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Bericht
Lebenselixier Licht
Licht und Lichtlösungen im Gesundheitsbereich

Kaum jemand wird leugnen, dass Licht einen enormen Einfluss auf unsere Lebensqualität hat. Ob Sonnenlicht im Freien, natürlicher Lichteinfall in Innenräumen, künstliche Beleuchtung innen und außen, direktes oder indirektes Licht. Sowohl ArchitektInnen als auch BauherrInnen sind sich der Bedeutung von Licht durchaus bewusst und dennoch scheint es immer noch große Schwierigkeiten zu bereiten, gute oder gar optimale Lichtkonzepte und -lösungen zu finden. Nicht zuletzt liegt dies daran, dass das Thema Licht hochkomplex und nahezu unüberschaubar ist und eine eigene fachliche Ausbildung erfordert. Die TU Graz ist eine der wenigen Universitäten europaweit, die als Vertiefungsmöglichkeit einen Lichtschwerpunkt in das Angebot des Architekturstudiums aufgenommen hat. Am Institut für Raumgestaltung wird Studierenden und jungen WissenschaftlerInnen im Rahmen entsprechender Unterrichtseinheiten und im für Forschungszwecke eingerichteten Lichtlabor ein umfassender Zugang zum Thema Licht ermöglicht.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite, jener der BauherrInnen, zeichnet sich ebenfalls ein zunehmendes Bewusstsein für die positiven Auswirkungen der Lichtlösungen auf die Qualität der Räume und das Wohlbefinden ihrer BewohnerInnen ab. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. (KAGes) hat nun in Fortsetzung ihrer Bestrebungen, die Aufenthaltsqualität in ihren Pflegeeinrichtungen zu verbessern und die ökonomische Optimierung der Beleuchtung zu fördern, nach den beiden Beiträgen zum Thema Licht für die Intensivstation des Operationszentrums A im LKH Graz und die Intensivstation des LKH Leoben in Kooperation mit dem Institut für Raumgestaltung der TU Graz ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit einer Grazer Lichtfirma initiiert.
In diesem, von Österreich mit einem Forschungsbeitrag aus dem FFG-Fond geförderten Projekt geht es um die Verbesserung der Beleuchtungsqualität und -ökonomie in den Patientenzimmern. Zu diesem Zweck wird ein sogenannter „mock-up room“, also die 1:1-Nachstellung eines 4-Bett-Patientenzimmers, aufgebaut, um darin unterschiedliche Lichtlösungen zu studieren. In einem ersten Schritt haben Frau Prof. Irmgard Frank, die Leiterin des Institutes, Dipl. Arch. Birgit Schulz, offizielle Hauptverantwortliche und Projektleiterin, und Lichtdesignerin MA Sophia Klees die Lichtwirkungen unterschiedlicher Materialien, wie sie für Krankenhauseinrichtungen verwendet werden, untersucht.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es notwendig ist, einen differenzierten Ansatz zu verfolgen, um Licht und seine Wirkung tatsächlich verstehen und verbessern zu können. Im Normalfall werden in erster Linie Lux gemessen, das heißt, die Beleuchtungsstärke, die von einer Lichtquelle ausgestrahlt wird und an einem bestimmten Punkt ankommt. Die Leuchtdichte, also das, was wir als Menschen erleben bzw. wahrnehmen, wird jedoch nicht gemessen. Die Norm geht immer von Lux aus, so sind zum Beispiel 500 Lux für den Arbeitsplatz vorgeschrieben oder 300 Lux für das Umfeld im Krankenhaus, auf dem Gang müssen es beispielsweise mindestens 100 Lux sein.

