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Donnerstag, 09. September 2010



Diskussion und Kommentare!

Hier können Sie Ihre persönliche Meinung zum Thema "Bauen fürs Feuillton" abgeben und/oder die Beiträge kommentieren.

Offener leserbrief an karin tschavgova

(mit der anregung zur diskussion in der mailinglist)
Von: arch. d.i. jakob dunkl
Betrifft: artikel im presse - spectrum vom 18.2.06 "bauen fürs feuilleton"
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=sp&ressort=S103&id=540027


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12.07.2006, 11:40-Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.Techn

Autor: Alfons Dworsky
Wir wissen, dass es Meilensteine der Architektur gibt, die ihren Zweck nur notdürftig oder garnicht erfüllen.
Wir kennen auch Meilensteine der Architektur, die über Jahrzehnte (Jahrhunderte?) hinweg grandios funktionieren.
Wir kennen Persönlichkeiten, die im Bereich des Pathetischen und Monumentalen faszinierende Bauten erdacht haben, aber deren Wohnbauten nicht wirklich brauchbar oder wünschenswert sind.

Da scheint es zwei Arten von Architektur zu geben:
Die Baukunst und das Bauen.
Ob man diese Unterscheidung treffen soll, nach welchen Kriterien man Projekte in welche Schubladen einsortieren soll, darüber gibt es reiche Literatur, geistreiche Essays u.s.w.
Wenn man nun den Begriff "Baukultur" in die Debatte bringt, ist damit ein dreieckiges Diskussionsfeld ausgespannt, das in diesem Forum kreuz und quer durchpflügt wird.
Man wundere sich nicht, dass es in diesen Furchen keinen Standpunkt geben kann. -Es wäre ein Denkfehler!
Dazu einige Thesen:
Kultur ist ein soziales Konstrukt. Kulturwissenschaften sind Gesellschaftwissenschaften.
Der Begriff Baukultur hat nur im gesellschaftswissenschaftlichen Diskurs Bedeutung.

Kunst ist ein individuelles Produkt, meist einer Person, die sich als KünstlerIn bezeichenet, fühlt, und oder akzeptiert ist.
Baukunst ist immer ein personenbezogenes Produkt,

Alles ist Architektur ( H. Hollein, 60er Jahre)

Reden wir nun über Architektur, über Baukunst oder über Baukultur ?

Können wir heute über Architektur sprechen ohne den Gesellschaftsklatsch mitzumachen, der die "Stararchitekten" umspült ?

Was hat Baukultur mit "res publica" mit einer "kultivierten Öffentlichkeit zu tun ?

Denken wir wirklich klar, oder spekulieren wir nur noch so vor uns herum?

Jonglieren wir nicht mit Scheinproblemen, die nur auf mangelhafte Begriffsverständnissen beruhen?

Angst vor klarem Denken?

Fragt sich A.D.


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20.05.2006, 13:32-Mehr Postwurf als Feuilleton

Autor: Sven Hansen
meiner meinung nach ist die diskussion nicht verfehlt, findet jedoch am falschen "ort" statt.

ich stimme mit anderen threats überein: wie wollen wir (auch in deutschland - wo ich studiere) ein bewusstsein für architektur und baukultur in der gesellschaft wecken? in dt. werden 98% der wohnungsbauten ohne architekten geplant - man muss sich nur mal im internet umschauen, es wird geworben mit "geiz ist geil" und superschnäppchen für häuschen ab 85.000€. es wird geschluckt - genau wie solch unmotivierte "über-einen-kamm-scheren" der ambitionierten architekten. keine frage, architektur als popkultur a la gehry ist der falsche weg. man sollte versuchen in einen dialog mit der gesellschaft zu treten um sie von guter architektue (es versteht sich von selbst, dass diese funktionieren muss!) zu überzeugen. auf der anderen seite (der architekten) geht es wohl eher darum die architekten auf die ansprüche und wünsche der gesellschaft aufmerksam zu machen - weg mit den schrecklichen fertighäuschen von der stange, und aufgepasst mit einer popularisierung der architektur auf kosten des nutzens!

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28.02.2006, 11:27-Durchschnitt als Bodenlurch!

Autor: Johannes Zeininger
Durchschnitt hat gerade in einer Massengesellschaft, die auf das Surogat grenzenloser individueller Freiheit setzt, etwas mievig-anrüchiges. Stars und ewige Jugend zählen. Selbst glaube ich aber, dass Baukultur überhaupt nur über Standards sich definieren läßt und dann kommt der "Durchschnitt" als wunderbar undifferenzierter Begriff wieder ins Spiel.
Grüße in die Runde
Johannes Zeininger

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27.02.2006, 19:26-hallo jakob,

Autor: Wojciech Czaja
sag niemals nie. ganz im gegenteil beobachte ich, dass die "durchschnittsbauten" vielleicht nicht in ihrem ästhetischen auftreten, aber ganz bestimmt in ihrer funktionalität sehr sehr oft unterschätzt werden. dazu müsste man natürlich genauer den begriff des durchschnitts definieren, doch die tatsache, dass dieser begriff in der mailingliste der ig architektur fallen gelassen wird, sortiert die nichtarchitekten und die schlechtarchitekten ohnehin schon ganz von alleine aus. ich wünsche mir zumindest einen hauch mehr vertrauen ins laienvolk!
wojtek

manchmal finden wir ein feuerwerk an funktionalen vorteilen - vereint mit baukultureller leistung.

bei den stars -
bei den "jungen" -
jedoch niemals bei den durchschnittsbauten !!!!!!!!!!
die vorzüge den schwachpunkten gegenüber zu stellen, wäre aufgabe der kritik. der leser würde vielleicht gerade dadurch begreifen, wie umfassend eine architektonische arbeit ist. könnten mit "funktionsmängeln" eventuell besser umgehen.

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27.02.2006, 19:23-ich möchte in diesem kontext schon noch mal eine lanze für den durchschnitt brechen:

Autor: Robert Temel
durchschnitt ist jedenfalls meiner meinung nach keinesfalls gleichbedeutend mit schlechter architektur oder mit fehlenden funktionalen vorteilen - gerade wenn du das beispiel vorarlberg bringst, ist ja klar, dass es hier um einen breiten, guten durchschnitt geht und nicht darum, dass plötzlich die vorarlberger architektur zu 50% aus spitze besteht - das würde sich nämlich mit der definition von spitze schlagen. (wobei angemerkt bleiben muss, dass auch eine einfamilienhaussiedlung von lauter spitzenarchitekten immer noch mit all den unter anderem funktionalen mängeln ausgestattet bleibt, die eine einfamilienhaussiedlung eben so hat...)
und auch die durchschnittlichen gründerzeithäuser in wien, wie auch immer sie sich zu ihrer entstehungszeit dargestellt haben mögen, sind heute u.a. wegen des funktionalen vorteils beliebt, das sie leicht an verschiedene nutzungsgrößen und -typen angepasst werden können - eine eigenschaft, die sie weder mit dem heutigen durchschnitt noch mit dem großteil der heutigen spitze im wohnbau teilen, was zu ihrer beliebtheit
beiträgt.
meiner ansicht nach muss es, neben aller von mir aus ungemein wichtigen spitzenförderung, darum gehen, einen breiten, nochwertigen durchschnitt von architektur zu schaffen - weil nur das würde es erlauben, dass mehr als ein paar privilegierte dieses "feuerwerk an funktionalen vorteilen" nutzen können. diesen hochwertigen durchschnitt gibt es heute bei uns jedenfalls nicht. es muss ja nicht so sein, dass 99% der bauten ohne anspruch sind - nur wenn man immer nur der spitze das wort redet, dann ist ja genau das auch teil des gesamtbildes.
Grüße robert

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27.02.2006, 19:18-viele zogen theaterkritik als vorbild heran. das wäre vergleichsweise so:

Autor: Jakob Dunkl
"...da gab es am theater X ein stück von einem jungen regisseur, das war nicht aufführbar...."
(also kein wort über die vorzüge des stückes....)

"...schlingensief führte jüngst ein stück in wien auf, wo es 800 voranmeldungen gab, aber hinterher doch kaum zahlende besucher...."
(also kein kommentar zum stück selbst)

undifferenziert. ein rundumschlag. keine details. zu einfach. würde nur stimmung gegen theater machen. würde es die leser fürs theater interessieren oder eher vorurteile schüren?

zur architektur zurück:

ja - zaha hadids wohnbau hält wohl nicht, was die hübschen baumassenmodelle versprachen.
ja - tom maynes gebäude hat wohl belichtungsprobleme.

ja - viele bauten weisen funktionsmängel auf.

bei den stars -
bei den "jungen" -
auch bei den bauten ohne anspruch, die zu 99% errichtet werden. gerade da.

manchmal finden wir ein feuerwerk an funktionalen vorteilen - vereint mit baukultureller leistung.

bei den stars -
bei den "jungen" -
jedoch niemals bei den durchschnittsbauten !!!!!!!!!!

die vorzüge den schwachpunkten gegenüber zu stellen, wäre aufgabe der kritik. der leser würde vielleicht gerade dadurch begreifen, wie umfassend eine architektonische arbeit ist. könnten mit "funktionsmängeln" eventuell besser umgehen.

kritik ist erlaubt!
kritik ist notwendig!

aber kritik differenziert. qualifiziert. detailliert - und mit dem blick auf den gesamtzusammenhang.
dann bringt sie uns weiter. uns architekturschaffende. unsere baukultur in österreich.

dennoch -
nachdem bisher seitens der architekturberichterstattung viel gelobt wurde, war für die journalistenszene dieser rundumschlag offensichtlich ein wichtiger befreiungsschlag. öffnet somit hoffentlich die tür zu zukünftig differenzierter kritik.

mit freundlichen grüßen jakob dunkl, querkraft

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27.02.2006, 14:44-architektur versus kunst - ist das jetzt die weiterführende diskussion?

