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Paarturm Pörtschach am Wörther See
Architektur: Architekturbüro Hohengasser / Wirnsberger, ©: Christian Brandstätter

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WB-Entscheidung
Landesbaupreis Kärnten 2016

Seit 1992  werden vom Amt der Kärntner Landesregierung gemeinsam und dem Architektur Haus Kärnten vorbildliche Bauten in Kärnten ausgezeichnet. Am 01.12.2016 übergab Kulturlandesrat DI Christian Benger im Architektur Haus Kärnten zwei Anerkennungen zum Landesbaupreis Kärnten 2016 sowie das erste Architekturstipendium Kärnten 2017. Die Jury – Sven Matt (Bezau), Donatella Fioretti , Vorsitzende (Berlin), Armando Ruinelli (Soglio, Schweiz), Gerhard Kresitschnig (Landeshochbauabteilung Kärnten) und Guido Mosser (Stadtbaudirektor Villach) – hatte von 24 eingereichten Projekten sieben in die engere Wahl aufgenommen und besichtigt. Schließlich resultierten daraus die beiden Anerkennungen, die für eine qualitative Anhebung der Baukultur im Land beitragen und Beispiel- und Vorbildfunktion übernehmen sollen. 

Im Rahmen einer Festveranstaltung im Architektur Haus Kärnten am Donnerstag, 01. Dezember wurden die Preisträger des Landesbaupreises Kärnten 2016 und der Preisträger des ersten Architekturstipendiums Kärnten für 2017 von Landesrat Christian Benger bekanntgegeben.

Anerkennungen Kärntner Landesbaupreis 2016
(Projekterläuterungen der Juroren Sven Matt, Donatella Fioretti und Armando Ruinelli)

  • Paarturm Pörtschach am Wörther See 
    Planer: Architekturbüro Hohengasser / Wirnsberger
    Bauherr: Karoline und Christian Rohrmoser

    Miteinander statt nebeneinander
    Ein Zimmermann mit einem Bauplatz wünscht sich zwei Wohnungen mit viel Aussicht und viel Holz. Die einfache Antwort: Zwei Häuser, für zwei Familien, in die Höhe gebaut und in Holz konstruiert. Über Treppe und Hebebühne zusammengespannt organisieren sich auf jeweils vier Geschoßen die Wohnräume beider Familien. Nach Funktionen geschichtet, bieten die Türme sowohl den begehrten Blick in die Landschaft, als auch den notwendigen, privaten Rückzugsraum.
    Die Typologie des Turmhauses ist an sich keine neue Erfindung, schafft jedoch für diesen Ort einen überraschenden Mehrwert. Durch geschickte Ausreizung der Bebauungsvorschriften generiert die enge Stellung und leichte Versetzung der Baukörper gemeinschaftliche Außenräume mit einer erstaunlich dichten Atmosphäre - die Bezeichnung „Paarturm“ passt.
    Als Paar bilden beide Türme mit gemeinsamem Vorplatz und Garten ein eigenes kleines Ensemble im ansonsten konturlosen „Siedlungsbrei“ - ein vertrautes Miteinander, statt dem üblichen, anonymen Nebeneinander.
Trotz unterschiedlicher Ausrichtung und „Frisur“ - einmal Satteldach und einmal Flachdach - werden beide Türme über den Baustoff Holz formal weiter zusammengebunden. Das Holz ist hier aber nicht nur modische Tapete, sondern in seiner konsequenten Verwendung ein sichtbares Votum für Regionalität und Handwerklichkeit - in Fichte konstruiert und mit Lärche ergänzt, alles unbehandelt, roh, fühlbar, riechbar, aus dem Holzland Kärnten und nicht von irgendwoher.
    Alles preiswürdig, wäre da nicht ein gewichtiger Makel: Der Paarturm ist ein Ferienhaus und vertritt als solches einen Bautypus, der die Natur- und Kulturlandschaft nur passiv konsumiert, statt diese zu bereichern. Die klassischen Regeln des Alltags gelten im Urlaub nur bis zu einem gewissen Mass und somit relativiert sich schnell das gelungene Konzept der Dichte und Gemeinsamkeit. Dennoch, inmitten der höflich als „heterogen“ zu bezeichnenden Bebauung der Nachbarschaft stellt der Paarturm in seiner Ambition einen „Leuchtturm“ dar. Es bleibt zu wünschen, dass sich Nachahmer finden, die nicht nur am Wochenende da sind und nicht nebeneinander, sondern miteinander leben wollen.

