Grünraum-Offensive der Stadt Graz | www.gat.st
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Präsentation der Grünraum-Offensive Graz 2014: v.l.: Stadtplanungschef DI Bernhard Inninger, Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, Holding Graz Vorstand Dr. Wolfgang Messner und DI Robert Wiener, Leiter der Abteilung für Grünraum und Gewässer
Foto: Foto Fischer, ©: Stadt Graz

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Bericht
Grünraum-Offensive der Stadt Graz

Unter den vielen Apostrophierungen von Graz ist die einer grünen Stadt sicher eine derjenigen, die unbestritten zutreffen. Gut die Hälfte des Stadtgebiets ist Grün- und Freiraum, davon wiederum die Hälfte Waldgebiet (Stichwort Grüngürtel). Allerdings ist Graz auch eine stark wachsende Stadt mit 3.000 bis 4.000 neuen Einwohnern pro Jahr und für die wird kräftig gebaut. Unter dem Titel Grünraum-Offensive 2014 präsentierte die Stadt Graz am 28. März 2014 ihre Strategie, um begleitend zur notwendigen – und sinnvollen – Verdichtung das Grünraumangebot für die BewohnerInnen auszuweiten und zu verbessern.

Mit dem 2013 präsentierten 4.0 Stadtentwicklungskonzept (4.0 STEK) wurde eine Studie zur Freiflächenausstattung in Graz erstellt und eine Mindestfläche an öffentlichem Freiraum pro EinwohnerIn definiert. Der Wert variiert je nach Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur zwischen 3 m2/EW in Einfamilienhausgebieten und 10 m2/EW in dicht verbautem Stadtgebiet. Die Auswertung ergab vor allem in den Bezirken Lend, Gries und Jakomini, wo hohe Bevölkerungsdichte und hohes Wachstum wenigen unverbauten Flächen gegenüberstehen, einen erhöhten Handlungsbedarf um dieses bewusst hochgesteckte Ziel zu erreichen.

Unter Leitung von Stadtplanungschef Bernhard Inninger und dem Leiter der Abteilung für Grünraum und Gewässer Robert Wiener wurden eine Strategie zur langfristigen Grünraumsicherung und deren Qualifizierung erarbeitet, sowie Prioritäten festgelegt (dicht verbaute Stadtteile, hoher Kinder- und Jugendanteil, starkes Wachstum). Die Maßnahmen bestehen sowohl aus Ankauf, Pacht oder Miete von Flächen durch die Stadt als auch in der besseren Gestaltung und Nutzbarmachung von Flächen, die sich bereits in ihrem Eigentum befinden. Für Ankäufe stehen pro Jahr zwei Millionen Euro zur Verfügung; aus zusätzlichen Projektbudgets (z.B. Südgürtel) und vor allem durch raumplanerische Maßnahmen in der Erstellung des 4.0 Flächenwidmungsplanes und privatrechtliche Verträge soll auf „kreative“ Weise das Ziel der Sicherung von insgesamt 45 ha zusätzlichem öffentlichen Grünraum in den nächsten fünf Jahren erreicht werden. Als Beispiel kann hier der bis 2017 fertiggestellte Stadtteilpark im Smart City Quartier nördlich der Helmut-List-Halle dienen: Im Gegenzug für die Wertsteigerung durch die Umwidmung von Industriegebiet zur Wohn- bzw. Mischnutzung verpflichtet sich der Eigentümer zur Errichtung des öffentlichen Parks in enger Abstimmung mit der Stadt. Eine weitere Möglichkeit stellen temporäre Zwischennutzungen dar, wie sie in mehreren deutschen Städten schon länger praktiziert werden. So entsteht auf dem Gelände des zukünftigen Styria-Headquarters gegenüber der Stadthalle für zehn Jahre ein Park für den besonders dichten Bezirk Jakomini.