Autor: Alex Hagner
architektur versus kunst - ist das jetzt die weiterführende diskussion? ist nicht teil der selbstgestellten aufgabe der ig-architektur, auch mehr bedürfnis nach baukultur wachzurütteln? wieso jetzt plötzlich so viele rufe nach funktionstüchtigerem bauen aus den eigenen reihen? das mit der forderung nach der "nutzbarkeit" von architektur ist doch einfach selbstverständlich und mir sind auch nicht wirklich viele beispiele bekannt, wo selbst das bauen von noch-nicht-arrivierten-architektenteams zu unzähligen fällen unbrauchbarer architektur geführt hätten - dagegen fallen mir millionenfach beispiele von (auch architekten-) gebäuden ein, die mit sagenhafter bauunkultur zu tun haben! erinnert ihr euch noch an die anstrengungen zum "mehrwert"- aufzeigen?? und nur weil jetzt eine jouralistin über einen bauherren schreibt, der vermietprobleme mit jüngerer architektur hat und ihre entdeckung dieses umstandes mit weiteren problematischen gebäuden anreichert, ist jetzt rückzug angesagt? nach 2005 /"mehrwert" jetzt 2006 /"form-follows-function"? und wie überzeugend klingt ein architekt, der darauf angewiesen ist, lediglich mit der perfekten funktion seiner behälter zu werben - und das auch noch in zeiten reihenweise einstürzender dächer - die markthalle wurde von einem architekten geplant, der bereits ein weiteres eingestürtztes gebäude ersonnen hat (und da hilft auch der verzweifelte verweis auf verantwortliche statiker nichts mehr) - aber das wäre jetzt noch eine weitere baustelle ... bei aller freude über kritischere berichterstattung im architekturgeschehen
- eine demotivierung für bauherren mit architekten zu arbeiten, die mehr wollen als (no na ned) kosten einzuhalten und auch termine und auch, dass man das gebäude benutzen kann - ist einfach wirklich kontraproduktiv! liebe grüße - alex.

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27.02.2006, 12:51-Die derzeitigen Architekturschaffenden sind noch immer geprägt von einer der 80er....

Autor: Michael Wildmann
Die derzeitigen Architekturschaffenden sind noch immer geprägt von einer Zeit der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, als die High-Tech, Dekonstruktivismus und die Postmoderne der Architektur ihren Stempel aufdrückten. Eine Antwort/Gegenbewegung auf den Funktionalismus der Modernisten. Eine Zeit als die Funktion auf biegen und brechen in eine Konstruktion, in eine gebaute Naturkatastrophe oder hinter eine Fassade gequetscht wurden. Eine Zeit, als Fassaden, Bilder und Images wichtiger waren als Funktion. Wir Architekten (und auch die Kritiker) müssen wieder lernen, dass die Architektur nicht nur ein Bild, Idee oder eine Skulptur ist - Architektur hat auch eine Funktion. Darin unterscheidet sich die Architektur im Wesentlichen von der Kunst. Weiters gehören auch noch die Einhaltung des Kostenrahmens und des Fertigstellungstermin zur Architekturqualität. Technisch korrekte Details, Aufbauten etc. sollten so wieso selbstverständlich sein.

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24.02.2006, 18:53-liebe karin, liebe andere freunde von der presse,

Autor: Christian Aulinger
verzeiht mir wenn ich im folgenden wahrscheinlich jeweils falsch zitiere oder die falschen zitiere, hat sich einfach zu schnell zu viel angesammelt und wenn man die zunft der schreiberInnen anscheinend am richtigen fuß erwischt, dann kommt folgerichtig viel wort in kurzer zeit zusammen.
(großartig, aber ich hab also den faden etwas verloren)
ich möchte nur auf ein paar stichworte hin etwas beitragen, das große bild schaffe ich nicht mehr.
(wenn wir uns vorweg alle einander zugestehen irgendwie wehleidig, eitel, halbwissend und befindlich sein zu dürfen, dann könnten wir wirklich einmal richtig diskutieren)
ich denke karin hat recht. also eben überhaupt nicht.
wird tatsächlich so viel für das feuilleton gebaut, oder findet gerade eine bestimmte architektur leichter den weg dorthin?
oder liegt es nicht überhaupt an der undenkbarkeit, dass architektur einer gewissen provenienz den weg ins feuilleton NICHT finden könnte.
es steht ja nicht unbegrenzt platz zur verfügung und die nachfrage nach architektur im feuilleton ist sicher auch endenwollend.
feuilleton und feuilletontaugliche architektur bilden dann doch ein henne-ei system.
stichwort systemkritik. wunderbar.
das bedeutet eben alle teile und teilnehmer eines systems kritisch zu hinterfragen. und das system "architektur und öffentlichkeit" besteht halt nur zu einem bruchteil aus der essenz architektur und zu vielen teilen aus all den facetten, die jetzt (völlig zu recht - aber bisher unbemerkt?) von den schreiberInnen beklagt werden. also nachtelefonierende nervensägen genauso wie hochprofessionelle quasi PR abteilungen mancher büros, sym- und antipathie, freundschaften und kriechschaften, information und partizipation.
ein lieblingszitat (von g.domenig - eigentlich ja auch kein geheimarbeiter): "die coops veröffentlichen ihre bauten ja schon bevor sie sie überhaupt entworfen haben". system?
zu architektur und funktion:
preisfrage: von welchem architekten stammt das zitat: "die funktion ist der tod der architektur"
(tip: der kollege meint tatsächlich was er sagt und findet und fand im feuilleton einen, manchmal auch kritischen, jedenfalls aber kongenialen partner).
wenn also die funktion- besser: das funktionieren eines gebäudes wieder stärker in die architekturbesprechung einfließen sollen, so empfinde ich dies als architekt sowohl als positiv, wie auch als überfällig.
(und weil mir das bornierte naserümpfen mancher - meist zugleich feuilletonbewohner - kollegen als antwort auf die ach so spießige funktionsfrage wahnsinnig auf den wecker geht)
aber dann bitte nicht als gelegenheitshandlung.
und ruft nicht ein wochenende nach mehr pragmatismus, am nächsten nach mehr visionärem mut und am ende des tages nach traditionellutopischem. je nachdem wessen geist kindes das gerade befeierte oder befeuerte werk ist.
den roten haltungsfaden finde ich auch bei den meisten von mir wirklich hochgeschätzten autorInnen nur schwer- liegt vielleicht in der natur der sache, woche für woche brauchbares produzieren zu müssen/wollen.
(ich meine übrigens in diesem zusammenhang nicht die ambuvalenz der schreiberszene in sich, sondern die ambivalenz vieler schreiber an sich)
natürlich brauchen (und wollen- ja tatsächlich) wir architekten ("die architektur"?) mehr, direktere, bösere, fundiertere, hinterfragendere, komplexere kritik (und unsere wehleidigkeit ist hier völlig menschlich durchschnittlich, also ausreichend vorhanden, also etwa dort wo auch die eure liegt). wir archis werden es aushalten (müssen) - aber haltet ihr es aus, aus dem "feuilletonarchitektur-system" auszubrechen?
liebe grüße
christian aulinger

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24.02.2006, 17:06-an die rege Diskutierenden:

Autor: Karin Tschavgova
Das Wochenende steht vor der Tür, wahrscheinlich ist es eines mit Sauwetter (bitte, das ist keine Verunglimpfung oder gehässige Attacke!) aber dieses Wetter ermöglicht ein "es sich zu Hause gemütlich machen". Als Lesestoff möchte ich aus aktuellem Anlass die vielen Texte zum Verhältnis von Architektur und Öffentlichkeit (und den Verständigungsschwierigkeiten zwischen Architekten und Laien) von Riklef Rambow empfehlen. R.R. ist ein Soziologe, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt und an der TU Cottbus Architektursoziologie lehrt. Sehr viele seiner Analysen findet man als Volltext im Netz - tolle Sache. Ein schönes Wochenende wünscht Karin Tschavgova

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24.02.2006, 13:04-Meineserachtens gibt es noch eine wichtige Frage...

Autor: Georg Winter
Meineserachtens gibt es noch eine wichtige Frage, der nach der Verantwortung.
Gegenüber dem Menschen, der Stadt, dem Ort, da das gebaute große Wirkungen hat. Ist Architektur aber nur Selbstbeweihreicherung, so hat es in
öffentlichen Publikationen auch nichts verloren.
LG, Georg Winter

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24.02.2006, 9:58-offensichtlich ist die diskussion voll im gange.....

