüftung. Außendämmung.
_ 3-fach Verglasung mit integriertem Sonnenschutz.
_ Beton als Speichermasse durch Verzicht auf abgehängte Decken.

Verfasser / in:

Dietmar Feichtinger Architectes

Datum:

Do. 08/05/2014

Artikelempfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Infobox

Erweiterung der Université de Provence in Aix-en-Provence durch Dietmar Feichtinger Architectes von 2010 bis 2014

Die Übersetzung des französischen Textes wurde freundlicherweise von DI Christina Kimmerle für GAT erstellt.

In der GAT-Reihe bauwerk.aktuell werden Architekturproduktionen innerhalb und außerhalb Österreichs präsentiert, die kürzlich fertiggestellt wurden. Bei der Kuratierung werden Projekte von AkteurInnen bzw. ProtagonistInnen mit Bezug zur Steiermark bevorzugt.

Kontakt:

Kommentar antworten