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Begrünter „Tummelplatz“ in Graz, 2010
©: Christine Schwaberger

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Bericht
Mit Raumplanung auf den Klimawandel reagieren

Die Auswirkungen des EU-Projektes GRaBS auf die örtliche Raumplanung in der Steiermark.

Das Projekt GRaBS

Das Projekt GRaBS (Green and Blue Space Adaptation for Urban Areas and Eco Towns) ist ein seit 2011 abgeschlossenes INTERREG IVC Projekt (= EU Gemeinschaftsinitiative zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit), welches die Zusammenarbeit zwischen nationalen, regionalen und lokalen öffentlichen Stellen der EU-Länder ermöglichte.

GRaBS selbst steht für die Adaptierung der „Grünen und Blauen Infrastruktur“ in Ballungszentren und Ökostädten.
Hauptziel war es, regionale Entscheidungen und politische Prozesse zu verbessern, in Verbindung mit der Planung und Entwicklung von neuen und bestehenden städtischen Bereichen in Zusammenhang mit der Klimaveränderung in den EU Mitgliedsländern. Der CO2 Gehalt der Atmosphäre hat jetzt den höchsten Wert seit 3 Millionen Jahren erreicht, für den Temperaturanstieg und für Überschwemmungen sind  besonders die Ballungsgebiete anfällig. Die regionale Raumplanung und die Stadtentwicklung können Lösungen liefern um die Gefahr und das Risiko zu reduzieren.

Grüne Infrastruktur mit Hausgärten, Parks, produzierenden landwirtschaftlichen Flächen, Grünverbindungen und grüne Dachlandschaften und Fassaden, sowie die blaue Infrastruktur mit Gewässern, Flüssen, Strömen, Überflutungsbereichen und nachhaltigen Drainagierungssystemen spielen eine wichtige Rolle, um eine belastbare klimatische Entwicklung zu schaffen, eine Rolle welche derzeit nicht ausreichend erkannt und genutzt wird.

14 Partner aus 9 Mitgliedsländern repräsentierten beim Projekt „GRaBS“ ein breites Spektrum aus Behörden und Institutionen, die mit der Herausforderung der Klimaveränderung konfrontiert sind. Das Projekt ermöglichte den höchst erforderlichen Austausch von Wissen und Erfahrung und die aktuelle Übermittlung von guten Planungsbeispielen der Anpassung an die Klimaveränderung in örtlichen und regionalen Behörden. In diesem Prozess nahmen die involvierten Partner an thematischen Seminaren, Studienaufenthalten, und Beratungsprogrammen teil bzw. werden in späterer Folge die Instrumente zur Klimabewertung in ihrem eigenen Bereich anwenden.

Für die Region Steiermark hat sich vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung die ehemalige Fachabteilung 13B, Bau- und Raumordnung beworben. Das nunmehrige Referat Bau- und Raumordnung der Abteilung 13 ist verantwortlich für die Örtliche Raumplanung der steirischen Gemeinden und arbeitet für die Entwicklung der Flächenwidmungspläne, Bebauungspläne und Örtlichen Entwicklungskonzepte eng mit den lokalen Behörden zusammen. Die Steiermark konnte im Rahmen des Projektes mit der Erfahrung in der örtlichen Raumplanung beitragen. Innerhalb der Region bestehen eine Reihe positiver Beispiele, wie zum Beispiel das „Grüne Netz Graz", der Implementierung von „Blauer und Grüner Infrastruktur“ in die bestehende Planung, die auch besucht und untersucht werden konnten. Das Projekt behandelt eine Querschnittsmaterie zwischen Umwelt und Bauen, welche am geeignetsten durch die Raumordnung repräsentiert wird. Nach Abschluss wurde schließlich GRaBS von der Europäischen Kommission als eines der 24 Projekte ausgewählt, welche im Rahmen des Regio Stars Awards im Finale standen. Das Projekt GRaBS ging als Sieger der Kategorie „Sustainable Growth" hervor.

Wesentliches Ziel des Projektes war aber auch die Erstellung eines „Adaptation Action Planes“ zum Thema Integration „Grüner und Blauer Infrastrukturen“ in die städtische Raumplanung. Auf Grundlage dieses Planes, welcher vom Büro Freiland, Graz, erstellt wurde, wurde nach Abschluss des Projektes im Auftrag des Referates vom Büro DI Daniel Kampus, Graz, ein Ratgeber für Gemeinden und PlanerInnen zur Unterstützung in der örtlichen Raumplanung erarbeitet, der im Dezember 2012 den RaumplanerInnen präsentiert wurde.

Inhalte des Leitfadens „Grüne und Blaue Raumplanung“

Ziel bei der Erstellung des Ratgebers war es, für die Gemeinden und RaumplanerInnen eine Hilfestellung zu geben, bzw. aufzuzeigen, dass es im Rahmen der Örtlichen Raumplanung über die Planungsinstrumente relativ einfach ist, blaue und grüne Infrastruktur in die Planung zu integrieren. Auf strategische Art und Weise kann die Raumplanung ein gutes Mittel sein, dem Klimawandel entgegenzuwirken bzw. die Auswirkungen abzuschwächen. Die Umsetzung von diesen sogenannten Anpassungsmaßnahmen ist jedoch stark vom Bewusstsein und Willen der Gemeinden abhängig.

