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Glosse
mobile NETZWERKER

Die Verbundenheit der Dinge – Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke nennt Sebastian Gießmann sein 2014 erschienenes Buch.
Noch weit vor dem digitalen Zeitalter, als das Netz nur als rein materielles Objekt bestanden hat, beginnt der Historiker seine Untersuchung. Vom Fangnetz der Spinnen oder in der Fischerei aus beschreibt er die Übergänge, in denen aus dem dinglichen Netz eine nach und nach bis zur Abstrahierung hin multiple Begriffsform wurde: Lungenkapillare in der Physiologie, Netzgewölbe in der Architektur, die ersten Kanalsysteme, die Beschreibung von Erde und All durch das Gradnetz bis zu einer Kommunikationsform der Gegenwart. Er vergleicht diese Funktionen und Formen mit denen digitaler sozialer Netzwerke. Gießmann sieht als Start dafür die Industrialisierung und die damit verbundene Veränderung der Infrastruktur (Verkehrssysteme, Telefon und Telegraf). Erst dadurch kam zur „Verbundenheit“, die Überleben, Gesellschaft und Kultur der Menschheit sowie Macht entstehen hatte lassen, die für ein Netzwerk relevante Interaktion. Nach Gießmann ist das „Netzwerk“ mittlerweile eine eigene Kulturtechnik wie Spielen, Musizieren, Lesen oder Schreiben.
In Analogie zum Instrumentarium von Jägern und Fischern bedeuten soziale Netzwerke auch eine Falle, in der Informationen die Beute heißen. Konsequenterweise werden auch Big-Data-Praktiken von Geheimdiensten, Paranoia und Verschwörungstheorien sowie mögliche Endzeitszenarien zum globalen Netz, in der nur mehr ein vorwiegend ökonomisierter Austausch stattfindet, behandelt. Sebastian Gießmann ist kein dystopischer Verweigerer von virtueller Interaktion, warnt aber konsequent, alles Handeln nur mehr unter dem Gesichtspunkt des Netzwerkens zu sehen.
Die Verbundenheit der Dinge ist ein aufwändig recherchiertes Werk, detailreich, provokant und trotzdem kurzweilig zu lesen.

Sebastian Gießmann
Die Verbundenheit der Dinge – Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke
Kulturverlag Kadmos 2014
512 Seiten, davon 48 Bildseiten in Farbe 

Ökonomisch verbunden: Martin Grabner berichtet 2011 vom Symposium Is there (anti-)neoliberal Architecture?: 
Yes, there is neoliberal Architecture. And now?

Fesch verbunden: Wenzel Mracek berichtet 2009 vom HDA Programmschwerpunkt Gemeinsam schön sein:
Das Kunststofffenster als Protagonist „ästhetischer Konterrevolution“ – Mit dem HDA „Gemeinsam schön sein“
 

Sozial verbunden: Zu arm, um nachhaltig zu wohnen? – Resümee einer Podiumsdiskussion der bAIK 2013.

Verfasser / in:

Emil Gruber

Datum:

Mo. 13/07/2015

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Infobox

Von 1. Juni bis 30. September 2015 findet der erste steirische Architektursommer statt. GAT nimmt mit dem Projekt A Tempo – Die mobile High Definition Baustelle teil. mobile NETZWERKER ist der 16. Clip der Serie.

Konzept & Grafik: Norbert Rusz
Text: Emil Gruber
Videoclips: Nico Schrenk
Musik: Norbert Rusz

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