Autor: martin wölfl
offensichtlich ist die diskussion voll im gange -aber welche? über architektur und die berichterstattung darüber. Und der zweite teil
ist in der durch medien geprägte teil offensichtlich ebenso wichtig wie
der erste teil. Daher lautet meine antwort :
für mich ist der artikel von karin tschavgova im ansatz unkorrekt: er
verallgemeinert -wenn auch nur durch unterlassungen. Und das ist nahrung
für all die jenen typisch österreichischen neider, die ihren
bildungshorizont mit kurier und presse lesen alleine definieren und
weitergehende auseinnandersetzung mit dem thema als vergeudete zeit betrachten. dazu haben sie ja ihr vorurteil: es ist eine schutzbehauptung für ihre bequemlichkeit. und eines dieser heißt: moderne architektur ist unbequem, unpraktisch, zu teuer, von beginn an ein sanierungsfall.
Klar, auch das kommt vor.
Sowieso planen schon seit geraumer zeit zb auch österreichische prizkerpreiträger voll an der nutzung und funktionalität vorbei - und
kaum ein/e journalistIn hat es öffentlich genannt. Und da kommt der zweite kritikpunkt: gibt es das beschriebene gebäude und hat es diese fehler: dann her mit den namen, damit wir davon lernen können. sie nicht zu nennen ist hofberichterstattung und läßt die kritischen ansätze als befindlichleit des augenblicks demnächst in vergessenheit geraten.
Und zum dritten: hat es auch gute seiten, das gute stück architektur
- ist es zb. gelungene skulptur mit gediegenen städtebaulichen konzept
oder sonst baukünstlerisch bemerkenswert? durch das nicht-bewerten wird unterschwellig das oben genannte vorurteil bestens bedient - ist nicht ein mal der rede wert, was die da an kunst- und kulturansprüche
formulieren, hab ich eh immer gesagt, was die so reden, wenn der tag lang ist...

Bei mir bleibt da leider der eindruck zurück, dass wieder ein oberflächlicher artikel eine duftmarke setzten wollte und sich dabei um
nichts von den kritisierten architekten unterscheidet.

Aber er hat seine gute seite auch: die entfachte diskussion zeigt, es ist zeit, über qualität zu reden. öffentlich, wir brauchen uns dabei
nicht zu verstecken, alle argumente auf den tisch, transparenz in der
diskussion ist die garantie, dass auch das interesse von laien geweckt
werden wird. dieses thema geht uns alle an.
Lg. martin wölfl, baukünstler

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23.02.2006, 18:56-lieber robert (temel),

Autor: Maja Lorbek
lieber robert (temel), das sind in der tat wichtige fragen, die frage nach der ruckkopplung zwischen planenden und nutzerInnen einerseits und die frage nach effizienter zeitgemässer partizipation andererseits.

warum ich persönlich in bezug auf partizipation vorsichtig bin: ich habe
letztes jahr eine genossenschaftlervollversammlung im vorfeld einer thermischer sanierung bei sozialbau (genossenschaft) erlebt.
so etwas hat m.e. keinen sinn. und eine so egoistische ansammlung von
einzelinteressen zu sehen, das eigentlich eine solidarische genossenschaft hätte sein sollen, war schon etwas schockierend. (es ging darum, ob nun 8 cm oder 10 cm eps darauf gepappt werden soll, und darum, den bewohnern von stiege XX, die keine balkone hat, und welche wollen, diese balkone zu verhindern. weil man eben mitzahlen hätte mussen, selber habe man ja balkon/loggia. es ging um wirklich geringfügige beträge, gemessen an der gesamtmiete. das dabei die gesamte genossentschaftliche anlage aufgewertet wäre, und somit eventueller künftiger leerstand verhindert werden konnte, so etwas war der sozialbau klar, aber nicht den genossenschaftlern...nicht zu vergessen, erneuerung/sanierung der anlage und thermische sanierung sind grosszügig von stadt wien bzw. steuerzahler subventioniert!)die schwierigkeit mit partizipation ist: etwas banal ausgedrückt: wenn man eine wohnung (oder haus) genau nach vorstellungen eines nutzers konzipiert, und dieser nutzer / nutzerin unreflektierte mainstreamvorstellungen hat, dann ist das, was herauskommt, keine weiterentwicklung, vielmehr eine festschreibung eines einzelwunsches,
auch des mainstreams. (das ist auch das dekadente an den einfamilienhäusern) das ist aber auch der fall wenn unsere eigene generation unreflektiert auf basis der moderne weiterarbeitet und die eigene entwicklung dabei
nicht kritisch und analytisch betrachtet.
darum ist der gebrauch bzw. das, was jesko fezer "räumliche aneignung"
nennt, umso wichtiger bzw. ein wichtiger begriff.
an dieser stelle eine empfehlung (ein buch, das zurecht auch den preis für das schönste buch 2004 gewonnen hat) (nicht an dich, robert, weiss eh' dass du das kennst, an die mitleser!) http://www.bbooks.de/verlag/HierEntsteht/index.h-
tml. (er stellt auch die wichige frage, ob partizipation nicht eigentlich eine neue neoliberale regierungstechnik ist)jede noch so definitive funktionszuweisung kann vom nutzer auch negiert werden. (so gab es in frankfurt am main auch menschen, die trotz wirklich kaum vorhandener freier fläche esstische und stühle in die frankfurter küche hineinstopften, weil sie einfach eine wohnküche gewohnt waren)beispiel: wenn ich merke, das bewohner ganz viel am balkon abstellen, kann ich bald erkennen, dass die wohnungen sehr knapp bemessen sind, das die abstellfläche fehlt etc. wenn ich analyse räumlicher aneignung anwende, dann könnten im endeffekt objektivierte erkenntnise über neue anforderungen, neue funktionen des
gebauten das resultat sein. das ist eine mögliche strategie für die
ruckkoppelung. ich sehe die nutzerInnen als autonome subjekte und nicht als arme architektenopfer.
trotzdem finde ich es wichtig, wenn auch jenseits unmittelbarer wünsche/bedürfnisse auch ganz neue konzepte enstehen würden bzw. wenn man auf basis der vorarbeit der generationen vor uns die bereits konzipierten felder weiterentwickelt. der "gebrauch" für uns kann auch die analytische aneignung der konzepte, die die generationen vor uns entwickelt haben, sein. (hild und k und der grundriss von aalto) insofern ist die arbeit von splitterwerk analytisch, wenn am dogma der moderne (ornamentverbot) gearbeitet wird. neue nutzungen sind komplexen prozessen der integration in den alltag unterworfen und nie einfach. umso wichtiger finde ich deshalb das forschen, also arbeiten etwas abseits von zeitlichen und ökonomischen drucks der unmittelbaren realisierung. daher ist die forderung von spath und kohoutek nach mehr forschung und weniger wettbewerbe (im letzten umbau) sehr gut und zu unterstützen.

im übrigen gibt es noch eine andere mies anekdote, auch beteiligt der
gute zigarrenrauchende herr, eine andere bauherrin von mies, ein anderes
haus....(haus tugendhat) auch die wurde gefragt, kann man darin überhaupt wohnen?
"In der Zeitschrift /Die Form /wurde von dem Kritiker Justus Bier eine
Kontroverse über Wohl und Wehe des modernen Wohnens angezettelt. „Kann man im Haus Tugendhat wohnen?“ warf Bier bewußt provokativ auf. Sie habe
die Räume „nie als pathetisch empfunden“, konterte Grete Tugendhat,
„wohl aber als streng und groß – jedoch in einem Sinn, der nicht erdrückt, sondern befreit.“
und auch hier im brünn/brno gab es skurrilste räumliche aneignung. als peter blake das haus in den 60igern besuchte, (kommunisten nutzten
es als kinderheim), war gerade turnunterricht im wohnzimmer zugange.
(ich habe in einer zeitschrift sogar ein foto davon) echt war, man stelle sich vor: die berühmte gekrümmte onyxwand und davor turnende kinder!

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23.02.2006, 17:06-ich will mich jetzt nicht in die diskussion einschalten, ob so ein artikel gut oder schlecht ist...

Autor: Robert Temel
ich will mich jetzt nicht in die diskussion einschalten, ob so ein artikel gut oder schlecht ist - ich finde ihn durchaus in ordnung, bleibt eher im allgemeinen, aber das ist irgendwie klar bei der thematik - ich würde auch nichts davon halten, jetzt reihenweise "schlechte architekten" zu outen. aber das problem liegt doch woanders als bei ev. fehlentwicklungen bei einzelbauten, sondern eher grundsätzlich darin, wie die rückkopplung zwischen architektInnen und nutzerInnen aussieht. und was an diesen zwei polen jeweils die entscheidenden kriterien sind. und wie es zu einer vermittlung und einem austausch zwischen diesen kriterienpools kommen kann. das mag bei einem einfamilienhaus noch (mehr oder weniger) simpel scheinen, aber sobald sich zwischen diese beiden pole (meist notwendigerweise) dutzende akteure schalten, wirds immer schwieriger. ein ansatz in diese richtung mit wenig effekt (abgesehen von herausragenden einzelbauten) war das experiment partizipation in den
70ern und 80ern, bei architekten gewöhnlich äußerst unbeliebt. maja
meint, in bezug auf direkte partizipation wäre sie vorsichtig, aber welche mittel gibts stattdessen für diese rückkopplung? das wäre eine
interessante frage! wenn es bei architektur, wie gesagt wurde, um
weiterentwicklung von grundrissen, materialien, funktionskonzepten,
typologien geht, dann muss es für diese weiterentwicklung doch auch
irgendein feedback geben, oder? oder reicht dafür die bestätigung durch
den nächsten auftrag? (und umgekehrt.)
grüße robert

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23.02.2006, 16:56-Baukultur lebt vom kritischen Diskurs.....

