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Kommentar
Stellungnahme der ZV Steiermark ...

... zum Kommentar von Karin Tschavgova
"ZV kritisiert Verlust an Bauqualität in Graz"

(09.10.2013, www.gat.st)

Liebe Karin Tschavgova, liebe Leser!

Die Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs verleiht seit 1967 regelmäßig den ›Bauherrenpreis‹. Jedes Jahr im Vorfeld des Festaktes zur Preisverleihung findet die ZV Bundesversammlung statt, bei der intensiv über die Qualität der eingereichten Projekte und über den seit einigen Jahren sich stetig abzeichnenden Qualitätsverlust an Baukultur im Bundesländervergleich diskutiert und reflektiert wird. Eine, von der ZV Steiermark dahingehend geäußerte Kritik ist daher aus fachlicher Sicht durchaus angemessen.

Der Bauherrenpreis hat einen ganzheitlichen Betrachtungsanspruch, der sich nicht auf die reine Architekturqualität der Bauwerke reduziert, sondern seinen Fokus auf die Bauherrenschaft und den Bauprozess legt. Zudem wird dieser Anspruch vor allem auch bei der Abwicklung der Preisträgerfindung entsprechend gelebt: Zwei unabhängige Jurien besichtigen jedes Projekt vor Ort und führen Gespräche mit den ArchitektInnen und BauherrInnen. (Welche anderen Preise betreiben einen solch hohen Anspruch und Aufwand?) Eine zusätzliche Nennung von Projekten, die nicht eingereicht wurden, ist in der Ausschreibung nicht vorgesehen und logistisch sowie organisatorisch nicht umsetzbar. Prinzipiell können in Österreich ausgeführte Bauten oder Freiraumgestaltungen der letzten drei Jahre eingereicht werden. Die Ausschreibung wird österreichweit angekündigt, u. a. auch auf www.architekturwettbewerb.at

Die Einreichung von Projekten von öffentlichen Körperschaften, z. B. der Landes-immobiliengesellschaft Steiermark (LIG), die in einem öffentlichen Wettbewerb ermittelt und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben (BVerG) umgesetzt wurden, wird alleine nicht ausreichen, um einen der begehrten Bauherrenpreise zu erhalten. Denn der Bauherrenpreis honoriert nicht rein die Qualität von gebauter Architektur, sondern in erster Linie Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich als BauherrInnen oder AuftraggeberInnen und MentorInnen für die Baukultur in besonderer Weise verdient gemacht haben und in einem intensiven Arbeitsprozess durch besondere Synergien in der Zusammenarbeit mit ArchitektInnen innovative Bauprojekte realisieren konnten. Im Vordergrund stehen dabei folgende Kriterien: die Projektidee, die Projektentwicklung und der Projektablauf; Standortfindung; ArchitektInnenfindung; Anspruch an die Bauaufgabe und last, but not least der besondere Mehrwert und die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit ArchitektInnen.

Von der Qualität der nominierten steirischen Projekte kann man sich persönlich im Rahmen der ZV Veranstaltungsreihe DBMK (Der Bauherrenpreis meines Kollegen, meiner Kollegin) am Freitag, dem 11.10.2013 bei der Ölmühle Fandler von epps architekten und am Freitag, dem 25.10 beim Musikheim St. Nikolai von Gerald Mitterberger überzeugen.
Weiters ist im November das ZV Herbstfest geplant – genauere Veranstaltungshinweise folgen. Voraussichtlich wird auch dieses Jahr GAT und ZV gemeinsam zur Weihnachtsfeier 2013 einladen.

Gegenwärtig arbeitet die ZV Steiermark an der Verdichtung ihrer Veranstaltungen für das Jahr 2014. Geplant ist eine Ausstellungsreihe Architekturphotographie mit vier Einzelausstellungen (Jänner bis April), in deren Rahmen auch ein Format für eine Diskussionsreihe starten soll. Zudem organisiert die ZV zu den Architekturtagen im Mai wieder eine Tour. Und im Juni soll die Wanderausstellung „Bauherrenpreis 2013“ nach Wien, Linz und Klagenfurt auch in Graz Station machen.

Alle Veranstaltungen der ZV Steiermark richten sich selbstverständlich auch an Nichtmitglieder der ZV. (Übrigens sind meistens bei den ZV-Veranstaltungen mehr Nichtmitglieder als Mitglieder anwesend.)

Für all diese Projekte müssen gesondert Sponsoren, Förderer und Räumlichkeiten gesucht werden. Der Vorstand der ZV arbeitet ausschließlich ehrenamtlich.
Die ZV Steiermark steht jeder konstruktiven Anmerkung, Anregung, Mitarbeit und Diskussion jederzeit offen gegenüber und ist u. a. über

facebook:      https://www.facebook.com/pages/ZV-Steiermark/25212047519
per E-Mail :   office@zv-steiermark.org
per Post:       Palais Thinnfeld / Mariahilferstraße 2 / A-8010 Graz
oder mittels persönlicher Ansprache des Vorstandes erreichbar.

