_Rubrik: 

Bericht
Neubau einer Volksschule oder Modernisierung des Bestandes

Das Grazer Architektenteam Feyferlik / Fritzer gewann 2006 den Wettbewerb für den Neubau einer Volksschule und Sportanlage am Safenfluss in Bad Blumau (GAT berichtete, siehe LINK) und wurde Anfang 2007 mit der Planung beauftragt.
Wäre es nach dem Bürgermeister von Bad Blumau, Franz Handler (ÖVP) gegangen, wäre der Baubeginn Ende September gewesen. So hätte der Neubau zu Schulbeginn 2009 eröffnet werden können.

Auf Grund einer bundesweiten Neuberechung der möglichen Hochwasserstände (2007) liegt der Baugrund nun im Hochwassergebiet. „Das wäre noch nicht das Problem, denn der Wettbewerbsentwurf sah immer vor, dass die durch den alten Sportplatzbau abgesenkte Wiese wieder auf altes Niveau angehoben werden sollte. Nun aber muss die entstehende Wasserverdrängung am eigenen Grundstück kompensiert werden, um keine Nachbargrundstücke zu gefährden“, meint Arch. Georg Huber, einstiger Vorsitzender der Wettbewerbsjury, bei einem Gespräch mit GAT.

Die Erhöhung der Kosten, für die auf Grund der neuen Hochwasserschutzverordnung notwendigen Maßnahmen, führte in Bad Blumau zu einer neuerlichen Standortdiskussion für die Volksschule. „Die fachlich optimierten Maßnahmen für den Hochwasserschutz betragen aber lediglich 2,5% der Gesamtprojektkosten. Das ist wirklich kein Grund, ein Projekt wieder neu zu diskutieren", betonen Feyferlik / Fritzer.

Trotzdem treten nun die Liste ZBB (Zukunft Bad Blumau, größtenteils ehem. ÖVP-Mandatare) und die SPÖ gegen den Schulneubau auf und versuchen ein vor Jahren im Gemeinderat auch mit den Stimmen der eigenen Gemeinderäte abgelehntes Projekt in überarbeiteter Form wieder aufleben zu lassen. Dieser Projektvorschlag sieht die Modernisierung der alten Schule, die Mitnutzung des benachbarten Hauses der Musik (ehem. Lehrerwohnhaus) und der bestehenden Veranstaltungshalle vor. Dies würde eine Kosteneinsparung von 1,8 Mio. € und 570 m² mehr Nutzfläche bringen, argumentieren die Projektbetreiber.
Für 2. November haben sie eine Volksbefragung erwirkt, bei der sich die Bürger von Bad Blumau für eines der beiden Projekte aussprechen sollen.

In der Informationsbroschüre der ZBB fällt bei der Kostengegenüberstellung auf, dass der Schulumbau inkl. Sportstadion und Freiplätzen fast idente Kostenansätze wie der Schulneubau aufweist: ca. 1,7 Mio. € für die Schule und 1,25 Mio. € für die Sportanlagen. Da die in jedem Fall notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen ca. 200.000 € ausmachen, ist es nicht nachvollziehbar wie 1,8 Mio. € eingespart werden können. Viele Kostengruppen für das Umbauprojekt wie Nebenkosten, Aufschließungskosten (Sportanlage), Parkplätze, Kosten für den derzeit nicht konzipierten Lift und für eine notwendige Überdachung von der alten Volksschule zum bestehenden Turnsaal sowie eine Reserve fehlen gänzlich.

Die Interessensgemeinschaft „Bad Blumau für eine moderne Bildungs- und Betreuungseinrichtung der Kinder“ schreibt in ihrer Aussendung zur Volksbefragung: „Mit den Betroffenen, nämlich den Kindern und den Lehrern hat beim Umbaupojekt der ZBB niemand gesprochen. Der Wunsch nach ausreichend Platz, sowohl im Pausenraum wie im Freien ist nicht nur ein Wunsch der Kinder sondern auch eine pädagogische Forderung, weil auf gut gestalteten Freiflächen Kinder ihr überschüssiges Energiepotenzial gut abbauen können, um so im Unterricht wieder entsprechend aufnahmefähig zu sein. Das wurde in diesem Umbauprojekt zur Gänze ignoriert.“

