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Projekt Neue Wohnform Ragnitz von Eilfried Huth und Günther Domenig. 1969

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Interview
Im Gespräch mit Eilfried Huth

Architekturstudium an der Technischen Universität, wichtige Lehrer:
Huth: Ich habe in den Jahren 1950 bis 56 in Graz studiert.
Wenn ich die Lehrer in der wichtigen Reihenfolge nenne: Herr Professor Zotter, Herr Professor Weber, Herr Professor Reicher und zu einem gewissen Maß auch Herr Professor Lorenz.

Die Anfänge: Kleinschuster, Domenig und ich
Huth: Ich wollte unbedingt nach Südamerika auswandern, weil dorthin meine große Jugendliebe ausgewandert ist. Sie arbeitete als Stewardess. Ich wollte mir die Überfahrt finanzieren, indem ich in einem Büro arbeitete und bin dann auch nach Leoben in ein Architekturbüro gekommen. Ich erzählte meinen Studenten auch immer wieder gerne, dass meine Südamerika-Auswanderung nur bis nach Leoben reichte. Jedenfalls hat sich diese Beziehung zerschlagen. Ich habe in der Zwischenzeit weitergearbeitet und auch Sport betrieben. In unserer Fußballmannschaft war Domenig der Tormann, Kleinschuster war auch ein Mitspieler. Damals haben wir uns entschieden, ein Architekturbüro aufzumachen. Der Jurist Kleinschuster, Domenig und ich. Dann hatten wir tatsächlich den ersten Wettbewerbserfolg, 1963 haben wir begonnen, ich war schon Ziviltechniker.

Der erste Erfolg: Die Pädagogische Akademie in Graz und weitere Aufträge.
Huth: 1964 haben wir den Wettbewerb der Pädagogischen Akademie der Diözese Graz-Seckau gewonnen. Domenig arbeitete noch in Wien, ich in Leoben. Mit der Beauftragung haben wir uns dann in der Stainzerhofgasse, der spätere Sparkassenplatz, niedergelassen. Das war der wesentliche Auftrag, den wir damals hatten, wir wurden außerdem für die Kirche in Oberwart beauftragt, auch da haben wir den Wettbewerb gewonnen. Das bisschen Überschuss, das wir damals hatten, investierten wir in Projekte, u.a. in eine Personale im Forum Stadtpark, zusammen mit der Werkgruppe (Werkgruppe Graz: Eugen Gross, Friedrich Groß-Rannsbach, Hermann Pichler, Werner Hollomey, Walter Laggner, Peter Trummer; Anm.). Daraus entstand eine Stadt-Utopie: die Stadt Ragnitz, die später einen Wohnbauforschungsauftrag und einen großen Preis in Cannes für Städtebau und Architektur bekam – 1969. Inzwischen wurde das gesamte Material dieser Vision – die Pläne, Zeichnungen und das Modell – zerstört, und dann vor fünf Jahren, neu gebaut worden und nach Frankreich gegangen (2001 angekauft vom FRAC-Centre in Orléans; Anm.).
Wir hatten verschiedene Aufträge, ich in Leoben, von der Alpine. Damals ist das FRZ (Forschungszentrum der Voest-Alpine; Anm.) entstanden. Dann sind wir aufgrund von Trigon 1967 (biennale Dreiländerausstellung; Anm.), durch eine Titelseite, von Behnisch nach München eingeladen worden, um zwei Objekte für die Olympischen Spielen zu bauen. Ich hatte inzwischen auch eine Gastprofessur in Kassel – es ist ja immer alles so vernetzt.

