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Interview
„Keine kleinen ArchitektInnen ...“

Barbara Feller ist Geschäftsführerin der Architekturstiftung Österreich und bei ,KulturKontakt Austria‘ zuständig für Architekturvermittlung an Schulen. Außerdem ist sie Obfrau der Initiative für Baukulturvermittlung für junge Menschen, die als Zusammenschluss von Personeninitiativen, die sich speziell in diesem Bereich engagieren, entstanden ist. GAT sprach mit ihr über die Bedeutung von Architekturvermittlung in Österreich.

Ihre Biografie zeigt, dass Architektur schon immer im Zentrum Ihres Interesses stand. Woher kommt das und waren Sie nie versucht, auch Architektur zu studieren?

Feller: Mein Interesse für Architektur ist eigentlich dem Zufall zu verdanken. Während meines Studiums der Geschichte habe ich als Sekretärin in einem Architekturbüro gearbeitet, um mir so das Studium zu finanzieren. Architektur studieren wollte ich allerdings nie.  Mich interessieren in erster Linie die historischen und wissenschaftlichen Hintergründe sowie der Zusammenhang zwischen Architektur und Politik. Meine Dissertation schrieb ich über Eliteschulen im Nationalsozialismus und daraus resultiert auch mein Interesse für die pädagogischen Zusammenhänge (1).

Was macht Architekturvermittlung so bedeutend?

Feller: Man muss sich im Allgemeinen einmal bewusst machen, dass sich unser Leben in einer zum größten Teil gestalteten Umgebung abspielt. Wenige Menschen sind sich dessen und auch der damit verbundenen Konsequenzen bewusst. Man darf nicht vergessen, dass doch ein sehr großer Teil unseres Lebensgeldes für die Gestaltung unseres Umfeldes ausgegeben wird. Es ist jedoch wichtig, zu betonen, dass es in der Architekturvermittlung keineswegs darum geht, lauter ‚kleine‘ Architektinnen und Architekten zu produzieren. Das Ziel der Baukulturvermittlung ist, die Gestaltungsmöglichkeiten zu verstehen, zu erkennen und sich somit qualifiziert einbringen zu können. Ich ziehe das Wort Baukulturvermittlung dem Begriff Architekturvermittlung übrigens vor, denn es geht ja auch um die Gestaltung der Zwischenräume und damit um Landschaftsarchitektur und auch Bauingenieurwesen oder Verkehrsplanung.

Wäre es sinnvoll, Architektur- oder Baukulturvermittlung als Fach an den Architekturfakultäten einzuführen?

Feller: Ja, ich halte es auf jeden Fall für sinnvoll, Baukulturvermittlung als Fach in die Ausbildung von Planenden zu integrieren. Denn es geht darum, ihnen Möglichkeiten zu bieten, damit sie das, was sie für die Gesellschaft leisten, auch vermitteln und darstellen können. In der jüngeren Generation kann man bereits ein Umdenken feststellen, denn junge PlanerInnen suchen heute verstärkt den Dialog mit den NutzerInnen.

Das Projekt ,RaumGestalten‘ gibt es nun seit 13 Jahren. Gibt es nach diesen 13 Jahren sichtbare Erfolge für die Architekturvermittlung bei Kindern und an Schulen?

Feller: Zunächst möchte ich vor allem betonen, dass es tatsächlich ein großes Glück ist, PartnerInnen zu haben, die ein Projekt über eine so lange Zeit mittragen. Wir haben auf jeden Fall viel bewegen können und in zahlreichen Bundesländern KollegInnen gefunden, die das Projekt unterstützen. Man kann sicher sagen, dass ‚RaumGestalten‘ Pionierarbeit auf dem Gebiet der Baukulturvermittlung geleistet hat. Der Erfolg zeigt sich auch in der Unterstützung und den Förderungen, die wir von der Architektenkammer und mittlerweile auch seitens der Bundesregierung für die Vermittlungsaktivitäten erhalten.

Dem Baukulturreport 2011 ist zu entnehmen, dass der Schulbau eine große Bedeutung haben sollte. Das ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe und es muss hier besonders vorausschauend geplant werden. Wo gibt es positive Beispiele in Österreich oder auch außerhalb Österreichs und warum sind dies gelungene Projekte?

Feller: Ich würde hier lieber von Bildungsbauten sprechen, denn auch dem Planen von Kindergärten sollte entsprechende Aufmerksamkeit zukommen. Mit den Kleinsten zu beginnen, hat bereits gute Erfolge gezeigt. Hier ist es nur etwas schwieriger, da die Kompetenz meist bei den Gemeinden liegt und man unter Umständen nicht so leicht an die richtigen Gesprächspartner kommt. Der Schulbau ist zentralistischer strukturiert und damit einfacher zu adressieren. Was die Beispiele betrifft, möchte ich gerne auf die von Christian Kühn im Baukulturreport genannten Beispiele verweisen. Diese sind auch für mich gute ‚Best Practice‘-Modelle.

Im Spätsommer und Herbst dieses Jahres werden einige Veranstaltungen und Symposien zum Thema Architektur- bzw. Baukulturvermittlung veranstaltet. Welche sind das konkret?

