wohnbau gradnerstraße graz
Wohnbau Gradnerstraße, Spielplatz im zentralen Grünbereich.
©: Nussmüller Architekten ZT GmbH

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Bericht
NEU IM VAF
Virtueller Architekturführer Steiermark

Wohnbau Gradnerstraße
Wohnen im urbanen Umfeld

Architektur: Nussmüller Architekten ZT-GmbH, 2013

Die zersiedelte Umgebung entlang der Gradnerstraße am südlichen Stadtrand von Graz ist geprägt durch eine Verflechtung von Einfamilienhäusern, Industrie- und Gewerbeflächen und eigenständigen Siedlungsanlagen, die nur wenig im Dialog mit ihrem Umfeld stehen. 
Um diesem unausgewogenen Erscheinungsbild entgegen zu wirken wird unter anderem versucht, durch verdichteten Wohnbau eine zusammenhängende und ansprechende Struktur zu schaffen.
Das Einzugsgebiet besitzt durch seine gute Anbindung und Infrastruktur, sowie der Nähe zu Schulen (VS und NMS Puntigam) und zu Einkaufszentren, eine interessante Grundlage für ein städtisches Wohnkonzept im Grünen, welches im Zuge eines geladenen, einstufigen Wettbewerbs im Jahr 2008 durch das Grazer Büro Nussmüller Architekten ZT-GmbH realisiert wurde.

Zu den Entwurfsparametern zählten unter anderem die Errichtung von reihenhausartigen Wohnbauten, welche in einer ökologischen Bauweise, der Miteinbeziehung von alternativen Energien und mit Niedrigenergiestandard errichtet werden sollten.
 Die Anlage auf einer Grundstücksfläche von 19.192 m2 ist in vier Bereiche aufgeteilt. Die insgesamt 15 sich von Osten nach Westen erstreckenden Baukörper werden durch die östlich gelegene Erschließungsstraße von angrenzenden freien Ackerflächen abgetrennt. Ein dreigeschoßiger Wohnbau im Norden schirmt die Anlage vom Lärm der vielbefahrenen Gradnerstraße ab.

Die insgesamt 58 Wohneinheiten mit einer Nutzfläche von 5.578 m2 wurden zweigeschoßig in Holzriegelbauweise mit Flachdach ausgeführt und sind im Erdgeschoß sowie im Obergeschoß modular erweiterbar. Die Bewohner können in verschiedenen Ausbaustufen durch das An- und Abkoppeln von zusätzlichen Räumen und Freibereichen mitbestimmen, an welche individuellen Bedürfnisse und Lebensformen der Wohnraum an die Mieter angepasst werden soll. Die unterschiedlichen Raumkonfigurationen machen somit sowohl ein Generation- und Familienwohnen, als auch ein Wohnen und Arbeiten möglich.

Das eher konventionelle Erscheinungsbild der Holzbretterfassade wird immer wieder von bunten, aufgesetzten Wohnwürfeln unterbrochen, die die einzelnen Wohnungen der Zeilen voneinander abtrennen und auflockern und ihre Modularität und Erweiterbarkeit nach außen hin abbilden.
Die verschiedenen Wohnungstypen der Reihenhäuser sind durchwegs nordsüdlich ausgerichtet. Bei einer Variante befindet sich im Erdgeschoß der nördlich gelegene Infrastrukturstreifen, der sowohl Erschließung, Lagerflächen und Badezimmer beinhaltet, wodurch sich nach Süden hin ein flexibler, großer Aufenthaltsraum mit direktem Zugang in den Garten eröffnet.
Die Obergeschoße sind durchwegs auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet: möglichst viele, separate Räume – keine Experimente. Bei anderen Varianten erfolgt die Erschließung über die südlich gelegenen, privaten Außenbereiche, die den Wohneinheiten durch vorgelagerte Carports und Geräteschuppen ein gewisses Maß an Anonymität verleihen.
Im Kontrast zu diesen geschützten Privatbereichen steht das öffentliche Grün, welches das Areal als Nordsüdachse durchdringt und es gleichzeitig durch seine Funktion als Kommunikationszone mit Spielplätzen und Freibereichen verbindet.
Durch die Anordnung der feingliedrigen Baukörper am Grundstück entstehen Haupt- und Nebenstraßen, Erschließungswege und verkehrsberuhigte Freiflächen, die der Anlage eine stadtähnliche Struktur geben und die durch die individuelle Bespielung der Bewohner belebt und geprägt werden. (Text: Marlene Bartelme)

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mo. 23/11/2015

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