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Nachruf
Rainer Verbizh (1944 – 2018)

Der Architekt Rainer Verbizh gehörte in den Sechziger/Siebzigerjahren zu der Gruppe miteinander befreundeter Grazer Architekten wie Ingo Klug, Ernst Kopper, oder Manfred Schwarzbauer. Rainer Verbizh trug schon das lange, blonde Haar an einem sehr hohen Stirnansatz. Praktiziert wurde während dieser Aufbruchsstimmung sozusagen ein erweiterter Architekturbegriff am eigenen Leib, der sich nicht im Entwerfen von Gebäuden und schon gar nicht am Abarbeiten eines Curriculums erschöpfte. Praktisch alle versuchten sich im bildnerischen Bereich, für einige war es später das Kommuneprojekt „Nexenhof“, Rainer Verbizh engagierte sich bei Videoexperimenten mit sozialem Fokus. Nach einem Studienaufenthalt 1972 in Paris, beteiligte er sich 1975 an der „Projektgruppe Lokales Fernsehen“ und entwickelte 1976 zusammen mit der „Video Intiative Graz“ einen heute noch visionären Medienversuch. 
1972 in Paris hatte er seine Frau kennengelernt, wo er später sein Atelier R. Verbizh betrieb, an der Arbeit am Centre Pompidou beteiligt war und den Parc de la Villette oder die Cité des sciences et de l’industrie mitkonzipierte. Der in Pettau geborene hatte es über Graz bis in das damalige Zentrum der europäischen Moderne geschafft. 1992 gestaltete er das Ausstellungsdesign für den Österreichischen Pavillon der Expo in Sevilla, im Jahr darauf jenes für die Expo Taejon in Korea und prägte auch die Ausstellung im Ars Electronica Center in Linz. Im Lauf der letzten Jahre kam Verbizh auf über 40 Ausstellungen und Museumsinstallationen und hatte dazu diverse Gastprofessuren inne. Einem größeren Publikum wurde er vor allem ab 2007 durch seine „ägyptischen“ Ausstellungen bekannt, in denen berühmte Stücke sozusagen echter als das Original gezeigt wurden. Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze im Olympiapark München und zuletzt 2016 in der Grazer Messehalle – der Junge aus der Untersteiermark kehrte 72 Jahre jung heim. Der zentrale Begriff seiner Arbeit war „Edutainment“ – er verstand seine inszenierten Ausstellungen keinesfalls als Spektakel um des Spektakels willen, sondern als eine Mischung aus Bildung und Unterhaltung.
2018 ist er dann endgültig heimgekehrt. Rainer Verbizh hinterlässt eine Frau, drei Kinder und drei Enkelkinder.

Verfasser / in:

Wilhelm Hengstler

Datum:

Do. 21/06/2018

Kommentare

wowann

sg forumleser/betreiber,
weiss jemand wo/wann Begräbnis in Paris? Möchte dabeisein, lg ein stiller Fan v. R.Verbizh

Infobox

Der am 10.05.1944 im slowenischen Pettau/Ptuj geborene Absolvent der TU Graz, DI arch. Rainer Verbizh, ist im Alter von 74 Jahren am 12.06.2018 in Paris gestorben.

Nachruf von Wilhelm Hengstler

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