_Rubrik:
Im Sinne von mehr Transparenz und Verbindlichkeit fordert die ZT-Kammer nun die Reduzierung der Funktionsperioden der Mitglieder, die Offenlegung ihrer Projekte und deren AuftraggeberInnen in der Schutzzone sowie das Planungsverbot in der Schutzzone für den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter. Zum Thema Wettbewerbe findet die Kammer zudem klare Worte: Die Mitglieder der ASVK sollten nur in beratender Funktion in Wettbewerbsjurien tätig sein und es sei nicht Aufgabe der ASVK, Wettbewerbe abzuwickeln oder zu betreuen. Das derzeit zur Unterschrift aufliegende Positionspapier wurde von den 90 anwesenden Mitgliedern bei der Kammervollversammlung am 23.11.2012 einstimmig beschlossen und spiegelt derzeit den Unmut vieler Mitglieder wider.
GAT hat daher mit einigen VertreterInnen der Grazer Architektenschaft über deren Erfahrungen mit der Grazer ASVK gesprochen:
Arch. DI Petra Roth-Pracher:
"Ich habe den Eindruck, dass mittlerweile bestimmten Architekten Aufträge zugeschanzt werden. Ich habe das auch bei einem Wettbewerb erlebt, es ging um ein Bürogebäude mit Tiefgarage im Geidorf-Viertel. Das erstgereihte Projekt wurde bei der ASVK mehrmals erfolglos eingereicht. Dann wurde dem Bauherrn angeraten, das zweitgereihte Projekt zu nehmen, welches in diesem Fall meines war. Auf dieses folgte allerdings auch umgehend eine negative Stellungnahme der ASVK. Daraufhin wurde dem Bauherrn von Arch. Szyszkowitz sofort vorgeschlagen, einen Architekten zu beauftragen, der übrigens nicht einmal an dem Wettbewerb teilgenommen hatte. Mit diesem würde das Projekt durchgebracht werden. Was macht der Bauherr dann? Der will bauen und braucht eine positive Stellungnahme. Der empfohlene Architekt hat dann natürlich den Auftrag bekommen.
Im Fall eines anderen Projekts (Schanzlwirt) ging es ebenfalls ewig hin und her. Ich habe mit Arch. Szyszkowitz mehrmals über die gegebenen Möglichkeiten gesprochen. Wir haben auf einen Baukörper komplett verzichtet, da die ASVK nicht wollte, dass wir an eine bestehende Feuermauer heranbauen. Das hat über ein Jahr gedauert. Wir haben das aber berücksichtigt, damit wir das Projekt endlich durchbekommen. Szyszkowitz selbst hat dann allerdings wieder eine negative Stellungnahme verfasst. Auch wenn man sich an das hält, was man mit der ASVK vereinbart, heißt das noch lange nicht, dass das Projekt dann durchgeht. Eine Fassade, die im Rahmen mehrerer Einreichungen bereits positiv bewertet worden war, und an der sich nichts geändert hatte, wurde ebenfalls plötzlich als nicht mehr baukünstlerisch wertvoll eingestuft.
Durch solche Vorgangsweisen vergehen Wochen, die der Bauherr natürlich nicht bezahlt. Projekte müssen komplett neu eingereicht werden. Uns haben diese Projekte Unsummen gekostet. Es sollte auch nicht sein, dass man einen Entwurf abgibt ohne bei der Besprechung dabei sein zu dürfen bzw. ohne die Möglichkeit, sein eigenes Projekt zu verteidigen. Meiner Meinung nach werden da Machtspiele gespielt. Eines der Probleme ist schließlich, dass das Vertrauen der Bauherren in die Architekten verloren geht. Vor allem Bauherren, die noch nie etwas damit zu tun hatten, verstehen das gar nicht!"
Arch. DI Danijela Gojic, GSarchitects:
"Im Rahmen des wettbewerbsähnlichen Verfahrens in der Jakoministraße waren wir bereits vor den anderen beiden Teilnehmern vom Investor beauftragt. Wir haben eine umfassende Studie erstellt, diese mit der Stadtplanung abgestimmt, bei der ASVK eingereicht und persönlich präsentiert. Nach dem Gespräch und positiven Äußerungen der Kommission haben wir weitere drei Wochen an dem Projekt gearbeitet. Unser Architekturmodell zu dem Bauvorhaben stand während dieser Zeit übrigens frei einsichtig am Flur der Geschäftsstelle der ASVK. Erst danach haben die ASVK-Vorsitzenden die Büros Giencke sowie Sam Ott-Reinisch mit der Erstellung von Studien beauftragt. Bis heute haben wir keine Stellungnahme der ASVK zu unserem Entwurf bekommen und somit keine Begründung, warum unser Projekt abgelehnt worden ist. Es ist traurig, dass gerade erfahrene Architekten die Leistung ihrer Kollegen nicht wertschätzen, sondern die Macht ihrer Position ausnutzen, um eigene Interessen und Freundschaften zu pflegen. Wir sind der Meinung, dass eher faire Wettbewerbe stattfinden sollen als nicht nachvollziehbare, wettbewerbsähnliche Verfahren. Wettbewerbe, welche unter gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer stattfinden, dienen schließlich der Sicherung der Architekturqualität."