Für das Forschungsprojekt ist es hingegen wichtig, herauszufinden, was der Raum im Zusammenhang mit Licht ergibt. Es handelt sich auch hier um die Leuchtdichte, also um das, was indirekt über ein reflektierendes Material auf das Auge zurückkommt und die Frage, wie etwas hell oder dunkel erlebt wird. „Wenn Sie sich einen schwarzen, samtbezogenen Raum vorstellen, wie man ihn für Foto-Shootings in Studios verwendet, wird vom Raum nichts zurückreflektiert, egal, wie viel Lux es gibt. In einem weißen, glänzenden Raum ist das Gegenteil der Fall“, erklärt Prof. Frank.
Im ersten Teil des Projektes wurden anhand zweier verschiedener Lichtsituationen unterschiedliche Boden-Wand-Materialien für den Krankenhausbau von 50 Probanden getestet, die während des Versuches ihr Lichtempfindungserlebnis mittels eines Fragebogens beschreiben mussten. Allerdings sei es keineswegs so, dass, wie allgemein angenommen wird, das warme Licht automatisch als angenehmer empfunden wird als das kalte Licht - tatsächlich macht das Material den Unterschied. Es gibt einen sogenannten Farbwiedergabewert. Dieser betrifft jedoch nicht die Lichtfarbe, sondern die Frage, wie gut eine Farbe aufgrund eines bestimmten Leuchtmittels wiedergegeben wird. Bei einem schlechten Farbwiedergabewert kann man unter einem warmen Licht so aussehen, als hätte man einen Sonnenbrand oder unter kaltem Licht, als hätte man ein Gallenleiden. Materialien und Farben beeinflussen die Wirkung des Lichtes maßgeblich. Aus diesem Grund kann die Farbe Blau z. B. unter kaltem Licht als durchaus angenehm empfunden werden.

Der Versuch

Für den Versuch im Lichtlabor des Institutes für Raumgestaltung an der TU Graz wurden LED-Tiefenstrahler mit unterschiedlichen Lichtfarben eingesetzt, einmal mit 3000 Kelvin (warm), einmal mit 4000 Kelvin (neutral) und einmal mit kaltem Licht (4500 – 6000 Kelvin). Bei den beiden Lichtsituationen A und B wurden 12 Kombinationen, bestehend aus 24 Einzelmaterialien, jeweils unter den Lichtfarben warmweiß und neutralweiß getestet, während die einzelnen Materialien nach Uni, Textur (2D) und Struktur (3D) geordnet wurden. Die Probanden mussten nach einer Abfrage der aktuellen Befindlichkeit wie zum Beispiel „Ich fühle mich …/Ich bin: ruhig/nervös, redselig/verschwiegen, unkonzentriert/konzentriert, zielstrebig/ablenkbar usw.“, für jede Kombination im Fragebogen die gleichen Fragen zur Beurteilung der visuellen Erscheinung der Materialkombinationen beantworten.

Derzeit wird das Ergebnis dieser Befragung ausgewertet. Die Ergebnisse werden nicht in Form konkreter Empfehlungen von Materialkombinationen formuliert, sondern stellen eine abstrakte Einschätzung dar, wie beispielsweise kontrastarm bzw. hell die Materialkombination wahrgenommen wird oder ob eine bestimmte Graustufe bevorzugt wird. In der nächsten Stufe soll es mit der Umsetzung der erzielten Ergebnisse in zwei identischen Mock-up-Krankenzimmern weitergehen. Die Materialien und Lichtlösungen werden dann wiederum in unterschiedlichen Kombinationen getestet.

Für die KAGes ist dieses Projekt eine Möglichkeit, eine Richtung in der Umsetzung von Optimierungsmöglichkeiten im baulichen Umfeld ihrer Pflegeeinrichtungen aufzuzeigen. Ziel ist, mit der Umsetzung idealerweise eine Verbesserung der Sicherheit und des Wohlbefindens und damit auch eine Beschleunigung des Genesungsprozesses der PatientInnen, Arbeitserleichterung für ÄrztInnen und Pflegepersonal und eine bessere Ökonomie des Energieverbrauches zu erreichen. Man denkt hier zum Beispiel konkret an Lichtsituationen, die sich an den Tagesverlauf anpassen, bessere Orientierungs- und Notfallbeleuchtung für die Nacht und individuelle Arbeitsbeleuchtung am Krankenbett für das Personal, um andere PatientInnen nachts nicht zu stören.

DI Michael Pansinger, Leiter der Planung der KAGes, ist zuversichtlich, dass auch dieses Projekt ein Erfolg wird und das Lebenselixier Licht einen guten Beitrag zur Qualitätssteigerung im Pflegebereich leisten kann. Er betont, dass im Rahmen des Projekts durch die Vertiefung des Themas im ständigen Dialog aller Beteiligten und PlanerInnen immer wieder neue Fragen aufgeworfen würden, was dem gesamten Unternehmen einen sehr dynamischen Aspekt verleihe. Insgesamt sei das Projekt als ein wesentlicher Baustein in Richtung Professionalisierung des Healthcare-Bereiches zu verstehen.

Verfasser / in:

Susanne Baumann-Cox
KAGes - Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.
TU Graz - Institut für Raumgestaltung
TU Graz

Datum:

Do. 30/08/2012

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