Hafner_Interview Gross_Terrassenhaussiedlung_Gross
Terrassenhaussiedlung in Graz-St. Peter, 1978
Architektur: Werkgruppe Graz, ©: Eugen Gross

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Bericht
SONTE – der fertige Modernisierungsleitfaden

Urbane Regionen stehen weltweit vor großen Herausforderungen. Der Zuzug in die Städte und die Randgebiete steigt kontinuierlich. Im österreichischen Vergleich ist der Grazer Raum die Region mit dem stärksten Bevölkerungswachstum. Neben dem erhöhten Druck auf Planung und Umsetzung neuer Wohnbauprojekte muss ebenso im Bereich des Wohnbaubestandes eine gezielte Auseinandersetzung in Hinblick auf Möglichkeiten und Grenzen einer Modernisierung im Sinne der Klima- und Nachhaltigkeitsziele erfolgen.
Die Terrassenhaussiedlung Graz-St. Peter ist ein realisiertes Utopie-Projekt. Der Begriff Utopie wird hier unter der Definition von Max Horkheimer verwendet: „die Kritik dessen, was ist, und die Darstellung dessen, was sein soll“. Kritik wurde am bestehenden System des Wohnbaus der 1950 und 60er Jahre geübt. Die Siedlung stellte einen Gegenentwurf zur voranschreitenden Zersiedelung durch Einfamilienhäuser und der monotonen Gestaltung der standardisierten Geschoßwohnbauten dar. Durch den Entwurf der Terrassenhaussiedlung zeigten die Architekten der WERKGRUPPE GRAZ eine neue Form des Wohnens. Die Siedlung ist ein gebautes Experiment, dessen Erprobung neuer Planungsprozessansätze durch den Status des Demonstrativ-Bauvorhabens wissenschaftlich begleitet und dokumentiert wurde. Der Vorbildcharakter für den Wohnbau unter dem Modell Steiermark ist signifikant. Das Konzept nach dem Prinzip des individuellen „Haus im Haus“ war allumfassend sowie beispiel- und vorbildlos in Österreich. Die Möglichkeit der Mitbestimmung, durch die zukünftigen Bewohner im Planungsprozess, gab der Weiterentwicklung des Wohnbaus in der Steiermark in den 1970 bis 80er Jahren entscheidende Impulse.
Die Terrassenhaussiedlung in Graz-St. Peter ist bis heute die größte zusammenhängende und international bekannteste Wohnsiedlung der Steiermark und zählt zu den bedeutendsten Nachkriegswohnbauten in Österreich. Gleichzeitig ist sie die größte EigentümerInnen-Verwaltungseinheit Österreichs mit über 500 Wohnungen und mehr als 1.100 BewohnerInnen. Die Siedlung ist durch die Interessensgemeinschaft der Eigentümer bestmöglich instandgehalten. Nach über 40-jähriger Nutzung des Gebäudes stellt sich jedoch die Frage einer Modernisierung. Das Projekt SONTE liefert Antworten hierauf und entwickelte gemeinsam mit den BewohnerInnen einen Modernisierungsleitfaden. Die Sondierungsstudie SONTE konzentrierte sich dabei auf vier Bereiche: Gebäude und Energie, Grün- und Freiraum, urbane Mobilität sowie Kommunikation und Gemeinschaft.
In einem Forschungsteam von acht verschiedenen Disziplinen und Instituten wurde die Siedlung im Sinne einer smarten Modernisierung der Anlage untersucht. Die Einbindung der Bewohnerschaft, der Immobilienverwaltung und Hausarbeiter erfolgte durch die begleitende Integration eines Kommunikationsprozesses u.a. mittels Fragebogen, Sprechstunden und Workshops. Gemeinsam mit allen Stakeholdern und den Experten wurde der Modernisierungsleitfaden entwickelt. Konkret wurde eine Kurzfassung des Leitfadens an alle Haushalte der Terrassenhaussiedlung verteilt. Weitere Exemplare liegen im Zentrum der Anlage zur freien Entnahme auf. Die Langfassung des Modernisierungsleitfadens, welcher alle wissenschaftlichen Analysen und Ergebnisse enthält, liegt zur Ansicht für alle BewohnerInnen und Interessierte im Zentrum der Terrassenhaussiedlung auf.

Für alle, die mehr über die Terrassenhaussiedlung und die SONTE-Forschung lernen möchten, seien folgende Führungen in der Wohnanlage ans Herz gelegt:

* 21.06.2018, 17:30 Uhr, Führung in der Terrassenhaussiedlung Die Modernisierung einer Utopie im Rahmen des ISG Symposiums 2018

* 15.07.2018, 10:00 Uhr, Führung in der Terrassenhaussiedlung Terrassenhaussiedlung, quo vadis? in Kooperation mit wohnlabor. eine aufgabe für alle im Rahmen des Architektursommers 2018.

Der Treffpunkt ist jeweils beim Zentrum der Terrassenhaussiedlung in der St. Peter Hauptstraße 33, Graz.

SONTE-Team

Verfasser / in:

Andrea Jany

Datum:

Do. 14/06/2018

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Andrea Jany berichtet

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