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Bericht
STOPP dem Bodenverbrauch in Österreich

2015 wurde von der UN-Generalversammlung zum internationalen Jahr des Bodens erklärt. Ziel ist, Bewusstsein zu schaffen, dass Böden die Grundlage für unsere Ernährungssicherung und das Funktionieren der Ökosysteme sind. Das Jahr des Bodens 2015 soll dazu klare Zeichen zu setzen.

Österreich verbaut täglich doppelt so viel Fläche wie die
Schweiz oder Deutschland

Namhafte Experten appellieren, den rasanten Bodenverbrauch in Österreich stoppen: Univ.-Prof. Dr. Roland Norer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Agrar- und Umweltrecht, Univ.-Prof. Dr. GottfriedHolzer, Universität für Bodenkultur Wien und Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung treten gemeinsam dafür ein, dass Bewusstsein geschaffen werden muss, dass Boden die Basis für unser Leben ist und künftigen Generationen nicht verloren gehen darf. Ihre Forderung: Eine bodenschonende Raumplanung soll landwirtschaftliche Vorrangflächen gesetzlich schützen und leerstehende Immobilien sollen wieder einer Nutzung zugeführt werden.

Fakten zum Bodenverbrauch
_ Täglich wird in Österreich ein Bauernhof mit einer Fläche von rund 20 ha verbaut. Also umgerechnet 30 Fußballfelder. Pro Jahr sind das 7.300 ha.
_ In den letzten 50 Jahren wurden rund 300.000 ha Boden versiegelt (entspricht der landwirtschaftlichen Fläche Oberösterreichs).
_ 0,5 % der Böden werden pro Jahr in Österreich versiegelt. In 200 Jahren wäre damit die gesamte Agrarfläche Österreichs zubetoniert. In Deutschland und in der Schweiz werden nur 0,25 % der Agrarflächen verbaut (siehe Anlage), in Tschechien gar nur 0,17 %.
_ Österreich hat mit 1,8 m2 Supermarktfläche (Vergleich z. B. Italien 1,01 m2) und 15 Meter Straßenlänge pro Kopf (Vergleich Deutschland 7,9 m und Schweiz 8,1 m pro Kopf) international die höchsten Verbauungszahlen vorzuweisen.

Fakten zum Leerstand
In Österreich gibt es laut Umweltbundesamt rund 13.000 ha ungenutzte Industriehallen, bei Berücksichtigung aller leerstehenden Wohn- und Geschäftsimmobilien sind es rund 50.000 ha. Mit entsprechenden Anreizsystemen sollen diese Brachflächen wieder nutzbar gemacht werden und zusammen mit der Revitalisierung von Ortskernen anstelle von Neubauten im Grünen, dem Trend der Versiegelung von Neuflächen entgegenwirken, sind sich die Experten einig.

Raumplanungsrechtliche Aspekte
Landwirtschaftliche Vorrangflächen, Siedlungsgrenzen und Förderungssystem für Nutzung leerstehender Immobilien schaffen.
Der örtlichen und überörtlichen Raumplanung kommt eine Schlüsselkompetenz im Kampf gegen den fortschreitenden Verlust an landwirtschaftlichen Nutzflächen zu. Das Fehlen einer auf den Flächenschutz bezogenen agrarischen Fachplanung und die bisherige Planungspraxis der Gemeinden haben vielfach dazu geführt, dass die Rauminanspruchnahme vor dem Schutz landwirtschaftlich wertvoller Böden steht.
"Eine solche Fehlplanung widerspricht allerdings den 2013 im Bundesverfassungsgesetz über die Nachhaltigkeit festgeschriebenen Staatszielen. Die Ziele darin lauten:
_ Nachhaltigkeit bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen
_ Umfassender Umweltschutz
_ Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln tierischen und pflanzlichen Ursprungs (auch) aus heimischer Produktion
_ Nachhaltige Gewinnung natürlicher Rohstoffe zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit
Eine gesetzliche Ausweisung von landwirtschaftlichen Vorrangflächen und die damit verbundene Festlegung von Siedlungsgrenzen könnten ein Fortschreiten des ungezügelten Bodenverbrauches bewirken ", so Univ.-Prof. Dr. Gottfried Holzer über mögliche Lenkungsinstrumente.

Eine umfassende Bodenschutzstrategie erfordert aber ein Zusammenwirken raumplanerischer Instrumente mit einer Reihe weiterer Maßnahmen wie zum Beispiel monetäre und steuerliche Anreize zur Wiederinstandsetzung leerstehender Immobilien. Das Wissen über den Wert und die Endlichkeit unserer Lebensgrundlage Boden muss bei allen relevanten Akteuren gesteigert werden, um eine möglichst breite Akzeptanz für dringend notwendige Maßnahmen zur Flächensicherung zu schaffen.

Dazu Univ.-Prof. Dr. Roland Norer: "Das geltende Bodenschutzrecht in Österreich erweist sich in Hinblick auf die Verbauung der Böden als wenig wirksam und schlagkräftig. Die Instrumente, insbesondere des Raumplanungsrechts, berücksichtigen kaum ökonomische, ökologische und überzeugende Elemente. Dem Erhalt landwirtschaftlicher Böden muss schon allein aus dem Grund der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln künftighin in Interessensabwägungen verstärktes Gewicht zukommen. Es ist heute nicht mehr zu rechtfertigen, wenn der Bodenverbrauch zum Beispiel für Infrastrukturen oder Siedlungen höher gewichtet wird als Böden zur Produktion von heimischen Lebensmitteln."

Nicht die Zukunft der Kinder verbauen - Böden verdienen mehr Respekt
"Der Boden ist die einzige Ressource, mit der Lebensmittel produziert werden können und deshalb ist sein Schutz für die Ernährung der steigenden (Welt-) Bevölkerung unverzichtbar. Verbauen wir nicht die Zukunft unserer Kinder! Österreich soll auch in Zukunft ein Land der Äcker und nicht ein Land der leeren Industriehallen, Straßen und Einkaufszentren sein. Böden sind unsere Lebensgrundlage. Böden sind Kulturgüter ersten Ranges, sie sind schützenswert und verdienen daher wieder mehr Respekt", appellieren Weinberger, Holzer und Norer abschließend an die Verantwortlichen für die Raumordnung.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Sat 17/10/2015

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