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GEGENDARSTELLUNG

... zu Ihrem ASVK-Artikel
(17.12.2012; gat.st "Wer schützt die Stadt vor der ASVK?" Martin Brischnik)

Die Beschreibung der ASVK am Beginn Ihrer Darstellung im GAT ist ein Hetzartikel par excellence. Ich selbst war 2 Perioden lang Ersatz und ordentliches Mitglied der ASVK. Ohne Schönfärbung ist die ASVK das einzige Gremium im Baugeschehen der Altstadt, das gestalterische Aspekte der Architektur beurteilen kann. Als fast 20-köpfige Kommission ist die ASVK in ihren Entscheidungen keine Einheitspartei. Entscheidungen kommen im Normalfall durch Diskussion zustande, erst danach wird abgestimmt.
Eine aus meiner Sicht ordentliche Vorgangsweise über Qualität und Disqualifikation zu entscheiden. Natürlich gab und gibt es unter den vielen Entscheidungen, die getroffen werden, auch einige, die sich nachträglich als fehlerhaft heraus stellen. Tatsache ist aber auch, dass überraschend oft von Architekten/innen beschämend schlechte Projekte zur Beurteilung eingereicht werden.

Zur beabsichtigten Vorgangsweise der ASVK, vermehrt engagierte und anerkannte Architekten/innen zur qualitativen Bewältigung schwieriger und/oder prominenter Planungsaufgaben einzuladen, folgende Frage: Was unterscheidet diese Vorgangsweise formal von den üblichen "geladenen Wettbewerben"?
Und was haben die unzähligen "geladenen Wettbewerbsverfahren" der letzten Jahre gebracht, die mit oft fragwürdigen Jurien besetzt sind und mit zumindest teilweise indiskutablen Teilnehmern, was deren qualitative Eignung betrifft? Bestenfalls Mittelmäßigkeit. Darüber sind sich alle architekturbewussten Kritiker einig.

Wenn nun sogar der Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses der Kammer negativ zum Vorgehen der ASVK Stellung nimmt, wäre doch zuerst zu hinterfragen, was denn dieser Wettbewerbsausschuss selbst zur Verbesserung von Wettbewerbsergebnissen beiträgt? Eine Verbesserung findet nämlich nicht statt.
Das jetzige Wettbewerbswesen ist desaströs administriert, weit entfernt davon, interessante Ergebnisse liefern zu können und gegen jede progressive Entwicklung der Architektur gerichtet - diese passiert jedoch in Form konkreter Utopien außerhalb von solchen Wettbewerben.

Entsprechend dem ignoranten Klima und den Verhinderungsstrategien, die eigenständige Architektur in unserer Gesellschaft zu überwinden hat, wurden 3 Projekte in knapp 30 Jahren umgesetzt, von den lokal und international besetzten, knapp ein Dutzend Wettbewerbe, die mein Büro allein für diese Stadt und dieses Land gewonnen hat.
Fazit, gestern wie heute: Die Szene verzettelt sich in persönlich motivierten Kleinkriegen anstatt sich für qualitativ hochwertige Architektur einzusetzen.

Verfasser / in:

Univ. Prof. Arch. DI Volker Giencke

Datum:

Do. 20/12/2012

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Kommentare

Siegerprojekt des ersten ASVK Wettbewerbes

Quote

Making money is art and working is art and good business is the best art.
Andy Warhol

Unterschiede zu fairen Wettbewerben

Wodurch unterscheiden sich die wettbewerbsähnlichen Verfahren der ASVK von üblichen, geladenen Wettbewerben?

A) Sie werden nicht anonym abgehalten.
B) Ihnen liegen keine Regeln zugrunde, keine verbindlichen Entwurfsvorgaben.
C) Sie werden von der öffentlichen Hand finanziert, kommen aber privaten Investoren zugute.
D) Es gibt keine Jury, kein Juryprotokoll, keine Entscheidungskriterien.
E) Die TeilnehmerInnen werden subjektiv von den "Juryvorsitzenden" ausgewählt.
F) Die selbe Jury, welche im Rahmen der Verfahren (und bezahlt von der öffentlichen Hand) ein Projekt auswählt, wird später wiederum von der öffentlichen Hand dafür bezahlt, das Projekt unbefangen und objektiv zu begutachten.
G) Bei Wettbewerben bekommen die TeilnehmerInnen die Entwurfsaufgaben zeitgleich gestellt und haben keine Einsicht auf die Entwürfe ihrer MitbewerberInnen.

... und so weiter ...

sie sind doch philosoph

sehr geehrter hr. arch. giencke

der zweck heiligt nicht die mittel

unerträglich

Es ist unerträglich, wie hier eine Generation von alternden Architekten ihr Tun "schön redet" und versucht es mit dem Bestreben nach Architekturqualität zu rechtfertigen. Verstehen diese Herren nicht, daß man heute nicht mehr so agieren kann? Nur weil sie zu wissen glauben was gut und was schlecht ist, haben sie nicht das Recht sich zu allmächtigen Bau- Fürsten zu ernennen. Zumal das, was sie selbst planen und realisieren, zu den traurigsten Beispielen von "Architektur" in der Grazer Altstadt zählt.
Die ASVK hat eindeutige und verständliche Gutachten zu verfassen. Dafür werden sie bezahlt und das alleine ist ihre Aufgabe.

@ Anonymous

Ich kann Ihnen hier nur beipflichten! Das gleiche habe ich mir auch gedacht, beide Artikel (das Interview von Szyszkowitz und die sogenannte GEGENDARSTELLUNG) zeigen eine extrem überhebliche (Architekten-)Weltanschauung. Beim Lesen kann man nur den Kopf schütteln, man wird hier einfach zu offensichtlich für blöd verkauft! Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit die offensichtlichen Seilschaften als sachliche professionelle Notwendigkeit dargestellt werden!

Die Kritik an der ASVK ist hingegen wirklich sachlich und nachvollziehbar. Als Außenstehender ist es mir schleierhaft wie man diese nicht verstehen oder gar für falsch halten kann.

Ich wollte schon selber das

Ich wollte schon selber das schreiben, aber Herr Architekt Giencke macht es viel besser. Auf den Punkt genau. Bravo!

eben

"Fazit, gestern wie heute: Die Szene verzettelt sich in persönlich motivierten Kleinkriegen anstatt sich für qualitativ hochwertige Architektur einzusetzen."

>>> eben genau das ist ja das "Problem" der ASVK...evozierte Eitelkeiten!

Infobox

Volker Giencke lebt und arbeitet als Architekt in Graz. Seit 1992 ist er Professor für Entwerfen, am Institut für Experimentelle Architektur ./studio 3 und Hochbau an der Universität in Innsbruck. Giencke war Mitglied der Grazer Altstadt-Sachverständigenkommission (ASVK).

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