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Denkmal für den Wald, 1996, Farbradierung, 58 x 45 cm
©: Gregor Traversa

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Rezension
Rückschau auf die Werke eines Eigenständigen

Zwei Ausstellungen mit insgesamt hundert Werken erinnern in einer Retrospektive zum zehnten Todestag (2. Februar 2007) von Gregor Traversa (geb. 1941) an das Schaffen des Grazer Künstlers.

Wenn in den Anfängen, bis etwa Mitte der 1960er Jahre, eine deutliche Nähe zu den Phantastischen Realisten bestand, entwickelte Gregor Traversa in den folgenden Jahrzehnten eine sowohl formal als auch inhaltlich eigenständige Bildsprache, mit der er – gleichwohl geprägt von Phantasie, Utopie und Fiktion – eine wohl solitär zu nennende Position gegenüber der österreichischen zeitgenössischen Kunst behauptete. Bestechend in ihrer Detailgenauigkeit, waren es in den Anfängen überwiegend Zeichnungen mit Tuschefeder, bis Traversa 1969 mit einer Arbeit zum Daphne-Thema sein Medium, die Radierung fand, und damit zur Druckgrafik. In diesem Sinn ikonisch, und in ihrem Kontext verbunden mit Traversas immerwährender Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt, ist eine Arbeit, die derzeit im Schloss St. Martin zu sehen ist. Die Farbradierung Denkmal für den Wald (1996) kann in Verbindung mit Notizen des Künstlers zu Werken aus dieser Zeit auch als Beschreibung formaler Prinzipien gelesen werden: „Bäume als Zeichen für wiederkehrendes Leben. Die Zeichensprache der Bäume: Feinnervige Verzweigungen, Verflechtungen, Vernetzungen, Verbindungen, Verdichtungen.“

Unter dem Titel Architektur und Metamorphose legt die Grazer Galerie Schafschetzy Augenmerk auf das Verhältnis des ehemaligen Architekturstudenten zur Bau-Kunst. Zur Eröffnung der Schau zitierte Walter Titz einen Tagebucheintrag Traversas aus dem Jahr 1976: „Die heutige Brutalarchitektur ist ein Symbol unserer sozialen Verhältnisse. Was mich interessiert: Eben nicht die Errungenschaften zeitgenössischer Baukultur, sondern alte Fabriken, aufgelassen, kleine Häuser in schöner Nutzlosigkeit mit verstaubten Bogenfenstern, Röhren, Eisenträger, verbogene Maschinen, überwuchert von Natur; Maschinenteile, Räder, Eisenstangen, Fassadenteile, Fenster mit Schießscharten, Türme sowie Maschinenmenschen, gut funktionierende Mutanten, Wohnmaschinen.“
Dass ständiges Scheitern, führte Walter Titz weiter aus, auch den architektonischen Fortschritt bedingt, war eine lebensbegleitende Haltung Gregor Traversas, die sich nicht nur in Bildern manifestierte wie beispielsweise Veränderung um St. Paul’s (1977), einer Mischtechnik auf originalem Kupferstich. Wie eine Ruine der Erinnerung scheint Christopher Wrens Zentralbau inmitten einer gesichtslosen Skyline Londons zu zerfallen.
Philosophische Texte und utopische Literatur waren wohl die maßgeblichen Einflüsse für die Bildfindungen des Künstlers, in denen sich immer wieder auch sein Interesse an historischen Bauwerken äußerte. Das römische Colosseum nach Mabuse (Radierung, 1987) ist eine Interpretation nach Jan Gossaerts (Mabuse) Zeichnung von 1509. Auch Piranesis Carceri (1745 bis 1750) erfuhren eine Neuaufnahme, von Traversa ergänzt durch metaphorische Stützwerke. Es scheint, als wollte Traversa seine Ideen des Erhalts historischer Bauwerke in einer für immer späteren Zeit zu einem bestimmten Augenblick festhalten. 1983 zeichnete er das Voitsberger Kraftwerk ÖDK III als ein die Landschaft kontrastierendes Ungetüm. Aus gegenwärtiger Perspektive eine Art Belcanto des Niedergangs vormals unabdingbarer technischer Großanlagen, dargestellt im „schönen“ Bild.

Wie eine Vorarbeit erscheint Einblick - Ausblick / Alte Fassade (1981/82), eine große Mischtechnik, die die Front eines flachen Gebäudes zeigt. Die Arbeit in Mischtechnik auf Papier ähnelt einem Architekturmodell, das in Zusammenarbeit mit Architekten und Studenten 1987 gebaut und das in Wien, Brüssel und Tokyo präsentiert wurde. Projekt Traversa lässt Bauhaus-Formen und solche japanischer Architektur assoziieren und ist ein Vorschlag für einen Wohn- und/oder Atelierbau. Im Stadtamt von Deutschlandsberg befindet sich heute die 1986 entstandene Wand RANA, mit der Traversa, wie in einer Zusammenfassung, seine bis dato bildnerischen Architekturfiktionen in ein über drei Meter breites Objekt aus Holz einfließen ließ. RANA sollte das einzige Werk des Künstlers im öffentlichen Raum bleiben, vielleicht aufgrund seines Selbstverständnisses, nach dem er sich als „Non-Belonger“ bezeichnete.

Verfasser / in:

Wenzel Mraček

Datum:

Fr. 03/03/2017

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Rückschau auf die Werke eines Eigenständigen


Zwei Ausstellungen in Graz anlässlich des zehnten Todestags des Künstlers Gregor Traversa:

Gregor Traversa
Architektur und Metamorphose
zum 10. Todestag (1941-2007)
GALERIE SCHAFSCHETZY
Färbergasse 2, 8010 Graz.
Bis 1. April 2017

Gregor Traversa – Retrospektive
Bildungshaus St. Martin
Kehlbergstraße 35, 8054 Graz.
Bis 18. April 2017

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