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©: Giencke & Company

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Kommentar
Schrei nach Architektur!

Einfach gesagt und einfach gefragt:
Was geschieht mit der Architektur in der Stadt, was geschieht mit der Architektur in dem Land?
Beide sind einmal angetreten, die Architektur zu erobern, wild und herausfordernd, gegen die hierarchische Last von Konventionen und die Fadesse von hundertmal Durchgekautem. Was ist davon geblieben?
Hat die Architektur tatsächlich jeden künstlerischen Anspruch aufgegeben, jeden Hauch von ethischer Funktion und visueller Großartigkeit verloren? Sind Architekten, egal ob Planer oder in Jurien, zu Handlangern von unkultivierten Zeitgenossen geworden, deren Kulturlosigkeit immer stärker das Bild unserer künstlichen Umwelt landauf landab prägt?
Ist die Existenzangst so groß, dass sie zu solch schamlosem Verhalten berechtigt?
Oder sind es geistige Verbrechen, die statt geahndet, belohnt werden – und deshalb begangen werden?
Unter überflüssigen Projekten gibt es keine Gewinner und keine Verlierer.

Ich behaupte, dass mit der Architektur verheiratete oder befreundete Juroren und Jurorinnen – und nur solche dürfen über die Architektur von anderen richten – psychisch und physisch schreckliche Übelkeit erleiden müssen, angesichts der unvorstellbar nichtssagenden Projekte, die sie zu beurteilen haben. Tatsächlich haben sie vergessen, dass sie bezahlt werden, um solche Übel zu verhindern. Statt Jurien mit dem Besten zu besetzen, das man bekommen kann, entscheiden Unbekümmerte als Architekten, Investoren und Behördenvertreter. Das sind die wahren Übeltäter! Und die betroffenen Architekten und Architektinnen rächen sich mit Architektur zum Vergessen – und beschädigen die Stadt und das Land. Fürchterliche Wirklichkeit.

Einfache Antwort an die Architekten und Architektinnen: Entweder Ihr werdet wieder Phantasten und entwerft wieder konkrete Utopien oder Ihr empört euch unendlich.

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A CRY FOR ARCHITECTURE

To ask a simple question:
What is happening to architecture in the city, and what is happening to architecture in the country? Both once aimed to conquer architecture, wild and challenging, to stand up against the hierarchical burden of conventions and the boredom of things that we’d gone through time and again. What has become of all that?
Has architecture really abandoned all artistic pretensions and lost the faintest hint of ethical function and visual grandeur? Have architects, as planners or jury members, whatever, become stooges for uncultured contemporaries whose lack of culture is increasingly shaping the appearance of our artificial environment up and down the country?
Is their existential fear so huge that it gives them the right to act so shamelessly?
Or do they commit intellectual crimes that are rewarded instead of penalised – and could this be the precise reason for committing them?
When it comes to superfluous projects, there are neither winners nor losers.

I maintain that jury members who are in a passionate relationship with architecture – and only those should be allowed to judge other people’s architecture – have to suffer awful mental and physical nausea in the face of those inconceivably nondescript projects they are supposed to assess. As a matter of fact, they have forgotten that they are being paid to prevent such malady. Instead of staffing juries with the crème de la crème, it is light-minded architects, investors and representatives of authorities who make the decisions!  They are the true perpetrators! As a logical consequence, the architects affected by those decisions take revenge by creating nondescript architecture, damaging the city and the countryside in the process. That is the cruel reality.
There is only one thing architects can and should do: either become a visionary and design concrete Utopias again, or mount the barricades in protest!

Verfasser / in:

Univ. Prof. Arch. DI Volker Giencke

Datum:

Mo. 18/09/2017

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Kommentare

dem ist nicht hinzuzufügen

sondern es bleibt nur mit einzustimmen.
heute ist mittwoch und es gibt erst 2 chormitglieder - sind die lauten querdenker mittlerweile alles wendehälse und zu duckmäusern mutiert.

bitte lauter schreien

die, die es ernst meinen mit der architektur,
stimmt ein in den giencke-chor!
keine konfrontation ist zu scheuen,
wir müssen immer wieder und noch lauter schreien!
und niemals aufhören oder in den ruhestand gehen, das wäre der tod der architektur und der sieg der belanglosigkeit, die leider immer mehr an boden gewinnt

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