Raumskizzen: Konstruktion, Struktur und Erzählung

von Wenzel Mracek

Wie an etlichen Arbeiten der vergangenen Jahre zu sehen, setzt sich e. d gfrerer über „Konstruktionen“ mit dem Phänomen von Zwischenräumen, manchmal spezifischer, mit Lücken und Klüften auseinander. Für rhizom etwa errichtete er 2007 eine raumgreifende Konstruktion mit dem Titel touching the east / mind the gap; im Rahmen der Ausstellung OPEN SKY (2008) „zeichnete“ er einem verfallenen Trakt des Schlosses Kalsdorf eine physische „Raumskizze“ ein, die er white territory / ugal /Ecke nannte.
Nicht „Installation“ - einem Raum eingepasst -, vielmehr „Konstruktion“ beschreibt die aus der zur Verfügung gestellten Architektur hervorgehenden Ausführungen, die mit der bestehenden Umgebung verbunden sind und - nicht eindeutig, sondern deutlich mehrdeutig – über diese hinausführen. Über inhaltliche Orientierung, Werktitel und schließlich über die Konstruktion führt gfrerers jeweiliger Entwicklungsweg in ein Auffüllen respektive Erfüllen; vom Wahrnehmen mentaler Lücken zur Arbeit über architektonische – mind the gap!

„Weniger ist selten mehr.“ (e. d gfrerer)
Das lateinische Intervallum bezeichnet den Abstand der Tonhöhen zwischen zwei erklingenden Tönen. Intervallum nennt e. d gfrerer diese Konstruktion, seine begehbare Raumskizze, die jedenfalls weiter zu denken ist, als sie sich physisch über die zwei Geschosse des Eingangsbereiches - ein Übergangsort - der Galerie remixx erstreckt. Wenngleich stark abstrahiert, enthält sie Fragmente angedachter Erzählungen: Ein „Vordach“ führt in einen Innenraum, darüber hinweg fährt von Ost nach West ein „Kahn“ mit „zwei Passagieren“ auf demselben Niveau mit der Basis eines wiederum nach unten weisenden „Hauses“, so nennt e. d gfrerer die Details. Unter dem Giebel des Hauses, einander gegenüber gestellt, zwei Sessel wie vorbereitet für ein Gespräch Auge in Auge, auf selbem Niveau. – Signifikanten einer nicht linearen Narration: Vordach, Innen-, Übergangsraum, Passagiere, Personen, Haus, Äquidistanz und Äquivalenz – stabilisiert durch Schnüre, ausgewogen von Sandsäcken; das Lineament der Schnüre ist „verknotet“ an kritischen Stellen, die zu imaginierende Ereignisse bezeichnen wie die Fahrt der Passagiere im „Kahn“.

Es scheint nur, als betriebe e. d gfrerer Understatement in der Wahl seiner Materialien. Was, auch im Verzicht auf Farbe, an Povera erinnern mag, ist Merkmal des Konzepts, das möglichst direkten Bezug zwischen zweidimensionaler Zeichnung und dreidimensionaler Raumskizze intendiert. Obschon „Konstruktion“, treffen Vergleiche mit dem Konstruktivismus weniger. Schon eher könnten Verfahrensweisen des Strukturalismus – Untersuchungen des Beziehungsgeflechts der einzelnen Elemente zueinander – dem Verständnis zuträglich sein. Teil der gfrerer’schen Konstruktion ist zudem auch dieser Text zu Intervallum, der bewusst an einem „Knoten“ der Galeriewohnung angebracht ist, dem (Elektro) Verteiler.

AUSSTELLUNG:
e. d gfrerer "intervallum"
Galerie remixx - Günter Eisenhut
Herrengasse 7 (Altstadtpassage)/Stiege 1, 5. Stock
8010 Graz

Ausstellungsdauer: 28. Mai bis 17. Juni 2009
Geöffnet nach telefonischer Vereinbarung

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Rezension

Datum:

Mi. 03/06/2009

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