Als Partner der Stadtplanung fungiert die Holding Graz, die eine der beiden jährlichen Millionen (finanziert aus internen Einsparungen) beisteuert. Für sie ist der Erhalt des städtischen Grünraums aus wasserwirtschaftlicher Sicht wesentlich, um zur Grundwasseranreicherung notwendige Grünflächen nicht durch eine weiter zunehmende Versiegelung zu verlieren. Besonders wichtig sind Maßnahmen gegen die Versiegelung in den Schongebieten der Wasserwerke Andritz und Feldkirchen (siehe auch Grafik). Der geplante Rückbau von teilweise versiegelten Flächen – wie etwa für den Quartierspark Hummelkaserne – spielt als der Aufheizung entgegenwirkender Faktor auch für das klein- und großräumige Stadtklima eine Rolle. Begleitend zum 4.0 STEK wurden zu diesem, aufgrund der speziellen topografischen Situation für Graz besonders relevanten Thema die Ergebnisse der Stadtklimaanalysen seit 1986, die auf Forschungen unter der Leitung von Reinhold Lazar und Wolfgang Sulzer (Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz) basieren, publiziert.

Neben der ästhetischen Qualität sind für zeitgemäße urbane Landschaftsarchitektur soziale und ökologische Faktoren unverzichtbar, um Kommunikation und Interaktion (und damit auch Integration) zu ermöglichen. Denn neben der Quantität geht es vor allem im öffentlichen Raum auch um die Qualität. Und die Schaffung von ausreichendem und qualitativem Grünraum ist für eine wachsende und dichter werdende Stadt keine Kür, sondern Pflicht, wie es Bürgermeister Siegfried Nagl formulierte.

Verfasser / in:

Martin Grabner

Datum:

Mi. 02/04/2014

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Kommentare

offensiv-offensive grünraumoffensivenbewerbung

werte redaktion, liebe karin,

zum heute auf gat erschienen bericht von martin grabner zum vorhaben "grünraumoffensive" der stadt graz gibt es auf gat einen beitrag, der in aller gebotenen kürze ein mindestmaß an kritischem blick auf und kritischer analyse über das verbalisierte, aber noch in keinem punkt realisierte vorhaben der stadt, grünraum zu sichern und zu schaffen, aufweist - meine zweite "aber hallo" kolumne vom 3.11.2013. ich erwarte, dass diese mit dem heutigen beitrag verlinkt wird, der eine reine wiedergabe der behaupteten vorhaben der stadt graz ist und daher auch eine pressemeldung, verfasst von einem pressesprecher der stadt, sein könnte. wenn meine kritischen beiträge von der redaktion so wenig wahrgenommen werden, inhaltlich, dass sie nicht einmal zu den tipps der weiteren lektüre kommen, so frage ich mich, ob es überhaupt sinn macht, so eine regelmäßige kolumne zu verfassen.
hinter jeder meiner kritischen betrachtungen und analysen steht auch ein "sich weit hinauslehnen" als nebeneffekt, was zu beruflichen konsequenzen für mich führt, die nicht ganz so unwichtig und harmlos sind, wie dies sich für außenstehende vielleicht zeigt. die ignoranz meiner expertisen und fachlichen einwände ist dabei noch das harmloseste - schweigen im lande, wenn ich etwas kritisch thematisiere (wir kennen hierorts die strategie des ignorierens als vermeintlich wirksame). damit kann ich leben, wengleich ich diese als "jemanden persönlich kleinmachen" gedachte usance fatal und kontraproduktiv für jeden fachlichen diskurs halte, der die arbeit der architekten und letztlich die baukultur dieser