Autor: Volker Dienst
Baukultur lebt vom kritischen Diskurs – das Zensieren kritischer Sichtweisen und Zuspachteln schöngefärbter Fassaden wäre daher weniger „ein Schuss ins Knie“ (Jakob), sondern in den Kopf der Baukultur! In diesem Sinne darf ich der erhitzten Diskussion eins drauf setzen und die Veranstaltungen zum entfachten Diskurs ankündigen:
Am Dienstag, 7. März um 19.00h im Zumtobel Staff Lichtforum (Jasomirgottstr. 3-5, 1010 Wien) werden im Rahmen der architektur in progress – Vortragsreihe „Junge Architektur“
SPLITTERWERK im Gespräch mit Paul Ott
ihre aktuellen Projekte präsentieren. „Im Zeitalter von Icons und Marken zählt das Bild mehr als das Ding dahinter.“(Karin Tschavgova). Ob „Schwarzer-“ oder „Grüner Laubfrosch“, ob „Orangerie“ - wir kennen diese Objekte ausschließlich aus Hochglanzpublikationen durch die Linse des Fotografen Paul Ott. Grund Genug für architektur in progress die Rolle des Fotografen und dessen Sicht der Dinge in einer Doppelconférence mit dem Architekturlabel SPLITTERWERK zu hinterleuchten.

Karin Tschavgova, Jakob, Maja, Ute, Manuela, Wojciech und alle InteressentInnen sind eingeladen die Diskussion mit den Betroffenen zum Thema „Bauen fürs Feuilleton“ live zu führen! Ich hoffe auf zahlreiches Erscheinen - diese Diskussion hätte schon längst geführt werden müssen!

Und am 8. März folgt im AzW um 19.00h Teil 2 im Rahmen der Ausstellungseröffnung zur Sao Paolo Biennale in Form einer Diskussionsveranstaltung mit Angelika Fitz wo der vielzitierte Bauherr X einmal selbst zu Wort kommen wird.
DI Volker Dienst
architektur in progress
http://www.architektur-inprogress.at

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23.02.2006, 15:22-Es ist schön einen so spannenden Diskurs aus meiner Exheimat zu verfolgen....

Autor: wolfgang kurtz
Es ist schön einen so spannenden Diskurs aus meiner Exheimat zu verfolgen, auch darum vermisse ich Wien...

...aber warum machen wir die debatte nicht wirklich öffentlich? nicht versteckt hinter der registrierung der i.g. so ein bißchen für insider. mein wunsch ist, daß zu diesem thema alle mitreden können, architekten pro und contra, bauherren, nutzer, betroffene. nichtdabeis und adabeis. vielleicht meldet sich der geheimnisvolle mister X zu wort.

Eine öffentliche Diskussion wäre wirklich sehr bereichernd und vermutlich würde uns Planer der Blickwinkel von außen gut tun!

läßt sich ein öffenliches online-forum auf der website einrichten?

Es fragt sich nur, ob die Ig- Website die richtige Plattform dafür ist (denn hier verirren sich eben wirklich genau nur wir "Insider".
Und das ist es ja was die Architekturkritik in den Medien (und zwar in der ganzen ungefilterten Bandbreite des Journalismus) so wichtig macht.
Gerade Artikel wie der von Karin Tschavgova haben aus meiner Sicht die nötige öffentliche Reichweite um einer Diskussion auch weitreichende Wirkungskraft zu verleihen.
Ein Idealfall von "Zweibahnstraßen- Journalismus" ist meiner Meinung nach das Konzept des Onlinestandards, wo Leser direkt mit ihrer Meinung zur Diskussion beitragen können. Offene Diskussion ist also möglich!
Wäre der Artikel im Standard erschienen, dann hätten wir genau die von Heinz Wondra geforderte Öffentlichkeit. Nur müssen wir Planer uns eben auch auf die Ebene der Allgemeinheit einlassen. Es wäre interessant zu wissen ob all die Stimmen der Architektenschaft sich auch dort so engagiert zu Wort gemeldet hätten?
Grüße nach Österreich
Wofgang Kurtz

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23.02.2006, 14:54-oliver elser hat den artikel sehr sachlich kritisiert

Autor: Maja Lorbek
ich finde, oliver elser hat den artikel sehr sachlich kritisiert. und im grunde nur gesagt, dass karin tschavgova schärfer sein könnte, und dass österreichische "szene" geschont blieb.
und man sieht, dass oliver elser berliner ist, und manches sehr direkt ausspricht.
es gehört leider zu österreichischen tradition, andeutungen zu machen oder hinter dem rücken zu meckern, statt sich der direkten konfrontation zu stellen.

(ich bin ja auch nicht besser, slowenen sind halt von charakter her eher assimiliert...)
insofern hat m.e. auch ein journalist das recht, kollegen zu kritisieren, und dies auch öffentlich.

ad uniqa haus und oliver elsers meinung:
ich fand den beitrag von oliver elser auch sehr gut, vor allem, weil die problematik der spanne zwischen darstellung und realisierung angesprochen wurde.
bei "bauten für die "ökonomie der aufmerksamkeit"/ feuilleton" spielen renderings eine sehr grosse rolle.
in welchem masse erfolgt die rezeption der architektur von coop himmelblau über renderings und wie viel über fotos von realisierten bauten?

und noch ein thema, das bei uniqa angesprochen wurde:
dass wir künftig vor allem mit dem gebäudebestand zu tun haben werden, warum wird hier eine tragfähige struktur entsorgt?
weil eben die ästhetik von lippert nicht mehr den wunschen des gebäudeeigentümers entspricht?
das ist jedenfalls aus sicht der nachhaltigkeit sehr problematisch, wenn nämlich die obszoleszenz eines gebäudes aufgrund der stil und imagefrage entschieden wird.
(zumal ja bei uniqa / lippert ja ein spektakuläres umbauprojekt von tschappeller/wallraff existiert.)

und ausserdem fand ich die diskussion über nazi architektur in zusammenhang mit dem hitlerzimmer, die oliver im profil angezettelt hat, wichtig und informativ und auch bezeichnend (weichsmann/tabor...usw)

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23.02.2006, 14:06-DANKE!! Florian Macke..

Autor: Ewald Onzek
DANKE!!
Florian Macke mir scheint auch, dass hier die angst regiert.
architekzur ist BAUKUNST in als solche eben nicht perfekt (sprich tot).
wenn z.bsp. ein künstlerisch aussergewöhnliches fresco abblättert wird doch dadurch der künstlerische aspekt nicht geschmälert.
die figuren der sixtina bekamen höschen, weil sie zu nackt waren, und das farnsworth-house bekam halt vorhänge. auch ok. wo ist der unterschied?

funktionen haben hier beide kunstwerke!
wenn ein architekt einen auftrag bekommt, und permanent mit dem auftraggeber in kommunikatoin steht, wird das ergebnis letztendlich ein gemeinsamens sein und somit auch von beiden getragen werden können.
ich kann frau farnsworth nicht verstehen, dass sie mies beauftragt, ihm offensichtlich freie hand gibt und dann mit ihm prozessiert.
was da dahintersteht wissen wohl nur die beiden protagonisten selbst. wir sollten unsere fantasie für andere dinge verwenden.

starke frauen und starke architektur haben eines gemeinsam:
sie müssen wesentlich mehr leisten für dieselbe anerkennung und akzeptanz.

ich finde, dass die kritiker mit denjenigen architekten strenger sein sollten, die sich weder was trauen, noch probieren:
die architektursache eben nicht vorantreiben; und mit den auftraggebern, welche nicht über den tellerrand schauen wollen.

ewald onzek architekt

ps: zur benützbarkeit von architektur:
jeder raum muss erst einmal erobert werden, ganz egal welcher qualität!

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23.02.2006, 13:56-herr x ....

Autor: Ute Woltron
herr x ist uns allen ja eh bekannt.

auch die geschichte des hauses usw. oliver, du hast sogar eine sehr lobende geschichte darüber gemacht, merke ich jetzt einmal an.....

allerdings:
dieses eine büro herauszuklauben und öffentlich zu vernichten, wäre echt eine sauerei. die kriegen nie wieder einen auftrag.

also, karin, auch das gut gemacht, finde ich.

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23.02.2006, 13:12-ich bin gespalten....