Die 1970er Jahre: Eine Wohngemeinschaft mit Profil. Die Berufung nach Berlin
Huth: 1975 kam es zur Trennung mit Domenig, weil jeder so seinen eigenen Weg gehen wollte. Domenig besonders stürmisch, er hatte schon Aufträge in Wien und Kärnten. Ich habe mich damals ganz zurückgenommen und mit dem sozialen Wohnungsbau begonnen. Wir hatten eine Wohngemeinschaft in der Stainzerhofgasse, u.a. mit Frisinghelli, Doris Kammerlander-Pollet, Stefan Tschavgov, die alle sehr eigenwillig waren, aber später Karriere machten. Auf die Arbeit, die ich im sozialen Wohnungsbau mit Partizipation und Mitbestimmung gemacht habe, gab es ein gewisses Echo im Ausland und das hat letztendlich über einen Kongress in Bern dazugeführt, dass man mich nach Berlin eingeladen hat. Ich wurde im Jahr 1984 auf die Universität der Künste berufen und war 20 Jahre dort, bis zum Februar 2005.

Die soziale und politische Verantwortung des Architekten. Baukultur kommt auf.
Huth: Meine erste Arbeit in dem Zusammenhang war, als ich noch in Leoben gearbeitet und für die Alpine Montangesellschaft Aufträge gemacht habe. Ich hatte dort einen Mentor, bzw. Protektor, der später Baudirektor der Alpine geworden ist. Darauf begründen sich viele Bauten oder Aufträge, die ich bekam. Unter anderem war eine kleine Siedlung für Werksangehörige in Neufisching zu bauen. Alle 12 Bewerber wollten mitreden, und ich hab das für gut empfunden. Wir haben wie mit Einfamilienhausleuten Projekte gemacht, wie zum Beispiel jenes in Zeltweg, es hieß „zeltwegs“, ist aber bei der Einreichung bereits hängen geblieben. Da gab es schon die Idee, eine Baustruktur vorzugeben, in der die Personen ihre eigenen Wünsche realisieren konnten. Vor allem in Zeltweg, da die Werksangehörigen ja die Möglichkeiten haben, Fertigteile herzustellen, Stahl-Schablonen beispielsweise, weil die Selbsthilfe und das Hausbauen in Eigenleistung üblich war, das aber in konzentrierter Form. Diese Grundidee wurde dann auch in der Stadtvision Ragnitz untergebracht, weil wir von günstigen Bauten sprachen, die dann jeder realisieren kann, so wie es die Rahmenbedingungen erlauben und es sich jeder wünscht.

München 1972. Der Terroranschlag.
Huth: München und der katastrophale Terroranschlag auf das olympische Dorf, die israelische Mannschaft - das war für mich ein Erwachen und ob das, was wir so tun, überhaupt wichtig ist im Leben. Damals ist der Konflikt mit Domenig entstanden, er wollte weiterhin diese sehr expressive Architektur betreiben und ich war der Meinung, dass andere Verpflichtungen im sozialen Bereich, politische, im Wohnbau liegen. Daraus hat sich eine Divergenz ergeben. Das ist natürlich durch die Ereignisse der 68er, die Grünbewegung, die Ökologiebewegung, was alles zu der Zeit aufgetaucht ist, verstärkt worden. Wir hatten den Auftrag, Domenig und ich - das war der letzte, den wir zusammen durchführten - die Steirische Akademie 1974 zu machen, das Thema war „Baukultur“. Die Baukultur, die von uns eingebracht wurde, war, dass wir uns mit der Mitbestimmung, der Beteiligung im sozialen Wohnungsbau, beschäftigten. Wir haben Personen eingeladen, die Ikonen in dieser Bewegung waren – Lucien Kroll und andere. Daraus hat sich dann zusammen mit Christian Hunziker (Schweizer Architekt, 1926-91; Anm.) eine Verdichtung ergeben. Hier kommt der damalige Bürgermeister Deutschlandsbergs, Landesrat und der spätere Präsident Klauser ins Spiel, der wahrgenommen hat, was wir machen, was ich mache. Er hat um ein Konzept gebeten, daraus entstand die Eschensiedlung. Ab da wurde es sehr konkret. Dieses Beispiel der Selbsthilfe hat andere Kunden auf den Plan gerufen, die das auch machen wollten, z.B. Edegger, der so ein Projekt für Graz haben wollte. Man musste aber erst den Stadtrat Pammer und den Stadtrat Matzka überzeugen. Das war etwas schwierig, denn der eine war für die rote Partei, der andere für die schwarze. So haben wir für die Eschensiedlung ohne Genossenschaft und in Graz-Puntigam mit einer roten oder einer schwarzen Genossenschaft gearbeitet. Das war schon insofern schwierig, weil oft gegeneinander gearbeitet wurde. Jedenfalls brachten die zwei Projekte noch Nachfolgerprojekte: in Bärnbach, Köflach, Voitsberg, Thal und Wildon. Deutschlandsberg hat noch etwas gedauert, bis 1992. 20 Jahre haben wir daran gearbeitet. Ich machte auch noch Versuche für den Großwohnungsbau, in der Algersdorferstraße und in der Ragnitz.
Diese Tätigkeiten brachte mir die Berufung an die Universität der Künste Berlin ein. In Berlin war ich mit der Gruppe Stern in die Stadterneuerung Kreuzberg eingebunden.