  • Pfarrzentrum Glanhofen, Dorfplatz Glanhofen, Feldkirchen
    Planer: bauraum. Architekten, Dipl. Ing. Helmut Dominikus und Dipl Ing. Ralf Mikula
    Bauherr: röm.-kath. Pfarren Glanhofen und St. Nikolai, Diözese Gurk-Klagenfurt

    Sehr positiv in den Augen der Jury wird die Tatsache aufgenommen, dass zwei Pfarreien sich ein Gemeinschaftshaus bauen. Das Gebäude entwickelt sich parallel zur Straße und zum Kirchenschiff. Gegen Außen tritt es als monolitischer Körper aus Beton in Erscheinung. Die sägerauhe Schalung gibt der Fläche eine im Licht vibrierende Struktur, die sich am Verputz der nahen Friedhofsmauer anlehnt. Der Verzicht auf blecherne Einfassungen und Abdeckungen unterstreicht die architektonische Haltung und lässt das Gebäude „aus einem Guss“ erscheinen. Die Anbindung an den Pilgerweg durch eine große einladende Öffnung ist gelungen und die angeschrägten Wände Richtung Eingang wirken einladend.
    Die beiden Innenräume, vor allem der Größere, sind stimmig und einladend. Weniger stringent und eigentlich nicht nachvollziehbar, ist die Nutzung einer nicht typischen, heimischen Holzart.

Bereiste und nominierte Projekte 2016

  • Neubau Bootslagerhaus Ruderverein Villach
    Planer: Architekturbüro Traninger & Walder ZT KG 
    Bauherr: Ruderverein Villach
  • Revitalisierung zweier Turnhallen in Villach
    Planer: Gasparin.Meier Architekten
    Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft mbH BIG, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
  • Lindner Almhütte, Lind Oberes Drautal
    Planer: DI Anne-Maria Pichler 
    Bauherr: Dipl. Ing. Hans Müller
  • High Tech Campus, Villach
    Planer: Bramberger architects
    Bauherr: High Tech Campus Villach GmbH
  • Museum Liaunig Erweiterung
    Planer: Querkraft ZT GmbH 
    Bauherr: Herr Liaunig

Erstes Architekturstipendium Kärnten 2017

Über Vorschlag einer unabhängigen Fachjury vergab das Land Kärnten erstmals ein Jahresstipendium im Bereich Architektur in der Höhe von 10.500 Euro. Primäres Ziel des Stipendiums ist die Schaffung einer dauerhaften Fördereinrichtung, die in Verbindung mit den bestehenden Baukultureinrichtungen eine nachhaltige Verbindung und Bindung junger Kärntner ArchitektInnen, sowie ArchitekturstudentInnen an Kärnten bewirkt. Aus 15 eingereichten Projekten hat die Jury – Karin Tschavgova (Architekturpublizistin), Eva Rubin (Fachbeirat für Baukultur), Peter Nigst (FH Kärnten), Armin Haghirian (ZT-Kammer Steiermark + Kärnten) und Mario Waste (Kulturabteilung Land Kärnten) die Arbeit von DI Oleksii Kysilenko prämiert. Er wird in einem Zeitraum von einem Jahr das Projekt eigenständig erarbeiten. Das Ergebnis wird sowohl auf der FH Kärnten in Spittal als auch im Architektur Haus Kärnten präsentiert werden.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mo. 05/12/2016

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Infobox

Landesbaupreis Kärnten 2016 und erstes Architekturstipendium Kärnten 2017

Von den 24 eingereichten Projekten wurden sieben nominiert und besichtigt. 

Anerkennungen gingen an: 
Paarturm Pörtschach  
und das
Pfarrzentrum Glanhofen

Das erstmals vergebene Jahresstipendium Architektur für 2017 geht an DI Oleksii Kysilenko.

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