ArchitektInnen und das Land | www.gat.st
_architektinnen_und_das_land_sujet.png
©: Theresa Reisenhofer

_Rubrik: 

Bericht
ArchitektInnen und das Land
– eine Kapitulation?

Die Beziehung zwischen den ArchitektInnen und dem Land ist in vielerlei Hinsicht ambivalent. Die Architekturdisziplin wird als ein gesellschaftliches Gestaltungsmerkmal im ländlichen Raum wenig anerkannt und akzeptiert. Architektur am Land bleibt die Ausnahme. Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung einer allgemeinen, aber subjektiven Wahrnehmungsstruktur durch Architekturschaffende, die diese Beziehung näher begründen soll.

„The countryside is now the frontline of transformation.“ Rem Koolhaas beschreibt mit diesen Worten die aktuelle Transformation von ländlichen Strukturen. Seit der Industrialisierung vor mehr als hundert Jahren hat sich das traditionell geprägte Bild des ländlichen Raumes gewandelt. Digitalisierung und Globalisierung haben die Strukturen der Landwirtschaft und Lebensweisen gravierend verändert. Wir fokussieren dabei die anderen fast 50 %, die nicht in urbanen Gebieten leben. Sie befinden sich direkt an der Frontlinie, wie es Koolhaas formuliert, und sind die unmittelbar Betroffenen und GestalterInnen dieses Wandlungsprozesses.
Doch wie verhält es sich mit den Begriffen Stadt und Land in diesem strukturellen Wandel? Wie können die tradierten Begriffe vom Städtischen und Ländlichen in neue Zusammenhänge gebracht werden? Wie ist es in der Steiermark? Spricht man hier von einer verstädterten Landschaft oder von einer ländlichen Stadt? Welche Auswirkung hat dieser Wandel von Raum auf die Politik, die Gesellschaft und schlussendlich auch auf die Architektur und das Berufsfeld der Architekten und Architektinnen?

METHODE
Die vorliegende Studie nähert sich der Problematik von Architektur und dem ländlichen Raum nicht über das Gebaute, der Politik und Raumplanung oder durch die LandbewohnerInnen, sondern durch eine qualitative Untersuchung von Architekturschaffenden. Befragt wurden durch Interviews 25 ArchitektInnen in der Steiermark sowie 16 Architekturstudierende der TU Graz. Themenbereiche wie die Ausbildung auf der TU Graz, der Arbeitsstandort, die Arbeit mit ländlichen Strukturen und auch der persönliche Bezug zum Thema Land und Landschaft bilden einen problemorientierten Leitfaden in drei Abschnitten. Die Interviews wurden aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. Für die Auswertung wurde die große Datenmenge in zwei Schritten abstrahiert. Im ersten Schritt wurden alle Transkriptionen in Stichwörtern und Phrasen gekürzt, anonymisiert und in ein Tabellensystem eingefügt. Im zweiten Schritt wurden einzelne Aussagen zu Themenbereichen und Schwerpunkten zusammengestellt und bilden den Kern dieser Arbeit. In verschiedenen Fällen wurde das Material detaillierter in Form von Zitaten beschrieben. Diese Zitate sind in der Arbeit fett markiert. Zusätzlich zu den Interviews mit den ArchitektInnen und Studierenden wird eine Art „Expertengruppe“ herangezogen. Roland Gnaiger, Andreas Ruby und Albert Kirchengast stellen dabei jeweils ihre eigene Sichtweise von außen dar. Die Texte und Aussagen der „Experten“ wurden mit den subjektiven Daten der InterviewpartnerInnen verknüpft und sind in der Arbeit kursiv markiert.

Verfasser / in:

Theresa Reisenhofer

Datum:

Mo. 12/02/2018

Artikelempfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Infobox

ArchitektInnen und das Land - eine Kapitulation?
Masterarbeit von Theresa Reisenhofer, TU Graz,
Oktober 2017

Die provokative Fragestellung im Titel zeigt auf, dass es in vielerlei Hinsicht eine gegensätzliche Beziehung zwischen ArchitektInnen und dem ländlichen Raum gibt.

In Interviews mit Architektur- schaffenden und Studierenden erkundet Reisenhofer, was diese über das Land denken und welche Herausforderungen es aus deren Sicht gibt.

Die Arbeit wurde von Univ.-Prof. Mag.phil. Dr.phil, Anselm Wagner, Vorstand des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften an der Technischen Universität Graz zur Erlangung des akademischen Grades Diplom-Ingenieurin im Masterstudium Architektur erstellt.

Interessierte können in der Universitätsbibiothek der TU Graz in die 230 Seiten umfassende Arbeit Einsicht nehmen.

Die GAT-Reihe young theory präsentiert theoretisch-wissenschaftliche Arbeiten an Universitäten und Fac

Kontakt:

Kommentar antworten