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Eingang zum Meran.Park von der Brandhofgasse. Blick in Richtung Palais Meran – Kunstuniversität Graz (KUG)
©: Emil Gruber

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Bericht
Symmetrie und Variation

Seit 1963 hat die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz ihren Sitz im Palais Meran in der Leonhardstraße. Zur Hälfte wird das ursprünglich als Wohnort von Erzherzog Johann erbaute klassizistische Gebäude vom Meran-Park umrahmt. Die ursprüngliche Parkanlage mit definierten Wegen, strukturierten Rasenflächen und Blumenrabatten ist schon lange in weiten Teilen dichtem Baum- und Strauchbewuchs gewichen. Elefantenpfade verbinden den Hauptsitz mit den weiteren Gebäuden in der Brandhofgasse, in denen die Bibliothek, Unterrichts-, Übungs-, Veranstaltungsräume und ein Großteil der Verwaltung untergebracht sind.
Vor der langgezogenen Schauseite des Palais befindet sich beim Zugang zur Arkade eine größere Freifläche. Eine durch einen Weg Richtung Taxistand Brandhofgasse durchbrochene Insel mit einem kleinen Blumenoval ist mit einem Kreis von Sitzbänken umrandet. Auf einem zweiten kleineren Platz vor dem hinteren Brandhofgebäude senkt sich ein Mini-Amphitheater, das für kleinere Konzerte oder Aufführungen genutzt werden kann, in den Boden. Auf dem Gelände befinden sich verstreut Kunstobjekte.
Der Park ist in seiner Naturbelassenheit der letzten Jahrzehnte und dem damit verbundenen intensiven Bewuchs eine Seltenheit im Zentrum von Graz. Studentinnen und Studenten nutzen den Park intensiv als Durchgang aber auch – da er je nach Bedarf Schatten- und Lichtbereiche bietet – besonders in der warmen Jahreszeit als Pausen- und Kommunikationsort.
Der Meran-Park ist Eigentum des Landes aber seit über dreißig Jahren im Bestand der Stadt Graz, die damit für Pflege und Erhaltung zuständig ist.
Seit einiger Zeit soll seitens der Kunstuniversität der Wunsch nach einer schrittweisen Sanierung des gesamten Parks vorhanden sein. In Zusammenarbeit von Stadt Graz und Landesimmobilien-Gesellschaft wurde daraufhin mit der Kunstuniversität 2011 ein Entwurfs- und Interventionsplan für den unter Naturschutz stehenden Park erarbeitet. Auf Basis von historischen Grundlagen wurde von der Architektin Ninela Holtin eine Studie zur Parksanierung entwickelt. Im Dezember 2017 wurden von der Stadtregierung Mittel dafür beschlossen.
Kurz darauf regten mehrerer GemeinderätInnen eine Bürgerbeteiligung bei der Planung der Umgestaltung an, damit der Meran-Park als „Naturjuwel“ und geschützter Landschaftsteil „seinen einzigartigen und geschichtsträchtigen Charakter nicht verliert.“
Im Mai 2018 wurde im Rahmen einer Bezirksversammlung in St. Leonhard der erste Teilplan vorgestellt. Gemäß Vorhabenliste Stadt Graz soll das desolate Wegesystem erneuert und der aktuellen Nutzung entsprechend mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet werden. Der überalterte Pflanzenbestand soll in Teilen neu aufgebaut und durch attraktive Staudenpflanzungen ergänzt werden, bestehende Skulpturen/Büsten sollen in die Gestaltung entsprechend integriert werden. Der waldartig strukturierte Bereich (rd. 7.200m2) ist nicht Gegenstand des aktuellen Sanierungsprojektes.
Konkret ersetzt ein Rasenoval mit durchbrochenen Blütenstaudenrabatten, offensichtlich in Anlehnung an die ursprüngliche klassizistische Rundfläche, die bisherige Anordnung vor dem Portikus. Weiterhin offen bleiben die Ausgänge aus der Arkade, ein direkter, geradliniger Durchgang Richtung Brandhofgasse ist aber nicht mehr möglich.
Die bisher frei im Parkareal aufgestellten Kunstobjekte werden, wie der Plan beschreibt „unter Mitwirkung der jeweiligen KünstlerIn“, im Oval neu versammelt. Drei starre, geschwungene Sitzbänke umkränzen in größeren Abständen das neue ringförmige Gebilde.
Zusätzlich mit der beabsichtigten Neubepflanzung in dieser Umgebung ist deutlich erkennbar, dass Ordnung und Disziplin hier gegenüber der noch bestehenden Wildheit innerstädtischer Natur vorgezogen wird.
Nachdem von einer schrittweisen Sanierung des Meran-Parks die Rede ist, sind spätere Eingriffe in das Wäldchen trotz Naturschutz nicht auszuschließen, womit der Ort endgültig seines einzigartigen Charakters beraubt wäre.
Zu diskutieren ist aber auch die sterile und fixe Anordnung der wenigen Sitzgelegenheiten. Auf der anderen Seite des Palais, am Platz zwischen dem Haupthaus und dem Theater in Palais, sind ähnliche Objekte zu finden, die zwar besser angeordnet aber besonders im Sommer aufgrund der Wärmeentwicklung und der fehlenden Beschattung ungenutzt bleiben.
Damit gibt es noch weniger Möglichkeiten für Universitätsangehörige und Studenten, den Freibereich zu nutzen.
Wie ein einfaches Konzept optimale Nutzung erzielt, kann einige hundert Meter Luftlinie weiter an der Karl-Franzens-Universität gesehen werden: Die Rasenfläche zwischen Hauptgebäude und Physikinstitut wurde mit unterschiedlichen, teilweise mobilen Sitzelementen bestückt. Unter schattenspendenden Bäumen ergibt sich je nach Bedarf ein immer gut besuchter Platz der Kommunikation, der Erholung oder des alleine oder gemeinsamen Lernens. 
Wie so oft fehlt auch der Blick auf den Gesamtzusammenhang an diesem Ort. Der Park liegt an einer durchaus neuralgischen T-Kreuzung mit Straßenbahnkurve, oft übersehenem Nachrang von Autofahrern sowie zu hinterfragendem Zebrastreifenverlauf – Faktoren, die immer wieder zu Unfällen führen.  Eine völlige Öffnung des Parks hin zur Leonhardstraße, wie Architekt Bernhard Hafner das einmal anregte, mit gleichzeitiger Überarbeitung der Verkehrssituation hätte durchaus gleichzeitig angedacht werden können.
Den Auftrag für die Ausführungsplanung auf Basis der Entwurfsplanung von Architektin Holtin zur Neugestaltung des Meran-Parks hat Monsberger Gartenarchitektur erhalten. Als Kosten werden € 435.000 angegeben, von denen 250.000 von der Stadt Graz übernommen werden.

Verfasser / in:

Emil Gruber

Datum:

Mo. 11/06/2018

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Symmetrie und Variation

Emil Gruber zu den Plänen für die Sanierung des Meran-Parks vor dem Palais Meran, Sitz der Kunstuniversität Graz (KUG), Leonhardstraße 15, 8010 Graz

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