Landschaftsfraß und "Häuslpest". Gegenmaßnahmen
Huth: Das Problem taucht jetzt wieder auf, es gibt ihn wieder den Landschaftsfraß - wir haben damals „Häuslpest“ gesagt, die ist vor 30 Jahren ausgebrochen, damals war die Raumordnung in der Steiermark noch nicht so koordiniert, noch nicht so weit entwickelt. Die Steirische Akademie 1972, 1974 war dem Thema Raumordnung gewidmet. Es wurde bewusst gemacht, dass man mit Landschaft und Land anders umgehen muss, mit Verkehr, Energie und der ganze Problematik. Das ist damals allgemein wahrgenommen worden. Einer der Führenden auf diesem Gebiet war Landesrat Klauser, auch Krainer junior ist darauf eingestiegen. Daraus hat sich das „Modell Steiermark“ (1980-92, Förderung des Wohnbaus durch die damalige Landesregierung; Anm.) entwickelt. Es war eigentlich die Initiative von Deutschlandsberg, die von der Landesregierung übernommen wurde. Das ist schon ein sehr wichtiges Thema für mich. Wir hatten 1977 vom Forum Stadtpark eine Ausstellung bei Androsch in Wien, im Winterpalais. Ich habe über Armut und Zukunft einen Beitrag gemacht. Wobei ich mit „Armut“ bewusste Zurücknahme oder Bescheidenheit meine. Wir müssen mit unseren Ressourcen bescheiden umgehen, das muss man für die Zukunft überlegen. Die Ideen, die wir damals formulierten, waren natürlich sehr provokant. Aber im Prinzip bestätigt sie sich bei der Entwicklung, die sie jetzt beobachten können, genau in diese Richtung. Für mich war das immer ein ganz wichtiger Grundsatz für meine Tätigkeit in der Architektur.

