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Alte und junge Bäume ertrinken – zum Beispiel in der Nähe des Augartenstegs, ...
©: Elisabeth Kabelis-Lechner

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Kommentar
MINUS – Grazer Bäume ertrinken

Die Errichtung des Grazer Murkraftwerks und der damit einhergehende Bau des zentralen Speicherkanals haben den Murufern bis ins Stadtzentrum stark zugesetzt. Tausende Bäume wurden geschlägert. Und nun drohen die noch stehen gebliebenen Bäume zu ertrinken. Ab Höhe der Augartenbucht in Richtung Süden stehen auf beiden Uferseiten die meisten Bäume mit dem Stamm im Wasser oder unmittelbar am Wasserrand.
Viele Bäume sind bereits tot, kippen, zerbrechen und treiben als Totholz ab. Manche sind an Gurte festgebunden (!), vielleicht um sie dadurch am Abtreiben zu hindern. Viele Stämme wurden bereits auf halber Höhe oder knapp über dem Wasser abgesägt. Wenn die Bäume bis jetzt noch nicht abgestorben sind, so werden sie das in absehbarer Zeit sein.
Sehr bald werden die Ufer nahezu baumlos sein und für Menschen und Tiere einen trostlosen Lebensraum Mur darstellen. Daran werden auch die (wenigen) Nachpflanzungen nichts ändern.  
Das "grüne Band" der Mur mit den (einst) tausenden mächtigen Au-Bäumen, das Jahrzehnte das Grazer Stadtbild prägte, werden wir bald nur mehr auf alten Ansichten bzw. in dem Buch Die Mur in Graz- das grüne Band (Hrsg. Johannes Gepp) betrachten können.  

Hauptsache, die Stadt Graz wird europäische Vorzeige-Stadt für Klimainnovationen, indem sie u.a. ankündigt „sensationelle“ 800 neue Bäume pro Jahr zu pflanzen.

Da kann man sich schon ein wenig gepflanzt fühlen.

Verfasser / in:

Elisabeth Kabelis-Lechner

Datum:

Thu 28/01/2021

Kommentare

Siegfried Nagl hat sich mit

Siegfried Nagl hat sich mit dem Murkraftwerk und dem Speicherkanal ein Denkmal gesetzt. Die Zeiten ändern sich allerdings so schnell, dass sogar er noch einsehen wird, wie rückschrittlich und verantwortungslos diese Bauten waren. Gut möglich, dass er auch noch ihren Rückbau erlebt.

graz war früher mal eine

graz war früher mal eine lebenswerte durchgrünte stadt mit weltberühmter grazer schule.
heute betonwüste, aneinanderreihung häßlicher firlefanz klötze im ostblockdesign.
bevölkerungswachstum um jeden preis macht es möglich. warum sollen sich die bauträger anstrengen wenn eh jede scheußlichkeit verkauft wird?
eben.

Der Baum an der Mur

Ja, es gibt ihn noch! Am Ende der Sturzgasse knapp oberhalb des neuen Stegs steht er, der stehen gebliebene, alte Birnbaum mit seiner weit ausladenden Krone. Wie das kleine Wohnhaus daneben ist er durch eine Betonmauer vor Überflutung geschützt; so erinnert das Ganze an einen Koog oder Polder mit Deich im Wattenmeer. Daneben der großzügige asphaltierte Radweg, dann gleich der steile Uferdamm, dann die gestaute Mur. Von einer Absturzsicherung keine Rede - vielleicht soll man hier wirklich in die Mur "Sturz"en? Von etwaigen neu gepflanzten Bäumen an dieser Stelle und auch weiter "stau-abwärts" Richtung Kraftwerk ebenfalls keine Spur; es ist ja kein Platz dafür übrig geblieben. Schade, dass ich hier kein Foto unterbringen kann.
Das ist jetzt keine Antwort auf die Frage, ob hier nicht strafbares Handeln oder Unterlassen vorliegt, sondern nur ein Hinweis auf das echte Ausmaß des Baummords an unserer Mur.

