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Kommentar
Schrei nach Architektur! – 2 – Prof. Kathrin Aste

Was aber, wenn sich für unsere Utopien so konkret sie auch sein mögen keiner interessiert?
Wenn das Bedeutsame und Schöne niemanden mehr berührt?
Und das kulturelle Erbe nur mehr als lästiger Ballast empfunden wird?

Architektur ist wie die Kunst eine gestaltende schöpferische Tätigkeit, als auch ein intellektuelles Konstrukt. Sie ist eine kulturschaffende, künstlerische Disziplin!!!
Stärker als die Kunst übt sie im Lebensalltag eine unmittelbare, ja existentielle Wirkung aus, die in der Gesellschaft in physischer wie psychischer Hinsicht Reaktionen und Stellungnahmen provoziert. Wollen wir unsere Gesellschaft gestalten, kommt der Architektur eine besondere Verantwortung zu.

Wer aber macht Architektur? Wer übernimmt die Rolle des Gestalters?
Dass Gestaltungsprozesse heute im intensiven Austausch mit anderen interdisziplinär und in Form von Koproduktion erfolgen, ist wünschenswert und bereichernd. Wer aber ist Teil dieser Produktion? Auftraggeber und Nutzer denken im Rahmen ihrer persönlichen Anliegen, Politiker unter Berücksichtigung ihrer Wählerschaft, Verwalter und Fachplaner, mit wenigen Ausnahmen, in Normen. Sie alle bringen Partialinteressen ein, die es zu berücksichtigen aber auch kritisch zu hinterfragen gilt.
Architektur ist nicht das Resultat des kleinsten gemeinsamen Nenners und die Architekten und Architektinnen sind nicht die Mediatoren dieser Bruchlandung. Die Architektur als Disziplin, die es für sich beansprucht frei schaffend zu sein, hat die Verantwortung eine Architektur einzufordern, die in eine wünschenswerte mögliche Zukunft gedacht ist.

Wir müssen die Architektur wieder selbst in die Hand nehmen um der kulturellen Vitalität unserer Gesellschaft Ausdruck zu verleihen, um ein kulturelles Erbe zustande zu bringen, das es noch zu schützen wert ist. Momentan zeichnen wir eher das Bild einer normierten ideenlosen Gesellschaft, der von irgendwoher ordentlich der Marsch geblasen wird.

Positiv betrachtet, besitzen Architektinnen und Architekten basierend auf ihrer Ausbildung und Bildung die Fähigkeit, eine unbeirrbare, kulturelle Kraft zu formen.
Vielleicht sollten wir die Empörung doch als Motiv des Widerstands verstehen und uns endlich engagieren.

Verfasser / in:

Univ. Prof. Arch. DI Kathrin Aste

Datum:

Mo. 02/10/2017

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