valentin ruhry reclamer
Künstlerhaus Graz: Valentin Ruhry, réclamer
©: Wenzel Mraček

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Rezension
Erfahrungen im Rahmen des Grundrisses

Ausstellungen von Peter Gerwin Hoffmann und Valentin Ruhry im Künstlerhaus Graz

Mit 6,3 km anonymer Malerei den Sakralraum Kunst vermessen: Mit einer optisch äußerst reduzierten, aber höchst präzisen Audio-Video-Installation schreibt der Medienkünstler Peter Gerwin Hoffmann dem zentralen Ausstellungsraum des Künstlerhauses ein komplexes Konzept ein. Als Doppelprojektion ist ein Schwarzweiß-Video zu sehen, dessen Bilder mittels beweglichem Projektor über die Wandflächen des nun als Halle für Kunst und Medien (KM) firmierenden Hauses gejagt werden. Während einer Autofahrt entlang einer 6,3 Kilometer langen, kurvenreichen Straße in der Marktgemeinde Pöllau, richtete Hoffmann eine Kamera strikt auf den über Jahre immer wieder ausgebesserten Asphalt. Das Video zeigt eine Abfolge von geometrisch wirkenden Asphaltflächen in verschiedenen Grautönen, Bilder, die aufgrund des gewählten Ausschnittes und der Übertragung in den Kunstraum mit der für Hoffmann schon in früheren Arbeiten diskutierten Frage in Verbindung gebracht werden können, ob das Genre Malerei in Anwendung Neuer Medien eine zeitadäquate Interpretation erfahren kann. Ein zweiter, für Hoffmann relevanter Aspekt ist die Frage nach dem Ready made, indem er eine vorgefundene Situation mittels Bildausschnitt dem Prinzip Tafelbild angleicht, um es, medial übersetzt, als das Gleiche in ein Umfeld der Kunst zu transportieren und es damit zum Kunstwerk zu erklären. Von anonym bleibenden Straßenarbeitern hergestellt, könnte der Fleckerlteppich einer sanierten Straße eine Form der Malerei darstellen, stellt Peter Gerwin Hoffmann zur Disposition. Die Audiospur der Installation stammt vom Grazer Tonkünstler Seppo Gründler. Vier Autoradios sind auf vier verschiedene Sendefrequenzen eingestellt, während ein Computerprogramm die unterschiedlichen Grautöne des Videos abtastet und bei jedem Wechsel von Sender zu Sender springt.

Anlass der Ausstellung mit dem Titel II PARALLEL WELTEN ist die Verleihung des Würdigungspreises für bildende Kunst 2012 des Landes Steiermark an Peter Gerwin Hoffmann. Charakteristisch für das Gesamtschaffen des 1945 in Gröbming geborenen Künstlers sind methodische Untersuchungen von Wahrnehmungsprozessen gegenüber künstlerischen Umsetzungen, die solche Prozesse verdeutlichen können. So auch in diesem Konzept, nach dem Hoffmann – in einer grafischen Darstellung – die Fahrtstrecke im Bereich der Wallfahrtskirche Pöllau dem vergrößerten Grundriss des Grazer Künstlerhauses in durchaus ironisch kritischer Mehrdeutigkeit einzeichnet. 1952 eröffnet, gleicht das Künstlerhaus in seinem Grundriss mit Halle, Apsis und einer Art Nebenschiff (Grafikraum) eben dem Prinzip von Sakralräumen.

Formal nimmt der 1982 in Graz geborene Valentin Ruhry mit seiner Ausstellung réclamer im Untergeschoss der KM das Werbeinstrument von Leuchtkästen auf. Allerdings erscheinen die mit Leuchtstoffröhren bestückten Metallrahmen aus dem bekannten Kontext gehoben und reklamieren nun das bildhauerische Konzept der puren Form, verbunden mit Lichtreflexen am architektonischen Raum. Für Reflexion und Referenz gegenüber Schein und Wirklichkeit der Kunst steht ein auf den ersten Blick als Tafelbild identifiziertes Wandobjekt. Was suprematistische oder vielleicht Hard-Edge-Malerei zu sein scheint, erweist sich als eine Art Trompe-l’œil, ein Bild, das nicht ist, woran sich kunsthistorisch konditionierte BetrachterInnen erinnert meinen.

Verfasser / in:

Wenzel Mraček

Datum:

So. 26/05/2013

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Infobox

Die Ausstellungen II PARALLEL WELTEN von Peter Gerwin Hoffmann und réclamer von Valentin Ruhry sind noch bis zum 2. Juni 2013 im Künstlerhaus Graz, Halle für Kunst und Medien zu sehen.

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