Steigt nicht Wut auf?

"... sich ein wenig gepflanzt fühlen" ist wohl zu milde ausgedrückt, selbst als Sarkasmus. Wütend müsste man sein, Schadensersatz-Forderungen und Haftungsklagen müssten wir als kritische Stadtbewohner*innen aufstellen. All jenen gegenüber, die Fachleute und Warner*innen, die das kommen gesehen haben, verhöhnten, der Lüge bezichtigten, verfolgten und mit Klage bedrohten.
Im Dezember 2016 schrieb ich im Feuilleton "Spectrum" der „Die Presse“ zum geplanten Kraftwerk: "Das Sachprogramm "Grünes Netz Graz", das die Maßnahmen und Ziele für die städtischen Grünräume zusammenfasst und im Sachprogramm Grünraum per Gemeinderatsbeschluss festgelegt ist, wurde in die Begutachtung der UVP nicht eingeschlossen, ja nicht einmal erwähnt." Der erste Satz meines letzten Absatzes lautete: "Was zählt, ist, dass die Stadt mit der dichten Uferbepflanzung einen sie charakterisierenden, erhaltenswerten Landschaftsraum verlieren wird."
Die Folge meines damaligen Artikels, der aufwändig recherchiert war, ausschließlich auf auch in der UVP getroffenen Aussagen basierte und als Abschluss, deutlich gekennzeichnet, mein Resümee der Recherche ausdrückte:
Die Energie Steiermark ließ ihren Pressesprecher bei der Presse intervenieren, weil ich in Doppelfunktion agierte. "Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Frau Karin Tschavgova derzeit in Graz in einer Doppelfunktion agiert? Einerseits tritt sie u.a. gegenüber Behörden als Redaktionsmitglied der Tageszeitung „Die Presse“ auf und fordert Informationen ein, andererseits ist sie Mitglied des Personenkomitees gegen die Errichtung des Murkraftwerks. (siehe Anhang).“ Abgesehen davon, dass ich nie als Redaktionsmitglied auftrat, wenn ich Informationen erbeten habe, sondern mich immer als freie Journalistin vorstelle, frage ich, was mir damals vorzuwerfen war. Die Reaktion des Herausgebers Rainer Novak möchte ich den Leser*innen nicht vorenthalten, weil sie deutlich macht, welche Abhängigkeiten und Netzwerke zu Entscheidungen führen, die weitreichend sind, ja ruf- und berufsschädigend sein können. Der Auftrag des Chefredakteurs an die Spectrum-Redaktion lautete kurz: "Bitte sofort abstellen, dass die Person sich als Presse-Mitarbeiterin ausgibt. Sonst müssen wir rechtlich gegen sie vorgehen." Zu diesem Zeitpunkt durfte ich bereits das 17. Jahr als freie Journalistin auf der Architektur & Design-Seite schreiben (lange vor der Bestellung des Chefredakteurs). Eine Klarstellung, dass ich mich nie als Redaktionsmitglied vorgestellt habe, reichte damals aus, um die Sache zu beenden, aber: So wird Druck ausgeübt, der andere, die in größeren Abhängigkeiten stehen, vielleicht dazu führt, keine brisanten Vorkommnisse und Geschichten mehr zu thematisieren.
Ich konnte das verkraften, obwohl es mich ärgerte und kränkte, weil genau die freien Schreiber*innen im „Spectrum“ weitreichend die Qualität dieser Tageszeitung ausmachen. Die nun absterbenden Bäume am Murufer - diese umweltpolitische Schande, die jeder sehen kann - konnten den Maßnahmen für den Bau des Kraftwerks nicht standhalten.

Infobox

MINUS – Grazer Bäume ertrinken

Tod durch zu viel Wasser – ein (geplanter) Kollateralschaden durch das Aufstauen der Mur

Kommentar von Elisabeth Kabelis-Lechner

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