GAD Award 14+
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Bericht
Nachlese GAD Awards 2014
The Naming of GAD gets a difficult matter…

Nachdem das Diplomstudium Architektur an der Grazer TU mit 30.09.2013 geendet hat, und Diplomstudierende ihr Studium bis Ende Sommersemester 2014 abschließen mussten, werden dank Bologna in Zukunft Bachelor (unbedarft gegendert Bachelorette?) bzw. Master (müssen Engländer ECHT nicht gendern?) in Architekturbüros und auf Baustellen zu finden sein…
Der Grazer Architektur Diplompreis wird sich folglich im nächsten Jahr um ein neues Akronym bemühen müssen.

Dafür konnte der 12. GAD Award 14+, der zu Beginn des Studienjahres an der Fakultät für Architektur an der TU Graz gefeiert wurde, noch mit einem sehr interessanten Novum aufwarten: Vielleicht in Anlehnung an eine Art silberne Hochzeit mit der Alma Mater wurden erstmals auch die AbsolventInnen des Studienjahres 1988/89 mit silbernen Diplomen geehrt. Dies wurde zum Anlass genommen, „alte“ Diplomarbeiten zu digitalisieren und einem zeitgemäßen Archiv zugänglich zu machen, und ermöglichte vor allem ein Zusammentreffen ehemaliger StudienkollegInnen mit einigen ihrer damaligen Professoren und derzeitigen Mitgliedern der Fakultät, dem oftmals auch ein gewisses Erstaunen über das relative Zeiterleben innewohnte:

Well, of all things
Can it be really..?
 T.S. Eliot

Aber zurück zum GAD Award 14+, der in Zusammenarbeit von Rektorat, Dekanat, Alumnis und den Universitätsinstituten ige (Institut für Gebäude und Energie) und i_w (Institut für Wohnbau) konzipiert worden war und dessen Auftakt der Tradition entsprechend von Werkvorträgen der Jury-Mitglieder gebildet wurde:
Der Grazer Architekt Wolfgang Köck sprach am 8.10.2014 vor zahlreichem Publikum im Lichtzentrum der Firma Zumtobel über den Werdegang des Büro Pentaplan, über die Gratwanderung zwischen der Rolle als Auftraggeber und Dienstleister, über Gebautes und noch Ungebautes.
Am Vorabend zur Jurysitzung beeindruckte Wolfram Putz, Gründungsmitglied von GRAFT,  durch einen Einblick in das vielfältige Werk, ein umfangreiches Repertoire und das soziale Unternehmertum des Berliner Büros.

Die Jury und Verleihung der Awards fand schließlich am 10.10.2014 statt. Die Organisationstätigkeit wurde in Zusammen-Arbeit von Rektorat, Dekanat, Alumnis und den Universitätsinstituten ige (Institut für Gebäude und Energie) und i_w (Institut für Wohnbau) geleistet.
Plakate und zahlreiche Modelle der aus 315 (!) Abschlussarbeiten des Studienjahres 2013/14 nominierten 83 (!!) Projekte waren in den Gängen der Fakultät für Architektur im 1. und 2. Obergeschoß in der Rechbauerstrasse 12 ausgestellt.
Unter dem Vorsitz von Wolfram Putz, GRAFT (Berlin) diskutierte und bewertete die enorm engagierte Jury, bestehend aus  Herwig Kleinhapl – love architecture (Graz/Berlin), Wolfgang Köck – Pentaplan (Graz), Andreas Rumpfhuber – Expanded Design (Wien) und Prof. Hannes Stiefel – Stiefel/Kramer Architecture (Wien/Zürich), in einer ganztägigen Jurysitzung die 83 Arbeiten. Wie der Juryvorsitzende betonte, waren die Projekte der vorletzten Runde beinahe gleichwertig, trotzdem fiel die Entscheidung letztendlich einstimmig für folgende sechs Preisträger aus:

1. Preis: Sebastian Holzer
Projekt LOOM Legitimization out of moments (Diplomarbeit)
Betreuung: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Architekt Roger Riewe, Institut für Architekturtechnologie
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Das Projekt beschäftigt sich mit an sich statischen Räumen für Performancekunst, und den Bewegungen, die dort aber nur kurze Zeit stattfinden. Die gesamte Arbeit, die Inszenierung, die Bilder sind sehr gut und ansprechend – ein Projekt, das allen gefallen konnte aufgrund der unpolitischen Form seiner Kunst, ein Projekt, das Architektur macht.

2. Preis: Elisabeth Weber und Julia Neubauer
Projekt Merging Pot; Nuuk – Vernetzung sozialer, klimatischer und kultureller Aspekte auf 64° nördlicher Breite. (Diplomarbeit)
Betreuung: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Architekt Hans Gangoly, Institut für Gebäudelehre
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Das Projekt überzeugte durch sensible Intervention in der Stadt Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, aufgrund wunderschönem, grandiosem Research.

