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>ibini< im AllerLand, Haus der Architektur Graz, 2014
©: >ibini< Baukulturvermittlung

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Bericht
>ibini<: Wieso, Weshalb, Warum?

>ibini< ist ein fünfköpfiges Team, das sich vor vier Jahren in Graz zusammengefunden hat, um gemeinsam Projekte im Bereich der Baukulturvermittlung umzusetzen. Hauptberuflich sind die fünf in den unterschiedlichsten Bereichen rund um das Feld der Architektur tätig.
Dies führt zu vielfältigen Zugängen, die ihre Arbeit in einem lebendigen Prozess wachsen lassen. Was sie eint, sind ihre Ziele. Diese lassen sich in drei Schwerpunkte unterteilen, wie anhand ihrer Projekte ersichtlich wird. 

Selbstbestimmte Raum-Spielerfahrungen 

Unter dem Motto Es gibt allerhand in AllerLand, man braucht es sich nur auszudenken verwandelte >ibini< 2014 das HDA Graz im Rahmen der Architekturtage in eine Spiel- und Erfahrungslandschaft für Kinder zwischen vier und acht Jahren. Gemeinsam mit größeren Kindern wurde ein Phantasieland aus Kartonboxen vorbereitet. Die Kinder haben diese Raumlandschaft eigenständig erforscht, umgebaut, bewohnt verhandelt und bespielt. Die Veränderung des Raumes wurde fotografisch dokumentiert und in einem daraus entstandenen Kurzfilm sichtbar gemacht. 

Das freie – nicht angeleitete – Spiel ist eine der wichtigsten Lern- und Erfahrungsquellen für Kinder zwischen vier und acht Jahren.  Ein elementares Spiel, das die Kinder durch die ersten Lebensjahre begleitet, ist das Spiel mit dem Raum. Das Bauen und Bespielen von Behausungen ist hier ein zentrales Thema. So hat >ibini<  das Kinderspiel des Hausbauens im ungewohnten Maßstab eines Phantasielandes mit MitbewohnerInnen ermöglicht. Das Raumaneignen, -gestalten, -bewohnen und -verhandeln waren die dabei zugrundeliegenden Erfahrungen. Mit jeder neuen Bewohnerin und jedem neuen Bewohner veränderte sich Allerland wieder aufs Neue. Es wurde sichtbar, dass jeder Mensch durch sein Handeln seine Umgebung verändern kann. 

>ibini< will Kindern in jenem Alter selbstbestimmte Raum-Spielerfahrungen ermöglichen. Es ist dem Team ein Anliegen, dass dies auch im Alltag der Kinder möglich ist. Deshalb wird es sich im Jahr 2015 intensiv mit Spielräumen im öffentlichen Raum auseinandersetzten. 

SchülerInnen analysieren kritische Raumsituationen

Die SchülerInnenvertretung des BRG Kepler hat das Projekt FoyerHOCHzehn ins Leben gerufen, um gemeinsam mit interessierten OberstufenschülerInnen und zwei engagierten LehrerInnen den Bereich des Foyers in einen schülerInnengerechten Aufenthalts- und Lernbereich umzugestalten. >ibini< wurde von der SchülerInnenvertretung beauftragt, diesen Prozess zu begleiten. Im Jänner 2015 wurde mit der gemeinsamen Arbeit begonnen. Zuerst wurde eine Bedarfserhebung mittels Beteiligung der gesamten Schülerschaft durchgeführt, darauf aufbauend erfolgte die spezifische Raumanalyse durch die Projektgruppe. Eine zu Beginn freie Entwurfsphase geht in eine gebundene Entwurfsphase in Abstimmung mit einem Konstruktionssystem über, welches auf Basis Entwurfsergebnisse und der Analyseergebnisse entwickelt wird. Es ist geplant, den Aufbau vor Ort gemeinsam mit der Projektgruppe im Juli 2015 durchzuführen. 