Kann man mit Partizipation soziale Probleme wie beispielsweise in Paris lösen?
Huth: Meine Beobachtung ist die, dass Mitbestimmung oder Beteiligung mehrere Facetten hat. In der Anfangsphase war immer von der Basisdemokratie die Rede. In Wirklichkeit war es dann so, und das ist ja auch in den Kommunen, in den Wohngemeinschaftskommunen festzustellen gewesen, dass es immer wieder zu einer Hierarchisierung gekommen ist und der Intimterror, der da entstand, eher kontraproduktiv war. Ich glaube, die Form, wie wir die Demokratie sehen, nämlich durch Wahlen zu delegieren, damit gewisse Verantwortungen dem Sinn nach durchgeführt werden - auch wenn es weh tut und die Basis vielleicht auch dagegen sein würde - eine wichtige Ausstreichfunktion ist. Ich halte nichts mehr davon, dass alle von Anfang an mitreden. Man soll schon mitreden, aber auch die Essenz daraus bilden, aus einem Wertschätzungsverhältnis heraus delegieren und dann in einer Regierung umsetzen und anpacken. Das ist ja eigentlich unser demokratisches System. Unsere viel kritisierte schwarzblaue Regierung hat diesen guten Vorsatz versucht und die Rot-Grünen in Deutschland detto.
In Paris ist es so, dass man es sich vielleicht ein bisschen zu leicht gemacht hat. Zum einen sind die Franzosen in ihren Machtverhältnissen anders strukturiert: die Hierarchische ist, aus der historischen Entwicklung heraus, stärker ausgeprägt, mit einem großen Spielraum und großer Toleranz. Zum anderen hat Frankreich natürlich als Kolonialmacht eine Hypothek zu tragen wie andere Staaten auch, die ihre Zuwanderer unterbringen müssen. Das ist in einem Schnellverfahren, ghettohaft, durchgeführt worden und widerspricht natürlich jeder Mitbestimmung und Beteiligung. Ich fürchte, das wird nicht besser werden. Es ist ein festgefahrenes System. Ich kenne die Banlieues: Dort haben sich Architekten ausgetobt, mit schaurigen Dingen! Sehr expressive Architektur, die aber schlechten und teuren Wohnungsraum geschaffen hat. Über die Sozialhilfe wurden Immigranten dort sozusagen „eingeparkt“. Wenn es keine Arbeit, keine Bildung und keine Chancen gibt, sind wir wieder bei dieser ohnmächtigen Wut, die Zukunft verbaut zu haben. Deshalb ist die Jugend auch bereit, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen und gegen die Obrigkeiten zu revoltieren. Das ist Palästina, nur kleiner.

Die schöne Seite des Architektenberufs. Siege feiern im Braun de Praun
Huth: Jeder gewonnene Wettbewerb ist eine schöne Seite. Wenn man mit den anderen Teams im Braun de Praun gesessen ist, die auch dabei waren, gelöst ist von der Arbeit und durch einen ersten Preis bestätigt wurde. Das sind schöne Momente. Oder auch, wenn ein Bauwerk sich so realisiert wiederfindet, wie es in der Grundidee angesetzt war und von der Idee bis zur Realisierung nichts verfälscht wurde. Das ist ein Ausnahmezustand. Für mich waren natürlich die 20 Jahre in Berlin, wo ich mit jungen Menschen selbst einen neuen, zweiten Bildungsweg in der Architektur vollzogen habe, sehr schöne Jahre, die bis heute erhalten sind. Jetzt, beim Wettbewerb für das Haus der Architektur, das ins Palais Thienfeld kommen soll, hat mich ein ehemaliger Assistent angerufen und gesagt: „Wir haben gewonnen!“. Jesko Fezer mit seiner Gruppe hat den 1. Preis gewonnen. Er war in den letzten fünf Jahren mein Assistent, vorher mein Tutor und davor mein Student. Das sind so schöne Momente!

Können ArchitektInnen Trends oder Entwicklungen überhaupt noch vorhersehen?
Huth: Die ersten Schritte waren immer möglich. Es war identisch mit einer Ideologie oder mit einem Bewusstsein, Schritte zu setzen, die sich in den 20er Jahren im Roten Wien oder im Wohnungsbau geäußert haben. Jetzt werden die Schritte immer größer und man glaubt, mit der Technik, mit dem Umsetzen von Bauwerken, mit der schnellen Entwicklung, die in eine ganz andere Richtung läuft, den Ansprüchen gerecht zu werden. Die Zukunft besteht nicht in der Technologie von Bauwerken - heute ist ja fast alles möglich - sondern darin, dass wir uns der gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen voll bewusst werden. Wir müssen uns auch verweigern, Dinge zu tun, die eine fragwürdige gesellschaftspolitische Entwicklung unterstützen.

