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Umbau und Erweiterung der VS Brockmann in Graz 2015, Ansicht Ost.
Architektur: balloon architekten, ©: David Schreyer

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Bericht
NEU IM VAF
Virtueller Architekturführer Steiermark

Umbau und Erweiterung der Volksschule Brockmann in Graz

Architektur: balloon_Rampula/Gratl/Wohofsky, Graz, 2015

Wettbewerb/Aufgabenstellung
Am Schulstandort Brockmanngasse befinden sich 2 Schulen, die Volksschule (VS) und das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik Sprachheilschule Graz (ZIS). Auf Grund der Entwicklung der SchülerInnenzahlen im Einzugsgebiet der Volksschule wurde seitens der Stadtbaudirektion Graz / Referat Hochbau ein geladener Realisierungswettbewerb unter drei Teilnehmern für den Ausbau der Volksschule von 10 auf 16 Klassen mit erforderlichen Infrastrukturen (Tagesbetreuung) ausgelobt. Das um 1900 erbaute Gebäude steht bis auf den Turnsaaltrakt unter Denkmalschutz und besonderes Augenmerk wurde sowohl auf die stadtplanerischen wie auch auf die denkmalschutztechnischen Aspekte des Entwurfs gelegt.

Gestalterische Aspekte
Durch einen eingeschoßigen Zubau um einen zentralen Hof im 1. Obergeschoß und der großflächigen Anbindung der Bestands-Gangflächen wird ein großzügiges neues „Zentrum“ geschaffen. Um den zentralen Hof entsteht ein Lern-Marktplatz mit den GTS- (Ganztagsschule) und ZIS- Clustern, sowie den Klassen im 1.OG. Der Hof kann in der warmen Jahreszeit großflächig geöffnet werden und dient so als Pausenbereich im Freien (bzw. Freiklasse). Der Dachboden des Bestandsgebäudes wird zu ca. 50% ausgebaut. Mit dem neuen Leseturm im überhöhten Mitteltrakt wird ebenfalls ein Zentrum für das Dachgeschoß geschaffen und somit die zentrale Grundsymmetrie des Bestands unterstrichen.

Eingeschoßiger Zubau
Der eingeschoßige, über den Turnsaal schwebende Zubau, orientiert sich symmetrisch an den Risaliten des Altbaus und versteht sich thematisch als „Baumhaus“. Das Bestandsgebäude wird so zwischen Park und Zubau = Baumhaus eingebettet. Das Thema der Bäume umfasst somit den gesamten Schulkomplex. Der zentrale Lern-Marktplatz bricht die Länge der bestehenden Gangflächen, der zentrale Hof im 1.OG. orientiert sich geometrisch an der mittleren Fassadenfläche mit dem überhöhten Dachkörper.

Materialität
Das Erscheinungsbild des Zubaus ist als Pendant zum nordseitigen Park konzipiert. Das Muster der Fassadenplatten ist aus dem Motiv der Baumblätterkrone hergeleitet und mittels Fräsen realisiert.

Dachgeschoßausbau
Der Dachboden wird in der Größe übereinstimmend mit dem Zubau als Klassentrakt und Leseraum ausgebaut.
 Die Grundstruktur wird dabei von den Regelgeschoßen übernommen, die breiten Gangflächen erstrecken sich über die gesamte Ausbaulänge und können als offene Lernzonen genutzt werden. Als Belichtung werden Fensterbänder (im Süden mit Sonnenschutzlamellen) und Rundfenster bzw. Glasdächer (für den Leseturm) in die bestehenden Dachflächen eingebaut.

Funktionale Aspekte
Durch den Lern-Marktplatzes im 1.OG mit der Ganztagesbetreuung und dem multifunktionalen Speise‐ und Freizeitraum wird ein neues Zentrum geschaffen. Die Funktionsbereiche des ZIS erstrecken sich bewusst vom Zubau über den Marktplatz in das Bestandsgebäude, es entsteht ein ZIS-Cluster. Ein Freizeitraum der Ganztagesbetreuung ist zum einem dem Hof zugeordnet, zum anderen ist dieser eine offene Raumzone zwischen Gang und Multifunktionsraum.
Durch den Ausbau des Dachgeschoßes können im 2.OG die LehrerInnen-Arbeitsplätze mit der Direktions- und dem Bestands-LehrerInnenflächen gebündelt werden – es entsteht ein LehrerInnencluster. Im Dachgeschoß werden 4 Klassen und der Leseturm errichtet. Der Dachstuhl der äußeren Klassentrakte wird durch eine einfache Stahlbeton- bzw. Stahlrahmenkonstruktion ersetzt, dadurch entsteht eine großzügige und stützenfreie Raumstruktur. Die 4 Klassen sind durch die durchgehenden Lichtbänder sehr gut von Norden belichtet und weiten sich zusätzlich optisch Richtung Gangflächen mittels großzügiger Glasflächen aus.
Durch die Schaffung der 4 Klassen im Dachgeschoß ist eine ausgewogene Verteilung der Klassenzimmer über alle 4 Geschoße gegeben. Der Leseturm wird durch die erhaltene Dachstuhlkonstruktion und den thematisch aus dem Bestand übernommenen Rundfenstern charakterisiert. Der Leseturm beinhaltet die Bibliothek und könnte zum Beispiel auch optional als Musik-, Besprechungs-, Gruppenraum etc. genutzt werden.

Ökonomische Aspekte und Energieeffizienz
Durch die Neuordnung des Gebäudes um den zentralen Lern-Marktplatz, der zentralen Terrassenfläche und dem Leseturm, sowie durch die Neuordnung des ZIS- und LehrerInnen-Cluster, ist eine hohe Effizienz für den Schulbetrieb gegeben. Der Zubau und der Dachgeschoßausbau werden in Niedrigenergiebauweise errichtet.

Brandschutz
Im Zuge des Zu-, Umbaus und Dachbodenausbaues wurden die Stiegen als gesicherte Fluchtbereiche (Brandabschnitte) ausgebildet. Die im Gangbereich errichteten Brandschutztüren werden mittels Magnethalterung offen gehalten und schließen nur im Brandfall. Bei den Stirnseiten des Bestandsgebäudes fehlt der geforderte 2. Fluchtweg. Durch die Neuanordnung der Verwaltungscluster ZIS im 1.OG und LehrerInnencluster im 2.OG kann der 2. Fluchtweg entfallen.

Barrierefreiheit
Durch den Einbau eines Aufzugs im östlichen Bestandsstiegenhaus werden alle Geschoße barrierefrei erschlossen. Der barrierefreie Zugang von außen erfolgt über den südlichen Hof. Hierfür wird ein neues Portal errichtet und der Treppenlauf in das UG umgebaut.

Außenanlagen
Die am Schulgelände vorhandenen Parkplätze werden reduziert und die entsprechenden Flächen werden entsiegelt – in Summe ca. 320m2 Begrünung neu. Der Carport bleibt Bestand. Neuerrichtung eines barrierefreien Parkplatzes unterhalb der Auskragung Ost, in unmittelbarer Nähe zum barrierefreien Eingang.
(Text: Architekten)

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mo. 18/01/2016

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