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Kommentar
Schrei nach Architektur!

Einfach gesagt und einfach gefragt:
Was geschieht mit der Architektur in der Stadt, was geschieht mit der Architektur in dem Land?
Beide sind einmal angetreten, die Architektur zu erobern, wild und herausfordernd, gegen die hierarchische Last von Konventionen und die Fadesse von hundertmal Durchgekautem. Was ist davon geblieben?
Hat die Architektur tatsächlich jeden künstlerischen Anspruch aufgegeben, jeden Hauch von ethischer Funktion und visueller Großartigkeit verloren? Sind Architekten, egal ob Planer oder in Jurien, zu Handlangern von unkultivierten Zeitgenossen geworden, deren Kulturlosigkeit immer stärker das Bild unserer künstlichen Umwelt landauf landab prägt?
Ist die Existenzangst so groß, dass sie zu solch schamlosem Verhalten berechtigt?
Oder sind es geistige Verbrechen, die statt geahndet, belohnt werden – und deshalb begangen werden?
Unter überflüssigen Projekten gibt es keine Gewinner und keine Verlierer.

Ich behaupte, dass mit der Architektur verheiratete oder befreundete Juroren und Jurorinnen – und nur solche dürfen über die Architektur von anderen richten – psychisch und physisch schreckliche Übelkeit erleiden müssen, angesichts der unvorstellbar nichtssagenden Projekte, die sie zu beurteilen haben. Tatsächlich haben sie vergessen, dass sie bezahlt werden, um solche Übel zu verhindern. Statt Jurien mit dem Besten zu besetzen, das man bekommen kann, entscheiden Unbekümmerte als Architekten, Investoren und Behördenvertreter. Das sind die wahren Übeltäter! Und die betroffenen Architekten und Architektinnen rächen sich mit Architektur zum Vergessen – und beschädigen die Stadt und das Land. Fürchterliche Wirklichkeit.

Einfache Antwort an die Architekten und Architektinnen: Entweder Ihr werdet wieder Phantasten und entwerft wieder konkrete Utopien oder Ihr empört euch unendlich.

Verfasser / in:

Univ. Prof. Arch. DI Volker Giencke

Datum:

Mo. 18/09/2017

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Kommentare

dem ist nicht hinzuzufügen

sondern es bleibt nur mit einzustimmen.
heute ist mittwoch und es gibt erst 2 chormitglieder - sind die lauten querdenker mittlerweile alles wendehälse und zu duckmäusern mutiert.

bitte lauter schreien

die, die es ernst meinen mit der architektur,
stimmt ein in den giencke-chor!
keine konfrontation ist zu scheuen,
wir müssen immer wieder und noch lauter schreien!
und niemals aufhören oder in den ruhestand gehen, das wäre der tod der architektur und der sieg der belanglosigkeit, die leider immer mehr an boden gewinnt

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