Zu Architektur und Funktion des Alternativprojektes befragt, meint Georg Huber:
„Das Alternativprojekt weist viele schwerwiegende und offensichtliche Mängel auf:
1) Das vermeintlich große Foyer dient ausschließlich zur Verbindung von Volksschule und Musikhaus und ist zudem/deshalb in beiden Geschossen des Altbaus notwendig.
2) Die großzügig und offen dargestellte Treppe muss um den feuerpolizeilichen Vorschriften zu entsprechen, abgetrennt ausgeführt werden; rundherum bleiben lediglich Gangflächen übrig.
3) Die Klassenräume bleiben hinsichtlich Größe und Belichtung unverändert, d. h. eine optimalerweise zweiseitige Belichtung ist nicht möglich und zwei Unterrichtsräume entsprechen mit weit unter 57m² nicht einmal dem niedrigsten Standard der Landesschulbehörde.
4) Die Gruppenräume sind für den täglichen Unterricht unbefriedigend situiert, außer ein Lehrer schafft es, an zwei Orten gleichzeitig zu sein.
6) Werkraum und dazugehöriger Lehrmittelraum liegen zu weit auseinander.
7) Freiluftklassen für eine den aktuellen pädagogischen Erkenntnissen entsprechende, differenzierte Unterrichtsgestaltung, fehlen.
8) Die Räume für Direktorium und Lehrkörper haben keinen ausreichenden Überblick über Schule und Schulvorplatz, so wie es bekanntlich ein großer und nachvollziehbarer Wunsch jeder/s Schulleiters ist.
9) Die modernisierte Schule verfügt über keinen Lift und ist daher nicht behindertengerecht und so nicht genehmigungsfähig /-würdig / -reif.
10) Die Mehrfläche für die WC-Anlagen ergibt sich auf Grund der notwendigen Aufteilung auf zwei Geschosse.
11) Grundsätzlich ist Zweigeschoßigkeit für eine kleine Schule wie in Bad Blumau keine optimale Voraussetzung für einen entspannten reibungslosen Schulalltag.
12) Der Weg zwischen Schule und Turnsaal ist nicht überdacht und entspricht somit nicht den baulichen Anforderungen an eine Volksschule.
13) Der in der Broschüre dargestellte Größenvergleich zwischen Neubau und modernisiertem Altbau fällt, sofern Länge überhaupt ein Argument sein kann, in Wahrheit negativ für das Umbauprojekt aus: legt man die Messlatte an, kämen für das Umbauprojekt ca. 105 m Distanz zwischen Schulkasse und Turnsaal, für den Neubau lediglich 94 Meter heraus.

Zur städtebaulichen Situation merkt Arch. Georg Huber an:
„Den Dorfcharakter mit einer bestehenden Schule erhalten zu wollen ist wohl eine sehr vereinfachte Form von gedachter Dorfentwicklung. Bad Blumau ist ein kleiner Ort mit Einzelgebäuden. Das Schulgebäude mit dem Haus der Musik zu verbinden, würde eine Baumasse im Ort schaffen, die die Maßstäblichkeit sprengt und einen Fremdkörper schafft. Benutzbare ebene Freiflächen müssten mit nicht unerheblichem Aufwand erst hergestellt werden. Da hilft auch eine Luftaufnahme in der Broschüre der ZBB nicht, die das steile Gelände fast eben erscheinen lässt.“

Georg Huber betont weiter: „Anhand des von der ZBB forcierten Projektes kann man sehen, dass die Entscheidung des Gemeinderates, den Umbau der alten Volksschule nicht weiter zu verfolgen, richtig war, denn die Anforderungen an eine moderne Volksschule an diesem Standort können nur unzureichend erfüllt werden. Das Neubauprojekt für die Volksschule und die Sportanlage mussten eine Reihe von Qualitätsauslesen bestehen - eine intensive Projektvorbereitung durch das Büro Lechner, eine Projektprüfung durch die Landesschulbehörde des Land Steiermark hinsichtlich Funktion und der FA 7 hinsichtlich der Kosten und schlussendlich den Architekturwettbewerb, dessen Jury-Vorsitzender ich sein durfte.“

„Das vorliegende Siegerprojekt von Feyferlik / Fritzer, das nicht zuletzt wegen der Ebenerdigkeit, der Freiklassenzuordnung, der direkt zugeordneten Freiflächen und anderer wertvoller Denkansätze wie zweiseitige Belichtung der Klassen den Wettbewerb gewonnen hat, wurde durch eine intensive und direkte Auseinandersetzung mit den Anliegen und Wünschen aller Projektbeteiligten und Nutzer optimal weiterentwickelt“, lobt Arch. Georg Huber abschließend die Qualität des Neubauprojekts.

Verfasser/in:
Redaktion GAT, Bericht/Gespräch mit Arch. DI Georg Huber

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Fri 31/10/2008

Kommentare

Kontakt:

Kommentar antworten