Autor: Florian Macke
ich bin gespalten. einerseits finde ich den artikel kontraproduktiv und reaktionär und die kritik von jakob dunkel absolut berechtigt. andererseits beobachte ich mich, wie ich selbst manchmal ähnlich wie die autorin argumentiere: die angst vorm architekten sitzt oft so tief, dass es gelegentlich opportun erscheint, den dienstleistungsaspekt gegenüber dem gestaltungswillen hervorzuheben.
es ist halt wie immer eine frages des kontextes: wenn man interne kritik zum gegenstand der öffentlichen auseinandersetzung macht, wird's problematisch. wenn eine architektin (?) anfängt mies mies zu machen, hat sie entweder etwas nicht verstanden oder benutzt die vorurteile des laien, um daraus publizistisches kapital zu schlagen.
was meiner meinung nach im artikel und in der diskussion zu kurz kommt, ist die definition von architektur als baukunst, und eben nicht als reine dienstleistung. als architekt muss ich das, was ich mache, nicht nur vor dem bauherrn (und vielen anderen), sondern auch vor mir verantworten können. das ist letztlich eine frage des eigenen anspruchs, die jeder für sich entscheiden muss.
florian macke

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23.02.2006, 13:12-hallo i.g.architektur:

Autor: Heinz Wondra
bauen fürs feuilleton, endlich eine diskussion, die zur sache geht. ich sehe keine nestbeschmutzung, denn jeder vogel scheißt über den rand des nestes und getroffen wird, wer darunter steht, pech gehabt. aber warum machen wir die debatte nicht wirklich öffentlich? nicht versteckt hinter der registrierung der i.g. so ein bißchen für insider. mein wunsch ist, daß zu diesem thema alle mitreden können, architekten pro und contra, bauherren, nutzer, betroffene. nichtdabeis und adabeis. vielleicht meldet sich der geheimnisvolle mister X zu wort.

läßt sich ein öffenliches online-forum auf der website einrichten?

liebe grüße wondra

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23.02.2006, 12:52-Lieber Oliver Elser

Autor: Roland Kanfer
Lieber Oliver Elser,

Als Journalist über eine Kollegin öffentlich herzuziehen, ist nicht gerade die feine englische Art!
Ich wünsche Ihnen (und uns) "zahnreiche" Artikel von Ihnen (im Profil oder woanders), die sich nicht nur auf die ästhetischen Kritierien von Architektur beschränken, sondern vielleicht auch einmal wirtschaftliche, technische und gesellschaftspolitische Hintergründe kritisch hinterfragt.
In der österreichischen Medienlandschaft soll das ja manchmal nicht so einfach sein (ich denke da an Ihren Artikel über das Uniqa-Haus, den hinterher Dietmar Steiner korrigieren musste (Raiffeisen?)
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die hehre Architektenschaft weniger dünnhäutig und wehleidig sein sollte, sondern zur Kenntnis nehmen muss, dass Architektur nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern eine Dienstleistung ist, und dass Medien die Aufgabe haben, im Sinne der Leser und nicht der Architekten zu berichten- auch wenns manchmal weh tut! In diesem Sinn ist der Artikel in der Presse meinem Geschmack nach noch viel zu weich und unkonkret.
Nennung von Namen hätte ihm gut getan -so, jetzt habe ich mich auch dazu hinreißen lassen, eine Kollegin öffentlich anzuschwärzen- sorry!

In der Hoffnung auf mehr Courage und Selbstvertrauen und weniger Wehleidigkeit und Nabelbeschau der Architekten!
Mit freundlichen Grüßen

Roland Kanfer
Bau & Immobilien Report
www.report.at/bau

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23.02.2006, 12:09-Auch für den Fall jetzt die Euphorie der Kritik zu zerstören..

Autor: Manuela Hötzl
Auch für den Fall jetzt die Euphorie der Kritik zu zerstören - es ist nicht so, dass der Artikel ein "Meilenstein" der Kritik wäre - nur die Sensibilität scheint plötzlich dafür entstanden. Nicht zuletzt deswegen, weil hier in Österreich recht viel gebaut wird - von sagen wir mal, guten, und veröffentlichkeitswürdigen Architekten und Bauten.
Wir sind aber, nicht zuletzt wegen der aktuellen Lage der großen Öffentlichkeit von fragwürdigen Verfahren und Wettbewerben, beeinflusst, dass man in der Vielfalt, die es eben gibt, nicht mehr gewohnt ist, Projekte und Bauten WIRKLICH zu diskutieren.
Alles ist auf das Endergebnis - oder den Anfängen (Verfahren) reduziert.
Das dazwischen, die Projekte und Entwürfe, die im Moment in Massen produziert werden, sind nicht mehr existent in den Medien und der Szene.
Noch zu Zeiten des Museumsquartiers war es anders - man denke an die Debatte um das Pauhof Projekt.

Oder ganz aktuell:
In Graz der Kastner&Öhler Wettbewerb hat ein äußerst diskussionswürdiges Projekt - meiner Meinung nach von Dietger Wissounig - hervorgebracht.

Der von Karin Tschavgova angesprochene Mut des Bauherrn ist äußerst fragwürdig und überhaupt ein schreckliches Adjektiv für Bauherrn die sich an bekannte(ere) Architekten wenden - und veröffentlichungsfähige Architektur wollen.
Das wollen sie nämlich. Das der "Markt" dann nicht so kaufkräftig reagiert, wie die Presse, scheint sie zu erstaunen.
Sagt aber nicht grundsätzlich etwas über die Qualität der Architektur aus. Manchmal schon, und manchmal nicht.

Deswegen, ist es nicht nur wichtig, sich grundsätzlich zur Kritik zu bekennen, und sie auch anzuerkennen - denn Kritik gab es ausreichend. Das ist nicht neu.
Die Frage ist - und da tut sich ein weites Feld auf – wie genau man hinschauen lernt und Architektur bewertet.
Mies und Mayne zu vergleichen, finde ich äußerst fragwürdig – obwohl ähnliche Motivationen des Bauherrn oberflächig betrachtet da sind – die Ergebnisse und Erkenntnisse für die Architektur sind ja wohl GANZ anders zu bewerten ....
Aber wie auch immer - zwischen Modeerscheinungen und grundsätzlichen Konzepten zur Architektur - ist ein großer Unterschied.

Vielleicht aber wirklich ein guter Grund in Zukunft genauer hinzusehen - zu entwerfen – zu schreiben - und zu lesen.

Manuela Hötzl

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23.02.2006, 12:08-ich stimme den meisten kommentaren vollinhaltlich zu ......

Autor: arch. d.i. gerd erhartt
ich stimme den meisten kommentaren vollinhaltlich zu und sehe kritschen journalismus als unverzichtbaren teil der baukultur - umso mehr wünsche ich mir konkrete kritik !

geliefert wurde die bestärkung eines vorhandenen vorurteils.

der aufhänger war, soweit ich mich erinnere, ein junges architekurbüo, dass mit seinem projekt in die hochglanzmedien kommt und der auftraggeber kann seine wohnungen nicht verkaufen.

entweder es gibt diesen fall, dann sollte der auch konkret benannt werden um eine replik und eine offene diskussion über qualitäten zu ermöglichen.

oder es gibt diesen fall nicht, dann bedient er nur ein klischee.
her mit der diskussion !
mit freundlichen grüßen,
arch. d.i. gerd erhartt, querkraft

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23.02.2006, 11:02-So viel Wind um einen Text

Autor: Oliver Elser
Puh, so viel Wind um einen Text, der insofern tatsächlich "zahnlos" ist, weil

1. zu Beginn über "Herrn X." schwradroniert wird (er heißt doch nicht Herr B.? - das wäre *echt* schade...)
2. sämtliche weiteren Beispiele dem bekannten Muster folgen, nur dann bei der Kritik etwas konkreter zu werden, wenn die Architekten entweder schon tot sind (Mies) oder ihren Lebensschwerpunkt nicht in Österreich haben (Mayne, Hadid). Bekanntes Muster? Ich denke an süffige Verrisse des Grazer Kunsthauses. Sehr zu Recht, aber ich behaupte mal, dass kein österreichischer Architekt derart rangenommen worden wäre.

Jetzt, wo ich's fast abgeschickt hätte, lese ich den Beitrag von DI Markus Bogensberger (10:33 Uhr).

Hat recht, konkret ist's mir auch am Liebsten. Heißt ja nicht, exzessiv über Bauschäden zu schreiben:
Fehlannahmen, was in der Architektur möglich ist und was nicht oder nur unter gigantischen Anstrengungen ("dynamisch", "monolithisch", "schwebend", "abstrakte Kiste" etc.) sind bereits ein lohnendes Feld. Daraus entwickeln sich vielleicht Kriterien, die eine Diskussion wirklich voranbringen.

Beste Grüße
Oliver Elser

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23.02.2006, 10:56-Des Kaisers neue Kleider

Autor: Martin Summer
Des Kaisers neue Kleider
von Hans Christian Andersen

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, daß er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jede Stunde des Tages, und ebenso wie man von einem König sagte, er ist im Rat, so sagte man hier immer: “Der Kaiser ist in der Garderobe!”

In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tag kamen viele Fremde an, und eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, daß sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

‘Das wären ja prächtige Kleider’, dachte der Kaiser; wenn ich solche hätte, könnte ich ja dahinterkommen, welche Männer in meinem Reiche zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen, ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!’ Er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen sollten.

Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein.

‘Nun möchte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!’ dachte der Kaiser, aber es war ihm beklommen zumute, wenn er daran dachte, daß keiner, der dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es sehen könne. Er glaubte zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen andern senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei.

‘Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden’, dachte der Kaiser, er kann am besten beurteilen, wie der Stoff sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner versieht sein Amt besser als er!’

Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten. ‘Gott behüte uns!’ dachte der alte Minister und riß die Augen auf. ‘Ich kann ja nichts erblicken!’ Aber das sagte er nicht.

Beide Betrüger baten ihn näher zu treten und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Stuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen aufzureißen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. ‘Herr Gott’, dachte er, sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!’

“Nun, Sie sagen nichts dazu?” fragte der eine von den Webern.

“Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst!” antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. “Dieses Muster und diese Farben! - Ja, ich werde dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt!”

“Nun, das freut uns!” sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister merkte gut auf, damit er dasselbe sagen könne, wenn er zum Kaiser zurückkomme, und das tat er auch.

Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold zum Weben. Sie steckten alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher an den leeren Stühlen zu arbeiten.

Der Kaiser sandte bald wieder einen anderen tüchtigen Staatsmann hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stehe und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm aber gerade wie dem ersten, er guckte und guckte; weil aber außer dem Webstuhl nichts da war, so konnte er nichts sehen.