Die Auseinandersetzung mit dem Raum, der sie umgibt, ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung heranwachsender Menschen. In dieser Lebensphase geht es darum herauszufinden, welchen Raum man braucht und wie man diesen einnehmen und gestalten kann. Vorherrschende Raumstrukturen werden kritisch hinterfragt und alternative Nutzungen gefunden. Es wird Platz für das persönliche Raumbedürfnis in der umgebenden Gesellschaft gesucht. Es gibt das Bedürfnis selbst aktiv zu gestalten, zu verändern und Spuren zu hinterlassen. Grenzen werden aufgebrochen, verhandelt und neu definiert. Die SchülerInnen der Projektgruppe FoyerHOCHzehn haben die schulische Raumsituation kritisch analysiert und bewertet. Sie erfahren, dass sie durch Eigeninitiative Veränderungen und Verbesserungen herbeiführen können. 

>ibini< will Kinder und Jugendliche dabei unterstützen zu selbstbewussten RaumnutzerInnen zu werden, die ihre Umgebung bewusst wahrnehmen und wissen, wie sie diese ihren Bedürfnissen entsprechend benutzen, verändern und gestalten können und wie sie die Raumbedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und respektieren können. 
Zu diesem Zweck begleitet die >ibini<-„Space Odyssey“ jetzt auch zum zweiten Mal SchülerInnen der achten Schulstufe ein Semester lang im Rahmen des Werkunterrichts und unterstützt sie dabei, mehr über den gebauten und geplanten Raum, der sie umgibt, und die eigenen Raumbedürfnisse herauszufinden. 

Kommunikation der Raumbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen

Der Workshop Heute plane ich! für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren hat im Rahmen der Architekturtage 2012 stattgefunden, die unter dem Motto anders als gewohnt standen. Die Kinder haben sich mit ihren Bedürfnissen bei der Gestaltung von Familienwohnräumen auseinandergesetzt und dies in Raumtagebüchern dokumentiert. Im nächsten Schritt wurden diese Anforderungen in Baugruppen diskutiert, in Raummodellen dargestellt und ausgestellt. Somit ermöglichten die Kinder mit ihrer Arbeit  auch einen wichtigen Perspektivenwechsel für die TeilnehmerInnen der parallel stattfindenden Baugruppen-Diskussionsrunde und den erwachsenen BesucherInnen der Architekturtage.

>ibini< will die Raumbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen für die erwachsenen EntscheidungsträgerInnen sichtbar machen. Deshalb haben wir auch das >ibini<-Riesenbuch entwickelt. Dies ist ein interaktives Mittel, um die Raumbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen zu erheben und sichtbar zu machen. Dieses wird laufend durch relevante Inhalte erweitert, begleitet >ibini< zu jeder Veranstaltung und kann dort gelesen und mit eigenen Erfahrungen ergänzt werden. 

Schwerpunkte von >ibini<

  • >ibini< will Kindern im Vorschulalter selbstbestimmte Raum-Spielerfahrungen ermöglichen. 
  • >ibini< will Kinder und Jugendliche dabei unterstützen zu selbstbewussten RaumnutzerInnen zu werden, die ihre Umgebung bewusst wahrnehmen und wissen, wie sie diese ihren Bedürfnissen entsprechend benutzen, verändern und gestalten können und wie sie die Raumbedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und respektieren können. 
  • >ibini< will die Raumbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen für die erwachsenen EntscheidungsträgerInnen sichtbar machen. 

Ziel von >ibini< ist nicht zu vermitteln, was „gute Architektur“ ist oder nicht. Das Team vermittelt Kindern und Jugendlichen Erfahrungen und Wissen, um sie dabei zu unterstützen, zu aufgeklärten RaumnutzernInnen, RaumgestalterInnen und RaumverhandlerInnen zu werden, die vielleicht selbst zum Entstehen der „guten Architektur“ ihrer Generation beitragen können.

Verfasser / in:

Angelika Krainer
>ibini< Baukulturvermittlung

Datum:

Mi. 15/04/2015

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Infobox

Die Grazer Initiative >ibini< betreibt Baukulturvermittlung für Kinder und Heranwachsende

>ibini< entstand 2011 als Idee von Ute Angeringer-Mmadu und Katja Hausleitner. Hauptberuflich sind Angelika Krainer, Claudia Sohm, Katja Hausleitner, Oliver Jungwirth und Winfried Ranz als Diplomandinnen und Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Graz, in einem Architekturbüro, in der Stadtverwaltung und im Kinderbüro – die Lobby für Menschen bis 14 tätig.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des GAT-Schwerpunkts Architektur- und Baukulturvermittlung.

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