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Architektur: Dietmar Feichtinger Architectes, ©: David Boureau

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Bericht
Sozialer Wohnbau Rue Castagnary, Paris XV

Zehn Sozialwohnungen und eine Geschäftsfläche an der Rue Castagnary im XV. Pariser Bezirk von Dietmar Feichtinger Architectes, 2016 fertiggestellt.

Der Neubau folgt der Rue Castagnary und winkelt sich im nördlichen Bereich zum Nachbargebäude hin ab. In optischer Beziehung zu den Bauten gegenüber fügt sich das Haus in das Stadtbild und die Dichte des Viertels ein. Seine weiße Metalllamellenhülle stimmt farblich mit der hier dominierenden Farbe überein, seine zeitgemäße Formensprache korrespondiert mit anderen Gebäuden des Viertels. Der Rhythmus der Durchbrüche gleicht sich jenem der Bauten ringsum an und die großen vertikalen Öffnungen sind von den Pariser Fenstern inspiriert.

Die südliche Grundstücksgrenze ist durch die Bahngleise des Gare Montparnasse beschränkt. Der Bau setzt sich vom Süd-West-Rand ab und lässt so einen von der Straße aus sichtbaren Garten entstehen. Die abgeschrägte Fassade trägt zu dieser Sichtverbindung zwischen der Rue Castagnary, der Grundstückmitte und der Landschaft in der Ferne bei.

Die straßenseitige Fassade wie auch jene des Erdgeschoßes und der ersten drei Obergeschoße folgen dem Gehsteigverlauf. Ein transparenter Sockel markiert das Schaufenster des Ladens im Erdgeschoß und den Durchgang des Gebäudes. Die letzten beiden Geschoße sind geneigt, wodurch die Gebäudehöhe jener der Bauten gegenüber entspricht. Die Gestaltung der Fassade ist überall einheitlich, auch am abgeschrägten Teil. Sie besteht aus dünnen weißen vertikalen Metalllamellen und Schiebeblenden vor den Fenstern. Diese Blenden setzen sich aus beweglichen Lamellen zusammen, die den Sonnenschutz gewährleisten. Die Fenster unterstreichen den vertikalen Charakter der Struktur.

Die gartenseitigen Fassaden bestehen aus einer weiß lackierten, unregelmäßig verlegten Metallhülle. An den Giebeln wiederum ist Beton als Baumaterial erkennbar. Man sieht ihn aus dem Blickwinkel der Rue de Vouillé und seine Verlegung ist jener der Metallfassaden ähnlich.

Die Architektursprache der Fassade sorgt dafür, dass sich der Bau in das Straßenbild einfügt und ihm zugleich eine starke Identität verleiht. Das Wechselspiel der beweglichen Blenden und die wechselnde Neigung der Lamellen beleben die Fassade. Die Aluminiumrahmen haben denselben Farbton wie die Lamellen.

Freitragende Balkone lassen den Ostrand leichter wirken und bieten den Wohnungen die Annehmlichkeit eines individuellen Außenraumes. Jede Wohnung verfügt über einen südseitigen Balkon, die Fenster zum Garten sind mit Außenrollläden versehen. Auf dem Dach sind Solarpaneele installiert. Sie sind leicht geneigt, damit die Selbstreinigung gewährleistet ist.

Die Stockwerke erreicht man, indem man den Hauptteil des Gebäudes durchquert. Die Briefkästen sind in diesem Vorbau im Freien untergebracht. Vom Hof aus führen ein Lift und eine Außentreppe zu den Wohnungen. Die Treppe ist mit einem Edelstahlnetz über die ganze Höhe zum Garten hin überzogen.

Die offenen Gänge erschließen je zwei Wohnungen pro Geschoß und sorgen für natürliche Belichtung und Belüftung der Wohnungen. Die Gänge sind durch Edelstahlnetze geschützt und bieten freie Sicht auf die Landschaft. Die sonnigen Freiflächen im Erdgeschoß sind mit kleinwüchsigen Bäumen bepflanzt.

Das Projekt hat eine französische Umweltzertifizierung Type A, die auf einem niedrigem Energieverbrauch und verstärkter Wärmedämmung, um die „Primärenergie“-Referenznorm von 50kWh/m² SHON einzuhalten, beruht.

Verfasser / in:

Dietmar Feichtinger Architectes

Datum:

Fr. 24/03/2017

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Infobox

Zehn Sozialwohnungen und eine Geschäftsfläche

Adresse
39-41 rue Castagnary, 75015 Paris

Bauherr
RIVP| Régie Immobilière de la Ville de Paris

Architektur
Dietmar Feichtinger Architectes

Fläche: 881,3 m²
Baukosten: 2.3 M€ HT
Wettbewerb: 2008
Fertigstellung: Juli 2016

In der GAT-Reihe bauwerk.aktuell werden Architekturproduktionen innerhalb und außerhalb Österreichs präsentiert, die kürzlich fertiggestellt wurden. Bei der Kuratierung werden Projekte von AkteurInnen bzw. ProtagonistInnen mit Bezug zur Steiermark bevorzugt. Vorschläge an redaktion@gat.st sind willkommen!

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