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Die erste Runde: Dieter Bogner (stehend), Markus Bogensberger (HDA), Peter Pakesch, Karin Tschavgova, Yilmaz Dziewior, Johanna Hierzegger (Theater im Bahnhof), Johann Baumgartner
©: Wenzel Mraček

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Bericht
Kunsthaus Graz – und jetzt? Eine Gesprächsreihe

Für einiges Rumoren sorgten die Aussagen von Bürgermeister Siegfried Nagl im April dieses Jahres. Vor allem sind es die Besucherzahlen im Kunsthaus Graz, die den Unmut des Bürgermeisters hervorriefen. So wurden diese beispielsweise für das Jahr 2011 noch mit 65.826 ausgewiesen, im folgenden Jahr waren es nur mehr 51.482. 
Seitens des Bürgermeisters wurden nun einige Vorschläge und Ideen ventiliert, dem Problem des rückläufigen Besucherstroms zu begegnen. Die darunter wohl markanteste: „Wir sollten das Haus nicht länger dem Universalmuseum Joanneum überlassen.“ (Kleine Zeitung, 26.04.2014)
Die „Strahlkraft des Kunsthauses“ läge ihm dabei freilich „am Herzen“, und die Arbeit des Intendanten Peter Pakesch wolle er damit nicht kritisieren. Vielmehr, so Nagls Vorschlag, könnte die Programmgestaltung des Hauses jeweils für „ein oder zwei Jahre“ ausgeschrieben werden, wobei das jeweils beste Konzept zum Zug kommen solle. Die von Nagl erwartete „breite Diskussion“ schlug sich zunächst in Form von Entgegnungen nieder.

Wenngleich die Wellen sich inzwischen einigermaßen gelegt haben, Ausschreibungen nicht einmal bis zum Vorhaben gelangt sein dürften, wurde nun eine Reihe von vier Gesprächen unter dem Titel Zum Beispiel Kunsthaus gemeinsam von der Leitung des Universalmuseums Joanneum, dem Kulturamt der Stadt Graz und Stadträtin Lisa Rücker in Abstimmung mit Kulturlandesrat Christian Buchmann initiiert. ExpertInnen aus Bereichen wie Museums- und Ausstellungswesen, Journalismus, Architektur und Öffentlichkeitsarbeit sind eingeladen, ihre Ansichten vor (und mit) Publikum auszutauschen. Moderiert werden die Veranstaltungen vom Museumsplaner Dieter Bogner und der Kulturvermittlerin Andrea Hubin. Stimmen von außen holen dazu Schülerinnen der HLW Schrödinger (Lehranstalt für Kultur- und Kongressmanagement) ein, die an acht Tagen PassantInnen im Umraum des Kunsthauses befragen.
In veröffentlichten Statements zur Diskussionsreihe merkt Lisa Rücker an, man wolle ausloten, „wie sich das Kunsthaus zur Stadt hin stärker öffnen kann.“ So die Gespräche Erkenntnisse zeitigen, werden diese in den kulturpolitischen Auftrag für das Kunsthaus einfließen. Und voraus hielt Peter Pakesch fest, „das Ausstellungsprogramm, das sich zum einen mit neuen Tendenzen in der Kunst auseinandersetzt und zum anderen die einzigartige Architektur bewusst reflektiert, muss in dieser mittleren Stadt im Spannungsfeld zwischen einer ungewöhnlich aktiven lokalen Szene und dem Wettbewerb um internationale Aufmerksamkeit gesehen werden“.

Im ersten der vier Gespräche behandelte man am 17. September das Thema Museumsraum – Umraum – Stadtraum. Wie die noch folgenden Gespräche ist dieses – in der gesamten Länge von zweieinhalb Stunden – inzwischen nachzuhören (siehe Link rechts). Deshalb seien hier nur die vielleicht wichtigsten Stellungnahmen zum Thema zusammengefasst: Yilmaz Dziewior (Direktor am Kunsthaus Bregenz) sprach die Frage nach Besucherzahlen an. Als sehr erfolgreich bezeichnete er diesbezüglich das Bregenz benachbarte Museum Lindau mit der gerade zu Ende gegangenen Matisse-Schau. Die Bevölkerung – und nennt das einen problematischen Begriff – möchte Matisse. Als Gesellschaft aber habe man die Aufgabe, die Kultur über komplexe Themen voran zu bringen. Unerlässlich sei es für ihn daher, auch Projekte umzusetzen, die eine gewisse Expertise voraussetzen und kein breites Publikum ansprechen. Effizienzdenken in der zeitgenössischen Kunst sei ein sehr heikler Ansatz. „Wie bemisst man den Erfolg einer Ausstellung?“ 
Ein Kunst- und Kulturprogramm, gab sich Johann Baumgartner (Bildungsreferent und Kulturverantwortlicher im Steiermarkhof) überzeugt, könne man im Grunde nicht einer demokratischen Abstimmung preisgeben. Nichtsdestotrotz gilt es, möglichst viele Menschen an Kunst- und Kultur heranzuführen, nachdem Kunst ein wichtiger Teil der Bildung ist.
Eine Haltung, der sich Peter Pakesch anschloss: „Bildung im Sinn von intensivster Vermittlung des Wissens, das mit jeweiligen Projekten angesammelt wird.“
Die Architekturkritikerin Karin Tschavgova äußerte ihre Meinung, dass man schon mit der architektonischen Gestaltung des Hauses einen größeren Publikumszuspruch erreichen könnte. Im wohl nicht mehr umsetzbaren Bild erinnerte sie an das frühe Konzept, in dem eine durchlässige Verbindung zwischen Kai und Mariahilferstraße vorgesehen war. Und einmal mehr die Anregung, den Baumbestand am Murufer zu reduzieren, um die Sicht auf das Bauwerk freizugeben. Später sollte sich auch der im Publikum anwesende Bürgermeister dafür aussprechen. Weitere Stellungnahmen betrafen Eintrittspreise und neue Formen der Außenwerbung, die Aufgabe des Medienkunstlabors bzw. die Wieder-Einrichtung des Studios für junge KünstlerInnen nach der Übersiedelung der Neuen Galerie in das Joanneumsviertel.

Zurück an das Thema Umraum-Stadtraum führte schließlich die Darstellung eines Zuhörers, der an die merkliche Aufwertung des rechten Murufers erinnerte, die mit dem Betrieb des Kunsthauses einherging. Dennoch, will hier ergänzt sein, sollte man von einem Kunsthaus nicht verlangen, sich mit dem Kundenaufkommen in Einkaufszentren messen zu müssen. 

Im Café Luise im Kunsthaus finden auch die kommenden Gespräche jeweils ab 19 Uhr statt:
24.09., Bildungsinstitution Museum?
01.10., Kommunikation, Marketing und Medien
08.10., Inhalte, Ziele und Perspektiven

Diskutanten, Inhalte und Streamings unter http://www.museumsblog.at

Verfasser / in:

Wenzel Mraček

Datum:

Di. 23/09/2014

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Infobox

Am 17. September 2014 startete die vierteilige Gesprächsreihe über das Kunsthaus Graz mit dem Thema Museumsraum – Umraum – StadtraumWas soll das Kunsthaus Graz als Ausstellungszentrum zeitgenössischer Kunst für die Gesellschaft leisten und was braucht Graz, um eine lebendige Kulturstadt zu bleiben? 

Weitere Gesprächsrunden:
_ Bildungsinstitution Museum? 24.09.2014
_
Kommunikation, Marketing & Medien: 01.10.2014

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