Feller: Ein Symposium wird von der Kollegin Monika Abendstein im Rahmen der Initiative Baukulturvermittlung vorbereitet und organisiert. Es findet am 19. und 20. Oktober 2012 im Kontext der Biennale in Venedig statt. Es trägt den Titel „get involved – discover and create common ground“ und ist ein internationales Symposium zum Thema Architektur- und Baukulturvermittlung für junge Menschen. Diese Veranstaltung ist auch ein Resultat unserer Initiative, im Rahmen derer wir KollegInnen uns seit nahezu fünf Jahren zwei- bis dreimal im Jahr treffen und im Themenfeld diskutieren. Das zweite Symposium wird im November in Linz, organisiert von Michael Zinner, stattfinden – hier wird es um Schulbau und das Vermitteln von ‚Schulraumkultur‘ unter Einbeziehung der NutzerInnen gehen. (Anm. d. Red.: Nähere Angaben dazu gibt es demnächst / gat wird berichten.)

Es scheint, dass österreichische ArchitekturvermittlerInnen trotz ihres hohen Einsatzesan Schulen und in Architekturhäusern unterbezahlt sind. Dieser Einsatz sollte doch finanziell aufgewertet werden, weil die ArchitekturvermittlerInnen wichtige Basisarbeit leisten. Kann man hier von einer Geringschätzung dieser Arbeit sprechen?

Feller: Ich möchte mich nicht in den Reigen der Jammerer einreihen. Geld ist natürlich immer ein Thema, aber zugleich ist es nun einmal eine Tatsache, dass bei solchen Engagements vieles teilweise auch ehrenamtlich sein muss – ohne das wird es kaum gehen.

Wie sieht Ihr Traumhaus oder Ihre Traumwohnsituation aus und wo wäre sie zu finden?

Feller: Ein Haus oder eine Wohnung kann und möchte ich nicht beschreiben. Ganz klar für mich ist jedoch, dass ich eine urbane Wohnsituation vorziehe, schon alleine deswegen, weil ich gegen die suburbane Zersiedelung an den Speckgürteln der Städte bin.

Danke für das Gespräch.

(1) Diplomarbeit über Baupolitik in Wien im Austrofaschismus (1991).

 

 

Verfasser / in:

Susanne Baumann-Cox

Datum:

Mon 30/07/2012

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Kommentare

Wolf D Prix 1989?

02 | 08 | 12
Erstens, Los Angeles hat 14 Millionen Einwohner, zweitens entstehen in Los Angeles Trends, die, wenn auch sehr widerwillig in New York übernommen werden und später nach Europa kommen. Ich habe von einem Trend, der von Wien ausgeht und nach Los Angeles kommt, noch nie gehört. Und drittens liegt ein wesentlicher Unterschied in der behandlung der Architekten. In Los Angeles kümmert sich niemand um Architektur und die Architekten, im Unterschied zu Wien; hier ist jeder Architekt, und jeder kümmert sich um Architektur. Ob das ein Vorteil ist sei dahingestellt.

verstehbar? Oder....

brauchen Architekten doch Vermittler ihres Denkens und Tuns?
04 | 08 | 12
lieber Werner, pardon, aber ich halte das Zitat von Prix im Zusammenhang mit der sogenannten Architekturvermittlung für ziemlich deplatziert und glaube auch nicht, dass Prix mit der Bemerkung, dass in Wien alle glauben, Architekten zu sein und/oder über Architektur reden zu können, die Leute gemeint hat, die sich um die Vermittlung von Verständnis für (zeitgenössische) Architektur bemühen. Außerdem vermute ich, dass nicht wenige sich, dein Zitat ohne einen weiteren erklärenden Kommentar lesend, fragen, was der Werner Swoboda damit in Bezug zur Architekturvermittlung sagen wollte. Zynisch gesehen könnte man deine Wortmeldung als Beweis dafür sehen, dass es durchaus Sinn macht, das Tun von Architekten, die Konzepte, Absichten und Ziele ihres Planens und natürlich auch die Qualitäten des Gebauten zu erklären. Mehr noch, dass es notwendig ist, weil Architekten ihre Anliegen und ihre Arbeit oft selbst nur sehr suboptimal erklären können. Der - leider- beste Beweis für diese, meine Überzeugung: das schlechte Ansehen der Architekten in der Gesellschaft; ihre Arbeit wird von vielen nur als teure Selbstverwirklichung gesehen, deren Wert nicht erkannt wird. Glaub mir, die Architekten selbst tragen viel zu diesem Image bei, nicht immer wegen Arroganz, oft "nur" aus einer Unfähigkeit heraus, ihre Arbeit verständlich zu machen. Gute Vermittlungsarbeit, die nicht nur Alibi ist, sondern gründlich, langfristig und die das Ergebnis von Forschungsarbeit und Erfahrung auf dem Gebiet ist, macht durchaus Sinn, um die Vorurteile gegen Architekten und die "moderne" Architektur abzubauen. Und vor allem - und das sehe ich als wesentlichstes Ziel - kann Architekturvermittlung eine kritische Schulung des eigenen Qualitätsurteils sein. Die Leute lernen genauer hinzuschauen, Basisqualitäten eines Hauses zu erkennen und selbst zu beurteilen, ob eine bestimmte Architektur (und alles, was dazu gehört) Qualität hat. Oder eben nicht, denn vieles, was Architekten planen, ist ja leider auch unterm Hund. Oder nicht? Aber das ist wieder eine andere Geschichte und wäre auch wert, einmal ausdauernd diskutiert zu werden.
herzliche Grüße Karin

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