Diskussion und Kommentare!
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25.10.2006, 11:18
Das war die Pflicht! Wo bleibt die Kür?
Autor: DI Paul Raspotnig
Ist das „Grazer Modell“ nun ein vierfacher Axel oder nur eine einfache Pirouette im Stand?
Nach sorgfältigem Studium des 4-Punkte-Konzepts, beinhaltend verschiedene Instrumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Sicherung der Baukultur, muss man anerkennen, dass sich die Stadt Graz nun endlich Aufgaben in ihr Pflichtenheft geschrieben hat, die allerdings in anderen Städten schon längst zur gelebten Praxis zählen. Doch wie bei Hausaufgaben so üblich – leidgeprüfte Eltern können davon ein Liedchen singen – bedarf es der Kontrolle, ob diese auch erledigt werden und möglichst fehlerfrei sind.
Die Folgeleistung auf den Ruf nach schnelleren und besseren Verfahren sowie Planungssicherheit in der Projektentwicklung und -umsetzung erzielt noch lange nicht eine gleichzeitig damit einher gehende Hebung der Baukultur. Eine solche kann nur über Qualitätsfilterung erfolgen! Wer soll entscheiden, ob Entwicklungskonzepte, Bebauungsrichtlinien, Verfahrensweisen, Wettbewerbsentwürfe, realisierte Projekte und dgl. nun „gut“ oder „schlecht“ sind? In diesem entscheidenden Punkt lässt das Grazer Modell keine Neuerung erkennen und liegt daher „im europäischen Kontext“, für den es gerne „im Laufe einiger Jahre als Referenz“ angeführt werden möchte, schon heute weit zurück.
Wer sich dieser – verständlicherweise undankbaren – Aufgabe einer unabhängigen Kontrolle annehmen wird, ist nicht geklärt; externe und vom lokalen wirtschaftlichen Umfeld unbeeinflusste Fachleute sind unerwünscht. Die Verankerung der Verbindlichkeit von Vorschlägen und Aussagen der zu etablierenden Gremien Stadtforum oder Planungstisch, oder gar eine rechtliche Verankerung solcher Handlungsanleitungen wurde nicht angedacht.
Mit lediglich beratendem Charakter auf informeller Ebene, noch dazu ehrenamtlich, auf eigene Initiative hin oder über Auftrag und zudem nur zwei Mal jährlich tätig, lässt die Arbeit des Stadtforums keine verbindlichen Ergebnisse erwarten, so kreativ und interdisziplinär es auch besetzt sein möge. Abgesehen von der zu erwartenden Diskussion über die „überparteilichen“ Bestellungsvorschläge wird auch die Debatte über die Forumsvorschläge innerhalb der Fachabteilung, des Planungsausschusses, im Gemeinderat und letztendlich in der Öffentlichkeit keine verbindlichen Resultate erzielen können. Als Vergleich diene hier der Wiener „Fachbeirat für die Stadtplanung und Stadtgestaltung“, besetzt mit zwölf Fachleuten aus zehn unterschiedlichen Disziplinen, dessen positiver Einfluss auf die Baukultur nur schwer nachzuweisen ist.
Liefert das derzeitige Wettbewerbswesen in Graz (oder wo auch immer) keine befriedigenden Ergebnisse, dann besteht die Flucht nach vorne nicht darin, die Zahl der Wettbewerbsverfahren zu erhöhen – denn dann erhält man in Folge noch mehr unbefriedigende Resultate –, sondern in einer grundlegenden Verbesserung der Vorbereitung solcher Verfahren. Dazu zählen vor allem eine bedingungslose Vorprüfung aller relevanten Wettbewerbsgrundlagen und Ausschreibungskriterien (planerische Rahmenbedingungen, rechtliche Aspekte, spätere Beauftragung etc.) nach qualitativen Gesichtspunkten sowie eine gerechte Auswahl von TeilnehmerInnen und absolut unabhängigen JurorInnen, welche sich unbedingt durch höchste fachliche Kompetenz auszeichnen müssen.