stadt und dieses landes ja auch produktiv positiv beeinflussen könnte. könnte, ja! trotz und in dem fall offensichtlich genau wegen einer langjährigen fachlichen erfahrung und expertise heraus von offizieller seite der stadt und mehr noch des landes je mit arbeit z.b. jurytätigkeit, tätigkeit in einem expertengremium, studien ect. beauftragt worden zu sein, ist dann für jemanden, der sein berufsleben lang versucht hat, frei und unabhängig als freelancer gute arbeit zu machen, nicht mehr ganz so unbedeutend. letztlich geht es aber auch bei diesem anlass zu meiner reaktion nicht um meine eigene befindlichkeit.
meiner meinung nach gehören solche berichte, wie ihn martin heute auf gat vorgelegt hat, zur kategorie pressemeldungen, die vielleicht die stadt auf gat stellen kann, aber die nicht von einem unabhängigen redakteur in ein als kritische plattform gedachtes medium wie gat kommen sollten. von einem redakteursbeitrag auf gat erwarte ich mir und sicher nicht nur ich, dass er zumindest konjunktiv und futurum verwendet, wenn die vorhaben der stadt aufgezählt werden - und dass er im besten fall kritisch hinterfragt. den im smart city-quartier bei der helmut list halle geplanten, von den investoren zu errichtenden park gibt es noch nicht, warten wir doch ab, was überhaupt aus dem vorhaben wird. ich erinnere an das vorhaben, beim messequartier einen stadtteilspark zu errichten, weil laut (in der zeitung publizierter) erkenntnis die entfernung vom quartier zum augarten und zu den eustacchio gründen der eisteichsiedlung, dem nächsten großen grünraum, für mütter mit kleinkindern und für alte menschen als zu weit erkannt wurde. und was ist daraus geworden? wie viel ist öffentliches grün geblieben vom dargestellten grün am lageplan, das sich in den wettbewerbsplänen so schön unter den aufgeständerten häusern durchgezogen hat? ich komme gerade aus salzburg, wo man sich den "stadtteilspark" am neuen stadtwerkeareal lehen anschauen kann - schon realisiert. ein leider so dürftiges ergebnis bei einem verfahren, das mustergültig, mit enormem engagement und aufwand (begleitetes, prozesshaftes verfahren, bürgerbeteiligung, bonuskubaturen, urbanitätsbestrebungen, zusatzförderungen für energiemaßnahmen ect.) von seiten der stadt und vermeintlich der bauträger angegangen wurde - traurig, was aus dem sogenannte park, den grünflächen, in der verantwortung des bauträger errichtet, wurde.
und warum der wegen dringenden bedarfs an grünflächen im bezirk jakomini geplante park am neuen styria-headquarter-areal nur eine zwischennutzung für 10 jahre sein soll, wird mir in dieser "hofberichterstattung" auch weder erklärt noch ist dies für mich nachvollziehbar.
zur klarstellung: nicht, dass ich den herren die gute absicht nicht abnehmen würde, aber das glauben ist für den journalisten/redakteur/kritiker keine kategorie. auch als leser erwarte ich mir recherche und hinterfragung.
synchronität von bericht und veranstaltung? heute nachmittag findet im hda ein symposium zum thema statt, bei dem alle die für die beschriebene grünraumoffensive verantwortlichen herren anwesend sein werden. ob sie mehr konkretes präsentieren werden als die stolz in die kamera gehaltenen (von der sekretärin vermutlich schnell vor dem fototermin im supermarkt besorgten) schnittlauch- und basikilumtöpfe?