Das Zitat, die sinkende Innovationslust betreffend, wird in dem Artikel der „Kleinen Zeitung“ missverständlich verwendet und aus dem Zusammenhang gerissen. Es wurde seitens der ZV darauf hingewiesen, dass den meisten ArchitektInnen ein großes Innovationspotenzial innewohnt, welches unter anderem im Rahmen gut vorbereiteter Wettbewerbsverfahren entfaltet werden könnte. Angesprochen wurde die (zumeist nicht vorhandene) Rolle von ArchitektInnen in der Phase der Grundlagenermittlung von Projekten und Wettbewerbsauslobungen. In der gegenwärtigen Praxis werden zum einen so wenige Wettbewerbe ausgelobt wie schon lange nicht mehr, zum anderen zwingt das enge Korsett von vordefinierten Raum- und Funktionsprogrammen sowie das allen vorangestellte Entscheidungskriterium der minimalen Baukosten bei maximaler Ausschöpfung von Nutzflächen die PlanerInnen zum Pragmatismus. Das Brechen der Wettbewerbsvorgaben sowie das Überschreiten der (oft unrealistisch) tief angesetzten Baukosten zugunsten eines innovativen Projektes liegt allein im hohen Risiko des innovativen Planers. Hinzu kommt, dass speziell in Graz derzeit vor allem in Wohnbauten investiert wird, deren Erscheinung vor allem vom gewohnten Standard der Wohnbaugenossenschaften geprägt wird.

Verfasser / in:

ZV Steiermark

Datum:

Do. 10/10/2013

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Kommentare

Schön und gut, aber ....

Der letzte Absatz kommt zum springenden Punkt meiner (konstruktiv gemeinten) Kritik. Ein Zitat wird in der Zeitung missverständlich verwendet, verkürzt wiedergegeben, wie die nachfolgend detailliert erläuterte Begründung für geringe Innovationslust bzw. geringes Innovationspotenzial verdeutlicht. Das liegt sozusagen in der „Natur der Sache“ in einer Zeitung, die ihr Kleinformat bis ins Format ihrer Artikel umsetzt (angeblich, weil niemand mehr lange und ausführlich, differenziert argumentierende Artikel lesen will. Diese Linie der meisten österreichischen Tageszeitungen trifft sogar die Architektur- und Designseite im Feuilleton der Tageszeitung „Die Presse“, in der uns, als ich vor fast 15 Jahren dort beginnen durfte, zu schreiben, noch 9.000 Zeichen zugestanden wurden. Heute sind es durchschnittlich 6.400)
Die in dieser Reaktion auf meinen Kommentar von Seiten der ZV differenzierter ausgeführte Betrachtung zum geringen Innovationspotenzial wird aber nicht mehr von jenen Lesern und Leserinnen gelesen, die sich aufgrund des Artikels von Walter Titz und der dort wiedergegebenen Zitate schon ein Urteil gebildet haben. Und genau das war ein Ansatz meiner Kritik, die auch Punkte des Jurymodus betraf. So wäre die mögliche Nachnominierung der Jury (eine Motivierung der Bauherren und/oder Architekten, noch nachzureichen oder im Jahr darauf teilzunehmen) doch etwas, worüber nachgedacht werden könnte. Statuten sind nicht in Stein gemeißelt. Mein Argument fürs Nachdenken über eine diesbezügliche Änderung: im Gegensatz zu Landesarchitekturpreisen oder der steirischen Gerambrose gibt der Bauherrenpreis ein aktuelles Bild der Produktion von hiesiger Architekturqualität ab, das auch außerhalb der Steiermark präsentiert wird.
Mein Engagement als Diskurs-Anregerin in dieser Sache (die mich wieder einmal viel Zeit kostet) ist meiner Überzeugung geschuldet, dass in der Steiermark immer noch viel Qualität gebaut wird. Dass diese weniger wird und im geförderten Wohnungsbau beinahe gänzlich auslässt, sollte offen in alle Richtungen diskutiert werden – allerdings nicht als einmaliges Event oder als Beiwerk zu Ausstellungen, sondern als regelmäßiges Format, das sich als „Marke“ etablieren kann. Und das dann im besten Fall nicht nur zur eigenen Bewusstseinsschärfung beitragen könnte, sondern auch von all den Entscheidungsträgern für die potenzielle Realisierung von Architekturqualität in seiner Kontinuität und Rufstärke nicht ignoriert werden. Zukunftsmusik? Naive Illusion (eines Engagements, das nicht nur auf eigene Prioritäten schaut wie derzeit offensichtlich in anderen Institutionen)? Vielleicht.

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