Was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es an?
Huth: Ich glaube, dass wir zurückfinden müssen zur Versorgung mit notwendigen Dingen. Dazu gehören das Wohnen, die Schulbildung, Forschung, Gesundheit, und da gibt es für architektonische Qualität im Hinblick auf räumliche Gestaltung genug Spielraum. Nicht in den expressiven Selbstinszenierungen, die nur auf den Namen abstellen. Ein Beispiel: der internationale Wettbewerb Kommodhaus (1. Preis: Zaha Hadid; Anm.) ist für mich so eine Art Blindgänger. Dass in einer Stadt wie Graz, wo über 150 Architekturbüros existieren und international namhafte Leute arbeiten, ein Gebäude gebaut werden soll, das dem Kontext der Stadt widerspricht, das die Punkte wie Ökologie oder auch im Konstruktiven nicht erfüllt…

Ein „Strudelauflauf mit Fettaugen“
Ich habe also dieses Gebäude als „Strudelauflauf mit Fettaugen“ bezeichnet. Wenn da nicht die Zaha Hadid mit ihrem Namen wäre - das Projekt gibt es nämlich schon anderswo, es ist ein Aufguss… das sind Dinge, bei denen ich nicht mittun möchte, ein Event- und Baudenken, wie es auch Hirschmann ein bisschen transportiert hat. Das hat uns allerdings auch das Kunsthaus beschert, zu dem ich steh´. So etwas kann passieren in einer Stadt, aber es sollte nicht zur Spielregel für alles werden.

Was bleibt noch von dieser so genannten Grazer Schule?
Huth: Die Grazer Schule war eine Wortschöpfung von Achleitner, irgendwann in den 60er Jahren, ein Bonmot für jene, die eine Ausstellung organisiert und heute alle einen Namen haben: Gerngroß, Hafner, Missoni. Später waren Ernst Giselbrecht und ich die, die im Forum Stadtpark, die Grazer Schule als Reizwort gesucht haben: Grazer Schule ist nicht die Schule, sonder der Ort oder der Geist sich zu entwickeln. Es ist ein Vorteil in Graz, dass selbst dominierende Leute wie ein Domenig, ein Giencke, oder ein Kada keinen ausschließlichen Wirkungsgrad haben. Das macht die Grazer Schule nach wie vor aus. Nur ist sie nicht mehr so spekulativ, wie sie in den 70er und 80er Jahren war. Wenn man sich heute den Wohnungsbau anschaut - so schaurig die Mixtur am Stadtrand auch ist - oder dort umschaut, wo Einfamilienhäuser gebaut werden, werden viele Beispiele doch anerkannt und akzeptiert, die einen Anspruch an der Architektur wiederbringen.

Was wünschen Sie sich von Graz, Herr Professor Huth?
Huth: Dass Graz diese zugeordnete Eigenschaft der Verträumtheit, oder der Langsamkeit kultiviert und weiterführt.
Ich habe ja 20 Jahre lang Vergleiche machen können. Ich habe 20 Jahre in Berlin gelebt, einer aufbrechenden Großstadt, einer Metropole wie Wien. Ich hatte natürlich auch mit anderen Städten zu tun, ob das nun New York oder London oder Paris ist…
Graz hat im Grunde genommen, was das Kulturelle betrifft, die gleiche Qualität: die Nähe der Institutionen. In Berlin habe ich mindestens eine Stunde gebraucht, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Die Nähe in Graz ist schon sehr von Vorteil, man ist in 10 Minuten fast überall. In Wien ist es mit den Distanzen ähnlich wie in Berlin. Die Großstädte haben natürlich ein vielschichtigeres Angebot, als Graz. In Berlin gibt es drei Opern, aber man tendiert auch dazu, zwei zuzusperren und nur eine zu haben. Man merkt, dass diese Vielfalt auch eine fragwürdige Sache ist. Vor allem, weil man nur 24 Stunden zur Verfügung hat. Und die kann man in Graz, wenn man aktiv ist, zur vollen Blüte bringen. Ich meine, mir ist Graz immer so lieb gewesen wie Berlin. Berlin ist auch eine Ausnahme im Vergleich zu anderen Großstädten. Aber es gibt ganze Stadtteile in Berlin, in denen ich nie war. Die zum Leben notwendigen Dinge habe ich mir organisiert, sie haben auf einmal Ähnlichkeiten mit der Grazer Situation gehabt. Mein Wohnen, mein Arbeiten, die Geschäfte, die ich rund um mich hatte.. es ist zwar die Großstadt im Hinterkopf da, aber für mich hat Graz von der Dimension eine europäische Qualität, die wir in vielen Bereichen finden. Venedig oder Krakau sind sind auch Kulturschwerpunkte. Diese Mittelstädte haben heute genauso kulturelle Kraft, wie die Metropolen, die den Zentralismus oft sehr künstlich hochhalten.