Liebe Karin,

Weil du dem Leser mit deinem kritischen Blick immer wieder neue Perspektiven auf Themen eröffnest, habe ich auch diesen deinen Kommentar gelesen. Leider musste ich feststellen, dass du mich als Leserin mit Kritik an der redaktionellen Arbeit und an einem Kollegen, die du auch intern hättest üben können, strapazierst. Warum schreibst du als freie Journalistin nicht einen professionellen Kommentar im GAT-Nachrichtenblock? Das würde bestimmt allseits begrüßt werden. Ich kenne übrigens keinen Journalisten, der einen Leserbrief über die Arbeit seines Kollegen schreibt, in dem Medium, für das beide arbeiten. Das erscheint mir unkollegial und unprofessionell.

Es geht nicht um Kritik an einem Textverfasser

Liebe Michi,
leider muss ich, wenn du dich strapaziert (?) fühlst durch meine Kritik und öffentlich meinst, dass du meine öffentlich gemachte Kritik unkollegial und unprofessionell findest, auf eben diesem Weg öffentlich antworten. Zuerst eine Frage: was wäre professioneller gewesen an einem Kommentar von mir im GAT-Nachrichtenblock? Glaubst du, dass ich dort anders geschrieben, eine andere Meinung vertreten hätte? Dann: für mich ist die Kritik an diesem vermutlich bestellten, sogenannten Bericht eben KEIN Anlass für eine interne Kritik an der Qualität des Artikels von Martin Grabner, weil meiner Überzeugung nach dahinter etwas steckt, wogegen wir, denn ich glaube auch du (zumindest in der letzten Phase deiner Arbeit für Gat, bevor du gegangen bist) uns immer vehement gewehrt haben – nämlich gegen einseitige Vereinnahmung und die Absicht, Gat nur mehr zu unterstützen, wenn Gat willfährig, das heißt, ohne kritisches Hinterfragen, arbeitet/schreibt. Ich glaube nicht, dass ich falsch liege und unsinnig, anlasslos Geister heraufbeschwöre, wenn ich vermute, dass Gat mit diesem Artikel bewusst instrumentalisiert werden sollte. Gab es einen Auftrag zum Schreiben dieses Beitrag gerade am Tag des Symposions von Seiten von Gat oder von anderer Seite? Diese Frage stelle ich jetzt ganz offiziell- wieder in einem Kommentar als Antwort auf den Artikel und deine Reaktion auf mich.
Meiner Meinung, ja, Überzeugung nach sind solche Berichterstattungen nicht so harmlos, wie sie daherkommen, denn da wird jemand benutzt, um politisch Meinung zu machen – um sich letztlich auch Gat zu unterwerfen. Oder nicht? Kann man, wenn man die Begehrlichkeiten von Verantwortlichen in der Verwaltung und Politik „nach einer guten Nachred“ so unkritisch erfüllt, noch unabhängig und frank und frei auch nicht konforme, widerständige Meinungen veröffentlichen? Hinter solchen Bestellungen steht doch, sehen wir das doch ungeschönt, eine klare Absicht. Gleichschaltung nennt man das und meint damit dann meist die Kronenzeitung, in der Herr Faymann gut wegkommt, weil er dort Inserate schalten lässt - oder umgekehrt.
Wird Gat dann noch freien Geists protestieren können gegen den heutigen Abriss des Tramwartehäuschens von Irmfried Windbichler in der Sparbersbachgasse und vor allen gegen die Form und das Procedere, mit dem dieser Abriss angeblich über die Köpfe von Brugger/Bundesdenkmalamt, Bogensberger als HDA Vertreter und anderen, die sich dafür eingesetzt haben, dieses stehenzulassen und eine Lösung finden und erreichen wollten, die konsensualer erfolgt als der heute ohne Vorankündigung erfolgte Abriss, hinter dem vermutlich Herr nagl steht. Diese Vermutung ist übrigens nicht von mir, sondern mir mit mehreren Hinweisen zugetragen worden – sollte man dieses vielleicht auch lieber intern/leise besprechen, in einer geheimen Sitzung oder auf neutralem Boden in einem der 08/15 Wartehäuschen, die dort jetzt aufgestellt werden. Vor wenigen Minuten haben die Studierenden zu einer Trauerfeier am früheren Ort des Wartehäuschens aufgerufen – ich werde hingehen, obwohl ich ganz persönlich diesem Objekt keine Träne nachweine. Ich werde hingehen, um gegen die undemokratische, despotische Art der Entfernung desselben zu protestieren. Oder darf ich über diese nur still trauern und mich künftig nobel zurückhalten, um dir nicht als unprofessionell zu erscheinen?

und wenn du noch so dagegen anschreibst, ...

... Teile deines Kommentars gehören meiner Meinung nach nicht hierher, sind redaktionelle Themen, die intern kritisch zu hinterleuchten, -fragen und zu ggf. zu ändern sind. Aber gerade brandaktuelle Themen wie das Wartehäuschen oder die Grünraumoffensive sind doch wie gemacht für deine Aber Hallo-Kolumne, die ich aus schon genannten Gründen sehr schätze wie viele deiner Kommentare. Das was du hier tw. von dir gibst, ist, entschuldige bitte, für mich entbehrlich.

Infobox

Die Grünraum-Offensive 2014 wurde am Freitag, 28.03 2014 vorgestellt.

Flächen, die bereits in unterschiedlicher Form von der Stadt Graz als Grünraum gesichert wurden:

- Styria Headquarter (Zwischennutzung, ca. 8.000 m2)
- Karlauer Kirchenpark
- Vorbehaltsfläche „5E“ Posenergasse
- Smart City Waagner-Biro-Straße Ost (FWP-Änderung (laufend), ca. 5.500 m2)
- Südgürtel Trassenpark (ca. 51.000 m2, Ausweitungen geplant)
- Quartierspark Hummelkaserne (ca. 4.500 m2)
- Stadtwäldchen Reininghaus
- Green City Straßgangerstraße (ca. 7.000 m2)
- Vorbehaltsfläche „5A“ Mariatroster Straße
- Teil des Messeparkplatzes Fröhlichgasse

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