"Zwischen Skandal und Akzeptanz" Der Umgang mit moderner Kunst und Architektur in Graz

Oder über das Ineinandergreifen von Kunst, Architektur, Stadt und Lebensraum

Der Kommentar bezieht sich auf eine Diskussion im Stadtparkpavillon zum Thema: "Zwischen Skandal und Akzeptanz? Der Umgang mit moderner Architektur und Kunst in Graz", initiert vom Verein CLIO, Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit am 16.07.2003. Es diskutierten: Karin Tschavgova (Architekturkritikerin), Markus Wilfling (Künstler) und Harald Korschelt (FPÖ-Gemeinderat)

Gleich vorweg: Beiden - Skandal und Akzeptanz - gemeinsam ist, dass man eigentlich nicht darüber spricht und dass es wenig davon gibt.
Und wenn, dann stehen sie meist in direktem Zusammenhang, denn aufsehenserregende Ärgernisse, Skandale also, werden häufig aufgrund fehlender Akzeptanz öffentlich gemacht.

Ausgehend vom seinerzeit von manchen als "Verschandelung" empfundenen "rostigen Nagel im Stadtpark" (Ein Kunstwerk von Serge Spitzer, an dessen richtigen Namen sich niemand mehr erinnert) spannt sich der Bogen über die bekannten Beispiele "Lichtschwert vor der Oper" (Hartmut Skerbisch), gedacht als temporäres Kunstwerk, das dann doch bleiben durfte bis zum nunmehr diskutierten "Uhrturmschatten", das eigentlich "Schattenobjekt Uhrturm" heisst und von Markus Wilfling stammt.
Die Praxis, dass temporär konzipierte Kunstwerke schliesslich doch bleiben, hat mit der Veröffentlichung, dass der Schatten des Uhrturms nach Seiersberg wandern soll, mittlerweile eine positive Konnotation erhalten, denn es bereitet berechtigt Unbehagen, dass der Schatten des Identifikationszeichens der Stadt zukünftig ausgerechnet an jenem Ort stehen soll, der dem Zentrum wesentliche Energien abzieht. Im Kontext der geführten Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stadt und den Problemen, die sich mit dem nicht aufrechtzuerhaltenden Gefüge der Kernstädte und dem daraus resultierenden Ausfließen der Städte in unbestimmte Richtungen ergibt, ist die Versetzung des "Schattenobjektes Uhrturm" eigentlich eine Provokation. Oder ein Skandal?

Eine Anregung kam aus dem Publikum: Auch seinerzeit haben Bürger den Uhrturm letztendlich durch Freikaufen vor der Schleifung durch Napoleon gerettet.
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war Graz bekannt als Stadt der Bürgerinitiativen und auch gegen den "rostigen Nagel" gab es eine.
"Der Uhrturm gehörte der Grazer Bürgerschaft als ihr einziges Eigen am sonst landesfürstlichen Schlossberg. Der Turm hieß deshalb früher auch Bürger- oder Magistratsturm."
(Quelle: Peter Laukhardt, "Der Grazer Schloßberg" [Weltkulturerbe im Sturm der Zeit], Verlag für Sammler, Graz 2000)

Aber: Sind Bürgerinitiativen im 21. Jahrhundert noch adäquat, wenn sie, so wie die zur Erhaltung der Thalia lapidar vom Tisch gefegt werden...

Verfasser/in:
ute angeringer
"Kommentar"

Datum:

Fri 18/07/2003

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