_Rubrik: 

Kommentar
Graz-Reininghaus: Der Zug fährt ab

Einmal mehr wurde betont, dass als weitere Planungsgrundlage zur Grundstücksaufschließung der vom Gemeinderat beschlossene Rahmenplan (Architektengemeinschaft Pucher/Bramberger, 2010) dienen wird – trotz massiver Kritik aus Fachkreisen. Denn allein die gesetzlichen städtebaulichen Instrumente (Stadtentwicklungskonzept, räumliches Leitbild, Flächenwidmungsplan und Bebauungsplan) zu bedienen, reicht nicht aus, um ein hochwertiges Stadtquartier zu entwickeln, das die vielschichtigen Anforderungen erfüllt. Vielmehr sollten den fertigen Plänen wie z. B. Bebauungsplänen, die vordergründig der Rechtssicherheit der Eigentümer und Investoren dienen, öffentliche Diskussionen vorausgehen. So könnten die Pläne selbst im weiteren Verlauf als Diskussionsstoff und nicht als etwas Fertiges kommuniziert werden.

Stadtplanung im 21. Jahrhundert heißt vor allem auch die Einbeziehung von BürgerInnen, im Idealfall durch Öffnung der Flächen zu selbstorganisierten Zwischennutzungen – wie z.B. derzeit am Flugfeld Tempelhof Berlin. Die so entstehenden vielfältigen Projekte sind Wegbereiter und Teil einer zukünftigen Entwicklung. Auf diese Weise können Bedürfnisse abgefragt und ein breit getragenes Leitbild und Visionen entwickelt werden. Die Installierung einer eigenen weisungsfreien Arbeitsgruppe bzw. eines eigenen Fachbeirats für Reininghaus – nach Vorbild des Wiener Kabelwerkes oder der Seestadt Aspern – ist für die Absicherung der zu definierenden Qualitätskriterien unabdingbar. Im Leitbild sollten anspruchsvolle Architektur, soziale Nachhaltigkeit, Freiraumgestaltung, Bürgerbeteiligung etc. an vorderster Stelle stehen. Allein die Moderation und Lenkung durch einen Beirat könnte die Umsetzung der definierten Ziele und Wettbewerbsprojekte garantieren.

Für Visionen oder eine Kehrtwende in Richtung eines zukunftsweisenden, öffentlichen und partizipativen Wegs der städtebaulichen Planung ist es wahrscheinlich schon zu spät. Der sogenannte „Plan B“ ist ein voreiliger Start-up für den Ausverkauf, für die Verwertung und Zerstückelung der Flächen.

Ob das Stadtplanungsamt nach den letzten Turbulenzen im Amt (Kündigung des Stadtplanungsleiters Heinz Schöttli, GAT berichtete) und nun mit der Neubesetzung der Stadtplanungsleitung durch Bernhard Inninger den Aufgaben gewachsen ist, bleibt abzuwarten. Die Erstellung eines flächendeckenden Bebauungsplans auf Basis des Rahmenplans für das gesamte Betrachtungsgebiet Reininghaus (100 ha) und nicht nur für das umgewidmete Bauland mit zeitlicher Baubeginnstaffelung der Bauabschnitte  sollte auf jeden Fall der nächste Schritt sein.

Verfasser / in:

Petra Kickenweitz

Datum:

Wed 07/11/2012

Artikelempfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Kontakt:

Kommentar antworten