Wettbewerbe und/oder Gestaltungsbeirat für Graz?
Die Stadt Graz arbeitet an der Installierung eines Gestaltungsbeirates. Die Wege dorthin brauchen Begriffsklärungen.
_ Der Architekturwettbewerb ist und bleibt das sicherste Qualitätsinstrument für Bauherrn, das beste Projekt zu finden.
Er garantiert Rechtssicherheit und bietet durch die erforderliche Projektvorbereitung eine seriös ausgearbeitete Aufgabenstellung. Eine qualifizierte Jury diskutiert und bewertet die verschiedenen Entwürfe und bestimmt nach festen Regeln das beste Projekt.
_ Der Gestaltungsbeirat soll bei allen Projekten, die durch einen Objektfilter ausgewählt werden, die gestalterische Qualität für die Stadt Graz verpflichtend begutachten. Notwendig wird es sein, nicht nur nach der Größe des Projektes, sondern auch nach der Bedeutung für den Stadtraum zu kategorisieren.
In Schutzzonen nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetz könnten ein Gestaltungsbeirat und Experten der ASVK (Altstadtsachverständigenkommission) die Begutachtung vornehmen. Konkurrenz ist damit ausgeschlossen.
_ Der Gestaltungsbeirat soll kompetent, unbefangen, in größtmöglicher Transparenz, kombiniert mit Öffentlichkeitsarbeit, Vertrauen in die Architekturqualität schaffen. Er soll die Qualität der Bauten und der Räume dazwischen beurteilen. Dies führt zu höherem Bewusstsein für die Herangehensweisen an Planungen und hebt das baukünstlerische Niveau allgemein.
Vorausschauende Beschäftigung des Beirates mit der Stadt und Beratung für gestalterische Fragen verbessert den Boden für Projektentwicklung und Architekturwettbewerbe.
Hier schließt sich der Kreis und es zeigt sich, dass es keinen Widerspruch zwischen Wettbewerb und Gestaltungsbeirat gibt. Der beirat hat zum Ziel, die Qualität der Stadtgestalt zu heben. Diese ist untrennbar mit der Sehnsucht nach Werten in unserer Gesellschaft und der Identifikation mit unserer Stadt verbunden.
Es kann uns nicht egal sein, wie die Stadt aussieht. Darum reicht es nicht, an prominenten Punkten Wettbewerbe durchzuführen und „vorder meiner links rechts“ die Gestaltung der Stadt laufen zu lassen. Es reicht aber auch nicht, nur einige Projekte im Jahr zu begutachten.
Graz braucht daher wieder das Selbstvertrauen und eine Aufbruchstimmung wie wir sie ansatzweise 2003 erkennen konnten. Diese wird sich nicht über blaue Zonen herstellen lassen, sondern über ein Angebot an die GrazerInnen, in einer sozial gestalteten Stadt zu leben.
Ich möchte in einer Stadt leben, in der Gestaltfragen und Architektur ein Thema sind, in der voraus denkende Projektentwicklung und gute Architektur für die Menschen passiert.
Mehr Architekturwettbewerbe und ein Gestaltungsbeirat ebnen den Weg dorthin.
Christian Andexer Architekt
Vorsitzender der Sektion Architekten
Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten.



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