Arch. DI Wolfgang Feyferlik (Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Bundesarchitektenkammer):
"So wie es Szyszkowitz im Interview beschreibt, ist die Findung eines Entwurfs prinzipiell möglich. Ein privater Bauherr kann drei Architekten mit einer Ideenfindung beauftragen und sich das Recht sichern, aus diesen Ideen jeweils das Beste herauszunehmen. Er könnte dann einen Planer suchen, der das alles zusammenmischt. Ob da viele Architekten mitgehen würden, wage ich zu bezweifeln.
Das Problem ist nun, wenn Szyszkowitz sagt: "Da geht es um wenig, das kostet nicht viel." Wenn das noch dazu von der öffentlichen Hand bezahlt wird, müsste diese hinterfragen, wie die dazu bestellten Gutachten überhaupt zustande kommen und unter welchen Voraussetzungen die Teilnehmer ein Gutachten abliefern dürfen. Der Mindestanstand einer demokratischen Regel wäre hier notwendig. Das unter dem Deckmantel der Kultur und Baukultur zu verstecken, das halte ich für grenzwertig. Da unterstelle ich noch gar nicht, dass bewusst jemand ausgewählt wird, weil diesem damit ein Dienst erwiesen wird. Aber das Blickfeld, der Fokus der ASVK-Vorsitzenden ist natürlich eingeschränkt. Wenn ich die Namen Wolfdieter Dreibholz, Michael Szyszkowitz, Franz Sam und Volker Giencke höre, dann sage ich - okay, die kennen einander. Die wissen, dass sie gute Architektur machen und verlässliche Partner sind. Aber wer kommt danach? Noch einmal Giencke?
Die Vorgangsweise erinnert stark an die Liste, die Dreibholz an der damaligen Landesabteilung 4A geführt hat, von der man wusste, wenn man auf dieser steht, dann hat man die Chance, zu einem Wettbewerb geladen zu werden. Damals gab es aber noch kein Vergabegesetz. Aus dem damaligen Blickwinkel war das durchaus in Ordnung, aber heute sind wir diesbezüglich weiter.
Aufgabe der ASVK wäre die Beantwortung der Frage: Wie komme ich bei der ASVK mit einem Projekt durch? Diese Regel muss einmal klar sein. Das gegenwärtige Lavieren ist denkbar schlecht und die ASVK ist sehr unterschiedlich in ihren Aussagen. Offensichtlich versucht sich die ASVK derzeit ein neues Profil zu geben. Wenn sich die ASVK derzeit anmaßt, zum Thema der Verdichtungen aktiv zu agieren, dann hat das nichts mit ihren Aufgaben zu tun. Sie müsste das im Vorfeld mit der Stadtplanung absprechen. Projekte können nicht in die Diskussion gezogen werden, nur weil sie die Dichte nicht ausreizen. Das liegt nicht im Ermessen der ASVK."
Datum:
Artikelempfehlungen der Redaktion
- _Redaktion GAT,Bericht
- _M. Wicher,Kommentar
- _M. Brischnik,Bericht
- _P. Kickenweitz,Kommentar
- _V. Giencke,Kommentar
- _M. Brischnik,Interview
Erst einmal Gratulation zu
Erst einmal Gratulation zu Ihrem Kommentar, der vieles, dass sich auch Studierende denken, die leider viel zu oft vollkommen uneingebunden in das Architekturgeschehen in Graz sind, einmal auf den Punkt bringt, wenn er auch leider etwas einseitig ausgeführt ist.
Ich musste im Zuge meiner Recherchearbeiten für das Palais Trauttmansdorff 2012 feststellen, dass die nicht nachvollziehbaren, teilweise grotesken, Entscheidungsfindungen in der ASVK bereits in den 80-er Jahren Gang und Gebe zu sein schienen und die "Ära Dreibholz", wie Sie es betiteln, nur das Tüpfelchen auf dem i darstellt. (Arbeit nicht zur Publikation freigegeben, Hinweis Stadtarchiv).
Als politisch und gesellschaftlich engagierter Mensch merke ich ohne Zweifel neben der momentanen Politikverdrossenheit auch eine zunehmende Architekturverdrossenheit in Graz, beziehungseise im ganzen Osten Österreichs.
Graz ruht sich schon über Jahrzente auf dem Ruf seiner Grazer Schule aus, die in der heutigen Zeit nennenswert ist und ohne Zweifel geschichtlich seine Relevanz hat, in der Diskussion der "modernen Architektur" jedoch nichts mehr zu suchen hat. Das wäre so, als würde man behaupten, Jugendstil wäre die zeitgenössische Baukultur. An den heutigen modernen Prunkbauten von Graz, allen voran das Kunsthaus und die neue Thalia(bit.ly/143fAup) oder das beinamentliche Ei von Szyskowitz-Kowalski, merkt man sofort, mit welchem antiquierten Architekturverständnis die Grazer Politik und die Behörden beraten werden.