“Ist das nicht ein ganz besonders prächtiges und hübsches Stück Zeug?” fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, das gar nicht da war.

‘Dumm bin ich nicht’, dachte der Mann; es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge! Das wäre seltsam genug, aber das muß man sich nicht merken lassen!’ Daher lobte er das Zeug, das er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. “Ja, es ist ganz allerliebst!” sagte er zum Kaiser.

Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge. Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhl sei. Mit einer ganzen Schar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Staatsmänner waren, die schon früher dagewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser oder Faden.

“Ja, ist das nicht prächtig?” sagten die beiden ehrlichen Staatsmänner. “Wollen Eure Majestät sehen, welches Muster, welche Farben?” und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die andern das Zeug wohl sehen könnten.

‘Was!’ dachte der Kaiser; ich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte.’ “Oh, es ist sehr hübsch”, sagte er; “es hat meinen allerhöchsten Beifall!” und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl; er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, was er mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus als alle die andern, aber sie sagten gleich wie der Kaiser: “Oh, das ist hübsch!” und sie rieten ihm, diese neuen prächtigen Kleider das erste Mal bei dem großen Feste, das bevorstand, zu tragen.

“Es ist herrlich, niedlich, ausgezeichnet!” ging es von Mund zu Mund, und man schien allerseits innig erfreut darüber. Der Kaiser verlieh jedem der Betrüger ein Ritterkreuz, um es in das Knopfloch zu hängen, und den Titel Hofweber.

Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem das Fest stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten sechzehn Lichte angezündet, damit man sie auch recht gut bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertigzumachen. Sie taten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl nähmen, sie schnitten in die Luft mit großen Scheren, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: “Sieh, nun sind die Kleider fertig!”

Der Kaiser mit seinen vornehmsten Beamten kam selbst, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade, als ob sie etwas hielten, und sagten: “Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist das Kleid, hier ist der Mantel!” und so weiter. “Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!”

“Ja!” sagten alle Beamten, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.

“Belieben Eure Kaiserliche Majestät Ihre Kleider abzulegen”, sagten die Betrüger, “so wollen wir Ihnen die neuen hier vor dem großen Spiegel anziehen!”

Der Kaiser legte seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm ein jedes Stück der neuen Kleider anzogen, die fertig genäht sein sollten, und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel.

“Ei, wie gut sie kleiden, wie herrlich sie sitzen!” sagten alle. “Welches Muster, welche Farben! Das ist ein kostbarer Anzug!” -

“Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, der über Eurer Majestät getragen werden soll!” meldete der Oberzeremonienmeister.

“Seht, ich bin ja fertig!” sagte der Kaiser. “Sitzt es nicht gut?” und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel; denn es sollte scheinen, als ob er seine Kleider recht betrachte.

Die Kammerherren, die das Recht hatten, die Schleppe zu tragen, griffen mit den Händen gegen den Fußboden, als ob sie die Schleppe aufhöben, sie gingen und taten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten.

So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: “Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!” Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese.

“Aber er hat ja gar nichts an!” sagte endlich ein kleines Kind. “Hört die Stimme der Unschuld!” sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

“Aber er hat ja gar nichts an!” rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ‘Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

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23.02.2006, 10:51-Ein qualifizierter Diskurs ist sicherlich der Lebensnerv einer....

Autor: Markus Bogensberger
Ein qualifizierter Diskurs ist sicherlich der Lebensnerv einer hochqualitativen Architekturproduktion.

Der diskutierte Artikel trägt allerdings meiner Meinung nach kaum zu einem solchen bei.

Wer ist Herr X bitte sehr?

Welche Rolle hat er im Entstehungsprozess gespielt (Diese Frage stellt sich auch bei allen weiteren erwähnten Bauwerken – besonders dem Hadid Projekt)?

In dieser Form kann keine produktive Diskussion geführt werden, sondern nur – wie Jakob Dunkl richtig befürchtet – das unartikulierte und dumpfe Misstrauen gegenüber Architekten und deren Leistungen verstärkt werden.

"I pointed out to him [Mies] that it [a glass house] was impossible because you had to have rooms, and that meant solid walls up against the glass, which ruined the whole point.

Mies said, 'I think it can be done.'"

- Philip Johnson, speaking at a symposium held at the School of Architecture, Columbia University, 1961
Markus Bogensberger

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23.02.2006, 10:51-seit beginn dieser diskussion beschäftigt mich erneut die frage:

Autor: Alexander Hagner
seit beginn dieser diskussion beschäftigt mich erneut die frage: ist z.b. der dachausbau der coops in der falkestraße ein gutes oder schlechtes projekt? gebaute (!) architektur ist immer eine summe unzähliger kompromisslösungen,
- und dazu in fast 100% der fälle auch noch ein prototyp.
das klingt kompliziert - ist es auch!
eine bereits gefallene feststellung könnte das jetzt aber wieder
vereinfachen: "architektur ist eine disziplin, die von den geldgebern lebt ..." da ist also auch gleich die lösung:
betrachten wir uns ganz einfach als anwälte der bauherren, als lupenreine dienstleister an der sache im sinne des auftraggebers.
schon ist zumindest klar, zu welchen und zu wessen gunsten alle kompromisse zu entscheiden sind - damit wird unsere arbeit sicher leichter. einzig störend: der mir so wichtige aspekt der selbstverwirklichung ist weg. meine selbstdefinition, auch ein bischen künstler zu sein, sollte ich dann natürlich auch endgültig aufgeben - war aber eh immer nur heimlich. aber wird es auch so einfach sein, das experimentieren aufzugeben, das streben nach und entwickeln von kleinen erfindungen? und wie schwer wird es fallen, unseren übergeordneten kulturellen anspruch zugunsten bauherrnorientierten funktionsgarantien gelegentlich auch einmal häufiger auszuschalten? wobei sich bei diesen fragen dann eine noch viel wesentlichere aufdrängt: will überhaupt irgendjemand vom architekten mehr als dienstleistung? falls nein, würde ich hier ganz öffentlich austreten.

es ist eh wahnsinnig schwierig, gerade privaten bauherren für ihr letztes erspartes einzureden, dasss sie etwas brauchen bzw. anders brauchen oder auch garnicht brauchen, von dem sie bislang das gegenteil geglaubt hatten. nach diesem artikel wird es wohl noch schwerer. und dennoch schätze ich diese öffentliche kritik an "noch nicht arrivierten architektenteams" wie auch an der "anerkannten vorbildarchitektur", da es hoffentlich wirklich die eingeschlafene architekturberichterstattung zu beleben vermag.
erfordert es eben noch mehr mut und kraft, das eigene knowhow zu überdehnen um den viel interessanteren weg als den des erpropten und herkömmlichen zu gehen.

und noch zum bedürfniss eines jouralistischen feedbacks:
klar freut man sich, wenn bei viel input und meist ungleich hohem finanziellen output wenigstens darüber gesprochen, berichtet und abgebildet wird - nur eines glaube ich nicht: dass der überwiegende beweggrund für irgendeine umsetzung von architektur die aussicht auf abbildung im feuillton ist - da nehmen sich die architekten der schreibenden zunft wohl etwas zu ernst.
viel spaß bei der arbeit - alex.

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23.02.2006, 10:22-Also, ich finde den Presse-Artikel von K. Tschavgova keineswegs problematisch...

Autor: Peter Hudritsch
Also, ich finde den Presse-Artikel von K. Tschavgova keineswegs problematisch hinsichtlich der Entwicklung von Architektur und Baukultur. Im Gegenteil, er war längst überfällig, höchst notwendig und kann der Diskussion nur nützen! Endlich zeigt jemand öffentlich auf, dass sich sog. architektonischer Mehrwert nicht nur auf formale Kriterien beschränken darf, wie das meist auch in den Rezensionen unserer Fach(?)zeitschriften geschieht. Und es geht vor allem nicht an, dass manche Architekturschaffende - nicht selten aus der noch jungen ig-a-Generation kommend - in penetranter Selbstüberschätzung selbst zu bestimmen glauben, was nun als qualitativ hochwertig im Sinne der Baukultur zu gelten habe (offenbar jedenfalls alles, was sie selbst produziert).
A R C H I T E K T + S V
Dipl.-Ing. PETER HUDRITSCH

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23.02.2006, 10:21-Lieber Jakob Dunkl,

Autor: Johannes Zeininger
man kann nicht vorschreiben wo was wie diskutiert werden soll, nur wo man selber will, mitdiskutieren. Das Thema ist jedenfalls spannend. Besonders dort, wo in der Architektur der Ruf nach Marktkonformität immer lauter tönt. Architektur als Label um Quote zu machen, wo dann der Marktwert den Gebrauchswert bei weiten übersteigt. Zu überprüfen zB. an einem Wohnbau in der Schlachthausgasse am Standort des ehemaligen Mautner-Markhof-Kinderspitals.
Grüße Johannes Zeininger

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23.02.2006, 10:21-soll nun über die engagierten architekten scharf kritisiert werden ?