Dem beabsichtigten Projekttisch würde hier eine wesentliche Kompetenz zukommen, hätte man nicht aufgrund seiner Konzeption den Eindruck, dass die gleichen Protagonisten nun nicht mehr in den Fluren der Fachabteilungen, sondern um einen Tisch versammelt Festlegungen treffen, die weiterhin unter der Einflussnahme von „oben“ oder „außen“ stehen.
Jedenfalls wünschenswert ist diese Bündelung von Information und Beratung bezüglich Bauprojekten vor dem Bauverfahren im Rahmen solcher Vorbegutachtungen. Erwartet man sich jedoch die Erteilung verbindlicher Auskünfte seitens der städtischen Planungsstellen, dann ist auch hier ein objektiver und unabhängiger Qualitätsfilter zu setzen.
Zumindest richtig gedacht ist die kausale Kette der Erstellung von Entwicklungskonzepten und Bebauungsleitlinien, der Durchführung von Vorbegutachtungen bzw. Wettbewerbsvorbereitungen sowie einer kontrollierten Verfahrenssteuerung bei gleichzeitiger Berücksichtigung privater und öffentlicher Interessen; sie droht jedoch zu reißen, wenn nur ein Glied aufgrund mangelnder Qualitätskontrolle oder fehlender Verbindlichkeit bzw. sonstiger Verankerung versagt. Noch bewegt sich das mittlerweile auch politisch beschlossene Konzept auf zu dünnem Eis, und wenn es nicht einige Rittberger wagt, sondern zu viele Pirouette im Stand dreht, dann läuft es Gefahr einzubrechen.
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21.10.2006, 18:14
Wettbewerbe in Städten mit Gestaltungsbeirat
Autor: Michaela Wambacher
Weil ich nicht einfach nur Kritik üben möchte, die nicht konstruktiv ist, habe ich recherchiert, ab welcher Projektgröße Wettbewerbe in Linz und Salzburg - Städte mit Gestaltungsbeiräten - durchzuführen sind:
LINZ:
Seit Ende letzten Jahres (2005, Anm.) sollen auf Weisung der Gemeindereferenten des Landes Oberösterreich Bauvorhaben zwischen 250.000,- bis 1.0 Millionen Euro vorgelegt werden, und von 1,0 bis 3,5 Millionen Euro müssen diese dem Ortsbildbeirat vorgelegt oder alternativ über einen Architektenwettbewerb abgewickelt werden. Für Bauvorhaben darüber ist ein Architektenwettbewerb verbindlich.
SALZBURG:
Dem 1983 ins Leben gerufenen Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg obliegt die Begutachtung von Bebauungsplänen der Aufbaustufe und Großprojekten (Architekturgruppe 4), ausgenommen ist nur der Bereich der Altstadtschutzzone. Betroffen sind Bauvorhaben mit einer Bruttogeschoßfläche über 2000 m² oder einer Baumasse über 7000 m³ bzw. über 15000 m³ in Gewerbe- und Industriegebieten. Mit Zustimmung des Bewilligungswerbers kann die Begutachtung durch den Gestaltungsbeirat auch in anderen Fällen erfolgen.
Das Grazer Modell gibt ähnliche Größenordnungen für das verbindliche Durchführen von Architekturwettbewerben vor. Ob das Grazer Modell funktionieren wird, zeigt erst die Praxis. Natürlich wäre es meiner Meinung nach sinnvoll und kostengünstiger gewesen ein Modell, das seit Jahren in anderen Städten funktioniert, auch für Graz einzusetzen. Das Grazer Vier-Punkte-Konzept ist ein Kompromiss von vielen Interessensgruppen, weil es in Graz keinen Kulturpolitiker bzw. Stadtrat gibt, der mit Überzeugung hinter einem Gestaltungsbeirat der bewährten Formen gestanden ist. Ein Gestaltungsbeirat für Graz scheint auch nicht im Interesse der Architektenschaft gewesen zu sein, darauf lassen die wenigen Kommentare zu den in GAT veröffentlichten Beiträge schließen.
