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Tour Bois Le Prêtre in Paris: erweiterter Wohnraum dank neu hinzugefügtem Wintergarten mit Schiebetüren
©: Philippe Ruault

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Home Sweet Home – HDA Jahresprogramm 2014

Das Jahresthema 2014 des HDA lautet Home Sweet Home. Sowohl „home“ als auch das deutschsprachige Pendant „Heim“ beziehen sich auf ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: das Verlangen, sich eine Umgebung zu schaffen, die Sicherheit und Vertrautheit garantiert und sozialen Interaktionen einen Rahmen gibt. Der Themenschwerpunkt beleuchtet dieses Bedürfnis aus verschiedenen Blickwinkeln und versucht für die Entwicklung der Architektur relevante aktuelle Tendenzen zu destillieren.

Trend zur Häuslichkeit
Junge Menschen beschäftigen sich seit einigen Jahren wieder mit einst verpönten Tätigkeiten wie Kochen und Stricken. Selbst einst fortschrittliche, wenn nicht sogar avantgardistische Lebensstile pflegende Bevölkerungsgruppen aus dem kreativen Milieu wenden sich gegenwärtig retrospektiver Ästhetik zu. Der oftmals gepflegte kühle Charme des minimalistischen Wohnens ist liebevoll arrangierten, gemütlichen Wohnraumgestaltungen gewichen. Flohmarktfunde suggerieren eine gewisse Zeitlosigkeit mit je nach Geschmack dezenten Schwerpunktsetzungen in den 1950er, 1960er, 1970er oder 1980er Jahren. Jene Personengruppe, die eigentlich (zumindest ästhetische) die Zukunft gestalten könnte, flüchtet sich in den sicheren Hafen des Retro. Ein Grund für diese weltweit ablesbare Entwicklung könnte das gegenwärtige Unvermögen sein, sich eine konkrete Zukunft vorzustellen.

Wahrung und Bedrohung des Heims
Die einzelnen Programmpunkte von Home Sweet Home werden in enger Kooperation mit diversen Partnern zu verschiedenen Aspekten im Laufe des gesamten Jahres veranstaltet. Dabei wird auch auf tatsächliche Bedrohungen des „Heims“ eingegangen. Der Schritt vom Prekariat zur Obdachlosigkeit hin zu existenzgefährdenden Situationen wird ebenso thematisiert wie die zwangsweise Umsiedelung in Folge von immobilienwirtschaftlichen Projekten.
In den letzten fünf Monaten gab es bereits mehrere Programmpunkte: Eine Exkursion führte zum Schubhaftzentrum Vordernberg von Sue Architekten. Die Ausstellung black out – temporär wohnen_prekär (in Kooperation mit dem Institut für Wohnbau, TU Graz) beschäftigte sich mit Arbeitslosen und atypisch Beschäftigten, deren Abhängigkeiten, Freiheiten und neuen Möglichkeitsräumen. Die Ausstellung EUROPAN12 – WOHNEN MACHT STADT? zeigte alle Preisträgerprojekte der vier österreichischen Standorte der zwölften Wettbewerbsrunde und lud zu einer Podiumsdiskussion mit internationalen Gästen. Die Vorführung des Films Häuser für Menschen – Humaner Wohnbau in Österreich von Reinhard Seiß zeigte vier zeitlose „best practices“ des österreichischen Wohnbaus abseits des Einfamilienhauses im Grünen.

Weiters werden im Jahr 2014 folgende Programmpunkte geboten:

Private Räume – Geramb Rose
Der Architekturpreis „Geramb Rose“ wird 2014 zum Thema „Private Räume“ vergeben. Die Mitglieder der Jury des Preises stellen ihre persönlichen Zugänge zu dieser Thematik vor.
Diskussionsveranstaltung am 26. Juni 2014, 19 Uhr

Leistbares Wohnen – das Gebot der Stunde
Leistbares Wohnen ist zu einem geflügelten Schlagwort im politischen Diskurs geworden. In dieser Veranstaltung soll dieses Thema mit Fakten unterlegt und konkrete Handlungsvorschläge diskutiert werden.   
Diskussionsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Abteilung 15 Energie, Wohnbau, Technik des Landes Steiermark, Sommer 2014

Styria´s Last Topmodel
Im Rahmen einer Filmvorführung von Studienarbeiten zum experimentellen Wohnbauprogramm des Modells Steiermark aus den 1980er Jahren soll die gegenwärtige Situation des Wohnbaus reflektiert werden.
Filmvorführung, Diskussionsveranstaltung, Sommer 2014

RESANITA Urhütte
In mehreren Variationen haben RESANITA in den vergangenen Jahren die Idee temporärer und oftmals fragiler Behausungen umgesetzt, verbunden jeweils mit existentiellen Fragen um Gesellschaft(en) und deren Ränder, Entfremdung oder Teilhabe.
Ausstellung, 11. September bis 19. September 2014, Eröffnung am 10. September 2014

Bilder des Gewohnten – Wohnen im österreichischen Film
SzenenbildnerInnen geben Einblick in ihren Arbeitsprozess und die kreative Gestaltung von Wohnwelten im österreichischen Film.
Filmvorführung, Symposium, 19. November 2014. Eine Kooperation von HDA, Diagonale. Festival des österreichischen Films und VÖF – Verband Österreichischer Filmausstatter/innen

Druot, Lacaton & Vassal – Tour Bois le Prêtre
(Home, Sweet Home-Hauptausstellung)

Die Architekten Frédéric Druot und Lacaton & Vassal unterzogen ein in der Pariser Banlieue gelegenes Wohnhochhaus aus den 60er Jahren einer grundlegenden Sanierung. Die Wohnatmosphäre wird durch Innenaufnahmen im Maßstab 1:1 sowie Möbel, Pflanzen und andere Einrichtungsgegenstände ins HDA transferiert. Arbeiten des belgischen Künstlers Simon Allemeersch ergänzen die Ausstellung.
Ausstellung, Performing Lecture, Eröffnung im Rahmen des steirischen herbst Eröffnungsrundgangs am 27. September 2014, Ausstellungsdauer:  28. September bis 23. November 2014
Teilnehmende Künstler: Frederic Drout (F), Anne Lacaton & Jean Philippe Vassal (F), Simon Allemeersch (BE)
       
Home, Sweet Home – Symposium
Das Symposium zum Themenschwerpunkt begibt sich auf die Suche nach Antworten der zeitgenössischen Architekturproduktion auf das Bedürfnis nach einem „Heim“. VertreterInnen internationaler Architekturbüros, PublizistInnen und WissenschaftlerInnen debattieren über die Möglichkeiten und Rolle der Architekturschaffenden in diesem Zusammenhang.
Symposium, Oktober 2014

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich
HDA – Haus der Architektur

Datum:

Fr. 06/06/2014

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Infobox

2014 stellt sich das HDA mit Home Sweet Home einem Jahresthema. Zentrale Veranstaltungen des Schwerpunktes werden eine Ausstellung im Herbst 2014 sowie ein Symposium zum Thema sein.

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