3. Preis: Toshiya Kurihara
Projekt Stadt, Weichsel und Praga (Diplomarbeit)
Betreuung: O.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Architekt Jean Marie Corneille Meuwissen, Institut für Städtebau
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Dieses Projekt, die Neustrukturierung einer Industrielagerstätte mit Nutzungsdurchmischung, ist vom Thema, von der Herangehensweise und vom Research her preiswürdig.

Jurypreis: Viktoria Hohl
Projekt: Typografie: Artikulation architektonischer Sprache. Oszillierende Methoden des Entwerfens zwischen Architektur und Schriftgestaltung (Diplomarbeit)
Betreuung: Em.Univ.-Prof.Hans Kupelwieser, Institut für zeitgenössische Kunst
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Die Auseinandersetzung mit der Typographie und ihrem Zusammenhang mit Architekturdarstellung ist die wohl bestechendste Arbeit aller jurierten Projekte, (aber) eine präzise Theoriearbeit…

Reisepreis: Elisabeth Weiss
Projekt: Die Fischer, die Arbeiter, der Bauer und ihre Gäste. Hafenleben in Savudrija (Diplomarbeit)
Betreuung: Univ.-Prof. Mag.arch. Mag.art. Architektin Irmgard Frank, Institut für Raumgestaltung
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Das Projekt vermittelt zwischen Gebäude und Topographie, in Anführungszeichen “Natur” und ist dadurch aufgefallen, dass es eines der wenigen Projekte ist, wo dezidiert Formen angestrebt werden, Formen, die aus der Natur abgeleitet werden.

Wohnbaupreis: Oliver Schörgi
Projekt: Dispersion – Struktur der Dromokratie (Diplomarbeit)
Betreuung: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Architekt Andreas Lichtblau, Institut für Wohnbau
Begündung/statement lt. Jury-Protokoll: Die Jury hat nach interessanten, in die Zukunft weisender Ansätzen gesucht. Dieses Projekt mit einer Art Umkehrung des Autoverkehrs ist gut recherchiert, komplex, in der Umsetzung sehr offen und gerade deshalb auch sehr interessant.

Die feierliche Preisverleihung fand schließlich am Abend des 10.10.2014 in Anwesenheit von Dekan Stefan Peters, Professor Brian Cody, Professor Andreas Lichtblau, den Preisstiftern und ehemaligen Professoren, den Absolventen bzw. den zuvor geehrten "Silbernen Diplomanden" des Jahrgangs 1988/89, zahlreichen Sponsoren und vielen Angehörigen der Fakultät statt.
Prof. Gerald Preinfalk und Studierende der Kunstuniversität Graz bewiesen dabei die interpretatorische Vielfalt des klassischen Saxophonspiels.

Bevor der Abend noch in das traditionell(e) fröhliche Fest überging, wurde im Hörsaal 2 eine Ausstellung der Siegerprojekte in behutsamer Gegenüberstellung mit Diplomarbeiten des Jahrgangs 1988/89 eröffnet. Die gemeinsame Präsentation zeigte einerseits sehr deutlich die Veränderung von Arbeitstechniken, Methoden, Paradigmen oder Theorien in den letzten 25 Jahren, andererseits aber auch die kontinuierliche Kreativität, die wissbegierige Lust am Neuen, die für eine Universität so essentielle "Neugier, die kein Alter hat", wie Prof. Andreas Lichtblau (Mitorganisator und gleichzeitig Silberdiplomand) in seiner silbernen Dankesrede nachdenklich formulierte.

Weitere Projekte der vorletzten Runde waren:
_ Stefan Jos Athletikstadion Brasilia,
_ Gregor Thiel Die Konzipierung einer Versuchseinrichtung für das Institut für Gebäude und Energie – JOHANNS GARAGE,
_ Robert Pirker + Christian Jaritz Boden Ständig Boden / Versuch einer ganzheitlichen, räumlich-systematischen Betrachtung zur Entwicklung kleinstrukturierter Landwirtschaft,
_ Simon Oberhofer Another Istanbul,
Marlies Pfeifer Such Place As Memory

Verfasser / in:

Sigrid Verhovsek

Datum:

Fr. 24/10/2014

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Infobox

GAD Award 2014 – Grazer Architektur Diplompreis

Am 10.10.2014 wurden die sechs besten Diplomarbeiten des Studienjahres 2013/14 der TU Graz mit dem GAD Award 14 prämiert. Gleichzeitig wurden erstmals die AbsolventInnen des Studienjahres 1988/89 mit Silberdiplomen geehrt.

Ausstellung
10.10. - 17.10.2014

Eine Woche lang wurden die diesjährigen Siegerprojekte den "alten" Diplomarbeiten in einer Ausstellung gegenübergestellt, wodurch der Wandel des Architekturdiploms über den Zeitraum eines Vierteljahrhunderts veranschaulicht werden konnte.

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