Ein gemeinsames Auftreten dieser Berufsgruppe für die Sache hätte schon einiges bewirken können. Das sind die Tatsachen und daraus muss nun das Beste gemacht werden. Ich hoffe es gelingt, für die weitere Entwicklung von Graz.
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20.10.2006, 12:15
nichts neues im süden
Autor: Wolfgang Feyferlik (Architekt)
eine flut an konjunktiven und wünschen an den weihnachtsmann begleiten
dieses modell. es ist typisch für das grazer modell, dass alle alles
wollen, nur bei den regeln für die umsetzung war kuschelkurs angesagt.
das modell geht davon aus, dass alle das gleiche wollen. der wettbewerb
ist in der hier skizzierten form weder begrüßens- noch wünschenswert. -
was geschieht mit projekten unter 3000m2 -ein kontrapunkt zu den
genannten intensionen. - wer wählt aus den vorschlägen, sowohl
teilnehmer wie juror aus - gibts kompetentere zu den an sich hier
zitierten kompetenten. - das hier zitierte beurteilungsgremium lässt
nicht erwarten, dass es hier zu kontroversiellen diskussionen in einer
jury kommt, genau diese sind aber notwendig, um das überraschende,
spezielle etc. zu finden und zu fördern. genau mit dieser art von
kuschelkurs wurde der wohnbau in der steiermark kaputtjuriert - ich
hoffe ich irre mich.
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18.10.2007, 12:35
ich hab nur noch angst
24.10.2006, 13:08
...ad konjunktive!
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13.12.2006, 9:15
Man hat sich sehr bemüht, die Last wird umso größer
Autor: Arch. DI Herbert Missoni
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Am 29. November 2006 wurde im Rahmen eines Stadtplanungsdialogs im Haus der Architektur in Graz das “Grazer Modell” vorgestellt. Zuvor, am 19.10.2006, wurde das „Grazer Modell“ - Instrumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Sicherung der Baukultur - vom Grazer Gemeinderat einstimmig beschlossen, nachdem diese Problematik im Auftrag von Stadtrat Rüsch als Planungsreferent mit Mitgliedern der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, der Plattform Architektur und der Wirtschaftskammer in vier Workshops behandelt und vielleicht sogar vereinbart wurde
Stadtrat Rüsch, Stadtbaudirektor Werle und Stadtplanungsleiter Redik brachten sehr ausführlich ihre Stellung zum „Grazer Modell“ vor, von dessen Auswirkungen man eine Verbesserung der bisherigen Planungs- und Gestaltungsqualität in Graz erwartet.
Schon 2006 fand im Minoritensaal eine „Baukultur-Enquete“ mit dem Thema „Gestaltungsbeirat“ statt (GAT berichtete, Anm. d. Red.), dessen positive Ergebnisse zur Qulitätsverbesserung von Bauten in den Städten von einem Vertreter aus Salzburg und einem aus Linz überzeugend präsentiert wurden. Sowohl Rüsch als auch Luser (vormals Stadtentwicklung) vertraten aber damals die Ansicht, dass es für die Stadt Graz eine andere, bessere Lösung geben müsste, weil die Stadt im Kernbereich ohnehin die Qualiätskontrolle durch die Altstadtsachverständigenkommission (ASVK) ausübt.