Autor: Ewald Onzek
soll nun über die engagierten architekten scharf kritisiert werden mit weniger lobdudelei an die sache herangegangen werden? - oder wird endlich auch eine scharfe feder gegen jene "architekturschaffenden" geführt, die nicht zweimal über irgendetwas nachdenken, sondern nur auf altbewährtes und dodelsicheres bauen bauen? es ist klar und wahr, dass engagement nicht nur erstklassiges hervorbringt. aber die möglichkeiten hiefür steigen mit engagement exponentiell. wenn die bewusstseinsbildung des bauherrn für raum und die gestaltung desselben einmal erwacht ist, wird der bauherr zur befruchtensten quelle der kritik, auf die wir hören sollten.
zum erfolg gehört mitunter auch das glorreiche scheitern!

ich bin sehr froh, dass dieses thema aufgebrochen ist, und in zukunft nicht immer die gleiche szene bedient werden wird.....
oder war das doch anders gemeint?

ewald onzek

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23.02.2006, 8:39-Lieber Jakob Dunkl, liebe IG Architektur,

Autor: Fabian Wallmüller
im Gegensatz zu Dunkls Bemerkungen halte ich Karin Tschavgovas Artikel für einen jener Textbeiträge, den gerade ein Feuilleton, das sich kritisch mit Architektur auseinander setzten will, unbedingt nötig hat. Dies zum einen, weil zu einer qualitätsvollen Berichterstattung auch kritische Distanz gehört, die, das wird gerne vergessen, selbstverständlich auch negativ ausfallen kann. Zum anderen, da sich der Artikel selbst auf dem hohen Niveau bewegt, problematische Aspekte gegenwärtiger Architekturproduktion nicht nur zu erkennen, sondern auch die Grenzen der eigenen Kritik zu sehen. Zweifelsfrei, und das drückt der letzte Satz des Artikels wohl am besten aus, ist es Tschavgova beileibe nicht darum getan, qualitätsvolle Architektur zu diskreditieren; es wird also eben nicht alles in einen Topf geworfen. Und die Schreiberin weiß auch, wo ihre Kritik nicht – oder umgekehrt: am besten angebracht ist, nämlich in einem Medium, welches ebenso wie seine Leserschaft Architekturkritik als Diskurs an der Sache begreift.

Dunkls Kommentar musste kommen. Sollte seine Meinung innerhalb der hiesigen Architektenschaft mehrheitsfähig sein, wäre nicht nur erwiesen, dass die Architekten dieses Landes die Leserschaft einer hochqualitativen Wochenendbeilage für zu blöd, oder zumindest für zu wenig qualifiziert halten, um an einem ethischen Diskurs teilzunehmen, den die Architektur in der Tat heute mehr als nötig hat. Es würde sich auch zeigen, dass Architekten heute nicht mehr die Courage haben, divergierende Auffassungen öffentlich – und auf hohem Niveau – zur Diskussion zu stellen. Sind wir denn Schrebergartenmentalitäten, deren Horizont jenseits der eigenen Gartenzwergkultur endet?

Lieber Jakob Dunkl: Kleingeist ist kein Rezept, um die Baukultur dieses Landes zu heben. Architektur ohne Diskurs gibt es nicht.
Fabian Wallmüller

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22.02.2006, 21:25-Ich sehe den Artikel als eine absolut positive Entwicklung der Architekturkritik...

Autor: Jakob Rosenauer
Ich sehe den Artikel als eine absolut positive Entwicklung der Architekturkritik – eine Emanzipation von der reinen Berichtertattung!!

Unter Architekturinteressierten – weniger unter Architekturschaffenden -
hat sich der Unmut über die affirmative Architekturkritik in letzter Zeit tatsächlich gehäuft bis hin zum Begriff der „Kritik in der Krise“. Ich habe schon oft gehört, dass der Eindruck vorherrscht, die
Architekturkritik im Feuilleton wäre der verlängerte Arm der PR von Architekten.

Ich glaube das Beispiel der Theaterkritik ist sehr treffend. – Es ist davon auszugehen, dass es keinem Theaterkritiker um die Vernichtung des
Theaters sondern im Gegenteil um ein wechselseitiges Befruchten geht.
Begeisterungsstürme können ebenso wie Verrisse die Folge sein.

Im Bereich der Architektur war bisher davon auszugehen, dass sich die
Kritik im Feuilleton nicht negativ, sondern schlechtestenfalls deskriptiv
verhielt. Erinnert an das Chouchesku Rumänien, wo auch in den härtesten
Wintern die Temperatur offiziell nie unter -4° gefallen ist um zu
untermauern, dass jeder genug zum Heizen hätte?

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass der Vorwurf der bewussten Instrumentalisierung der Kritiker durch das Füttern mit
„Neuigkeiten“, Schrillem und weniger dem Stillen existiert. Die Kritik
kann nur gewinnen, wenn ihr auch zugemutet werden darf, tatsächlich zu
urteilen.

Der Ruf nach der Einstellung von kritischer Kritik ist also völlig kontraproduktiv – Kritik an der Leine der Architekten bzw. der Bauindustrie ist fad und leicht durchschaubar. Würde ich von der Architekturkritik auf die anderen Artikeln des Feuilletons schließen, so könnte man zur Auffassung kommen, dass es sich jeweils um nicht gekennzeichnete Anzeigen der Verlagsverbände, der Galeristenverbände und der Bundestheater AG handeln könnte. Keine andere der Kritik „ausgesetzte“ Sparte würde sich einen derart instrumentalisierten Umgang gefallen
lassen. Also: Schluss mit fad und Beginn einer ernsthaften differenzierten und kontroversiellen Auseinandersetzung. Es können nur alle gewinnen!
Jakob Rosenauer

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22.02.2006, 19:39-Es ist ein Fehler!

Autor: Manuela Hötzl
Es ist ein Fehler!
Nicht dass es Spaß macht, dauernd der kritische Kritiker zu sein - die Sehnsucht nach Überraschungen, durchdachten Konzepten - und ja auch Ideologien - kommt für mich ohnehin viel zu selten vor - dennoch: eine Szene die nicht in jeder Form (und auf jeder Plattform) kritikfähig ist, ist eine schwache, provinzielle Szene - und wird schlussendlich nicht ernst genommen. Von niemandem.

Und obwohl jeder Vergleich hinkt: Ein regelmäßiger Beitrag zum Thema Theater - das immer nur die Guten hervorhebt, ist doch sowohl für die Produzenten wie die Rezipienten todlangweilig. Und überhaupt der Tod. Und PR Journalismus

So kommen wir alle nicht weiter. Das heißt aber nicht, dass man dauernd "gut" und "schlecht" gegenüberstellt - sondern eben eine möglichst differenzierte Kritik, die auch debattierbar ist.

Schon allein, damit man nicht schon wieder über einen "Wettbewerb, Verfahren etc" reden muss - das sollte für uns alle eine Erholung sein und ist der Architektur in jeder Weise genauso dienlich.

Das nach diesem Artikel in der Presse (und egal welcher Meinung man ist) die Architektenschaft sich über "Kritik an sich" beschwert, sollte als Befindlichkeit und Wesenszug der Szene nicht unbeachtet bleiben.

Manuela Hötzl

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22.02.2006, 19:39-...............................

Autor: wojtek czaja
in der regel halte ich mich zwecks wahrung der parteilosigkeit und objektivität aus diesem diskussionsforum (ig-mailinglist, Anm.) raus, aber die sache kommt richtig in fahrt, daher mein schattensprung:
architektur ist eine disziplin, die von den geldgebern lebt. die sache ist ganz einfach: kein bauherr - keine architektur. manchmal greift man sich an den kopf, mit welcher wertlosigkeit und mit welcher ungeschätztheit vor allem natürlich private bauherren - und seien es auch die ahnunglosen mausgraubauenden - behandelt werden. originalität? skulpturalität? städtebauliche qualität? wenn architektur ihre ureigentliche aufgabe (nämlich das FUNKTIONIEREN) nicht erfüllt, dann erfüllt sie auch ihren sinn und zweck nicht. mitunter für den architekten, aber für den bauherrn gewiss nicht. und genau davon handelt die kritik am "bauen fürs feuilleton".
bauen ist für den privatmann und die privatfrau eine schweineteure angelegenheit, das ist nun mal eine tatsache der gesamten baubranche. etwas respekt wäre daher angebracht, zumal die gesamte "szene" in ihrer anfänglichen konstellation - wir alle wissen, unter welchen kriterien und in welchen abhängigkeiten sich ein junges architekturbüro formiert - einpacken könnte.
wojtek czaja

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22.02.2006, 18:35-ich bin total bei karin tschavgova! ...

Autor: Ute Woltron
ich bin total bei karin tschavgova! jedes wort ein treffer!

in wirklichkeit reißen sich viele architekturschreiber mit natürlich unterschiedlichem erfolg für die architektur den arsch auf. das muss niemand gesondert würdigen, weil das unser job ist.

es wird auch stets und ständig die verschandelung der gegend mit un-architektur gegeißelt. von journalistInnen, durchaus! aufklärungsarbeit will man hier leisten, von nicht-architekten kann man sich dafür regelmäßig prügeln lassen. das könnt ihr natürlich nicht wissen, ist aber wieder teil unseres jobs und part of the deal, also auch nicht der rede wert.

wo sind aber die architekten, wenn's um anliegen abseits ihrer eigenen geht?? wenn es nicht um wettbewerbe, honorare usw (alles wichtigwichtigwichtig, wir wissen, wir schreiben, wir bemühen uns) geht? wooooooo bittesehr? dass der öffentliche kampfesmut eure sache nicht ist, ist auch uns klar, weil wir vertun uns im gegensatz zu euch keine aufträge, wenn wir frech sind.

nervös macht mich nur der ansatz, dass wir schreiberlinge offenbar langsam als PR-schackeln der architektur erachtet werden. sind wir eine sekte? ich trete sofort öffentlich aus!

tatsächlich werden die architekten vom feuilleton so gut wie immer mit sammethandschuhen angefasst. über das grässliche, das auch ihr - ja, ganz sicher - gelegentlich baut, schreibt man eher nicht, weil man ja keinen schaden anrichten will, der "szene" nicht abträglich sein will.

ich halte das langsam für einen gravierenden fehler.

