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Kolumne
Privatissimum vom Grilj

Der Dieb und die Heilige Messe

Mein ist die Rache,
spricht der Herr,
ich will vergelten.
Deuteronomium 32, 35

Du bist nicht allein...
Roy Black

Ich suche nicht, ich finde.
Pablo Picasso

Neulich hat irgendein mieser Charakter den Roller meines Enkels gestohlen. Aus dem ersten Stock des Hauses, wo wir wohnen. Bei uns wird überhaupt gern gestohlen. Seien es Fahrräder, sei es die Morgenzeitung, wenn sie vor der Tür liegt. Und es gibt immer mehr Mieter im Haus, die einen seltsam anstarren, wenn man sie gegrüßt hat. Als hielten sie es für ein unsittliches Angebot.

Das Kind ist jedenfalls fassungslos: dass jemand sooo gemein sein und ihm sooowas antun kann! Dann lese ich beim italienischen Historiker Guido Ceronetti: im Piemont war es noch bis ins späte 19. Jahrhundert üblich, bei der katholischen Kirche Messen zu bestellen, in denen man einem Halunken alles Schlimme an den Hals wünschte, mit Gottes Segen und mit allen Schikanen.

In Heiligen Messen betet man in den Fürbitten ja eher dafür, dass es allen Leuten halbwegs gut gehe. Das tut einem selber gut. Das weiß ich, ich habe ja dereinst ministriert, noch auf lateinisch. Jetzt, da ich dank Ceronetti mit etwas mehr Bildung gewappnet bin, verführt mich jene piemontesische Tradition naturalmente zu einem äußerst aparten Gebet, auf deutsch. Das geht so:
„Allmächtiger, lass den Schweinehund mit dem gestohlenen Roller über eine ganz niedrige Mauer stürzen, und er soll sich dabei auf der Lenkstange alle Zähne ausschlagen. Bis auf einen, für das ewige Zahnweh. Dann soll er Magenkrämpfe kriegen, durchaus mit dem Aroma von Durchfall. Danach möge ein Erzengel herabschweben und ihm lächelnd flüstern, dass ihn seine Frau seit Jahren mit dem besten Freund betrügt und sein Kind gar nicht sein Kind ist. Zuletzt soll ihm der gerechte Engel einen Spiegel vorhalten. Und wenn er wimmernd neben dem Diebesgut kauert, mögen sich zwölf weiße Tauben auf ihm niederlassen und ihn langsam von oben bis unten vollscheißen.“

Gerade das mit den Tauben, diesen Symbolen des Hl. Geistes, finde ich besonders pfiffig und gottgefällig. Jetzt muss ich also nur noch der Marialhilferkirche 100 Euro schicken. Anonym, und ohne genauer auf die Einzelheiten einzugehen. Aber ER weiß schon, was zu erledigen ist.

Verfasser / in:

Mathias Grilj

Datum:

Tue 18/06/2019

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Kommentare

ich würde a) dem Kind die 100

ich würde
a) dem Kind die 100 Euro für einen neuen Roller geben
b) ihm bestätigen, dass so ein Diebstahl in jedem Fall beschissen ist und der Dieb sich damit die Knochen brechen soll, aber man trotzdem nicht den nächstbesten Roller entwendet als Ersatz (was angeblich immer mehr Leute nach dem Diebstahl ihrer Fahrräder machen)
c) lieber nicht auf die Wirkmächtigkeit von dem da oben, sondern weiterhin auf meine zählen und darauf achten, dass in meinem Lebensumfeld, bei mir und den mir Lieben das Soziale, Menschenfreundliche, Offene, die Achtung vor dem anderen Lebensmaxime bleibt.
Andererseits wäre dann nicht so eine unterhaltsame Glosse entstanden. Ich überlege weiter .....

Fürbitte

HAHAAHHAAA ! sooo gut !!!
Danke für den gesunden Impuls.

LOL

Das gefällt mir!
Eine merkbarer Prozentsatz der Österreicher sind emotional behindert und extrem narzistisch denen z.B. Lächeln offenbar große Schmerzen bereiten würde...
Daher auch mein Wunsch nach mehr Hochhäuser, und damit mehr leistbaren Wohnraum in Graz damit der Migrantenanteil schneller ansteigt weil der Durschnittsausländer ist in meiner Erfahrung einfach viel freundlicher und hilfsbereiter als der Durschnittsösterreicher.
Besonders Studenten vom Land sind in Graz oft sehr unfreundlich, wenn jemand offenbar nicht nach dem gleichen Schweinestall riecht und ihnen seit der Kindheit bekannt ist dann sind diese Landeier offenbar nicht in der Lage fremden Menschen gegenüber halbwegs freundlich und höflich zu sein.
Bevor sich jemand hier auf den Schlips getreten fühlt solche Leute gibts auch unter Grazern aber gefühlt in kleinerer Anzahl weil in der Stadt wird sind die Menschen einfach offener.

Infobox

GAT veröffentlicht in der Kolumne Privatissimum vom Grilj jeden dritten Dienstag im Monat Texte zum Nachdenken.

Zur Person
Mathias Grilj (* Kamnik, SLO) lebt als freier Journalist und Schriftsteller in Graz.

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