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Wohnprojekt Wien, Baugruppen-Projekt von einszueins architektur
Architektur: einszueins architektur, ©: Hertha Hurnaus

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Bericht
Mehrwert durch Partizipation

Am 8. Mai 2014 wurde das Ende 2013 fertiggestellte Wohnprojekt Wien für rund 70 Erwachsene und 20 Kinder der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei diesem Wohnbau, der in Kooperation mit einem Bauträger errichtet wurde, planten die BewohnerInnen von Anfang an mit.

Auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs im zweiten Wiener Gemeindebezirk – einem der größten innerstädtischen Entwicklungszonen – plante das Büro einszueins architektur, Wien, ein Wohnhaus mit 39 Wohneinheiten, Gemeinschaftsräumen und Gewerbeflächen. Die Planungs- und Entscheidungsprozesse wurden von Anfang an gemeinsam mit den zukünftigen BewohnerInnen gestaltet.
 Das Ergebnis ist ein Bau, der in vielfältiger Weise auf individuelle Lebensentwürfe Rücksicht nimmt und zugleich das Miteinander innerhalb der BewohnerInnen fördert. Das in Niedrigstenergiestandard ausgeführte Gebäude unterstreicht die Kompetenz von einszueins architektur bei partizipativen Methoden des Planens und Bauens.

Nachhaltiges Wohnen und Arbeiten, generationsübergreifender Austausch, individuelles Leben in der Gemeinschaft: Das sind die Eckpunkte eines Konzepts, mit dem sich der Verein für Nachhaltiges Leben - die Baugruppe wohnen mit uns zur Errichtung des Wohnprojekts Wien - in Kooperation mit dem Bauträger Schwarzatal 2010 beim Wettbewerb für einen Bauplatz am Nordbahnhofgelände durchsetzen konnte. Das Wohnprojekt Wien sah schon in der Planungsphase eine enge Kooperation zwischen künftigen BewohnerInnen und ArchitektInnen vor. Im Team von einszueins architektur rund um Katharina Bayer und Markus Zilker fand es den idealen Partner dafür. Schließlich legt das Architekturbüro seinen Fokus zunehmend auf partizipative Entwurfsstrategien. Durch frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der BewohnerInnen in den Planungsprozess würden soziale Nachhaltigkeit und Identifikation mit dem Gebäude und der Umgebung geweckt, Gemeinschaft, Selbstbestimmung sowie soziale und ökologische Verantwortung damit gestärkt, ist Katharina Bayer überzeugt.

Im Dezember 2013 war das Wohnhaus bezugsbereit. Nun wurde es der Öffentlichkeit präsentiert.

Kommunikative Architektur
Aus den Grundsätzen des Vereins Nachhaltiges Leben ergaben sich die wesentlichen Anforderungen an Planung und Entwurf. Neben Energieeffizienz – das Gebäude erreicht annähernd Passivhausstandard – war dies vor allem das Schaffen von Gemeinschaftsräumen. Am Dach befindet sich ein Saunabereich, in den unteren Geschoßen eine Gemeinschaftsküche, Werkstätten sowie Räume für Kinder und Jugendliche. Die innere Struktur erschließt das Gebäude mit nur einer Stiege und einem Lift, ein breiter Gang verbindet die Wohnungen. Architektonische Maßnahmen wie Lufträume für die Kommunikation zwischen den Geschoßen fördern spontane Begegnungen.

Flexibel wie das Leben
Die tragenden Teile des Gebäudes befinden sich entlang des Stiegenhauses und der Fassade. Das erlaubt größtmögliche Freiheit für die Grundrissgestaltung der Wohnungen, wodurch beim Innenausbau in hohem Maße auf aktuelle wie zukünftige Entwicklungen der BewohnerInnen Rücksicht genommen werden konnte. Sei es die 5er-WG mit getrennt begehbaren Zimmern, die Einraumwohnung für den Single, oder das großzügige Apartment einer dreiköpfigen Familie, die jetzt schon an die Zukunft denkt: Zieht die Tochter einmal aus, können Räume einfach abgeteilt werden. Auch bei der Position und Größe der Fenster sowie der Lage der Balkone planten die BewohnerInnen mit. Besonderes Augenmerk wurde auf das Entwickeln eines Systems gelegt, das überwiegend zu zweiseitig über Eck belichteten Wohnungen führt.

Freiheit durch Struktur
Aus architektonischer Sicht brachte der partizipative Planungsprozess die Herausforderung mit sich, einen Baukörper von so klarer Identität zu schaffen, dass Eingriffe im Detail keine Abschwächung des Gesamteindrucks nach sich ziehen, sondern sich im Gegenteil als Mehrwert auch nach außen hin abbilden. „Dazu ist ein Rahmen von starker formaler wie struktureller Logik notwendig, der Änderungen nicht bloß toleriert, sondern als integrative Gestaltelemente begrüßt und aufzunehmen bereit ist“, erklärt Markus Zilker.

Beim Wohnprojekt Wien gelang das.

Timetable des Baugruppen-Prozesses

Gründung des Vereins für Nachhaltiges Leben: informell: Herbst 2009, formell: Februar 2010
Gründung der Baugruppe wohnen mit uns: Mai 2010
Beauftragung der Architekten: Februar 2010
Leistungen der Architekten: Planung und umfangreiche Planungsbeteiligung (Partizipationsprozess individuell und gemeinsam mit der Gruppe)
Planungszeitraum: Februar 2010 bis Dezember 2013
Baubeginn: Jänner 2012
Fertigstellung: Dezember 2013

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich
einszueins architektur

Datum:

Mi. 14/05/2014

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Infobox

Wohnprojekt Wien
Baugruppenprojekt für nachhaltiges Leben am Bednar Park in der Krakauer Straße 19, 1020 Wien-Leopoldstadt auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs

Bauträger: Schwarzatal
Bauherr: Verein für nachhaltiges Leben

41 Mietwohnungen, diverse Gemeinschaftsbereiche, gemeinschaftlich initiiert, geplant und verwaltet.

In der GAT-Reihe bauwerk.aktuell werden Architekturproduktionen innerhalb und außerhalb Österreichs präsentiert, die kürzlich fertiggestellt wurden. Bei der Kuratierung werden Projekte von AkteurInnen bzw. ProtagonistInnen mit Bezug zur Steiermark bevorzugt.

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