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(1) Nike, Haus-Rucker-Co, 1977, zwischen den Türmen der Ursulinenkirche. Alle Fotos: Marion Starzacher
©: Marion Starzacher

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Rezension
Mit Engeln auf Augenhöhe

2009 als spezielles Ausstellungsformat für das Kulturhauptstadtjahr entwickelt, vermittelt der Höhenrausch seither in Form eines Parcours zeitgenössische Kunst und hat sich als Fixpunkt für Kulturaffine und auch im Ferienprogramm für Kinder und Touristen etabliert. Die Themen sind immer in Bezug auf Höhe ausgewählt.

Der Höhenrausch 2016 widmet sich einem sehr speziellem Thema - den Anderen Engeln - im Rundgang begegnet man / frau diesen auf Augenhöhe. Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho ist in diesem Jahr für die Programmierung zuständig und hat über 30 Künstlerinnen und Künstler involviert. Unterschiedliche visuelle und audiovisuelle Medien, sowie Modelle, Malereien und Objekte begleiten, erstaunen und befremden die Besucherinnen und Besucher. An der Landstraße, markant zwischen den beiden Türmen der Ursulinenkirche angebracht, begrüßt Nike die Passanten (1). Nike, ein Objekt von Haus-Rucker-Co, 1977, schwebte zwischen 1977 und 1979 auf dem Dach des westlichen Brückenkopfgebäudes, am Gebäude der Kunstuniversität Linz, als Nachbildung der Nike von Samothrake. (Anm. 1)

Auf dem Weg zum Ticketshop begrüßt eine Installation (2) des Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov, die einen Mann, die Arme nach oben ausstreckend auf einer Leiter stehend, zeigt, die Besucherinnen und Besucher. Den Eingangsturm (3) hochgeklettert, endlich oben angekommen, startet der Rundgang mit Alltagsengel (4), die im täglichen Leben herumschwirren, als Einstieg. Musik und Filme (5), die Engel thematisieren, leiten weiter zum Dachboden, wo erstmals Fremde Engel in skulpturaler Form, inszeniert von Mary Sibande (6), auftauchen. Die Ursulinenkirche ist ebenfalls Teil des Parcours, wo mehr als 400 Biblische Engel, wie Michael, Gabriel, Raphael auf einen gefallenen Engel – The Fallen Angel von Ilya und Emilia Kabakov (7) – blicken.

Eindrucksvoll ist das Eintreten in den großen Saal, bevor die Raiffeisen Kunst Garage erklommen wird. Flying Angels (8) von Heri Dono fliegen in einer Armada auf die eintretenden Personen zu und dominieren den Raum. Es sind Fremde Engel, weiblichen und männlichen Geschlechts, die sich motorbetrieben lautstark im Luftraum bewegen, an den Wänden umrahmt von The Angels of The World (9). Peter Wüthrich hat Menschen mit literarischen Flügeln versehen und fotografiert.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Medialen Engel und die Doppelgänger (10) wie Spiegelungen (11), sowie die anderen Bereiche des Rundgangs, die es zu entdecken gilt. Clemens Krauss leitet mit seinen Chromosomes (12) den Weg zum Engelamt (13), einer Präsentation der Engelaktivitäten.

Jeder Bereich des Parcours enthält Überraschungen bereit, seien es sichtbar gemachte Seelen, wandernde Schatten oder Klänge, die die Besucherinnen und Besucher umschmeicheln. Höhepunkte, im wahrsten Sinne des Wortes, sind der Keine Sorgen Turm (14) oder der voestalpine open space – bei dem einen wird nach erfolgreichem Erklimmen ein wahrer akustischer Höhenrausch versprochen, bei dem anderen wird ein wahrlich anderer Blick durch Eva Schlegels Arbeit (15) geboten. Auf dem Weg zum Keine Sorgen Turm passieren die Flaneure den Engelgarten. Nicht nur Pflanzen wie die Engelstrompete versprechen Musik, auch Klanginstallationen säumen den Rundweg: Flügelengel von Georg Nussbaumer (16) oder der Klanggarten von Josef Baier (17) in Kooperation mit der Bruckner Privatuniversität laden zum Verweilen und Genießen ein.

Vor dem Abstieg, der dieses Jahr durch historische Mauern der Ursulinenkirche führt, nähert sich der Rundweg der Nike (18), die über die Landstraße ragt und alle willkommen heißt. Nun muss langsam Abschied genommen werden, The Fallen Angel und der Innenraum der Ursulinenkirche (19) lassen ein neuerliches tiefes Eintauchen in die Welt der Engel zu.

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(Anm. 1) "Die über 14 Meter hohe Plastik aus Aluminium und Stahl der Architektengruppe Haus-Rucker-Co erregte als Zeichen für den kulturellen Aufbruch der Stadt heftige Diskussionen. Sie wurde entfernt und vom Deutschen Architekturmuseum angekauft. Der ambitionierte Versuch, die Nike als weithin sichtbares Zeichen am Mainufer aufzustellen, scheiterte ebenfalls am Einspruch des Ortsbeirats in Frankfurt. Nun ist die Nike, 37 Jahre nach ihrem unrühmlichen Abgang, temporär als 'fremder Engel' zurückgekehrt.'" Zitat aus dem Programmheft Höhenrausch16, Andere Engel.

Verfasser / in:

Marion Starzacher

Datum:

Sa. 30/07/2016

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Rundgang durch den Höhenrausch 2016 in Linz

Gegenwartskunst bespielt ungewöhnliche, öffentliche Orte.

Die Ausstellungen Andere Engel und Fremde Engel sind noch bis zum 18.10.2016 geöffnet.

Ausstellungsort
OÖ Kulturquartier
OK Platz 1, 4020 Linz

Öffnungszeiten
10:00 – 20:30 Uhr

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