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22.02.2006, 17:07-Lieber Jakob Dunkl,

Autor: Karin Tschavgova
mit meiner Antwort will ich gerne zur Diskussion beitragen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was mein Artikel bewirken wird, habe jedoch meine anfänglichen Bedenken, dass so ein Beitrag „in die falsche Kehle kommt“, um Architekten oder heutige Architektur generell zu verunglimpfen, beiseite gelegt. Warum, das will ich gerne erläutern.

Vorweg: Ich sehe mich als Architekturvermittlerin und meine Aufgabe in der Tagespresse daher in erster Linie im Erklären der Vorzüge guter, gut gemachter Architektur an Beispielen (was mir früher manchmal von Architektenkollegen den Vorwurf „zahnloser“ Kritik eingebracht hat). Ich glaube dennoch ganz und gar nicht, dass mein letzter, kritischer Artikel in der Presse für die Entwicklung der Architektur problematisch ist. Nicht zuletzt durch meine langjährige Arbeit als Architekturvermittlerin, bei der ich mit (an Architektur interessierten) Laien zu tun habe, bin ich zur Überzeugung gelangt, dass dem Verständnis und der Offenheit gegenüber zeitgenössischer Architektur und Architekten nicht dient, wer undifferenziert schönschreibt und so tut, als gäbe es bei zeitgenössischer Architektur von Architekten keine Fehler, Schwächen, Irrtümer. Man sollte nie annehmen, dass ein (interessierter) Laie Schwächen, Fehler, Irrtümer an Bauten nicht erkennen oder zumindest spüren kann. Das Verschweigen von Unzulänglichkeiten in Beiträgen über Bauten und Bauen führt dazu, dass Menschen, die eigene Erfahrungen mit diesen Bauten machen, ihre Empfindungen und ihre Bedürfnisse in diesen nicht wiederfinden und sich für blöd verkauft vorkommen. Aus der Kluft zwischen dem Geschriebenen und dem real Empfundenen entsteht Enttäuschung auch über das Geschriebene (!), das die eigenen Erfahrungen des Nutzers nicht nur ignoriert, sondern ihm in letzter Konsequenz ja auch abspricht, wenn angeblich eh alles so super ist. Daraus entsteht dann leider ein tiefsitzendes Misstrauen oder sogar eine pauschalierende, undifferenzierte Ablehnung der Architektur und der Architekten.

Einen Schuss ins Knie geben sich die Architekten selbst, wenn sie verlangen, dass in der Nicht-Fachpresse kein offenes oder kritisches Wort zur heutigen Architekturproduktion geschrieben werden darf. Meine Arbeit als Architekturvermittlerin sehe ich darin, die Menschen genau schauen zu lehren, ihre Offenheit und Toleranz durch das (Auf-)Zeigen von qualitätvoller Architektur zu fördern, um sie letztlich urteilsfähig und mündig werden zu lassen. Dazu gehört Differenziertheit und Offenheit auch von meiner (unserer) Seite.

Zuletzt noch ein Gedankenanstoss an dich, lieber Jakob Dunkl und an die Architekten, die zu recht unter dem schlechten Image der Architekten leiden.

Wie erklärt ihr, dass es - trotz so starker medialer Präsenz von zeitgenössischer Architektur und Architektenarbeit, trotz so vieler Vermittlungsinitiativen - nicht gelingt, das Image der Architekten in der Bevölkerung zu heben, dass sich das von Architekten geplante Bauvolumen nicht signifikant vergrößert? Der Architektenberuf steht in der Liste der 60 angesehendsten Berufe an vorletzter Stelle, die Rolle, die die Gesellschaft den Architekten zugesteht, ist marginal (nicht einmal in der Falter-Bestenliste der 100 „Bösen“ kommt ein Architekt vor) An der zu geringen Publizität kann’s meiner Meinung nach nicht liegen. Vielleicht hat es doch etwas mit (medialer) Schönfärberei zu tun, mit der sich beim Nutzer/Laien keine Identifikation, kein Interesse und keine Vorurteilslosigkeit einstellt. Ich kann nur jedem Architeken den Rat geben, zum Thema analytische Aufsätze des (so weit mir bekannt ist einzigen) Architektursoziologen Riklef Rambow zu lesen.

Mit herzlichen Grüßen (weil mir die Architektur auch eine Herzensangelegenheit ist)

Karin Tschavgova



P.S. Wer mich und mein Engagement bzw. meine Artikel z.B. die eingestellten anGedacht’s auf www.gat.st kennt, der weiß, dass ich beim Kampf gegen „die kulturloseVerbauung unseres Landes“ immer dabei bin. Das eine Engagement schließt das andere jedoch nicht aus. Ich bin auch dafür, dass in Fachmedien endlich kritisch publiziert wird.

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22.02.2006, 15:55-ich finde den artikel gar nicht problematisch....

Autor: Maja Lorbek
ich finde den artikel gar nicht problematisch.
und es ist nicht die aufgabe der journalisten, den ruf der architekten zu schützen. schlechte planung, unrealistische kostenschätzungen und das überwälzen technischer lösungen an die ausführenden firmen sind einfach auch teil der realität. (durch verschweigen von atsachen lösen sich probleme keinesfalls in der luft aus...)

jedenfalls finde ich es begrüssenswert, dass eine diskussion angezettelt wurde.ich finde es auch gut, wenn man kritisch schreibt, bzw. zumindest analysiert, warum keine kritischen töne platz finden.

auch für uns, die "generation ig" wäre eine kritische analyse notwendig, sowohl innerhalb der szene, aber auch von aussen. viele feststellungen werner sewings in "next generation. neue deutsche architektur" , treffen auch auf uns zu. insbesondere der pragmatismus, das selbstverständnis als dienstleister, auch die vermeidung politischer haltungen und klarer ideologien. (ich merke dazu an, dass ideologie für mich niemals als negativum zu verstehen ist, sondern immer als reflektierte kollektive eigenpositionierung. wird im übrigen auch vom zizek so gesehen)

das vom jakob zitierte graue mainstream, das ohne architekten geplant wurde: ist halt tausendfach erprobt und möglichst schadensfrei und eben auch gewissermassen anonym und nutzungsneutral konzipiert. auch das hat seinen platz. schicke hüllen, die massgeschneidert geschaffen wurden für den
efh-bauer: sind nun mal schicke hüllen und oft nicht viel mehr. (und dass efh ökologisch höchst problematisch sind, dass wurde von mir schon oft genug betont) ich kann manchmal mehr städtebauliche qualität in den kritischen artikeln von reinhard seiss entdecken als in so manch skulptural / urbanistisch geschickt platziertem bau.
was den farnsworth haus betrifft - das könnte man schon etwas differenzierter sehen: die "heroische moderne"* experimentierte mit
techniken und materialien, und antizipierte somit spätere technologische entwicklungen. werner sobek entwickelte sein glashaus (sein eigenes "haus sobek") quasi als "behagliches" farnsworth haus, in direkter referenz.
http://www.archplus.net/archiv_artikel.php?show=194

darin sehe ich persönlich auch einer der wesentlichen aufgaben für architekturschaffende: (in der tradition der moderne) weiterarbeit an der grundrissarbeit, ausloten von grenzen der materialien und technologien, postulieren und formulieren neuer funktioneller konzepte und notwendigen technologien, weiterentwicklung der typologie, arbeit an der kostenreduktion von gebäuden durch neuorganisation der bauindustrie...usw.
gebrauch / gebrauchspuren: dem kann ich nur zustimmen: wäre schön, wenn man in fotos auch nutzer und nutzerinnen zeigen könnte,
alterungsprozesse und gebrauchspuren. patina ist auch etwas schönes, poetisches. gebrauch ist ein wichtiger indikator der nutzung, eine sehr wichtige orientierung. ablesbare partizipation. (in bezug auf direkte
partizipation bin ich ziemlich vorsichtig.)

und dann auch in bezug auf presse / journalisten. im übrigen ist höchste vorsicht in hinblick auf zurufe in richtung "presse" notwendig.
(für die erbärmliche medienkonzentration und lifestyleausrichtung der presse in österreich können sind am allerwenigsten die journalisten
verantwortlich. dass geht wohl auch uns als bürger und konsumenten was an!) auch wenn ich die meinung von unterberger über die flachdächer für unqualifiziert halte: hat mich die aufregung darüber ein wenig gestört, insbesondere der kündigungsaufruf. das tagebuch von unterberger ist einfach eine persönliche kolumne, und dass ist immer subjektive meinung. das recht auf seine eigene meinung hat er eben, auch wenn wir seine ansichten über flachdächer und architekten nicht teilen freie meinungsäusserung ist eben sehr wichtig.

* heroische moderne: mies ist ja für die smithsons ja einer der akteure par excellence. und ja, farnsworth house datiert weit jenseits der magischen grenze 1929, die die smithsons als das ende der heroischen moderne gesetzt haben.

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22.02.2006, 16:57+ich zitiere dich liebe maja:



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