Solare Energiewende | www.gat.st

_Rubrik: 

Bericht
Solare Energiewende
wirtschaftliche und technische Potenziale

Am 18. März 2014 wurde im Rahmen einer gemeinsamen Tagung von Land Steiermark und TU Graz das Thema Sonne für die Energiewende diskutiert. Eine Runde von hochkarätigen Fachleuten widmete sich vor dem zahlreich erschienenen Fachpublikum in der Aula der Technischen Universität einmal mehr den vielfältigen Aspekten der zukunftsträchtigen Technologie als Beitrag zu einer von fossilen Quellen unabhängigen Energiewende.

Über die Bedeutung des Ausbaus nachhaltiger Energiequellen war man sich unisono rasch einig, wie auch darüber, dass vor allem die Sonnenergie in Zukunft eine zentrale Rolle dabei spielen wird. „Die Steiermark gilt unangefochten seit Jahrzehnten als Pionierland in der Sonnenenergie-Nutzung", hob Hans Kronberger, Präsident des Bundesverbandes Photovoltaic Austria, gleich zu Beginn der Veranstaltung hervor. Ein wichtiger Faktor für die steirische Vorreiterrolle liegt in der dicht vernetzten Forschung durch die vielen Einrichtungen und Forschungsprojekte im Bereich der Nachhaltigkeit, betonte der Rektor der TU Graz, Univ.-Prof. Dr. Harald Kainz, die Rolle der steirischen Universitäten.

„Die Wirtschaft ist ebenfalls ein zentraler Partner, wenn es darum geht, entwickelte Technologien einsatzfähig auszureifen – das betrifft besonders die Erforschung der Potenziale von Sonnenenergie“, unterstrich Rektor Kainz die Rolle der Solarzellenproduzenten ebenso wie der Energieversorger. Der für erneuerbare Energien und Klimaschutz zuständige Landesrat Siegfried Schrittwieser zeigt sich erfreut über den in der Steiermark besonders intensiv erfolgten Ausbau der Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren, der nicht zuletzt auch von öffentlichen Fördermitteln befeuert wurde. Eingetrübt wird die Solareuphorie derzeit durch eine mögliche Abgabe auf Strom im Eigenverbrauch, was so Kronberger mit „einer Steuer auf im eigenen Garten für den Selbstverzehr gezogenes Gemüse vergleichbar sei“.

„Unendlich viel Energie von der Sonne ist weltweit verfügbar“, ortet Kronberger die Energiequelle der Zukunft in der potenziell unbegrenzten Nutzung der Sonnenstrahlung, kommt doch tagtäglich mindestens 5.000 Mal soviel an Energie auf der Erdoberfläche an, wie tatsächlich vom Menschen verbraucht wird. „Die Leistungen der Steiermark im Ausbau der Photovoltaik sind großartig und sind vorbildlich für die übrigen Bundesländer“, lobte Kronberger in seinen Ausführungen die Grüne Mark. Seitens der Landespolitik zeigt man sich ebenfalls zufrieden mit der Entwicklung, wie Schrittwieser in Hinblick auf das Energie-Bewusstsein der steirischen Bevölkerung stolz erklärt: „Die Zahlen belegen, dass wir in der Energiepolitik und mit unserem Förderangebot auf einem guten Weg sind, den wir konsequent weiter beschreiten wollen.“ Als unterstützendes Instrument dafür sieht er den mittlerweile für Graz und einige Bezirke bereits vorliegenden „Steirischen Solarkataster“. Darin wird steiermarkweit jede einzelne Dachfläche untersucht, ob sie sich für die Nutzung einer Solaranlage eignet.

Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Preise für Solarzellen zur Stromerzeugung massiv zurückgegangen, was einen regelrechten Boom im Ausbau vor allem kleiner Anlagen bei Einfamilienhäusern ausgelöst hat. Die Zahlen dieser Expansion sind beeindruckend: So gingen in der Steiermark im Vorjahr 1.229 Anlagen in Betrieb, die über die OeMAG, die Abwicklungsstelle für Ökostrom, gefördert wurden – somit liegt der steirische Anteil an der Gesamtleistung aller österreichischen Neuanlagen bei rund einem Drittel. Selbst die Ziele aus der eigenen Energie-Strategie wurden gesprengt: Das ursprüngliche Plansoll lautete, neue Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 5 Megawatt zu installieren. Geworden sind daraus, ausgehend von 720 im Jahr 2010, inzwischen bis heute über 7.000 Anlagen mit einer Leistung von annähernd 65 MW, also das knapp 13-Fache, was im Übrigen der Jahresdurchschnittsleistung von etwa fünf mittelgroßen Mur-Wasserkraftwerken entspricht, erläuterte DI Christian Purrer, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark. Allerdings dürfen die für sich allein beeindruckend wirkenden Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Beitrag von Photovoltaik-Anlagen noch bei unter 1 Prozent des gesamtösterreichischen Stromverbrauchs liegt. Damit bleibt die oft beschworene Energieautarkie noch ein fernes Wunschziel, betont auch der Landesenergiebeauftragte Dr. Wolfgang Jilek. Bis dahin sollten, so Jilek, ein Vorausdenken in Planungsfragen für den Ausbau sowie der Blick auf neue Technologien und deren oft überraschende Durchbrüche die Energiezukunft bestimmen.

Ein wenig im Windschatten der Photovoltaik steht inzwischen die in der Steiermark sehr populäre Solarthermie, also die Warmwasserbereitung und Heizung mit Sonnenenergie. Die potenziell größere Vielseitigkeit der Photovoltaik und die attraktive Rückspeisung überschüssigen Solarstroms in das Energienetz hat der rein thermischen Nutzung den Rang abgelaufen. Im Einfamilienhaussektor ist der Ausbau der Solarthermie daher seit einiger Zeit rückläufig. Allerdings ortet Dr. Ewald Selvicka (AEE Intec) nach wie vor Bedarf für diese Technologie im Geschoßwohnbau sowie für Großanlagen für Einrichtungen und Firmen, die große Mengen Warmwasser benötigen.

Viele praktische Fragen rund um die effiziente Nutzung von Energie im Haushalt werden von der Forschung untersucht und in praxisnahen Anlagen erprobt. Von Technologiefragen geht es hin zu Systemfragen, insbesondere welche Energiedienstleistungen in welchem Zusammenhang am sinnvollsten nutzbar sind, betont Univ.-Prof. Dr. Hans Schnitzer vom Institut für Prozess- und Partikeltechnik der TU Graz: „Welche Energietechnologien passen für welche Bedürfnisse und Lebensstile zu welcher Jahreszeit? Ist Warmwasser am besten mit Sonnenkollektoren, Photovoltaik oder Fernwärme aufzubereiten? Wie lassen sich die verschiedenen Heizsysteme mit neuen Architekturkonzepten vereinen?“ Das sind nur einige wenige der Fragen und Herausforderungen, denen sich Forscher der TU Graz im gebündelten Schwerpunktfeld „Sustainable Systems“ stellen. Die Energiegewinnung aus der Kraft der Sonne nimmt dabei einen zentralen Platz ein. „Von der Solarthermie bis zur Biomasse, von der Fernwärme bis zur Wasserkraft: Wir haben eine Reihe in der Forschung bereits sehr weit entwickelter Energietechnologien. Jetzt gilt es, diese Technologien kombiniert in funktionierende Energiesysteme umzulegen und für den Alltag benutzertauglich zu machen“, erklärte Schnitzer.

Verfasser / in:

Josef Schiffer

Datum:

Do. 03/04/2014

Terminempfehlungen

Artikelempfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Infobox

Photovoltaik-Anlagen erzeugen bis dato weniger als 1% des gesamtösterreichischen Stromverbrauchs.

In der Steiermark ist die Zahl der Anlagen enorm angestiegen: 720 waren es im Jahr 2010. Aktuell sind es über 7.000 Anlagen, die die Jahres-Durchschnittsleistung von 5 mittelgroßen Mur-Wasserkraftwerken erbringen.

Energieautarkie bleibt allerdings immer noch ein fernes Wunschziel.

Kontakt:

Kommentar antworten