BAUTEN (Auswahl):
1963-67 Pädagogische Akademie der Diözese Graz- Seckau in Graz- Eggenberg, mit G. Domenig
1966-68 Kirche und Gemeindezentrum in Oberwart, mit G. Domenig
1968-73 Forschungszentrum der Voest-Alpine in Leoben
1970-72 Restaurant Nord, München, Olympia- Gelände, mit G. Domenig
1970-72 Pavillon der Olympia-Schwimmhalle in München, mit G. Domenig
1972-92 Eschensiedlung Deutschlandsberg
1978-83 Wohnmodell Graz-Puntigam
1979-83 Wohnmodell Thal bei Graz
1975-83 Wohnanlage BIG Deutschlandsberg
1981-84 Wohnanlage MIMI Graz-Algersdorf
1979-86 Plabutschtunnel, Portalbauten
1982-91 Montanuniversität Leoben, Peter-Tunner-Gebäude
1986-91 Wohnanlage Graz-Ragnitz
1994-96 Überwachungswarte Fernwärme Wien
1995-97 Warte Donaukraft Wien-Freudenau

PREISE:
1969 Grand Prix International d’Urbanisme et d’Àrchitecture in Cannes
1975 Europäischer Stahlbaupreis für FRZ in Leoben
1983 Preis des Landes Steiermark für Architektur
1986 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark
1996 Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Deutschlandsberg

AUSSTELLUNGEN (Auswahl):
1965 Forum Stadtpark "Stadt Ragnitz", mit G. Domenig
1969 Cannes "Stadt Ragnitz", mit G. Domenig
1979 Museum of Modern Art, New York, FRZ
1986 Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main "Vision der Moderne"
1987 Kunsthalle Berlin "Berlin- Denkmal oder Denkmodell"
1994 Centre George Pompidou, Paris "Stadt Ragnitz" (Modell), mit G. Domenig
2000 HDA Graz "Prof. Arch. DI Eilfried Huth - Reflexionen über Fragmente meines Tuns

Verfasser / in:

Maria Nievoll

Datum:

Thu 01/12/2005

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Infobox

Eilfried Huth, wichtiger Vertreter der so genannten Grazer Schule und Begründer der Partizipation im Wohnbau, feierte am 01.12.2005 seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass führte Maria Nievoll mit dem Grazer Architekten ein Gespräch.

Eilfried Huth wurde am 1.12.1930 auf der Insel Java geboren. Er studierte von 1950-56 an der Technischen Universität in Graz Architektur. Seine  freischaffende Tätigkeit begann er 1960. Von 1963 bis 1975 führte Huth mit Günter Domenig ein gemeinsames Büro in Graz und München. Huth war bis Februar 2005 Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Hochschule der Künste in Berlin.

Mit dem Projekt Neue Wohnform Ragnitz gewannen Eilfried Huth und Günther Domenig nicht nur den Grand Prix d’Urbanisme et d’Architecture 1969 in Cannes, sondern legten damit auch den Grundstein zu ihrer nationalen und internationalen Karriere.

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