Es gibt jedes Jahr etwas mehr als 230 Studienanfänger in der Architektur und jedes Jahr preisgekrönte Diplomarbeiten, sowie auch während des Studiums eine sehr nach Graz orientierte entwerferische Auseinandersetzung, wann werden wir endlich einmal gefragt oder zumindest gesehen?
Ein Altstadtschutz á la ASVK und GAEG ist durchaus sowohl bemerkens- als auch wünschenswert und sollte gewährleistet bleiben, jedoch fehlt es dem Apparat an Feinmotorik. Aus Mangel an anderen einflussreichen Plattformen wird hier das Amt (zumindest scheinbar) missbraucht.
Man sehe sich als Beispiel Frankreich an, hier Lyon mit dem Projekt "Confluence" (http://www.lyon-confluence.fr/), die schon lange auf den Zug der fünf Möglichkeiten der Partizipation aufgesprungen sind und das informieren der Bürger zu einem wichtigen Bestandteil für das funktionieren eines Projekts erklärt haben. (K. 1.2.4, S29, http://www.stadtentwicklung.berlin.de/soziale_stadt/partizipation/downlo...)
Ich kann sehr gut verstehen, dass die Grazer bei jeder Veränderung auf die Barrikaden steigen, werden sie doch noch nicht einmal informiert (ausser per Artikel in der kleinen Zeitung, bei denen nicht einmal der Architekt erwähnt wird, geschweige denn irgendeine Form von Kritik an der Architektur bzw. Gestaltung abgedruckt wird), ganz zu schweigen von Miteinbindung. Kommt eine Hand langsam auf mein Gesicht zu, werde ich weniger erschrocken sein als wenn sie blitzschnell auf mich zurast.
"Überlasst das den Profis, stellt keine Fragen, das is halt so" scheint hier das Motto zu lauten.
Ich könnte mich noch stundenlang in hundert Richtungen darüber aufregen, was sich seit dem Beginn des Studiums in mir ansammelt, werde Sie jedoch nicht Ihrer Aufmerksamkeit berauben. Von Zeit zu Zeit lasse ich ohne jedwede journalistische Manier auf www.benreichts.tk meinem Unmut freien Lauf, vielleicht wollen Sie ja daran teilhaben.
Ein letztes Gedankenspiel: Wo bleibt die architektonische Version einer Whistleblower-Plattform für Graz? Oder hat die ASVK, beziehungsweise die Stadt Graz, zu viel Angst davor, genauso wie Sie Angst davor hat, dokumentierte Leerstände öffentlich preis zu geben?
MfG
Ben
Abbruchbescheide
zum Kommentar von Arch. DI Anderas Harich, im Zusammenhang mit der Albrechtgasse stellt sich die Frage, ob auch für das Projekt Morellenfeldgasse 44 (Planung Szyszkowitz*) Abbruchbescheide vorliegen.
Hier wurden anstelle der eingereichten und auf der Bautafel abgebildeten vier Geschosse + zwei Penthousegeschosse, sechs Vollgeschosse errichtet.
Bei der Größe des Projekts, kann man aber schon beim Einreichprojekt von einer vollen Ausnutzung der zulässigen Dichte ausgehen.
*Zitat Szyszkowitz:" Ich habe die Einreichplanung gemacht, bereits an der Detailplanung gearbeitet. Der Bauherr hat das Projekt einfach verkauft und gemeint, er brauche die Detailplanung nicht. Danke und auf Wiedersehen."
Wie kommt es im Rahmen von Detailplanungen zu zusätzlichen Baumassen? Wer erhöht hier nachträglich die Dichte?
Lauter Ausreden um Anrainer
Lauter Ausreden um Anrainer für dumm zu verkaufen!
Szyszkowitz hat es unter Missbrauch seiner Funktion in der ASVK gemeinsam mit der Stadtplanung durchgedrückt - so einfach ist das in Graz - man nimmt als Bauträger nicht umsonst den Szyszkowitz für sowas.
Christian Brugger, Landeskonservator für die Steiermark:
"Es macht den Eindruck, als gäbe es zwischen Stadtplanung und ASVK eine abgesprochene Einigkeit, die Verdichtung im Grazer Stadtraum zu forcieren."
ASVK
Eine Schande, was sich da seit Jahren unter den Augen und geduldet von allen in Politik und Verwaltung dafür Zuständigen abspielt.
Die in der ASVK seit Jahrzehnten undurchsichtigen aber sehr durchschaubaren Zustände passen mitsamt ihren Neben- und Langzeitakteuren nahtlos in das total heruntergekommene österreichische Bild von Integrität.
Wie gesagt, eine Schande.
Der u.a. Link ist jedenfalls lesenswert:
http://www.falter.at/falter/2012/06/19/bald-ist-die-tratscherei-vorbei/