Es ist und war jedoch jahrelang das Grazer Problem, dass durch die ASVK zwar im Altstadt-Kerngebiet jedes Gestaltungsthema - wenn auch nicht immer seriös - behandelt wurde, dass aber die angrenzenden Bereiche der Vorstadt, der Peripherie von der zuständigen Baubehörde großteils ohne Qualitätsanspruch, lediglich auf baurechtlicher Basis genehmigt wurden. Das ist die Aufgabe von neutralen, nicht örtlich befangenen Mitgliedern der Gestaltungsbeiräte, für das Stadtbild relevante, an bedeutenden Stellen situierte Bauprojekte baukünstlerisch zu beurteilen und ihre Gutachten für die zuständigen Behörden abzugeben.
Meine dreijährige Erfahrung im Gestaltungsbeirat der Stadt Wels hat mir gezeigt, dass die Entscheidung über die zu beurteilenden Projekte von der Stadtplanung und der Baudirektion erfolgen musste, da diese Abteilungen für die städtebauliche und die architektonische Qualität zuständig sind, und zwar in der Phase des Vorentwurfes.
Dies gilt auch in der Steiermark bzw. in Graz, wenn man an das Baugesetz erinnert, in dem steht, dass ein „Bauwerk derart geplant und ausgeführt werden muss, dass es in seiner gestalterischen Bedeutung dem Straßen-, Orts- und Landschaftsbild gerecht wird“ (§43) - ein hoher architektonischer Anspruch, wenn man will.
Zwei Ideen des „Grazer Modell“ sind:
Der Projekttisch, der aus sämtlichen Behördenvertretern zusammengesetzt ist, wird bei Projekten ab 600 m² sicher eine Erleichterung für die Bauherren ergeben und die Dauer des Bauverfahrens wesentlich verkürzen können. Fest steht, dass öffentliche Bauvorhaben über Wettbewerbe entschieden werden sollen. Aber wer wird entscheiden, ob zur sonstigen Qualitätsbeurteilung ein Gutachten irgendeines Architekten erforderlich ist? Wer wird entscheiden, ob bei größeren nicht öffentlichen Projekten ein Wettbewerb erforderlich ist? Oder werden bei solchen Projekten Wettbewerbe vorgeschrieben? Und wer wird wie verlangen, dass Projekte schon im Entwurfsstadium dem Projekttisch vorgelegt werden?
Der Projekttisch wird das Projekt vorbesprechen, vorabklären: Wird dann die Baubehörde rascher entscheiden können?
Das Stadtforum, die zweite Idee des „Grazer Modells“, bestehend aus 5 - 10 Personen, „hellen Köpfen“ lt. Rüsch, soll zweimal jährlich Klausuren abhalten. Lobenswert, wenn es anschließend öffentliche Diskussionen bzw. Informationen gäbe.
Die Stadt Graz hat mit diesem Modell auf die Interessen der Wirtschaft Rücksicht genommen; ob es damit gelingt, auch die Gestaltungsqualitäten und die Ansprüche an zukünftige Projekte zu heben, ist noch nicht garantiert. Man hat das Gefühl, dass ein Gestaltungsbeirat eine einfache, klare Lösung bringt, das „Grazer Modell“ aber ein umfangreiches, aber nicht ausgereiftes Konzept bedeutet.
Man hat sich sehr bemüht, die Last wird umso größer.
Stadtrat Rüsch hat auch von der dynamischen Entwicklung der Städte gesprochen und die diesjährige Biennale in Venedig zu diesem Thema erwähnt - auch, dass in Graz bis zum Jahre 2050 bis zu 450.000 Einwohner erwartet werden.
Ein Thema, das heute schon im Grazer Stadtverkehr ungelöst ist und städtebauliche Konsequenzen erfordern würde, die zukunftsrelevant sind und die Gestaltung der Peripherie, die Einbeziehung der Außenbezirke berücksichtigen. Schon Gartler hat vor Jahren die Entstehung von Sekundärzentren überlegt.
Die theoretische städtebauliche Konzeption für die Zukunft ist erforderlich, um die derzeitigen praktischen Entscheidungen nicht ziellos vornehmen zu müssen.
14.12.2006, 21:19
kür wirds keine geben