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26.04.2005, 22:32-Gestaltungsbeirat - die gute Nachricht!

Autor: DI Paul Raspotnig, Salzburg
Die schlechte Nachricht zuerst: ein Gestaltungsbeirat selbst kann nicht die Qualität einer regionalen Baukultur steigern! Und jetzt die gute Nachricht: ein Gestaltungsbeirat kann aber die Qualität einer regionalen Diskussionskultur steigern!
Erst die Disziplinierung einer Diskussions- oder Streitkultur ermöglicht eine sachlichere Auseinandersetzung mit Fragen der Stadtplanung, Baugestaltung oder nach Verfahrensweisen. Eine offene Diskursebene aller am Planungsgeschehen Beteiligter und einem beratenden (und daher zwingend unabhängigen) Gremium ist ein hervorragendes Mittel einer solchen Disziplinierung. Gestaltungsbeiräte unterschiedlichster Modalitäten in ganz Österreich haben das in den letzten beiden Jahrzehnten bewiesen.

Mittlerweile scheint man sich in der Steiermark daran gewöhnt zu haben, Diskussionen erst nach gefällten Entscheidungen im Planungsgeschehen zu führen, uns das zumeist sehr heftig. Ein nicht abgehaltener Wettbewerb, ein schlechtes Architekturprojekt, ungezügelte Investoreninteressen etc. geben berechtigterweise Anlass zu Kritik. Dabei wird nicht nur wertvolles Porzellan zerschlagen, sondern auch enorm viel Energie aufgewendet. Um aber zu einer Steigerung der Planungs- und Baukultur zu kommen, bleibt uns dieser erhöhte Energieeinsatz nicht erspart. Den Zeitpunkt dieses Aufwandes können wir jedoch wählen: die Energien, die in diese Auseinandersetzung fließen, früher zu investieren bringt allen Beteiligten mehr Ertrag - oder mit einfachen Worten: lieber vorher d'rüber reden, als nachher d'rüber streiten. Dafür braucht es aber geregelte Abläufe. Die Installierung eines Beirates (für Architektur, Stadtgestaltung, Baukultur oder wie auch immer) bietet ein solches Procedere. Abgesehen von administrativen Kosten für einen solchen Beirat bleibt die "Energiebilanz" für die Gemeinschaft insgesamt also gleich!

Das Grazer Zögern, dieses Procedere auch zu wählen und ein derartiges Gremium zu installieren, rührt vermutlich aus der mangelnden Bereitschaft, die bestehende Intransparenz und damit heimliche Steuerbarkeit von Verfahren im Planungsgeschehen aufgeben zu wollen. Verständlich, kein Politiker lässt sich seine Kompetenz beschneiden; im äußersten Fall muss er ja auch seinen Kopf hinhalten. Daher werden Befürchtungen vorgeschoben, ein Beirat würde eine Hürde im Bauverfahren und eine Hemmschwelle für Investoren bedeuten. Der Vorteil, sich als Verantwortlicher auf die Meinung, den Rat oder das Gutachten eines Expertengremiums berufen zu können, wird nicht ergriffen. Das Ziel eines jeden Gestaltungsbeirates ist es, schlechte Planungen zu verhindern und gute Planungen zu fördern. Die Verbesserung eines Projektes kommt ja vor allem der Bauherrschaft zugute, auch wenn für diese vordergründig mehr die "Wirtschaftlichkeit" als die Gestaltungsqualität zählt. Der Konflikt zwischen privaten (Investoren-)Interessen und öffentlichem Interesse, das durch Stadtplanung und Baubehörde vertreten wird, ist bei jedem Bauvorhaben zu lösen; für diesen Austragungsort bietet das Instrument Gestaltungsbeirat eine transparente und demokratische Diskursebene zwischen Politik, Verwaltung, Planer- und Bauherrschaft sowie der Öffentlichkeit an.

Natürlich bedarf das Instrument Gestaltungsbeirat eines geregelten Ablaufes, um diese Diskussionskultur auch fruchten zu lassen. Zuständigkeit (Großprojekte, städtebauliche Themen etc.), Bestellungsmodalitäten (Mitgliederzahl, Herkunft, Dauer einer Periode etc.) und rechtliche Verbindlichkeit seiner Stellungsnahmen (Empfehlung, Gutachten etc.) können aber im Laufe des Bestehens eines derartigen Gremiums immer wieder adaptiert werden. Eine Aufgabe der ersten Mitglieder wird auch sein, ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung dieser Rahmenbedingungen einzubringen. Unverändert hingegen sollte der Rückhalt für dieses Instrument seitens der Politik und Verwaltung bleiben. Letztendlich liegt die Entscheidungsverantwortung bei der Baubehörde erster Instanz, den Bürgermeistern bzw. den politischen Ressortleitern, gestützt durch Beschlüsse der Gemeinderäte. Damit sich der "Energieaufwand" für einen Gestaltungsbeirat lohnt, sollten die Ratschläge dieses Expertengremiums von Politik, Verwaltung, Planer- und Bauherrschaft gehört und berücksichtigt werden.

Denn, wenn Sie Schmerzen in der Brust haben, und Ihnen Ihr Arzt rät, das Rauchen aufzugeben, liegt es immer an Ihnen, diesem Rat zu folgen oder nicht. Aber wie wir wissen, sind gerade schlechte Angewohnheiten nur schwer aufzugeben!

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14.09.2005, 18:40+Beiräte, Gremien, Kommisionen



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