Inhaltlich bezieht sich der Ratgeber auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Örtlichen Raumplanung der Steiermark, wie das Steiermärkische Raumordnungsgesetz 2010 i.d.g.F. (StROG 2010), bzw. auf andere gesetzliche Materien, welche Bezug zum Klimaschutz haben. Im StROG 2010 wurde beispielsweise unter § 3 Abs. 2 der Raumordnungsgrundsätze festgelegt, dass die Ziele des Klimaschutzes im Rahmen der örtlichen Raumplanung von den Gemeinden einzuhalten sind. Weiters beschreibt das Handbuch die drei örtlichen Planungsinstrumente – das örtliche Entwicklungskonzept, den Flächenwidmungsplan und den Bebauungsplan. Für wesentliche Themenbereiche wurden als Reaktion auf den Klimawandel (Temperaturanstieg, Minimierung des Risikos von Naturgefahren, Sicherung der Wasserressourcen und –qualität,  des Bodens und des Untergrunds) und den damit verbundenen Risiken (Wärmeinseleffekte, Trockenheit, Erdrutsch, Muren, Grundwasserspiegelabsenkung, Verlust von Böden usw.) Ziele herausgearbeitet.

Die Tabelle 1 zeigt, welche „Grünen und Blauen Infrastrukturen“ bedeutenden Einfluss auf die einzelnen Funktionen zur Anpassung an den Klimawandel haben können.

Herzstück des Ratgebers ist der sogenannte Risikenkatalog. Dieser wurde in abgekürzter Form, auf die steirischen Belange angepasst, von den „climate check lists“ des „Adaptation Action Plans“ des Projektes GRaBS übernommen. Er stellt eine Übersicht und rasche Handlungsanweisung dar, wie evtl. Folgen des Klimawandels durch die Implementierung von grüner und blauer Infrastruktur begegnet werden kann. Tabellarisch sind die Funktionen, Risiken, Maßnahmen mit Beschreibung und das jeweils anzuwendende örtliche Planungsinstrument einander gegenübergestellt. Die Gemeinden können mittels dieses Kataloges bzw. dieser Checklisten eine Art Selbsteinschätzung machen, wie weit sie bereits den Klimawandel in der örtlichen Raumplanung berücksichtigen (www.raumplanung.steiermark.at).

Der Ratgeber wurde seitens des Landes Steiermark zwar nicht verordnet und ist somit nicht zwingend anzuwenden, in den letzten zwei Jahren versuchen jedoch vereinzelt Gemeinden „Grüne und Blaue Infrastrukturelemente“ vor allem im Entwicklungsplan aber auch in den Bebauungsplänen zu implementieren.

Verfasser / in:

Christine Schwaberger

Datum:

Mi. 20/07/2016

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Kommentare

und was tut graz dafür

Offensichtlich hält sich die Stadt Graz nicht wirklich an diese Empfehlungen. Dies geht aus dem 2. Enturf zum FLÄWI 4.0 hervor.
Anheben der Bebauungsdichten in schon dicht verbauten Gebieten, keine Ausweisungen von öffentlichen Grünzonen, die das schon jetzt vorhandene Freiflächendefizit in manchen Bezirken ausgleichen würden keine Vorschreibung von Alleen im Rahmen von Bebauungsplänen als wertvolle Schattenspender in den heißen Sommern. Auch im neuen Räumlichen Leitbild findet man keine Hinweise auf Planungsansätze zur Verbesserung des Stadtklimas. Ambitionierte Empfehlungen, die leider nicht umgesetzt werden.
Möglichst viele Einwendungen von GrazerInnen im Rahmen der Einwendungfrist zum FLÄWI und zum RLB könnten vielleicht einen positiven Wandel bei den StadtplanerInnen und der Politik bewirken, gut wäre auch, falls die lokale Presse dieses Thema aufgreifen würde.

Bankrott

Anpassung an den Klimawandel durch Raumplanung ist das Thema, so weit so gut. Verteilen wir doch die kühlen Räume die bleiben durch Raumplaner. Geht´s noch? Ich will diesen Alibijob nicht ausüben müssen, da tun sie mir leid die Raumplaner. Aber vielleicht kann man ja bei so Veranstaltungen so lange drüber reden, bis der Klimawandel endgültig vollzogen ist. Dann braucht es das sicher, die Alibjobs sind auch noch hoch bezahlt. Man muss man schon auch verstehen, dass die Politik den Raum verteilt und die armen, armen Raumplaner müssen das dann wieder ANPASSEN.

Infobox

Wie kann den Folgen des Klimawandels mit den Instrumenten der Raumplanung begegnet werden? Mag. Christine Schwaberger, Referentin der örtlichen Raumplanung der Abteilung 13, Umwelt und Raumordnung, im Amt der Steiermärkischen Landesregierung beschreibt, welche Auswirkungen das EU-Projekt GRaBS auf die örtliche Raumplanung in der Steiermark hat.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des GAT-Schwerpunkts Raumplanung.

Grüne und blaue Infrastruktur:
"Unter grüner und blauer Infrastruktur versteht man Grünflächen und Wasserflächen im Siedlungsraum, die zur klimatischen Entlastung beitragen." (Auszug aus Ratgeber „Grüne und Blaue Infrastruktur“, Amt der Stmk. Landesregierung, Abteilung 13 Umwelt und Raumordnung, Graz 2012)

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