Neuplanung – Ringradweg Graz

Ende der Geduld

Lieber Wolfgang Wehap,
wir sind uns wohl einer Meinung darüber, wie fein es ist, dass endlich quer über fast alle im Stadtsenat vertretenen Parteien hinweg über die Neuverteilung des Straßenraumes zugunsten sanfter Mobilitätsformen nachgedacht wird.
Super! - denke ich mir, jetzt wird es ja hoffentlich endlich schnell gehen, mit den längst fälligen Rad-Schnell-Routen durch und um die Innenstadt. Sogar der Bürgermeister, der vor Jahren noch eine Koalition zerplatzen ließ, weil die damalige Verkehrsreferentin einen Radweg am Joanneumring plante und man in der Körblergasse meinte, der Innenstadthandel ginge gemeinsam mit den gefährdeten Vitrinen den Bach hinunter - sogar dieser Bürgermeister fordert jetzt eine höhere Schlagzahl bei Radverkehrsprojekten.
Super! - denke ich mir, da wird die jetzige Verkehrsreferentin ihn wohl beim Wort nehmen und sofort handeln.
Die Hoffnung lebte - eine halbe Stunde lang. Denn so lange wurde den Radler*innen am Joanneumring die Rote Fahne ausgelegt.
Dann ging es weiter wie bisher: Radler*innen und Fußgänger*innen dürfen sich weiterhin in der Hans-Sachs-Gasse gegenseitig gefährden, und weiterhin in der Stubenberg- und Schmiedgasse übereinander ärgern, bis ... ja bis irgendwann eventuell 2024 die Planung für die Innenstadtentflechtung der Tram abgeschlossen, die Schienen gelegt, ... viel Wasser die Mur hinunter und über die Staumauer Puntigam drüber geflossen ist.
Dabei wurde uns schon andernorts in Graz gezeigt, wie es gehen könnte:
Zack-zack-zack wurde unter der Ägide des freiheitlichen(!) Verkehrsreferenten in der Wickenburggasse eine PKW-Fahrspur abgeplankt, um einfach einmal zu schauen, wie das ausgeht, was sich viele (vielleicht auch der F-erkehrsreferent selbst) nicht vorstellen konnten. Das Wunder geschah, weil nichts von dem geschah, was befürchtet wurde. Die Radler*innen hatten den nötigen Platz und der Verkehr floss weiterhin und nach einer erfolgreichen Probezeit wurde das Provisorium in neue Gehsteigkanten gegossen.
Genau das wünsche ich mir nun von deiner Chefin: Dass sie sich ein Herz nimmt, die Gunst der Stunde nützt und mehrere Straßenzüge, von denen wir schon lange wissen, dass es ganz anders sein müsste, also beispielsweise den Opern- und Joanneumring, die Neutorgasse, die Mandellstraße und, und und ... zum Versuchslabor macht, indem sie einfach Rad- und Fußwege in menschenwürdigen Breiten abplankt, schaut was passiert, sich Diskussionen stellt, Lösungen nach Bedarf adaptiert und sie dann, wenn wir sehen, wie es am besten läuft, endgültige bauliche Umsetzungen realisiert.
Das ist es, Wolfgang, was ich mir denke, wenn ich im Konferenzzimmer des Akademischen aus dem Fenster schaue, mitansehen muss, wie Radler*innen und Fußgänger*innen vorsätzlich auf zu wenig Raum zusammengepfercht werden und die Verkehrsreferentin verspricht, dass in vier(!) Jahren alles besser wird.

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